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die heiß:eiligen

heißeilige! das müssen pizza-lieferanten sein oder kellner. oder sexgierige mit erektilem übereifer. im mai treibt auch die moderatorensprache ihre stilblüten und zeigt die umtriebigkeiten der sprechenden.

wobei die wetterkapriolen ohnehin ein beliebtes smalltalkthema sind. (es gibt sonst keine wichtigeren themen im leben mancher schnatterinchen!). über das wetter wird leider sogar ge:t:wittert. microblogging zeichnet sich offenbar größtenteils durch den austausch von banalitäten aus. bisher benutze ich nur die search-funktion. vermutlich wird es dabei bleiben, denn diese hyperkommunikation einiger zeitgenossen nervt manchmal ungemein.

heute früh habe ich ebendort zum thema leipzig gesucht. in nachricht eins war denn auch die hochinteressante meldung zu lesen: ‚leipzig. die sonne scheint!‚ wow! welch außerordentlich hoher und geistreicher  nachrichtengehalt! aus dem fenster habe ich allemal geschaut, wenn mein rechner schon an ist. und blinde können im allgemeinen nur brailleschrift lesen. gibt’s sowas bei twitter denn etwa schon? hoffentlich halten sich erfinder da zurück. nicht, daß ich blinde von der informationsschwemme ausschließen wollte. bewahre! nur manches muß auch ungesehen, ungelesen, ungesagt, ungeschrieben bleiben. eine welt ohne geheimnisse, wissenslücken und rätsel wäre doch trostlos. worauf sollte ich meine neugier dann richten? selbsterkundung? auf dauer wird das auch langweilig, und vielleicht wird der sich-selbst-suchende nur noch wehleidiger…

zurück vom gedankenschweifen (oder doch gedankenschweigen). klar wollte frau moderatorin über die eisheiligen reden. auf das glatteis führte sie offensichtlich der vorangehende beitrag mit einer spielszene zur illustration der sage von der kalten sophie, die die vier theoretisch enthaltsam lebenden mönche mamertus, pankratius, servatius und bonifatius verführt haben soll.  wobei die körperliche und seelische blöße religiös-folgerichtig mit kalten füßen auf ewiger wanderschaft bestraft wurde.

entgegen der überholten bauernregel habe ich stadtmensch meine pflanzen in schnöder manier bereits seit anfang april auf dem balkon auf ihren stammplätzen nächtigen lassen. nicht ein einziges mal mußte ich die pflanzen  wegen frostgefahr in die wohnung räumen. im juni kann dann noch das schaf wegen der kälte ein bißchen blöken. drehe ich eben  kaltschnäuzig meine fußbodenheizung wieder an. im moment bin ich aber ganz heiß auf eis.

von mo:r:deratoren und kuriosen versprechern

vor bürokram und amtswegen drücken sich viele menschen bereitwillig und langfristig.  ich schaffe es meistens geraaade noch rechtzeitig, bevor ich mahnungen erhalte. aber wenn da nicht diese datumsangaben drohend näher rücken würden, wäre ich schon längst im chaos versunken. keep up with the deadline!

jetzt fehlt mir die stimmige überleitung zum eigentlichen thema. ich probiere es mal mit schimmel – wegen des verfallsdatums. also, einen beitrag über die behördenwillkür im fernsehen anzukündigen, da bedienden sich die moderatoren oft gängiger metaphern. tausendfach vor sich hingefloskelt, kam dann dieser versprecher heraus:

‚ich höre schon den amtsschimmel viren.‘

na klar, ich oooch (*langanhaltendes wiehern*)! daß es tatsächlich eine pferdegrippe gibt, habe ich eben erst im internet gelesen. bin nicht so beritten in der hottehü-welt. der traum aller kleinen mädchen, er war nicht meiner (wie ich verallgemeinerungen leiden kann!). es ist aber sehr unwahrscheinlich, daß den moderator bzw. sein pferd gerade diese tierseuche heimgesucht hat. vielmehr gehört der versprecher (ver:s:brecher???) in die rubrik der klangähnlichkeit. die duden-redaktion hat dazu hier einen kurzen auszug aus dem band ‚duden – vernäht und zugeflixt! von versprechern, flüchen, dialekten & co‚ veröffentlicht.

ich habe so tage, wenn ich vollkommen übermüdet bin, an denen passiert mir das am laufenden band. dabei produziere ich den sprachsalat vor kleiner zuhörerschaft, die sich darüber mit mir zusammen beömmelt. im rampenlicht ist nicht mein platz, und ich weiß auch warum…

um aber nicht immer nur über die fehler anderer zu lästern, hier ein schriftliches eigentor: meine finger verwurstelten das wort auf der tastatur schlicht zum ‚mo:r:derator‘. wenn ich es genauer bedenke, ergibt das aber bei den moderatoren von boulevardmagazinen durchaus sinn. schließlich hat dieses fernsehformat mit großer wahrscheinlichkeit mord und totschlag als aufmacher, gefolgt von naturkatastrophen, promisülze und schicksalsschlägen. wer sich daran ergötzen kann… und dieser reißerische tonfall… warum ereignen sich sendeausfälle eigentlich nur während der übertragung der fußball-em?

nach dem sprechen ist vor dem denken?!

in die serie der denkfehler/versprecher reiht sich ein statement aus der weihnachtszeit ein. bei einer passantenumfrage zum thema komasaufen von jugendlichen antwortete eine frau in vorfreudiger entrüstung:

‚das ist unmöglich! die saufen bis zur besinnlichkeit.

zeugt nicht unbedingt von reflexion. oder doch nur von herausgerissensein aus der eigenen gedankenwelt. immerhin sind die ersten zwei silben des wortes besinnlichkeit gleichlautend mit denen des wohl gemeinten ausdrucks besinnungslosigkeit. die bedeutung beider worte indes liegt genau entgegengesetzt.

nun ja, in manchen familien wird weihnachten anders zelebriert. alkohol zum lockern der verklemmten zungen. dann kann man schon mal komatös abgefüllt unterm tannenbaum grölen.

vom phrasen:mäh:drescher überrollt

ein großer wortschatz zeichnet sich u.a. dadurch aus, daß umgangssprachlich häufig verwendete redensarten vermieden oder durch kreatives sprachspiel abgewandelt werden. das kann unter umständen auch schiefgehen, wie folgendes beispiel illustriert.

um einen gefühlszwiespalt auszudrücken, wird im deutschen die redewendung ‚etwas mit einem lachenden und einem weinenden auge betrachten‚ verwendet. unser sprecher verlief sich aber hoffnungslos im sprachirrgarten. seine variation lautete:

mit einem tränenden und einem weinenden auge.

emotionale zerrissenheit gerät zur bedeutungsverdoppelung. die abgewandelte phrase verliert durch den ersatz der antonyme weinen und lachen mit den synonymen tränend und weinend vollständig den ursprünglichen und im textzusammenhang sogar den gemeinten sinn. in seiner brust schlagen nicht zwei herzen, sondern es herrscht monotone traurigkeit. schluchz! jammer! grein! heul! flenn!