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nächste ausfahrt: jahresende

wie ein frisch geangelter fisch zuckend und aufbäumend jagt das jahr seinem ende entgegen. ich kann gar nicht mehr aufzählen, wie viele jahresrückblicke ich kontrolliert ignoriert habe. es war/ist eine endlose aneinanderreihung von superlativen, im negativen wie im positiven sinne, die kaum etwas mit persönlicher wahrnehmung zu tun hat, sondern mit dem mediendiktat. dazu ein unsäglicher brei aus hellseherei und wahrsagerei, angereichert mit prognosen von lauter lauten, lauen sachkennern, die sich an gegensätzlichkeiten laben, um die feindbilder bloß nicht verblassen zu lassen. mit dieser übelkeit und rezepten gegen den kater werden wir hinüber katalputiert in das neue alte und vorsätzliche, wobei hinüber eben mehrdeutig bleibt.

blind steuern wir auf eine nebelbank aus explodierendem pulver und verkokelter pappe zu, obwohl sich immer noch eine mehrheit das ganze jahr über herzlich wenig für inszenierte effekthascherei interessiert, es sei denn, sie hätte weiter nichts bedenkliches als den trivialen unterhaltungswert. ach, wie ich mich auf das wettkreischen von böllern und partygästen in der nachbarschaft freue. wenn jemand einen mindestens knallbonbon- und ebenso tischfeuerwerk-sicheren tip hat, wo man knallertage in ruhe verbringen kann… aber gibt es die einöde überhaupt noch, wo doch allerorten die absoluten geheimtips verbreitet werden, so daß sie im engeren sinne gar keine mehr sein können? mir liegt auch nicht sonderlich viel daran, einen klub der silvestermuffel zu gründen, da ich mit einem ansturm rechne, vor dem ich mich gerade so drücke. ich hänge also im silvesterstau fest. im rückspiegel beobachte ich viele blinkende lichter, hinten, vorne und neben mir kracht es. irgendwie fühle ich mich umzingelt. im traum springe ich ins feuer und tanze mich in trance. in wirklichkeit halte ich es einfach nur aus.

ps: hätte beinahe vergessen, den lesern ein sanftes huppe nei (wie es lokal heißt) zu wünschen.

voreilige jahresendzuckungen

nix für suppenkasper: die löffelfamilie auf dem feinkostgelände in leipzig.

seufz, hach, herrje, leute – wie die zeit vergeht. jahresspät. und diese langen, besinnlich-besinnungslosen nächte. lese ich doch vorgestern in einer beruflich an mich gerichteten mail diese zeile: einstweilen wünsche ich ihnen eine gute vorweihnachtliche zeit. sackartig rutscht meine stimmung in den kohlenkeller. auch mein zettelguru hat mich am donnerstag an der tür so ähnlich verabschiedet, nachdem er mir die bittermandelsumme der fälligen steuernachzahlung vorgekaut hatte und als gegenmittel eine tafel schokolade in die hand drückte (*fröstel*). auf der verpackung heißt es süßlich-vollmundig: weihnachtszeitverkürzer – für alle, die es kaum erwarten können; nur ist nichts davon zu lesen, wie der süßkram ganzjährig mastgänse aus uns macht. die drohende, fettleibige weihnachtszeit bildet dabei nur den  gipfel der ausreden. sahniger schmelz, der den rest hirnschmalz zerrinnen läßt, um sich dann mit übellaunigen vorsätzen in den topfboden des schlechten gewissens einzubrennen. es war  doch erst der 19. november. da muß man doch noch nicht in jahresendzeitliche zuckungen verfallen! können die leute sich nicht wenigstens bis zum 1. advent gedulden, um ihre verwünschungen in die welt zu posaunen? das muß echt anstrengend sein, so weit in der zukunft zu leben. spekulatius knuspernd in knirschenden spekulationen schwelgen, hmpf. bloß, wo bleibt da der erfahrungsraum für die gegenwart?

apropos abwesenheit: neuigkeiten werden in den medien in den nächsten wochen nur noch bedingt auftauchen. denn auch bei der abteilung informationshatz läuft die vorratsproduktion  von unbekömmlichen, ranzigen archivzusammenschnittchen auf hochtouren. spinnenverwebte redakteure entstauben ihre ollen kamellen und werden uns die gammeligen pralinen geschmückt mit herzzerreißenden superlativen als spendengalas und finest selection in jahresrückblicken darreichen. und bis silvester heißt es auf allen kanälen: the same procedure as every year. wer hat uns eigentlich diese billig produzierte instantsuppe eingebrockt? und welcher zwerg hat klammheimlich mein traditionsbewußtsein aufgelöffelt? kein vorwurf, sondern nur die suche nach einem @ für meinen dank.

wtf... im raw-tempel berlin proben zwerge den aufstand.

Einstweilen wünsche ich Ihnen eine gute vorweihnachtliche Zeit.einst