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kleine verwechlsungen

… haben manchmal fatale folgen. kommt man mit den angaben rechts und links nicht klar, rauscht man möglicherweise durch die fahrprüfung und legt öfters mal umwege zurück. vertauscht man oben und unten, tritt man schon mal ins leere. drückt man aus versehen den falschen knopf oder die falsche tastkombination friert der rechner ein oder produziert plötzlich unverständliche zeichen, weil man auf französische tastatur umgestellt hat. beinahe jeder mensch ist bestimmt auch schon mal auf der straße verwechselt worden, aus flüchtigkeit oder aus ähnlichkeit. solche kleinen mißverständnisse klären sich ja meistens ziemlich schnell auf, ein bißchen stottern, oh, äh, sorry… und schon trennen sich die wege wieder.

dann gibt es aber noch eine form regelmäßiger verwechslungen, besser bekannt unter dem begriff beuteschema, die manchmal mit großem dramatischem abgang enden und meist länger währen als unbedingt nötig. dein freund stellt dir also DIE neue vor und du schaust sie an und denkst, eigentlich alles wie immer. modeltyp, große augen, schlank und unnahbar. redet nicht viel, warum nur? danach stellt er die obligatorische frage: und, wie findest du sie? ähm, kann ich nicht viel dazu sagen, sie schweigt ja meistens. dich beschleicht das gefühl, sie wird nicht die EINE und nicht die letzte sein.

drei monate später muß dein freund plötzlich nicht mehr schnell zu ihr. er muß reden. laaange. weil ihm ein ebenbürtiger gesprächspartner abgeht. aha! du hörst die glocken nicht läuten, nur eine unterschwellige unzufriedenheit mitschwingen. aber mit ihnen beiden ist alles in butter. klaaar! beim nächsten treffen wird mir die nicht mehr neue zum zweiten mal vorgeführt und ich werde mit besitzerstolz darauf hingewiesen, daß sie doch neu eingekleidet ist. hätte ich so nicht gesehen. schließlich ist für mich jedes stück aus ihrem schrank neu, ausgenommen diejenigen, die sie beim kennenlernen trug, entfuhr es mir. und zwei kinnladen klappten synchron runter. na ist doch wahr, kann er seiner freundin nicht selbst komplimente machen, warum soll ich den blöden part übernehmen? im laufe des abends trug sich noch dieser kleine dialog zwischen den turteltäubchen zu:

er: du willst dir also heute abend den neuen robin-hood-film ansehen?

sie: ja, ich mag solche sandalenfilme.

er: du meinst mantel-und-degen-filme!

sie: was ist das denn?

jetzt weiß ich auch, warum sie so wenig redet. innerlich hat er noch nicht ganz damit abgeschlossen. er verbessert sie in oberlehrermanier, sie reagiert dementsprechend verschnupft. die krachfrequenz steigt. und in meine ohren dringen demzufolge häufiger als gewohnt sirenentöne. sie fragen sich beide nach nicht einmal ganz sechs monaten, wo die liebe hin ist. ich frage mich, ob es jemals liebe war oder nicht doch nur eine verwechslung von liebe und begehren, die den stark abweichenden ansprüchen nicht standhält. während wir auf meinem balkon über die last proprietärer software schwadronieren, lästert sie bei irgendeiner rtl-casting-show zusammen mit einer freundin ab. ich bin mir sicher, er wird sein beuteschema nicht ändern. und ich bin gespannt, wann der verhaltenskopist mir die nächste blaupause präsentiert.

mein double und ich

männlicher stolz? eine erfolgsgeschichte ergibt sich aus dem zeugungsakt leider nicht in jedem fall.

kaum wird man auf die welt gepreßweht, nimmt das ähnlichkeitstheater seinen lauf. ganz der vater/die mutter/der samenspender, halb und halb, gelungene mischung oder aber es keimen zweifel an der vaterschaft auf. wurden damit noch nicht genügend komplexe im subjekt erzeugt, muß man sich im zeitalter der reproduzierbarkeit meistens mit omnipräsenten medienvisagen vergleichen lassen. wohl dem, der sich hinter allerweltsgesichtszügen verstecken kann, die keinerlei auffällige ähnlichkeiten zu  irgendjemandem aufweisen und der sich nicht ständig anhören muß: du siehst ja aus wie… (bitte hier den namen des individuellen doppelgängers einfügen). meine bekannten sehen u.a. angeblich aus wie: jürgen vogel (schauspieler), morten harket (sänger von a-ha), juliette binoche (schauspielerin). bei mir kann sich die außenwelt irgendwie nicht zwischen marusha (djane) und gudrun landgrebe (schauspielerin) entscheiden. ich hingegen sehe im spiegel lediglich erbgut. das ist auch gut so, weil der/die verwechselte im ungewohnten blitzlichtgewitter immer so blinzeln muß, was  wenig fotogen wirkt. und? wem seht ihr so ähnlich? (bitte keine vergleichsfotos mitschicken, nicht nur weil ich keine lust auf abmahnungen wegen urheberrechtsverletzungen habe, sondern auch leider ein eidetisches gedächtnis! mit der namenszuordnung sieht es bei mir hingegen weitaus schlechter aus, weshalb sich der aufwand nicht lohnt.)

ich frage mich immer wieder, aus welchen gründen solche vergleiche angestellt werden? will man schmeicheln oder schmähen? existiert denn keine andere möglichkeit, sich im leben zurecht zu finden, als das neue mit dem bereits bekannten ins verhältnis zu setzen? scheinbar können wir nicht viel mehr, als bis zu unserem tod immer und immer wieder zu relativieren, um das denken nicht vollkommen zu verwirren, die bilder sichten, schichten, sortierten und  kategorisieren. und doch glauben wir manchmal,  im abwägen neue wahrheiten gefunden zu haben, dabei waren es oft gerade mal neue schattierungen. es ist ja auch nicht zwingend schmeichelhaft, was die menschen da als vergleichswaisen zu hören bekommen, wie man z.b. in dem erhellend-erheiternden video schlecht geklont sehen kann. dort findet man etwa das porträt der wolfsschablone neben gollum. noch viel schwieriger wird die situation allerdings, wenn man selbst mit viel gutem willen nicht nachvollziehbare, angebliche doppelgänger entdecken soll. innerlich jaule ich dann auf und verkneife mir die frage, ob wohl der kleine zeh vielleicht ein bisher verborgen gebliebenes detail ist, das ich unverzüglich genaueren betrachtungen unterziehen sollte? bloß wie, verdammt noch mal, sehen gleich die kleinen zehen von george clooney aus? da melden die synapsen des bilderarchivs: 0 treffer und langes gesicht.

dabei wäre es manchmal von enormem vorteil, wenn man bei unannehmlichkeiten einen klon vorschieben könnte. ob allerdings das geschaffene surrogat die probleme nicht erst noch verdoppelt, bleibt zu bedenken. darum verneine ich mein double sicherheitshalber lieber doppelt: neinnein.