Schlagwort-Archive: street art

illusionen

street art mal in einem eckzimmer des pöge-hauses in leipzig bei der aktion kunst am markt. man könnte bei diesen beiden projekten von christian rug und simon rosenow auch getrost sagen, der schein trügt.

denn es gibt keinen soldaten, der schatten wirft, nur ein stencil an der wand.

und hinten in der ecke kniet auch keiner und bemalt die wände. alles künstlerischer lug und trug auf einem schablonenumriß aus polystyrol. das sind zwei sehr zeitgemäße und gelungene beispiele für trompe-l’œils.

kein mops-paradies

müssen möpse draußen bleiben? oder hat der garten zum paradies gar ganz geschlossen? auf jeden fall verrät der mopsblick so etwas wie eine unerfüllte sehnsucht.

avatar

nein, ich bin immer noch nicht zum science-fiction-filmfreund geworden. james wer? gestern kam hier die frage nach meinem avatarbild  auf. da ich mich ungern wiederholen möchte, verweise ich mal auf einen älteren text von mir über den vermeintlichen dokumentarfilm exit through the gift shop über den von mir hochgeschätzten street-art-künstler banksy, von dem auch dieses stencil stammt, das ich etwa 2007 in berlin-mitte mit einer lausigen handykamera fotografiert habe. zwar zählen ratten nicht für jeden zu den possierlichsten geschöpfen der welt, aber mit schablonen gesprayt sind sie doch außergewöhnlich schön.

außerdem habe ich gestern endlich mal wieder zeit gefunden, meine blogroll mit neuem lesefutter zu bestücken. und da kommen in zukunft sicher noch einige perlen hinzu. ich bin ja auch neugierig auf die ideen- und bildwelten der anderen, habe nur nicht immer so viel zeit zum blogreisen. frau wortfeile möchte gerne ihre neuentdeckungen teilen und das nicht nur auf so einer versteckten seite,  die relativ selten beachtung findet. deswegen bekommen die neuen hier einen lauschigen platz im vordergrund: chinomso, clara himmelhoch, fudelchen a.k.a marianne, paradalis, lebensumbau, linker mops a.k.a katerwolf, rosenruthie, das tagebuch von befue und frau tonari. in der blogroll findet ihr zu den blogs eine kurzbeschreibung. sollte sich jemand nicht wiedererkennen, dann  darf er das deklarieren.

alles absagen

ich übe am wochenende urlaub und privatleben, wie ich es gerade will und brauche. mein handy wird anrufern sagen: the person you have called is temporary not available. ich habe es gerade abgestellt. mein arbeitspostfach ist abgearbeitet und wird erst am montagmorgen wieder geöffnet. wer nach 18 uhr am wochenende auf berufliche erreichbarkeit im büro hofft, ist ein elender plagegeist und kann mir mal die stöcke lutschen. so! wochenende. ich lasse mich zu nichts mehr überreden. 48 stunden lang. ich mache einfach nur das, wozu ICH lust habe. und das ist im moment nicht viel außer erholung. soll vorkommen. stört aber nur geselligkeitsextremisten und workaholics.

lasterhaftes

it's all about having a good time with doing bad things!

herrlich, diese doppeldeutigkeit des wortes laster durch das grafitto. und gleich ein grund mehr, heute mal über mich selbst zu lästern. hier ist es seit sonntag durchgehend heiß. und hitze ist für mich alles über 25 grad, dann muß ich meinen kreislauf enorm mit wasserzufuhr in trab halten. wortfeile will sich also in ein luftiges gewand schmeißen und stellt fest: außer einem elfenbeinfarbenen kleid mit schönem muster ist der restbestand schwarz und schwarz und ausgewaschenes schwarz und dunkelblau und dunkelgrün. und alles in allem nicht bequem oder viel zu aufgedonnert für den alltag. hmmm. so geht das ja gar nicht. gestern wurde ich sogar von einer kollegin erstaunt auf mein helles kleid angesprochen, weil ich wäre ja sonst immer so dunkel (gekleidet). es ist aber nicht so, daß diese dunklen farben einem dunklen seelenzustand entsprechen. nö! das sieht nur so aus.

