Schlagwort-Archive: spam

typ:ograph:isch

ich wollt ich wär ein huhn,
ich hätt nicht viel zu tun.
ich legte vormittags ein ei
und nachmittags wär ich frei.
mich lockte auf der welt,
kein ruhm mehr und kein geld,
und fände ich das große los,
dann fräße ich es bloß.
ich brauchte nie mehr ins büro,
ich wäre dämlich, aber froh
und hab ich manchmal keine lust,
ein kluger mensch zu sein,
erwacht ein wunsch in meiner brust
und ich gestehe ein…

warum der liedtext von den glückskindern hier steht? nun, er könnte eine kulturhistorische bereicherung für meine im ansatz steckenden überlegungen zur auswirkung der digitalisierung auf die jetztsprache sein. diese wiederum wurden durch mehrere irreguläre auffälligkeiten ausgelöst. im vergangenen jahr sah ich mir die premiere des dokumentarfilms „was ich will, ist spielen“ über meine lieblingsschauspielerin corinna harfouch an. das filmplakat zeigte eine wunderbare alte sw-aufnahme von der aktrice beim friseur unter einer trockenhaube. leider hatten die graphiker dabei das komma mal eben unter den tisch gekehrt, ausgeblendet, ignoriert, übersehen. da, wo es hingehörte, fehlte es. nun las ich gerade irgendwo, daß habermas kommafehler macht. wie beruhigend. ich auch. nur wollte ich mir kein plakat mit sprachlichen schönheitsfehlern ins zimmer hängen, mit menschlichen schon viel lieber. im verlauf der zeit bemerkte ich immer häufiger fehlende kommata in werbesprüchen. die claims müssen branchenüblich kurz und knackig sein. ach, so ein lächerliches komma *pfffffft*, kann man doch drauf verzichten. stört doch nicht weiter. nein, aber es macht keinen klugen eindruck. *nicht vorhandene brille auf den nasenrücken runterschieb und über die gläser schiel*. neulich erhielt ich dann eine der unzähligen spammails, vermutlich aus asien mit dem betreff: gluckwunsch. also, dafür wird es langsam, aber sicher zu spät sein. ich habe doch keinen braten in der röhre! na, hörnse ma, könnse nich ma ein ue schreiben, wennse mir gratulieren wolle, wo isch misch so über geldregen freuen täte?

fährt man mal mit dem mauszeiger über das erste bild, wird man feststellen, daß ich die hühner zur lesbarkeit für computersysteme ohne umlaute schreiben mußte. da lachen ja die huehner (*gackgackgack*). räusper, nein, im ernst, in der virtuellen welt existieren noch viele alte computersysteme ohne umlaute, weshalb sich der sieben-bit-ASCII-zeichensatz bis heute hartnäckig hält. würde man sich diesen text mal im html-code ansehen, wäre er mit  den vielen unicode-zeichen für den nicht-nerd nahezu unlesbar. warum das jetzt auch meiner aprilfrischeflasche so abgedruckt wird, kann ich selbst mit viel grübelei nicht nachvollziehen. (*denk… deeenk… um-die-ecke-deeenk*… nichts). dort steht nun augenunfreundlich: „…parfuemstoffen…“ oder „hautvertraeglichkeit“. weiter unten dann wieder mit umlauten „ich fühl mich wohl…“ und „hautverträglichkeit dermatologisch getestet“. beschäftigen werbeagenturen jetzt auch koreanische korrektoren wie die producer der simpsons animatoren aus korea sweatshoppen?

(mehr infos über die reaktionen auf den vorspann u.a. hier)

und, ach, das ß. scharfes s. eszett. immer mehr graphiker scheinen aus der schweiz nach deutschland einzuwandern, nicht andersrum. das maß ist nicht voll, das boot auch nicht, nur ich habe die schnauze voll von so viel ss, wo es nicht hingehört. oder haben die meisten graphiker nur noch importrechner? kann ich mir fast nicht vorstellen. es muß so etwas wie eine optische vorliebe sein, anders kann ich das kaum deuten. maßvoll wird zu massvoll. maßgenau, zu massgenau,  maßstab zu massstab (bitterlich, diese dreigleichheit der buchstaben). groß zu gross. ah, mit einer g-k-schwäche nehme ich diese ente auch noch, süßsauer, aber gerne doch. die werbliche verhunzung der sprache – ist sie nur die logische folge der digitalisierung oder unkenntnis der sprachregeln oder die folge ästhetisch-typographischer vorlieben? klar, kann man sich jetzt hier über meine schwer lesbare kleinschreibung aufregen. man kann es aber auch sein lassen, es sind schließlich flüchtige notizen, die ich in meinen computer hacke, und es ist keine wissenschaftliche analyse. punkt, punkt, komma, strich, fertig ist das mondgesicht :-) .

