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in der partyplüschschlinge

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naja, irgendwie beschweren sich unsere sog. leipzscher subkulturler ja auch immer nur mehr oder minder lautstark über behördenwillkür oder finanzielle kürzungen in der kulturszene. aber wenn es mal darum geht, kommerz von street art zu unterscheiden, da pennen die einfach. die partypeople trampelten heute am frühen mittag ziemlich dröge und ohne die stencils überhaupt wahrzunehmen während der global space odyssey 2010 über das a-team hinweg. gestern hatte ich bereits darauf hingewiesen, daß es sich um guerilla-marketing der werbeagentur des filmverleihers von „a-team – der film“ handeln muß, die hier mit einer ganz billigen masche „it-people“ aus den szenevierteln der großstädte in den kinosessel knüllen wollen. aber leipzigs street art szene scheint weitgehend unpolitisch zu agieren (einen artikel aus der sz zum thema hatte mir lebensumbau mal zukommen lassen – ihr findet das pdf am textende als wortfeile0001). in berlin haben die aufmerksamen sprayer bereits reagiert. klar, natürlich ist protest gegen die kulturpolitik dieser stadt notwendig, die es nach der wende geschafft hat, eine verlagslandschaft nahezu in den ruin zu treiben und die fette kulturmaus nach berlin, köln und hamburg verjagt hat, dorthin, wo es noch was zu erleben gibt, wo kultur noch gefördert wird, wo man erfahrung mit gegenkultur hat und wo man sich – wie in berlin – sogar noch werbetechnisch damit brüstet. ein geiles feeling, wenn man so arm ist, daß man sich noch sexy fühlt.

aber ja doch, in leipzig gibt es auch ein paar sehr engagierte menschen in der kulturszene, ein paar, die etwas bewegen, die ein paar wagen durch die stadt rollen lassen, einen  rave der alternativen. alternativlos jedoch die ganzen mitläufer, die man sich ans bein bindet oder als fünftes rad am wagen mitschleift, die nix als spaß wollen, die ohne party am wochenende einfach vor langeweile zu grunde gehen oder nur durch ihre sesselpupse hochfahren und schon in anderen sphären  (dem eigenen dunstkreis) schweben. in sachsen sollen in diesem jahr 25 millionen euro im sozialbereich eingespart werden? ach, ich geh erst mal abhotten, den frust runterspülen, am frühen nachmittag mit einem kühlen bierchen lässig in der hand durch die stadt ziehen. mögen die macher große worte haben, die mitläufer nuscheln doch in der uni dann wieder ihre lippenbekenntnisse vor sich hin und fühlen sich so heldenhaft, daß sie dabei waren – beim „protest“. es reicht ja, die beine tänzelnd zu bewegen und mit den lippen ein paar worte zu säuseln, wenn man selbst nicht betroffen ist. irgendwas geht immer!

protest sieht anders aus. protest ist ein großes wort. protest ist keine spaßparade mehr in diesen zeiten, wo die regierung immer mitten in der feierlaune irgendwelche gesetze verabschiedet und kürzungen beschließt, von denen nur ein bruchteil der bevölkerung überhaupt etwas wahrnimmt, weil – es gibt ja so viele andere möglichkeiten, sich den kopf vollzudröhnen. hohle phrasen würden das loch im kopf auch nicht füllen. leuts, sooo wird das nix! und es ist  ja schon so, daß ich zwar die beats mag, aber schnell wieder leine gezogen bin, weil irgendwie doch alle „zuhörer“ nur über dieses und jenes banale palavern, während sich jemand mit einer rede abmüht. man versteht kaum was, so laut murmeln die teilnehmer um ihr privates glück. tja, und die schönen parolen auf den wagen, was sind die wert, wenn man high ist? in slowmotion sehe ich nichts radikales, nur ein paar polizisten und ordner und ein paar harmlose, geduldete kiffer. da zieht er ab, der traum von einer gerechten gesellschaft, platzt wie eine seifenblase. und der rauch wird vom winde verweht. und einer, der kaum geld hat, weiß wo er es sich verdienen kann. er begleitet den feierzug mit fahrrad und al:di-tüten und sammelt leere pfandflaschen. ein kontrastprogramm der sonderklasse.

ach so, die mugge vom wagen „le cirque de la curiosité war übrigens grandios. ich wollte doch auch mal was positives vermelden…

