Schlagwort-Archive: weihnachten

weihnachtsspaziergang

es muß nicht immer der weihnachtsmann sein, dem man am heiligen nachmittag auf dem weg zu erwartungsvollen kindern begegnet. eine weile beäugten das eichhörnchen und ich uns gegenseitig, dann machte sich das rot-weiße puscheltier hektisch daran, eicheln zu knuspern, bis es schließlich hinter einem zaun verschwand. hier zeigt es sich von der zutraulichen und fotogenen seite. posierlich-cool stützt es eine pfote an den strauch und tut so, als könne man es im laub-schnee-schutz gar nicht erkennen. dummerweise hatten wir gleichzeitig die idee, unsere winterruhe zu unterbrechen und den warmen kobel aus unterschiedlichen gründen zu verlassen.

unterwegs begegnete ich vereinzelt fußvertretern, verbündeten der heimlichkeit (also großeltern mit kindern) und die antispeckschwartenfraktion trippelte gelegentlich an mir vorbei. der stetige fluß, er ist ins stocken geraten, leiser, verhaltener, gluckernd statt rülpsend. gegen das kassengetöse der vorangegangenen tage wirkt das unglaublich erholsam. und während heute abend wahrscheinlich fast alle die schöne bescherung haben und eilig auspacken, was in manchmal kunstvoller weise eingepackt wurde, werde ich mich dem ganzen brimborium entziehen.

und dann kam ich auf den hund. erstarrt blickte er in die klickende kamera, ich versuchte ihn im anblick blendender sonne nicht aus den augen zu verlieren, bis seine besitzerin ihn rief. schließlich kam er mit nassem fell näher und wedelte mit seiner rute um mich herum. ich fächelte milde ein paar beruhigende worte zurück, denn ein analoges ausdruckssystem fehlt mir. irgendwie wurden wir beide domestiziert, kennen zorn und zähmung, und uns beiden ist weihnachten relativ schnuppe. aber allen denen, die den ganzen geschenketausch (und alles was sonst noch nach dem brauchtum dazu gehört) oder einfach die familiäre geselligkeit mögen, wünsche ich frohe weihnachten. ich zelebriere derweil die stille, denn das ist zwar für manchen unerträglich wenig und bedeutet mir doch so viel.

shoefiti goes christmas

gelegentlich erblickt man ganze vogelversammlungen in bäumen. vorzugsweise krähen bevölkern die laublosen baumkronen und lassen diese ziemlich belebt aussehen. in diesem fall hängen hier am wilhelm-leuschner-platz in leipzig aber mal wieder massenweise schuhe ab (vgl. mein beitrag über shoefiti tod auf latschen). lüften dürfte nicht die intention des initiators sein, sondern wohl eher eine persiflage auf festlich dekorierte weihnachtsbäume. wer also noch preiswerte und ungewöhnliche alternativen für die tannenpracht sucht, krame einfach in der abstellkammer, im keller oder auf dem dachboden nach ausrangiertem…

voreilige jahresendzuckungen

nix für suppenkasper: die löffelfamilie auf dem feinkostgelände in leipzig.

seufz, hach, herrje, leute – wie die zeit vergeht. jahresspät. und diese langen, besinnlich-besinnungslosen nächte. lese ich doch vorgestern in einer beruflich an mich gerichteten mail diese zeile: einstweilen wünsche ich ihnen eine gute vorweihnachtliche zeit. sackartig rutscht meine stimmung in den kohlenkeller. auch mein zettelguru hat mich am donnerstag an der tür so ähnlich verabschiedet, nachdem er mir die bittermandelsumme der fälligen steuernachzahlung vorgekaut hatte und als gegenmittel eine tafel schokolade in die hand drückte (*fröstel*). auf der verpackung heißt es süßlich-vollmundig: weihnachtszeitverkürzer – für alle, die es kaum erwarten können; nur ist nichts davon zu lesen, wie der süßkram ganzjährig mastgänse aus uns macht. die drohende, fettleibige weihnachtszeit bildet dabei nur den  gipfel der ausreden. sahniger schmelz, der den rest hirnschmalz zerrinnen läßt, um sich dann mit übellaunigen vorsätzen in den topfboden des schlechten gewissens einzubrennen. es war  doch erst der 19. november. da muß man doch noch nicht in jahresendzeitliche zuckungen verfallen! können die leute sich nicht wenigstens bis zum 1. advent gedulden, um ihre verwünschungen in die welt zu posaunen? das muß echt anstrengend sein, so weit in der zukunft zu leben. spekulatius knuspernd in knirschenden spekulationen schwelgen, hmpf. bloß, wo bleibt da der erfahrungsraum für die gegenwart?

apropos abwesenheit: neuigkeiten werden in den medien in den nächsten wochen nur noch bedingt auftauchen. denn auch bei der abteilung informationshatz läuft die vorratsproduktion  von unbekömmlichen, ranzigen archivzusammenschnittchen auf hochtouren. spinnenverwebte redakteure entstauben ihre ollen kamellen und werden uns die gammeligen pralinen geschmückt mit herzzerreißenden superlativen als spendengalas und finest selection in jahresrückblicken darreichen. und bis silvester heißt es auf allen kanälen: the same procedure as every year. wer hat uns eigentlich diese billig produzierte instantsuppe eingebrockt? und welcher zwerg hat klammheimlich mein traditionsbewußtsein aufgelöffelt? kein vorwurf, sondern nur die suche nach einem @ für meinen dank.

wtf... im raw-tempel berlin proben zwerge den aufstand.

Einstweilen wünsche ich Ihnen eine gute vorweihnachtliche Zeit.einst