Schlagwort-Archive: winter

sprachlawinengefahr

ob man hier wohl die lawinengefahr aus der position des unbeteiligten betrachters von lachsalve ableitet? allemal katastrophal. den strick hat sich das schild auch schon genommen. glücklicherweise naht der lenz und damit die schere. fürwahr flutschen wir derweil vorsichtig vorbei, wo weißes vorher war. am orthographischen schlamassel und über untergründigen schlamm. nun will ich mal diesen hausmeisterservice nicht weiter auf die schippe nehmen, schließlich war der gehweg auch noch schön vereist. so viele schattenseiten kann ein winter hervorbringen.

wetterschalter

tja, also ich habe die wetterschaltanlage zwar gefunden, aber leider haben die vorbesitzer der ehemaligen konservenfabrik veb feinkost leipzig die bedienungsanleitung nicht zurückgelassen. das sieht mir ein bißchen wie diese schier unlösbaren rätsel in einem adventuregame aus. knöpfchendrehen, rauchender kopf und nix passiert. das nächste level bleibt dir verwehrt, weil es weder im kopf noch im getriebe klick macht. und bis ich die richtige schalterposition gefunden habe, herrscht vermutlich sowieso schon wieder sommer in der nördlichen hemisphäre. so langsam finde ich das eigentlich ziemlich schade.

schneeskulpturen

was des 1-euro-jobbers leid (wie man in carls weblog nachlesen kann) ist des anderen freud. die einen knuffen unter schwersten bedingungen für geringsten lohn schneeberge beiseite, während der/die künstler aus schneekristallen zauberhafte schneeskulpturen erschaffen. allerdings wird davon niemand satt, allenfalls matt. die winterliche augenkost kann man vor dem grassimuseum in leipzig bewundern. die skulptur in pyramiden-ähnlicher form schneidet aus jeder blickrichtung eine andere fratze. und von jeder seite aus hat man durch die augenhöhlen blick auf das dahinter liegende.

update (16.01.2010): als ich das fotografiert habe, war es noch im werden. erst am freitag hat der kanadische konzeptkünstler steven van vugt seine schneeskulptur am abend vor dem grassimuseum bei kerzenschein präsentiert. das wärmende kaminfeuer muß man sich wohl immer noch dazu denken.

winterhärte

völlig in bewunderung versunken über die malerisch mit schnee weich- und weißgezeichnete stadtlandschaft, stapfte ich heute wieder durch die straßen und über parkwege. dank robusten schuhwerks verlief das promenieren sogar halbwegs ohne peinliche zwischenfälle. ich traf auch ein paar dieser ewigen laufstegschönheiten, deren absätzliches staksen weit weniger anmutig als beim eistanz aussah, um ein nicht weit entlegenes bild zu bemühen: etwa so, als würde sich sachsens ehemalige eisprinzessin kati witt (sprich gohdi wüdd) in hochdeutsch versuchen. in begleitung schlitterten die  beinverlängerten, hoch gestiefelten katzen quietschend und mehr gestützt als selbstläuferisch über die glatten boulevards. im alleingang wirkte das gestelze vielmehr wie der hilflose lockruf  nach einer starken maskulinen schulter (im weiteren verlauf der geschichte inklusive klapperstorch). ok, wer rechnet schon bei schneefall mit glätte? besteht da etwa irgendein logischer zusammenhang? bis zum siegesanwärterischen auftritt in der rtl-eistanz-show müssen die sterbenden schwanenweibchen im freien fall (au po/backe!) wohl noch ein bißchen üben.

