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wort:ware:n im schaufenster

berlin-mitte: tummelplatz der touristen, shoppingfatalisten, markenfetischisten. wohnort der schön reichen und reichen schönen. mittendrin baustellen, trams, autos. lärmlast für anwohner und agenturen. zentrale lage rechtfertigt überteuerte mieten. prestigewohnen fordert einen tribut. tags:über:laufen, laut. nachts: grell-erleuchtet (was nicht das nächtliche tragen von auffällig übergroßen sonnenbrillen begründet) – und nicht weniger frequentiert.

wohlgefällig drapierte modepüppis in den schaufenstern, vorgeblich berlintypischer souvenirkitsch, kunst aller couleur. jungdesigner präsentieren überflüssig-unbequemes mobiliar für stylische innenraumgestaltung. im kopf: style-geil, aggro, knorke, dufte, berliner luft schnuppernd. wirkt alles so inszeniert, konzeptionell – mit einem wort unpraktisch.

draußen vor der tür: schaulaufen, laufsteg, halsbrecherisches stöckeln, umrunden von in der nähe der eingänge und auf bänke gedrückten menschen. rauchend, plaudernd, telefonierend, musikhörend, scheingeschäftig. eigener voyeurismus widersteht den augenmagneten nicht. bleibt im fenster eines cafés an einem unscheinbaren zettelchen kleben.

bitte leise rauchen

bitte leise rauchen!

bitte… was??? moooment mal! das ist doch sprachkrank. was für die zwiebelfischchen von, ähm, sigue sigue sputnik? ach nee, sick, bastian

laut rauchen? ist oraler menschlicher luftausstoß laut? also – für gewöhnlich nicht. schlimmstenfalls ist das ein- und ausatmen von nikotin und giftstoffen tödlich und raucherhusten mag bellend klingen, nicht aber das rauchen an sich. freilich versteht diese aufforderung trotzdem jeder. leises rauchen stammt wohl aus der feder eines gestreßten barbetreibers, dem nachbarn wegen lärm- und geruchsemissionen mit anzeigen drohen. akuter handlungsbedarf. keine zeit, lange am richtigen ausdruck zu formulieren. rasantes lebenstempo, rasante geschwindigkeiten, elektronisch-telemediale erfindungen, denkverkürzungen, sprachverknappungen.

bin weder schimmelreiter, noch amtsschimmel, sondern sprachpedant. mag der leser einwenden: welchen schaden kann die fehlende präposition schon anrichten? antwort – keinen. ohne sie geht jedoch der sinn für die verhältnisse (untereinander, zueinander, miteinander, gegeneinander) verloren. und: nein, früher war nicht alles besser oder schlechter. und: nein, auch nicht nörgeln um des kritisierens willen. bleibt nur die frage, warum so viele menschen zu viel reden, zu viel versprechen und dadurch zu hohe erwartungshaltungen und mißverständnisse provozieren? bedenkenlosigkeit? nachlässigkeit? oberflächlichkeit? kurzsichtigkeit?

bullshit! denkmaschine stoppen! error! der leser hat einen schwerwiegenden fehler festgestellt. das system muß neu gestartet werden. es droht datenverlust…

fügen sie bitte die richtige präposition in diesen satz ein:

bitte leise … rauchen!

a)    zum

b)    wegen

c)    beim

d)    jenseits

gewinn: kein materieller, nur sprachfertigkeit.

sie haben noch fünf zeichen übrig!?

dann könnten sie doch den satzbau auch noch mit einem hilfsverb perfektionieren…

a) haben

b) sein

c) können

d) wollen

nun müssen sie nur noch die richtige reihenfolge im satzbau festlegen. ich verrate nichts…

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