 

dieses foto stammt nicht aus der schweiz, sondern wurde in der karli in leipzig aufgenommen.

 

protest-post

wenn ich heute noch eine weitere spammail von longharry48(at)freenet.de für sein roulettespiel aus dem spamfilter löschen muß, starte ich einen öffentlichen aufruf, das postfach von longharry48 mit allen möglichen blablabla-meldungen zu füllen (longharry48 trägt in meiner vorstellungswelt schnauzer und vokuhila. nomen est omen.) wer macht mit? akismet schafft es ja leider auch nach der 666. spammail nicht, müll von echten kommentatoren zu scheiden. und diese sinnfreien kommentare sind SOOO überaus dämlich.

blindgänger

sleep-escapistvor etwas mehr als 25 jahren wurde in deutschland die erste mail verschickt. spätestents seit der jahrhundertwende hat fast jeder in den ländern der ersten und zweiten welt mindestens eine mailadresse. je inflationärer sich der elektronische nachrichtenversand entwickelt, desto hanebüchener ist der umgang mit fremden adressen. das datenmüllaufkommen erhöhen menschen, die zwar an ihrem eigenem hausbriefkasten den aufkleber ‚keine werbung‘ anpappen, aber offensichtlich keinen blassen schimmer davon haben, warum ihr elektronisches postfach von spammern bombardiert wird. immerhin sind einige spamfilter schon ziemlich perfekt geeicht, was allerdings keinen aufruf beinhaltet, sie über gebühr zu strapazieren.

ein paar sicherheitstechnisch-verschlafene beglücken mich hin und wieder sowohl beruflich als auch privat mit rundmails. aus gründen der zeitersparnis ist daran nichts zu monieren. erschreckend ist allerdings, daß die absender dabei immer wieder adressenhändlern, würmern, viren und anderen ungetümen tür und tor öffnen und zwar indem sie kopflos einfach alle mailempfänger ins cc (carbon copy = weitere empfänger) schreiben. in nullkommanix sieht man im header plötzlich unmengen von privatadressen oder geschäftsadressen, als hätte der absender noch nie etwas von dubiosen geschäftspraktiken gehört. cc mag  dann sinnvoll  erscheinen, wenn es sich um einen kleinen kreis von lesern handelt, der ohnehin untereinander vernetzt ist.

mißtraut man aber den netzspähern und phishern nicht ganz grundlos, weil es in letzter zeit genügend datenskandale und -diebstahl gegeben hat, sollte man lieber auf das bcc (blind carbon copy – blindkopie) ausweichen. und für den DAU  (ausnahmsweise in versalien) als anschauungsobjekt noch den passenden screenshot.

Bild 2eigentlich sollte die blindkopie mittlerweile erste wahl und selbstverständlich sein. ich mühe mich nur deswegen mit der webnachhilfe ab, weil die absender nicht etwa den grauen panthern zuzurechnen sind, sondern im gegenteil der internetaffinen generation zwischen 20 und 35 anzugehören glauben. sie verwenden die mails als alltägliches nachrichtenmedium, verschicken pressemitteilungen, jobangebote, interessante links, blödelbilder und partyeinladungen. spricht man sie auf ihre leichtfertigkeit an, antworten sie: ‚ich wußte nicht, wie man das macht‘. hallo? da steckt keinerlei hokuspokus oder gar technische raffinesse dahinter. bei ‚an‘ wird die eigene adresse angegeben. ins ‚bcc‘ gehören die empfänger. ausgesprochen unkompliziert det janze, wa?