warum ich oft das sehe, was ich lieber nicht sehen sollte, kann ich nicht wissenschaftlich korrekt darlegen. meinen eigenen wahrnehmungstunnel  bildete der seitlich stark begrenzte blick aus einer tief ins gesicht gezogenen kapuze, da der schneeflockenwirbel wild vor weißfrost vor meinen augen tänzelte. vielleicht war es die ahnung einer klirrenden todesstarre, die meinen blick plötzlich gen himmel lenkte, jedenfalls kein stoßgebet und gerade noch rechtzeitig bevor mich der dolchähnliche eiszapfen treffen konnte. leicht zitternd (vor kälte, was sonst?!) und erschrocken betrachtete ich die eissplitter auf dem trottoir. da ich im schätzen von entfernungen auch nicht gerade pfadfinderleistungen vollführe, kann ich nur mutmaßen, daß ein ca. 40 cm langes exemplar aus etwa acht metern höhe von der straßenlaterne direkt neben mir aufschlug. auf dem heimweg sah ich noch mehr solch „natürlicher“ stichwaffen, die in der großstadt nur beinahe ohne menschliches zutun entstehen. der schnee muß nachts auf den leuchtenden laternen getaut und die wassertropfen noch vor dem fall wieder gefroren sein. die stadtwerke leipzig hätten sicherlich keinerlei haftung für meinen möglichen dachschaden übernommen, wo doch die strompreise für die grundversorgung gerade mal wieder wegen der wirtschaftlichkeit (sprich umsatzgewinne) gestiegen sind.

außerdem hätte ich es auch nach der unfreiwilligen selbstauslöschung nicht mehr witzig finden können, gleich am zweiten tag des neuen jahres auf die liste für die darwin awards 2010 gesetzt zu werden. genug jetzt mit den eventualitäten, denn das war offensichtlich noch nicht des ende meines drehbuchs namens leben. allerdings werde ich als winterharte großstadtpflanze schon aus trotz nicht zur trägerin belämmert aussehender schutzhelme. lieber sterbe ich wie ödön von horváth, der bei einem gewitter in paris von einem herabfallenden ast erschlagen wurde, plötzlich und ohne es vorherzusehen. oder plant etwa jemand ein mordkomplott mit einem eispickel, weil ich nicht immer denke, was ich denken soll? sei’s drum, dann werde ich eben trotzkist.

winterlich verhülltes

der eine von den 101 dalmatinern trägt zum winterlichen tarnpelz (modethema schneefell mit streusplitt) eine orangefarbene leuchtweste. auffallend und wärmend bei minus 15 grad celsius. pongo mit poncho, oder so…

eisiges ohrenglühen vermeidet der menschliche löffler mit fellmützen sowie kunstpelzmantel und innerliche auskühlung mit glühwein.

statt schwimmen bis zur sandbank, rennen bis zur schneebank. extra für die touristen in weimar wurden diese beiden schmutzigen bänke auf dem jakobskirchhof in sauberes weiß gehüllt. leider hat die winterfarbe nicht ganz gereicht, um die dreckbeine gänzlich zu kaschieren.

nächtliches schneeglitzern und nahezu infernalisches elektroleuchten im hintergrund.

outdoor-kleidung: herr oder frau frostbeule?

die werber der bagel brüder balzen grotesk und umweltsündig um die gunst der raucher: gemütlich bei minusgraden im strandkorb herumlungern, am heizpilz klamme finger grillen und heiße bagels vertilgen. das bild erinnert an angela merkels grönlandreise, wo sie in roter outdoor-jacke vor gletschern posierte und medienwirksam neben atemhauch vor allem heiße luft produzierte.