Wortfeile0001

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frei:t:räume

gso2009vom behördenkrampf und polizeilichen räumungen spricht dieses transparent. es illustriert den frust von  partyorganisatoren und konzertveranstaltern der alternativen szene in leipzig. meist liegen zwar behördliche genehmigungen von bauamt und ordnungsamt für die partys vor, aber oft werden den organisatoren irrsinnige und kaum erfüllbare auflagen erteilt. bei der global space odyssey 2009 von connewitz nach lindenau standen neben der forderung nach einer liberaleren drogenpolitik, die noch von der ursprünglichen und immer noch olfaktorisch wahrnehmbaren entstehung aus einer hanfparade zeugt, deshalb vor allem wieder kulturpolitische und gesellschaftliche forderungen im zentrum.

global-space-odyssey-2009auch das vom alten testament (hosea, kapitel 8, vers 7) abgeleitete sprichwort ‚wer wind sät, wird sturm ernten‚ an diesem wagen weist auf den verschärften kulturkampf hin. alle drei geplanten aftershowpartys in der gieszerstraße, im superkronik und in der damenhandschuhfabrik wurden wegen baumängeln, möglichen lärmstörungen oder fehlenden sondergenehmigungen nicht bewilligt, weshalb als teure alternative das werk II als veranstaltungsort angemietet werden mußte. um nun wieder die kosten für die wagen und musikanlagen zu decken, wird sich das wohl oder übel in den eintrittspreisen niederschlagen. daraus kann man auch schließen, daß die stadt kein interesse an der förderung alternativer kultur hat. dabei werden hier nicht einmal die hände nach geld ausgestreckt, sondern sehr wirksam und massiv die unterstützung bei der vergabe von räumen verweigert. die veranstalter bleiben so in einer grauzone des halblegalen, bloß geduldeten. dabei gibt es in leipzig so viele leerstehende häuser, fabriken und villen, die vor sich hin marodieren. da ließe sich mit sicherheit mit gutem willen ein lösung finden! es muß und kann nicht jeder einer passion für bach, die thomaner oder das gewandhausorchester verfallen sein. an welcher stelle ist denn der lediglich beschworene sinn für die kulturvielfalt auf der strecke geblieben? und wann können die leipziger mit der umsetzung des wohlklingenden rechnen?

gso2009-3auf dem linksmobil prangt unter anderem der spruch ‚hol dir dein leben zurück!‚, womit auch der anschluß aller sozialer schichten an das kulturelle leben der stadt gefordert wird. armut grenzt aus, weil die groschen heute nicht mehr nur zweimal, sondern die centstücke mindestens zehnmal in den fingern gedreht werden müssen. und ja, ein bier oder auch ein nonalkgetränk kosten an einem alternativen veranstaltungsort eben keine 2,50 euro aufwärts. auch der eintritt bleibt meistens im vertretbaren rahmen, weil es sich um soziale treffpunkte handelt und nicht um monetäre zitronenpressen. aber freilich muß so ein tunnel bezahlt sein, auch wenn dafür ein großteil der stadtbewohner weiter im dunklen tappt, vor kaufhallen und in einkaufsstraßen bettelt, in parks und auf balkonen gitarre spielt, weil es kaum öffentliche räume gibt, aus denen ihnen nicht früher oder später der rauswurf droht. und so heißt denn zwangsläufig das gesellschaftskritische motto der diesjährigen gso ‚geld oder leben!?‚. die parade endete in lindenau, einem für nazitreffpunkte bekannten stadtviertel, um gegen die diskriminierung andersdenkender und die no-go-areas zu demonstrieren, in denen es immer wieder zu übergriffen auf ausländer und linke kommt.

gso2009_1es muß wohl hohn sein, daß mir ausgerechnet dieser wagen mit dem spruch ‚überwachung macht nicht mehr sicherheit‚ gegenüber der polizeiwache im peterssteinweg vor die kameralinse fuhr. ich stehe direkt unter einer überwachungskamera, die möglicherweise meine haarspitzen gefilmt hat (*grummel*). und während die teilnehmer der parade gerade platz für ein leben außerhalb der jobwelt begehren, bietet das transparent der immobilienfirma an der fassade ‚raum zum arbeiten‚ feil. offenbar bieten fast nur noch privatgemächer raum für die realisierung von alternativen lebens:t:räumen. und auch da macht der staatsschutz keinen halt vor dem dsl-anschluß, dem ausspionieren des mailverkehrs, von chats, dem mithören von telefonaten. braucht man sich also gar nicht mehr so alleine zu fühlen, denn man hat – zwar unfreiwillig, aber immerhin – zuhörer und mitleser. he, hallo, wenn ihr das lest, dann laßt doch meine wünsche endlich mal in erfüllung gehen! ah, ich sehe schon, ihr seid keine götter, keine guten feen. klar, es gilt gesetze einzuhalten, auch wenn sie noch so menschenfeindlich sind. na so ein mist aber auch!