Schlagwort-Archive: überwachung

alles im blick

hinter einem mannshohen zaun am haus eines architekten in leipzig blitzt dieser spiegel hervor. aber das reicht ja noch nicht. wer mal das bild vergrößert erkennt im spiegel an der hauswand noch eine überwachungskamera, um auch jeden toten winkel am eingang im blick zu haben. doppelt hält ja angeblich besser oder gar nicht, was es verspricht.

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fachchinesisch

verbalpräfix für handwerker. oder wie erklärt man den unterschied zwischen schatten und beschatten? eine unendliche sprachbaustelle.

es reicht den handwerkern offenbar nicht, daß wir großflächig videoüberwacht werden. sie wollen uns nun auch beschattungsanlagen für unsere balkone andrehen. getarnt als sonnenschutztechnik. daheim besteht sowieso die größte verdunkelungsgefahr. das suchte den terrorängstlichen auch schon die einstige bundesinnenschablone erfolgreich einzureden.

ja, wahrscheinlich trappelt demächst ein ganze horde trojanische pferde durch meine bude, holzwürmer durchbohren meine möbel und würmer malen meine rechnerdateien unkenntlich bunt an. dertartige freiheitsberaubung läßt mich nicht mal mehr den platz an der sonne ohne beobachtung genießen. dabei genügen mir die spanner von schräg gegenüber schon, um mich wieder aus dem grünoaslichen freiluftambiente zu verkrümeln. in der wüste der spitzelei und unter dem verdörrten gestrüpp der fachchinesischen stilblüten möge euch die puste ausgehen.

jedenfalls verlegte einer meiner bauingenieursbekannten auch in seiner ganzen diplomarbeit konsequent fließen. ich habe ihn vor dem ertrinken im sprachluß gerettet. dafür kleben in meiner wohnung jetzt jedenfalls fliesen an der wand, woran das wasser wunderbar abperlen kann. vielleicht sollte ich mich langsam in den schatten zurückziehen. ich glaube, ich habe einen sonnenstich, wurde vom hafer gestochen oder nur einer biene, dafür mit der wirkung eines anaphylaktischen schocks. so viel sprachliche verwirrung. turm zu babbel? nee, nicht der fußballspieler… ich geb‘ meine oberlehrerallüren für heute auf.

datendiebe

als ich heute eine collage einscannen wollte, bekam ich folgende meldung, an der umfrage (extended survey program) des herstellers teilzunehmen:

druckerder text erinnert ungemein an die anrufe von marktforschungsinstituten mit ihren eintönig abgelesenen einfängersätzen, die man nur schwer unterbrechen kann, um mitzuteilen, daß man gerade gar keine zeit und generell keine lust auf solche anrufe hat. anfänglich bedankt sich der hersteller nämlich für die unterstützung, während man irritiert den satz in sich nachhallen läßt. wie? wann habe ich denn für diesen kram mein einverständnis erteilt? kloßartiges schlucken, kehlkopf zugeschnürt! erst im letzten textabsatz erfährt man, daß es sich um ein zukünftges projekt handelt. logisch entscheide ich mich für nicht akzeptieren. denn was weiß ich als laie schon vom bedeutungsgehalt dieser aufgezeichneten informationen: bs-versions-, sprach- und anzeigeeinstellungsinfos, gerätetreiber und anwendungs-software-nutzungsprotokolle, id-nummer des druckers, installationsdatum und -uhrzeit, tintenverbrauch, anzahl ausgedruckter seiten und wartungsinfos. dazu der übliche hinweis, das sonst keine daten erfasst werden. na, da bin ich aber gaaanz beruhigt. wo ich nur eine verschwommene vorstellung davon habe, was man wohl mit den dokumentierten daten so alles anstellen kann…