fassen wir zusammen: hitze, kleiderauswahl unbefriedigend. wo kann weibchen da am besten sein mütchen abkühlen? genau, in klimatisierten läden. und prompt habe ich mich erst hinterher dabei erwischt, daß ich überhaupt nicht auf nachhaltigkeit geachtet habe, sondern nur darauf, wie ich darin aussehe. und das erinnert mich wiederum an meinen einzigen, kläglich gescheiterten versuch, meinen anblick in so einem schmalen ökosack zu ertragen. ich sah aus wie ein stäbchen im kartoffelsack. denn leider haben viele ökolabels sich noch nicht mit dem gedanken angefreundet, daß nicht jede frau in einem so fade und glatt herunterhängendem stöffchen auch elegant aussieht. nun besitze ich zwar zwei neue sommerkleider, in denen meine zarte silhouette nicht zerbrechlich wirkt.

aber auf den etiketten steht denn auch made in india. weniger schön, sich darin einzuhüllen, wenn ich vermuten muß, daß sie in sweatshops hergestellt wurden. alleine die vorstellung nagt nun wieder an meinem gewissen rum, *knabberknusperknabber*. innerlich plädiere ich dafür, die labels durch verweigerung abzustrafen und äußerlich wickle ich mich mit ausbeuterischen hüllen ein. wtf! haundems grüner garten ist auch nur ein alibi, denn an der ausbeutung hat sich nichts geändert. ich träume zu viel, zu viel von sozialer verantwortung, zu viel von einem ende der verschwendung natürlicher ressourcen, zu viel von einem allgemeinen umdenken. würde sich etwas ändern, wenn ich aussteiger wäre? würde ich damit die gesellschaft ändern, wenn ich mich vollkommen von ihr loszusagen suche? es läuft zu viel falsch, und ich habe keine lösung. ich versuche, den konsum zu minimieren, ohne verzicht zu üben. und weiterhin träume ich davon, in mehrfacher hinsicht tragbare mode kaufen zu können. doch auch so weit sind wir noch nicht.

repeat: it’s all about having a good time with doing bad things!

shoefiti goes to hollywood

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oh, naja, leiiicht übertrieben. nicht gleich nach hollywood, aber shoefiti hat immerhin eingang in die hbo-fernsehserie how to make it in america gefunden. das erste foto der slideshow zeigt einen baum mit darauf geworfenen schuhen inklusive kleiderbügel und cd am connewitzer kreuz in leipzig. die beiden screenshots stammen aus dem intro zur comedyserie und aus der finalen 8. folge. die erste staffel spielt in new york und handelt von zwei twens, die in der fashion-szene ihren amerikanischen traum verwirklichen wollen. klingt erst mal nach klischees: iiih, noch so ’ne weiberseriere, oder die typen in der modebranche sind doch eh alle schwul. mitnichten in der serienwelt wie auch nicht generell in der realität. hbo liefert zuverlässig den besten serienstoff, den die amerikanischen pay-tv-sender so zu bieten haben. und nichts anderes hatte ich eigentlich erwartet, obwohl die beschreibung sich nicht gerade wie der brüller las.

hier überzeugen die authentischen schauplätze, die szenen sind oft mit street art gespickt, subkultur ganz beiläufig, dazu ein fetter, cooler hip-hop-beat. und natürlich geht nichts so glatt wie die bügelfalten in der hose. kurze, erklärende szenen werden häufig mit schnellen fotoabfolgen dargestellt. unsere manchmal irreal schnellen bildwelten, fast wie statusbotschaften in sozialen netzwerken. die jungs legen so gar kein gespreiztes verhalten an den tag, die dialoge wirken natürlich, und fettnäpfchen wurden auch ausreichend aufgestellt. ich kann die miniserie absolut empfehlen, falls doch mal wieder regentage folgen sollten, was ich gar nicht wahrhaben will.

die kunst muß am korken vorbei

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alles begann mit einer leicht unheimlich anmutenden ansammlung recht junger menschen auf einer schmalen holzbrücke an den teichen im johannapark, die mich an einen flashmob erinnerte. als die ersten flaschen ins wasser flogen, reagierte umgehend eine frau mit einem anruf bei der polizei und mokierte sich fürchterlich, ohne auch nur zu fragen, was wir denn da machen. die szenerie muß auf sie wie purer vandalismus gewirkt haben. nun ja, ich nehme an, am männertag hätte sie sich über ähnliches verhalten wohl nicht mal gewundert, denn an der oberfläche des teiches trieben noch die überreste der traditionellen hirnspülung. kaum waren die 150 flaschen im wasser, ertönten auch schon einige polizeisirenen, die sich rasch näherten. wir standen recht unbeteiligt bereits am anderen ufer des tümpels, als die staatsgewalt recht und ordnung durchzusetzen gedachte. nach einigen diskussionen ließ man den schabernack wenigestens halbwegs als solchen durchgehen und gewährte eine galgenfrist von einer stunde, um die flaschen wieder herauszufischen (eine kontrollstreife habe ich nicht ausmachen können). die hellbegrünten bauten vielmehr auf unseren guten willen und hatten ja auch die personalien von acht beteiligten aufgenommen, die sie wohl mehr oder weniger wahllos unter geschätzten 40 ‚mittätern‘ ausgesucht hatten.

