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feine unterschiede

pingui1 rigo schmidts miniaturbilder eröffnen einen kulturgeschichtlichen kosmos. dabei irritiert die reihenfolge der drei bilder. vom gelben lichtspektrum über das rotlicht zum gekreuzten und gebrochenen höhlenbraun, das womöglich das platonsche höhlengleichnis symbolisiert oder aber die dreifaltigkeit persifliert oder beides oderoderoder. versucht man nur die symbole zu deuten, dann degeneriert natur in der distinktion zur religion und schließlich in der vervielfachung der abgrenzungen zur banalität. dergestalt entblößt sich der scheinbar unlösbare widerspruch zwischen natürlichem und artifiziellem. zeit und raum zum abschweifen.

für manchen bleibt die welt zappenduster, undurchschaubar. der sich mensch nennt, tappt vorsichtshalber linkisch durch das halbdunkel, vermeidet tunlichst jegliches anecken und das verlassen seines ursprünglichen lebensraums. oder aber er ist so schmerzunempfindlich wie ein nacktmull. entdeckerdrang ist ihm abhold. er lebt den frommen totenkult, die natürliche auslese, das stärkeprinzip. von weißen über fremde federn zu vatermördern. vom tummeln im meer zum belustigen im beengten zoobassin. vom bärenfell zum steifen kragen. von der etikette zur erstarrung auf der höhe des erfolgs. von der krawatte zum strick. vom kollar zum halseisen. vom transzendenten zu profanen fesseln für frevler in glaubenskriegen. glaube an die macht, an das geld, an das glück, an die vernunft, an das übernatürliche. meistens wissen wir genau, was wir anderen antun, aber wir tun es trotzdem. weil wir an etwas anderes glauben. grob fahrlässige geistige umnachtung statt größe. erzkonservativ, aber unmenschlich. bibeltreu, aber fleischesschwach. gleichheit predigen, profit mitnehmen, profil verlieren. tschüß rio reiser.

allein der wunsch nach einer knopflochentzündung ist kein typisch katholisches phänomen. wer will schon fallen, wenn er klettern kann, wenn der wissenerwerb erwerbslos macht? der lebenstraum reicht gerade mal vom ausgereizten dispo multipliziert mit sechs kreuzchen plus superzahl zum lottomillionär. endlich maßgeschneiderte übergröße, statt abspecken. pathologisch kastrierte ideale, eingetauscht gegen kohle und berauscht vom koks. schwelende effekthascherei im schwarzlichtmilieu. aber wenn die moral im mammon baden geht, ereignen sich noch hellsichtige versprecher: am ende bist du dann körperlich-geistlich komplett kaputt. die dann am aufgebahrten sarg stehen, blicken andächtig verklärt. sie sind erben. jetzt gilt nur noch eins: hauptsache die haare liegen gut. wie verzerrt die selbstwahrnehmung auf erden, so im himmel.