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industrielle tristesse

bei unserem ausflug in die randbezirke habe ich zahlreiche verrottende zeugnisse der einstigen leipziger industrie fotografiert, u.a. diese stählernen reste einer fabrikhalle in lindenau. obwohl ich weiß, daß ich die zeit nicht anhalten kann, atmete ich dort einen hauch von stillstand, von leere und vor allem vom ende. manche, die dort gearbeitet haben, werden wohl nach der firmenabwicklung nie wieder in ein festes arbeitsverhältnis gefunden haben. hier aber konnte ich fühlen, wie das im inneren nagt, zerfrißt und zerreibt. das wehmütige quietschen der rostigen fabriklampen im wind klang wie ein requiem in mir. und ich kann das, was ich dabei fühl(t)e, gar nicht anders als in schwarz-weiß abbilden. wie lange wird es wohl noch dauern, bis diese gebäude alle zurückgebaut sind? und was wird dann dort sein? wohnparks? wiese? oder genfelder? manchmal sieht die zukunft ziemlich düster aus…

passend zu meiner stimmung höre ich gerade den themesong von clint mansell für den film requiem for a dream.

wie geschmiert

auf dem medialen rummelplatz geriet das kettenkarussell mit den darauf jauchzenden moderatoren um ihre nebenverdienste geringfügig ins schlingern. es folgte eine biß- und stichlose diskussion um transparenz und offenlegung der einkünfte. einen randplatz nahm dabei allerdings die bedeutung des auftraggebers ein.  dabei finde ich die nebenbeimäuse weniger skandalumwittert, als die wahrung der viel gepriesenen und unglaubwürdig beteuerten unabhängigkeit. in der gleichen zapp-sendung wurden die sauer verdienten schrippen der journaillen dann noch mit reichlich rabattnutella beschmiert. das wurde dann völlig aus der öffentlichen und journalisten-wahrnehmung ausgeblendet. lieber sah man die bekannten damen und herren von ard und zdf ins stolpern geraten, als prinzipienlos und erziehungsdefizitär in der eigenen nase zu bohren. schließlich wartet man nicht permanent mit dem auto an einer roten ampel und glaubt sich dennoch unbeobachtet und zugleich souverän.

während in dem bericht ein abfälliges wort unerwähnt blieb, was den kern der sache trifft – bestechung. korrupt sind für 74 prozent nämlich immer nur die politiker oder die  wirtschaftsunternehmen, polizeibeamte und juristen. wundern wir uns  also nicht über die surrenden tastaturen, schmachtenden  hörfunkfeatures und geleckten filmrollen, die uns herrlichste reiseimpressionen liefern. sonne, samthaut, weichgespülte wellen, hotelzimmer mit traumhaftem blick. ganze 2000 des mediendunstfelds haben im vergangenen jahr in extrem preisreduzierten maritimen zimmern geurlaubt. was danach in ihrer wohlwollenden wortwahl haust, nennen wir es doch der versuchung erlegen und hausiererisch. schönschreibübungen mit fürstlichem spargefühl. ein glaubwürdiger journalist, hieß es früher mal, arbeitet auch in der freizeit. er sei stets auf der suche nach neuen themen und beflügelung der kreativität. was würde besser dazu passen als kulturerlebnisse, die ohne freien eintritt eher mit einem dvd-abend totgeschlagen worden wären. ein presseexemplar? schicken sie dann einfach die rezension. so läßt sich ein lebensstil mitfinanzieren, der dem repräsentativen habitus zur ehre gereicht. geben, nehmen, prassen, verklären, schwärmen. krise des kritischen journalismus. statt wespentaille ein wohlstandswanst. der paßt als zeitungsrolle einfach nicht mehr durch meinen briefkastenschlitz.

wahlk:r:ampf

veb_fdp_leipzig

???

haben wir gerade 1989 oder 2009? habe ich aus versehen wieder den zeitmaschinenknopf gedreht und bin 20 jahre in die vergangenheit gebeamt worden? hilft augenreiben gegen optische trugbilder? nööö!

welcher ewig gestrige hat sich denn bloß diese antiquierte wahlkampagne einfallen lassen? vielleicht hat die leipziger fdp die letzten 20 jahre, die privatisierung von 8000 kombinaten und VEB verschlafen? gar nicht mitbekommen, daß es eine treuhandanstalt gegeben hat, die 1994 aufgelöst wurde und deren aufgaben an folgegesellschaften übergegangen sind? naja, wenn der werte leser sich gerne selbst von der aktualität des fdp-wahlkrampfes 2009 in leipzig überzeugen möchte, kann er das hier. ich sage nur, brandheiße neuigkeiten vom 31. märz 2009… welches datum ist eigentlich heute?

soviel geschichtsverzerrung habe ich selten gesehen. noch dazu an jeder magistrale. wer unbedingt auf dumme und vergeßliche wähler setzt, sollte wirklich mit ignoranz auf dem wahlzettel bei der stadtratswahl bestraft werden. ich will keine ddr-nostalgiker in schutz nehmen, aber diese geschichtslüge ist so offensichtlich, daß ich am liebsten mit leiter und müllsäcken losziehen würde.

jajaja, ich benutze auch immer noch unreformierte rechtschreibung, könnte gegen mich argumentiert werden. das hat aber etwas mit persönlicher ß-vorliebe zu tun. nichts mit veränderungsunwillen. ich beherrsche beide varianten ganz passabel, und die temporären subformen klemmen in irgendeiner hirnwindung fest. mit nachdenken ließe sich da gewiß etwas hervorkitzeln.

außerdem fühle ich mich alleine wegen meines blog-namens (VEB wortfeile = verlegenheitsedition babel) autorisiert, gegen solche verunglimpfung der gegenwart  und gegen die verdrängung der parteivergangenheit vorzugehen.  schließlich hat die fdp 1990 mit den blockflöten ndpd und ldpd paktiert und gemeinsam orchestriert. feiner zwirn und drunter schmutzige westen.

herzlich willkommen im gedankenzoo bei elefant, tiger, fdp & co. streicheln verboten. vorsicht, lama spuckt! bitte nicht füttern! da wäre die forderung ‚primaten in die politi:c:k!‘ eine beleidigung für unsere ahnen.