draußen hat wieder jemand die tür von der gefriertruhe offen gelassen. und mir ist so kkkkkkalt, daß die zähne aufeinander klappern und die popel in der nase gefrieren. meine schlankheit bringt mir bei frost eigentlich nur nachteile ein, und auch sonst fühle ich mich permanent essensaufnötigungen ausgesetzt, da kann der wanst noch so vollgefressen sein, für die dickeren unter uns war das nie genug. die allgemeinheit sitzt immer wieder dem klischee auf, daß menschen mit modelmaßen zwangsläufig unter eßstörungen leiden. noch nie habe ich auf einem in cola getränkten wattebausch genagt, wie das in diversen anorektischen foren propagiert wird, um die knochen noch sichtbarer zu machen.  im gegenteil, wer mal ernsthaft versucht zuzunehmen, wird beinahe aussschließlich mit sahne, fett, schokolade, fastfood und anderen widerlichen dickmachern drangsaliert, was unweigerlich zu einem cholesterinkoller führen muß. bis heute habe ich da noch keine wirklich wirkungsvollen ernährungstips entdeckt, die auch irgendwie gesund sind. wohingegen gefühlt eine million verschiedene diäten angepriesen werden, wovon mindestens die hälfte ebenso krank macht. der markt der problemzonen und ihrer vermeintlichen korrektur ist schier unerschöpflich und so dehnbar wie manche magenwände. als kind war ich mal zur freßkur. in vier wochen habe ich ein halbes kilo zugenommen… sagenhaft und absoluter hüftgold-negativrekord, obwohl ich alles aufgegessen und drinbehalten habe! ich mußte akzeptieren, daß mein körper ein faß ohne boden ist, eine durchdrehende energieschleuder, die nicht zu fettschichten neigt. womit sich der kreislauf zum bibbern wieder schließt, denn bekanntlich schützt vor allem ausgeprägtes unterhautfettgewebe vor schneller auskühlung.

seit jahren praktiziere ich deswegen winter für winter das zwiebelschichtenprinzip. einpellen und auspellen dauert eine ewigkeit. schnell sieht man dann selbst mal aus wie eine schneewalze. aber ich will ja raus, im knirschenden schnee stapfen – nur eben nicht selbst zum eiszapfen erstarren. für die hersteller von hochpreisiger outdoor-kleidung bin ich also das beinah perfekte opfer, nur plane ich eben in der kleidung keine abenteuerreisen  in extreme klimatische zonen, sondern würde eine mitteleuropäisch-großstadttaugliche variante bevorzugen, in der ich mir nicht wie ein yeti vorkomme oder wie frachtgut aussehe. diese wünsche erfüllen nur die wenigsten hersteller. man betrete einen beliebigen outdoor-laden und suche mal nach warmer, weiblich wirkender kleidung. man kann meistens nur zwischen tailliert und viel zu dünn (sprich für mich ungeeignet) oder geschlechtslos und dafür warm wählen (gibt es das auch in weniger häßlich?). meistens sehen pärchen in funktionskleidung auch aus, als wären sie einem katalog für partnerlook entsprungen. ich habe schon einiges getestet: daunenmantel von nordgesicht – das teil ist mitnichten winddicht und wärmend. an den ärmeln fehlen bündchen, am hals rutscht der schal über den viel zu niedrigen kragen. die durchaus akzeptablen öko-daunenmäntel von patagonia sind immer bereits ausverkauft, wenn ich mal an winter denke, sehen aber zumindest etwas femininer aus. die wolfsfelle fallen aus moralischen gründen aus dem raster, weil ich abmahnenden markentatzlern lieber die augen auskratzen würde, als mich in derartiger kleidung einzumummeln.

als das thermometer dann im februar auf minus 25 grad abzurutschen drohte, habe ich mich frostbeulig und ohne zu zögern für eine virile parka-variante des schwedischen polarfuchses (nur eine übersetzung des markennamens, kein echter pelz!) entschieden. ich sehe darin aus, wie ein strichmännchen mit übergestülpter litfaßsäule. was soll’s! es heißt ja auch funktionskleidung, aber warum muß die form immer eine so  maskuline sein? mit den entsprechenden logos auf der unmodischen winterjacke kann man sich eigentlich gleich auch noch ein schild umhängen, auf dem steht: ich bin out(door), aber  dafür ist mir warm. naja, jedenfalls bin ich thermotechnisch für das schneegstöber da draußen vor der tür mit einem kleiderofen ausgestattet. noch ein bissiger kommentar über meine unisexyness, und ich verschwinde unter meiner kapuze mit kunstpelzkragen. ihr lästermäuler, friert mal hübsch weiter…