und in diesem kontext fällt mir ein, daß ich noch recht wenig im netz darüber gelesen habe, wie die mittlerweile üblichen multifunktionsgeräte (kopierer, scanner, fax, drucker) von hackern ausspioniert werden können. mit relativ geringem aufwand gelangt der gewiefte zugriff auf ungesicherte geräte und deren web-interface und kann ausgedruckte/kopierte dokumente per webprotokoll einsehen, ausdrucken, manipulieren. nebenbei könnte auch der admin sehen, welche privatkopien auf firmenkosten angefertigt werden. und wenn schon eine kassiererin für einen pfandbon in höhe von 1,30 € fristlos gekündigt wurde, warum sollte nicht irgendein paranoid-pedantischer chef in einer kopie im wert von einem cent ein ähnlich zerstörtes vertrauensverhältnis sehen. abgesehen davon habe ich noch von keinem der hersteller die eingeforderte ruhmesverkündung gelesen, daß ihre geräte jetzt den ansprüchen des datenschutzes bei automatischer installation genügen würden. die online verfügbaren daten interessieren offenbar auch den bnd. das bundesamt sicherheit informationstechnik (bsi) gibt lediglich den lapidaren hinweis, daß für die datensicherheit der administrator bzw. privatnutzer verantwortlich ist. na toll! und wie??? habe ich den bruderkuß zwischen herstellern von informationstechnik und dem geheimdienst verpaßt? oder hat das im halbdunkel tappen lassen methode?

s:talking

screenshotwas im staat zur überwachung legitim ist, färbt auch auf berufsleben und privatbereich ab. ich gelange zu dem eindruck,  der staat und viele seiner bürger pflegen mittlerweile einen paranoiden generalverdacht. wo ist die grenze zu staatsfeindlichem und wo die zu auffälligem verhalten? wann ist der hintergrund kriminell? wie umfangreich sind die ermittlungen? oder wird ein indiz heutzutage nicht schneller zum beweis/vorwurf erhoben, als recherchiert werden kann?

die doktrin der kontrolle, der bestimmung, der unterwerfung ruft ein zunehmendes bedürfnis nach sicherheit und nach übernahme staatlicher praktiken  in anderen lebensbereichen hervor. datenschutzrichtlinien werden bei der ahndung ‚unmoralischen‚ verhaltens generös umgangen. vor allem deswegen ist die bespitzelung von angestellten, von freunden, geliebten, angehörigen und ehepartnern sittenwidrig. statt aus einzelfällen etwa den schluß zu ziehen, ein vertrauensverhältnis langsam aufzubauen,  wird der vermeintlich betrogene schnell selbst zum falschspieler.

google ad-non-sense versorgte mich jüngst wieder mit einem praktischen beispiel fortschreitender schnüffelmanier. melden sich deine freunde nicht mehr bei dir, oder du hast das gefühl, sie würden sich verleugnen lassen, so mußt du nicht über eigenes fehlverhalten nachdenken. einfach handy orten lassen und dann mir nichts, dir nichts einen überraschungsbesuch abstatten und den techniktrick als weltlichen zufall ausgeben. wie groß muß die freude beim so arglos begehrten sein, dem die begegnung vollkommen spontan erscheint. schon bevor der treue freund dich auf dieser weise an der nase herumgeführt hat, mußte er allerdings das handy oder die sim-karte entwenden und dann nur noch per sms eine lapidare einverständniserklärung verschicken. man bedenke, es handelt sich hierbei um personen, die älter als 18 sind und eigentlich im vollbesitz ihrer juristischen geschäftsfähigkeit sein sollten. die opfer sind also mitnichten schutzbedürftige kinder.

ich empfinde eine solche handlungsweise deutlich als mißbilligung der intimsphäre. geheimniskrämerei und mißtrauen hin oder her. vertrauen als ‚riskante vorleistung‘ (niklas luhmann) läßt sich durch kontrollzwang und belästigung nicht herstellen. diese rufen nur neue freiheitsbestrebungen hervor, getragen von dem wunsch nach einem verwaisten ort, an dem man wenigstens das gefühl hat, eine unbestimmte zeit alleine zu sein, ohne daß es an der wohnungstür klingelt. ein rückzugsort, an dem man zwar von der polizei im notfall gefunden wird, aber diese möglichkeit der auffindbarkeit eben nicht das denken pathologisch einengt. da nützt es nun aber wenig, wenn ich mir die frage ‚wer bin ich und was kann ich ohne die anderen?‘ stellen möchte, während andere brennend interessiert ‚wo ist sie nur?‘.  besteht schon allgemeine abmeldepflicht, auch in der freizeit? untertauchen wird bei den politikerrufen nach wachsamkeit irgendwie auch immer strapaziöser. wahrscheinlich benötige ich schleunigst gangsternachhilfe. kapriziös und obszön, oder?

und hier noch ein graffito für alle, die nicht loslassen können, was das zeitliche längst gesegnet hat. in diesem sinne: wasser marsch (räusper, nur zu selbst/reinigungszwecken)!

liebe_geht