bereits während die diskussion noch in vollen gange war, wurden die ersten flaschen ans ufer geschwemmt. ich funktionierte mein rechtes bein als angelhaken um, krallte mich an einem baumstamm fest und fischte immerhin vier mal flaschenpost aus dem modrig müffelnden wasser. die methoden, sich einer flaschenpost zu bemächtigen, variierten. mal wurde mit langen stöcken hantiert, irgendjemand hatte tatsächlich auch einen kescher mitgebracht. doch am engagiertesten zeigte sich der älteste teilnehmer. vorbildlich krempelte er die hosenbeine hoch und wagte sich in den schlick am ufer oder versank zeitweise nahezu unsichtbar bis zum kopf zwischen den schilfblättern. danach war seine hose jedenfalls naß und meine augen blieben vor lachen auch nicht trocken. einige ließen andere für sich die feuchte drecksarbeit erledigen, chillten auf der decke, fotografierten und kamen immer mal dann vorbei, wenn sich der der jagdtrieb als übermäßig erfolgreich ausgebrochen erwies, wie beispielsweise bei meinem begleiter (*hihi*). männer in ihrem element – auf abenteuerlustigem beutefang.

hatte man also endlich eine flasche ergattert, tat sich schon die nächste herausforderung auf. wie kriege ich nun die gerollte post samt originalarbeit  wieder aus der flasche? man stellt sich das leichter vor, als es tatsächlich ist, aber wir kennen das dilemma ja von zahlreichen verpackungen. was leicht reingeht, kommt nicht unbedingt genauso komplikationslos wieder raus. benutzerunfreundlich brachen manche korken einfach ab. dann konnte man die korken nur noch in die flasche drücken. aber wie, so stellte sich nun die nächste große frage, kommt die kunst am korken vorbei? mit viel fummeligem fingerspitzengefühl und verdrängung. nachdem meine zähne vom korken ziehen langsam wehtaten und ich bei weiteren öffnungsversuchen poröses bröseln mutmaßte, tauchte sogar noch ein echter korkenzieher auf. hach, manche leute sind immer so perfekt für das überlebenstraining in der großstadtwildnis ausgerüstet…

an dieser stelle möchte ich auch petro steigolino und den anderen fünf künstlern danken. petro ist zeitweise im flaschencontainer abgetaucht, hat dann  mit einem gründlichen flaschenbad für das aufweichen der etikette/n gesorgt, konnte in seinem atelier tagelang kaum treten, weil der boden nahezu komplett mit handgeschriebenen briefen und originalen bedeckt war. und dann danken wir noch jemandem, der das ganze nicht in freiheit erleben konnte, für die lustige idee. ich muß gestehen, daß ich schon lange nicht mehr so viel spaß hatte wie an dem gestrigen nachmittag. all die probleme, die sonst so gerne in meinem kopf theatralisch ihre strafrunden ziehen, waren wie weggepustet und ein kindheitstraum erfüllte sich.

wußtet ihr eigentlich, daß das aussetzen von flaschenpost als verschmutzung von gewässern strafrechtlich verfolgt werden kann? also kommt bloß nicht auf die idee, auf einer einsamen insel zu stranden und um hilfe bitten zu müssen. ob der energiekonzern bp wohl auch strafe zahlen muß für die umweltkatastrophe an der küste vor louisiana? oder heißt es hier lediglich entschädigung der fischer, leck stopfen und dann dürfen sich umweltschützer mit dem konzern um die beseitigung der riesensauerei streiten?

jedenfalls haben wir nicht alle flaschen aus dem wasser geangelt. vielleicht freut sich der eine oder andere spaziergänger ja doch noch über das stranden einer flaschenpost am ufer des gewässers. die entenfamilien sind auch alle unbeschadet geblieben und waren zu keiner zeit zielscheibe der aktion. ganz im gegenteil.

ps: ich habe mir zu hause keinen altar mit kerzen um die kunstwerke errichtet. die teelichter dienen lediglich als papierbeschwerer beim trocken- und glättungsprozeß.

pps: die ersten beiden fotos zeigen petro als leergutsammler und stammen nicht von mir, sondern von starfotograf yeah. hier gehts zu seinem flickr-album.