Schlagwort-Archive: verkäufer

im sumpf der sorgen um das sorglos-paket

in den letzten wochen gelangten ein paar worte ziemlich regelmäßig bei handytelefonaten in mein ohr: „hallo?! hallo?! bist du noch da? ich hör dich ganz schlecht!“. völlig entnervt legte mir ein bekannter, der auf auf einem ohr taub ist und dessen telefonohr deswegen um so empfindlicher auf die akustischen aussetzer reagierte, ans herz, mich dringend um reparatur oder neuanschaffung zu kümmern, da offenbar das mikrophon durch mehrere abstürze auf den boden nur noch eine instabile verbindung zuließ. weil mir immer wieder gerne vor allem hochpreisige, technische geräte oder geschirr aus den händen glitten, schwatzte mir der verkäufer beim mietvertrag für das handy erfolgreich ein vorgebliches sorglos-paket auf.

das klang gut, ich unterschrieb, und ich zahlte. und das handy fiel, mehrmals. dabei landete es nie auf dem sofapolster, sondern mal auf den fliesen in der küche, mal auf dem gehweg. inzwischen traute ich mich kaum noch, jemanden anzurufen, weil meine stimme für den teilnehmer am anderen ende andauernd verstummte. und ich plauderte fröhlich in das kistchen, ohne dabei sicher sein zu können, gehört zu werden. ich wiederholte und wiederholte und wiederholte mit fussligem mund, bis ich am donnerstag dann doch in den laden ging, um mal nachzufragen, wie es denn so aussieht mit dem leihgerät. der mobilblitz-verkäufer (alleine der name!) meinte lapidar: wir können es einschicken, aber wir haben keine leihtelefone. da ich den vertrag nicht dabei hatte und erst nach mehrstündiger suche in meinen steuerunterlagen fand, konnte ich dem nicht viel entgegensetzen, kannte ich meine kundenrechte schließlich nicht richtig. gestern abend also die erleichterung beim lesen des vertrags. in der e-plus-versicherung heißt es ganz vollmundig:

das handy-sorglos-paket bietet ihnen schutz gegen plötzliche und unvorhersehbare schäden an ihrem handy. bei wasser-, sturz oder akkuschäden wird das handy kostenfrei repariert oder ausgetauscht. für die dauer der reparatur erhalten sie ein kostenfreies leihgerät.

und obwohl es einige zeit dauert, bis man mich aus der reserve lockt, hätte ich heute zur kackbratze oder furie mutieren können. wieder zum mobilpotzblitz. der verkäufer, er trug immer noch das verfärbte, ehemals weiße hemd vom donnerstag und den kunstlederschlips, käute wieder und schickte mich, da er ja nur vertragshändler sei, in einen e-plus-partnershop. dieser verkäufer sah aus wie rudi völler, nur mit dunkel gefärbten haaren, und erzählte mir sinngemäß einen von wegen: wir e-plus-händler haben in leipzig eine interne absprache, daß wir nur leihgeräte an kunden geben, die das telefon auch bei uns gekauft haben. ich starrte den fetten völlerverschnitt einigermaßen perplex an und fragte, wie man denn nun gedenkt, den vertrag zu erfüllen? immer wieder hörte ich die behauptung, anspruch auf ein leihgerät bestünde nur, wenn der laden eins da hätte, was natürlich nicht der fall sei, aber wenn ich  als geschäftskunde so für 500 euro im monat telefonieren würde, könne man da schon mal eine ausnahme machen. und ich solle doch zu dem laden gehen, wo ich das gerät gekauft hätte. das kartell fuhr mit mir karussell. herrschaften, was sind denn das bitte für ungeschriebene verkäuferregeln? ist der kunde jetzt quengler?

letzter anlauf, mit aufkeimendem wutschwung zurück in den ersten laden und mit noch mehr wut wieder raus. hier hörte ich doch nun von dem bübchen mit dem binder: mein chef hat mir verboten, leihgeräte herauszugeben und daran halte ich mich auch. keine kulanz? (*du korinthenkacker*, sprach ich lautlos im kopf aus.) meine zähne schienen sich von den bissen auf granit zu lockern. jeglicher hinweis auf vertragsbruch prallte an ihm ab. und dafür hätte ich ihn am liebsten an seiner schmalen krawatte von seinem hohen barhockerthronroß herunter gezerrt, was ich aus gründen  der friedlichen konfliktbewältigung aber unterließ. als ich mich dem ausgang zuwandte, gewahrte ich, warum der bursche keine lust hatte: auf dem flachwichserbildschirm sah ich beavis and butt-head. ja, das bist du, dachte ich und wünschte konträr dazu überhöflich ein schönes wochenende.

zu hause angekommen, rauchte ich und ließ die wut verrauchen. langsam setzte sich die beharrlichkeit im hinterkopf fest. blieb ja nur noch die kunden-hotline. warteschleifen-düdeldüdüdeldü. minutenlang. zunächst ein freundlicher mitarbeiter aus der abteilung reparaturservice, der mir nur einen reparaturauftrag zuschicken konnte und mich an die kundenbetreuung weiter vermittelte. wieder diese akustische beschallung, die ich in ohrnähe kaum ertragen konnte. bis dahin hatte ich noch jedem gesprächspartner mitteilen müssen, daß es in der versicherungspolice keinerlei einschränkende hinweise auf verfügbarkeit eines leihgeräts gibt, daß ich die ausreden und das merkwürdige geschäftsgebaren deswegen für vertragsbruch halte, da davon auch nichts in den agb zu lesen ist. ich spulte der call-center-mitarbeiterin erneut die heutigen erlebnisse aus dem kopf ab, die nach der einführung in die wohl existierenden händlerabsprachen  etwas allergisch zu reagieren schien und mich nach einem anruf in dem angegebenen laden zurückrief. am montag nimmt die lästige murphy-show dann ihren fortgang. windet sich der nächste händler mit ähnlichen ausreden aus der verantwortung, soll ich von ihm einen anruf bei der händlervertretung verlangen. ich befinde mich also bereits in der nächsten vertröster-warteschleife.

was sagt mir die ganze chose? ich wirke nicht bedrohlich, sondern allenfalls harmlos-verärgert und so als würde ich noch an märchen glauben. ich bin ohne ein blödes mobilfunkgerät nicht mehr dazu fähig, meinem beruf nachzugehen. müßte ich nicht gerade meine steuern nachzahlen, hätte ich mir wohl einfach ein handy gekauft, um mir die ganzen rennereien zu ersparen und mir die hirnverbrannten ausflüchte nicht anhören zu müssen. warum kann man sein recht immer seltener auf die sanfte tour durchsetzen?

in der e-plus-versicherung heißt es vollmundig:

das handy-sorglos-paket bietet ihnen schutz gegen plötzliche und unvorhergesehene schäden an ihrem handy. bei wasser-, sturz- und akkuschäden wird das handy kostenfrei repariert oder ausgetauscht. für die dauer der reparatur erhalten sie ein kostenfreies leihgerät.

Werbeanzeigen