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dreigroschenjournalismus

tiefe kulturelle gräben zwischen unterschichten-bewerbern und verzärtelten sprößlingen des bildungsbürgertums entdecken spon-redakteure in den beiden castingshows „deutschland sucht den superstar“ (dsds) und „unser star für oslo“. nun gut, wenn man den ganzen telemedialen karrierestuß unbedingt aufrechnen möchte, entblößung und selbstdarstellung in feinen graustufen abmildern könnte und sich über die legasthenischen dsds-teilnehmer amüsiert, deren elende schicksale man auch noch mal schön breitwalzt, sollte man meinen, die schriftkundigen seien stilsicher. *hüstel*

nun versuche ich mir gerade vorzustellen, wie ich vom messer attackiert werde, wie klinge und griff – wie mit geisterhand geführt – in der luft auf mich zustoßen. bin ich in eine magiershow geraten? ich dachte immer, es bräuchte auch einen täter zum angriff, der die waffe führt und mich mit dem messer verletzen will. wer die sozialen verhältnisse sezieren möchte, sollte sich mit präpositionen doch besser auskennen.

auszug aus der moritat von mackie messer aus der dreigroschenoper von bertolt brecht:

und der haifisch, der hat zähne
und die trägt er im gesicht
und macheath, der hat ein messer
doch das messer sieht man nicht.

halbwach

samstag morgen, 9.30 uhr. bei spon regen sich müde die ersten redaktionsgeister.  und erste affären werden in die tastatur geknüppelt. und schwupps auf veröffentlichen gedrückt. sieger in puncto schnelligkeit, nicht jedoch im hinblick auf vollständigkeit, wie man an den von mir rot markierten stellen nachlesen kann. bitte schreiben sie doch in ganzen sätzen, und verzichten sie auf voreilige urteilsvollstreckung. und wenn sie schon urteilen, dann doch nicht mit dem euphemistischen terminus käuflichkeit. das heißt immer noch korruption. aber auf spon wird auch um 9.58 uhr halbmunter weiter beschönigt, als die korrekturfassung erscheint.

ich bin sehr gespannt, welcher angewärmte stuhl in sachsen geräumt wird. rüttgers schickte hendrik wüst in die die ödnis der nordrhein-westfälsichen bergbauregion. wen wird aber tillich in die dunklen stollen des vergessens abkommandieren? er kann sich immer so schlecht an details aus seiner vergangenheit erinnern. das hat er schon demonstriert, als er heldenhaft seinen fragebogen über seine stasi-vergangenheit in der zeitung mit den großlettern veröffentlichte, in denen er  sich – nun ja – ebenfalls mit unvollständigkeit durchmogelte und es bis zum sächsischen ministerpräsidenten-sesselfurzer brachte. er war schon in der ddr kein held (weder der arbeit, noch des politischen widerstands). und er wird sich in bewährter tradition wie eine klette weiter durch die welt politischer intrigen lavieren und uns mehr oder weniger glaubwürdig seine integrität zu versichern suchen. es werden auf politikerfotos wohl noch viele schmutzige hände geschüttelt. seife würde da auch nicht ausreichen.