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klassische zungenbrecher

kreide-graffito an einem haus in der gerberstraße in weimar

oft ein zermürbendes zerwürfnis zwischen zunge und zähnen: zischlaute zischen. oder wie wärs beim nächsten shopping mit einem tschechischen gucci-täschchen? auf der suche nach weiteren zungenbrechern bin ich dann noch auf dieses video aus japan gestoßen. bisher dachte ich immer, daß man sich vorwiegend in deutschen fernsehshows zum affen macht und für die eintagsfliegenprominenz billigend schadenfreude in kauf nimmt. in der japanischen variante gibts für fehler aber eins auf die nüsse. und damit ist keine kopfnuß gemeint. obwohl – so groß sind die kulturellen unterschiede gar nicht, wenn ich an die videos aus pleiten, pech und pannen zurückdenke, die ich auch selten komisch fand, vor allem dann nicht, wenn andere menschen wirklich schmerzhafte erfahrungen sammeln.

da lobe ich mir doch einen klassiker der deutschen fernsehgeschichte von loriot und evelyn hamann: die inhaltsangabe, in der sich hamann vergebens um trennung deutscher und englischer aussprache bemüht und gegen ende reif für die behandlung ihres lispelns in der sprachheilschule ist.

mono:log und dia:log

manche mögen wortspiele ja gar nicht und pochen auf sprachlichen purismus. ich kann mich dafür begeistern, manchmal darin verlieren, um die ecke zu denken, auch auf die gefahr hin, daß man mir nicht folgen kann oder mich am liebsten  um die ecke bringen würde. und natürlich kann ich diese teilweise dadaistisch anmutenden beispiele von studentden der bauhaus-universität weimar nur schwerlich zurückhalten. okay, hinz + kunst ist ein wenig abgelutscht. darunter steht etwas kleiner: ich bin nur ein gedanke, aber einer der sich gewaschen hat. eigentlich schade, daß die kopfspülung zur selbstreinigung noch nicht erfunden wure, wobei man den wunsch nicht als bewußtseinsbeeinflussung im stil von gehirnwäsche mißverstehen sollte.

unter der sichtwaise hat sich ein genitivproblem eingeschlichen, ansonsten versprüht der spruch pflanzen haben kein(en) arsch in der hose. und heulen können sie auch nicht. eine köstliche sinnfreiheit. nach der denglischen brainweite wird uns die frage gestellt: was ist platonische liebe? wenn der bürohengst die zimmerlinde nur durch die rosarote gießkanne sieht. wer bis hierhin mitgespielt hat, darf dann diese erkenntnis über die lüge lesen: mono log. dia log. und zu dritt lügt es sich noch besser. warum müssen sich die trüffel immer so weit unten verbergen? damit man einen schweinisch guten riecher entwickelt?

vielleicht sollte ich der vollständigkeit halber noch erwähnen, daß mit dieser verhüllungskunstaktion gegen den leerstand eines wohn- und geschäftshauses in der schillerstraße / ecke hummelstraße protestiert wird.

winterlich verhülltes

der eine von den 101 dalmatinern trägt zum winterlichen tarnpelz (modethema schneefell mit streusplitt) eine orangefarbene leuchtweste. auffallend und wärmend bei minus 15 grad celsius. pongo mit poncho, oder so…

eisiges ohrenglühen vermeidet der menschliche löffler mit fellmützen sowie kunstpelzmantel und innerliche auskühlung mit glühwein.

statt schwimmen bis zur sandbank, rennen bis zur schneebank. extra für die touristen in weimar wurden diese beiden schmutzigen bänke auf dem jakobskirchhof in sauberes weiß gehüllt. leider hat die winterfarbe nicht ganz gereicht, um die dreckbeine gänzlich zu kaschieren.

nächtliches schneeglitzern und nahezu infernalisches elektroleuchten im hintergrund.

banausenbahnhof

kulturbahnhofverdutzt rieb ich meine augen, als ich aus dem ice-fenster auf dieses schild gaffte. ich bin lange nicht mehr bahn gefahren, sonst hätte ich wohl eher mal aufgemuckt. da liegen meine heimat und provinzielle kulturtouristische attraktionen, die man in ein bis zwei tagen ablaufen kann. goethe, die geheiligte schriftstellerleiche, und sein artgenosse schiller (wo ist nur sein schädel?) sowie eine sechsjährige bauhausepisode unter gropius reichten aus (jajaja – eine liste von weimarer persönlichkeiten findet man hier, nicht zu vergessen die derzeit dort lebenden wichtigen), um den titel kulturhauptstadt europas für das jahr 1999 einzuheimsen. das sollte zehn jahre lang keiner anderen deutschen stadt außer essen gelingen. auf den ruhmeszug sprang die deutsche bahn offenbar liebend gern auf. aber: dieser zug endet hier für kulturtrittbrettfahrer.

sicher, für ein kaff dieser größe (fast 65.000 einwohner) ist eine ganze menge los. das kann in den lokalblättchen schon mal eine spalte füllen (am wochenende auch mal zwei). wie vermisse ich die angebotsfülle von zitty und tip aus berlin, wenn ich auf das trostlose schild blicke. wer sich die ureinwohner und zugezogenen stolzen aus der dichter- und denkerstadt zum feinde wünscht, tituliert sie gern als weimaraner. die sehen bei william wegman dann schon mal so kreakultürlich inszeniert aus.

Wegman_Basic_shapes_Color

(c) art knowledge news

die ortsansässige verwandtschaft berichtet hinter vorgehaltener hand vom schildbürgerstreich, der da ab 20 uhr von reisenden die benutzung des bahnhofshinterausgangs erzwingt. aus sicherheitsgründen und außer sichtweite von banausen tappt der mit koffern bewappnete über  unzählige treppen einen schier nicht enden wollenden umweg. ach hätt‘ ich doch die hälfte des kofferinhalts zu hause gelassen, grummelt der ermüdete geist des  geschwind schwächelnden menschlichen kofferkulis. nachdem nun der per lautsprecher herzlich willkommene buckelnde am verschlossenen haupteingang vorbeischlurft, da dies nun mal sein weg ist, müßte man ihn pflichtbewußt an dieser stelle mit einer augenbinde versehen, wollte man das durch und durch kultiviert kalkulierte spiel auf die spitze treiben. denn ja, räusper, tuschel, wisper, heimlichtu, da wuchert alkoholisiertes volk wie unkraut zwischen den in feinste quadratformen beschnittenen hecken. das soll die welt nicht sehen, denn was soll die welt sonst von weimar denken? etwa sprittis gibt es überall? mindestens so fataaaaal wie bei kalkofes mattscheibe. liebe weimarer! wo es kultur gibt, rinnt meistens auch alkohol. und nicht zu knapp.  eure nüchternheit verliert ihr am hellerlichten tag nur beim vernissage- und finissage-hopping in gepflegtem ambiente. aber auch der ein oder andere unter euch landet auf dem heimweg blau wie eine haubitze im gebüsch. ob bossanzug oder kleiderkammerjeans, die teile sind hinterher hinüber. immer schön haltung, werte und fassade wahren. hicks! ach mist, jetzt hat mich ein geräusch verraten.