abgesehen von der datensicherheit spielt aber ein weiterer aspekt eine große rolle. nach wie vor möchte ich selbst entscheiden können, wer welche meiner erreichbarkeiten kennt. nicht jeder, der meine handynummer gespeichert hat, soll mich zusätzlich mit schriftlicher konversation (chat, mail, postanschrift) enervieren. ohnehin hat es den augenschein, daß menschen zusehends maulfauler werden und dafür die tastatur klappern lassen. ich frage mich nur, ob das eher an kontaktscheu liegt oder doch eher an den attraktiven gratiskommunikationsangeboten? indes ist das meiste am telefon schneller und begreiflicher besprochen, wenn man sich schon nicht direkt in die augen sieht. auf die dahingeschmetterten sms von bumm-dumm-becker will ich gar nicht erst näher eingehen. das ist die neue, feige leichtigkeit des abfertigens. mein stichwort. ich mach‘ für heute schluß, weil ich sein will.

bier:meinungs:bild:ung

liebe kloschüssel,

sonntags umarme ich dich immer mit ganz besonderer inbrunst. ich klammere mich an deine kühlende keramik, während ich die unbill der woche aus mir herauswürge. ich leide nämlich an sonntäglicher boulevardbulimie. kennen sie das krankheitsbild etwa nicht? die symptome und ursachen sind wie oben beschrieben. so kann ich montags wieder fit zur arbeit und den boulevardesken sondermüll von unterwegs und den von kollegen obendrein mitgeteilten schlucken. mein gemeinarzt behandelt mich nur noch einmal pro quartal, obwohl das leiden chronischer mediennatur ist. er sagt, das würde von alleine verschwinden, wenn ich mich den medien nicht aussetzte. hah! von wegen, wegschauen und weghören – hab ich alles schon versucht. irgendeiner klatscht dir den unrat dann doch wieder ganz gezielt mitten in die visage.

oder dieser kommt per elektronischer post. ich bin mir zu 99,99 prozent sicher, nie an einem gewinnspiel teilgenommen zu haben oder unbedacht spammails zu öffnen. freitag ging dann das hier in meinem postfach ein:

Absender: SuperComm Data Marketing GmbH

Von: Testhaushalt newsletter@supercomm-mail.com

Sie erhalten diese E-Mail, durch Teilnahme an einem unserer Gewinnspiele oder einer unserer Umfragen (Übersicht unter http://www.netwerbung.de <http://supercomm-mail.com/12all/lt/t_go.php?i=3543&e=NzgyNTU0&l=-http–www.netwerbung.de&gt; ). Die auf den Seiten jeweils hinterlegten AGB fanden Ihre Zustimmung.

das wage ich arg anzuweifeln!!! vor allem nicht vom firmenrechner aus. da hätte sich längst der admin bei mir gemeldet, und ich hätte eine abmahnung von der firma bekommen. aber das mitgeschickte waaahnsinnswerbeangebot finde ich noch viel bezeichnender, wie man auf diesem screenshot sehen kann:

(c) axel springer ag

(c) axel springer ag

die klientel wird dadurch zweifellos auf bierkonsumenten beschränkt (im doppelten wortsinn), was ich im stillen ohnehin geahnt hatte. heute sind es keine uhren und haushaltsgeräte, mit denen die ‚bild am sonntag‘ mehr leser gewinnen kann. heute müssen menschliche grundbedürfnisse befriedigt werden – mit gratisbier und vorteilspreis. der tag müßte doppelt so lang sein, damit ich das alles wieder auskotzen könnte.

vielleicht kann mir irgendjemand verraten, wie man solche werber wieder los wird?  ich befürchte, wenn ich den ’newsletter‘ mit einer mail und betreff ‚austragen‘ beantworte, geht das scheißspiel erst in die hauptrunde, und das alles war nur der höpfisch-mälzische vorgeschmack – sprich bitter…

thanx for help!

bähx, ich muß gerade noch dreimal *würgwürgwürg* sagen, weil  mich dieser dummenfang derartig anekelt!

spam-shit: mit todesdrohungen auf dummenfang

heute morgen wurde ich mit einer spam-mail so richtig mies aus den resten meiner schläfrigkeit herausgerissen. in der betreffzeile stand ganz verlockend: ‚open or die‚. hallo?!!! ich bin gerade erst aufgestanden! wer wird mich denn da gleich mit todesdrohungen regelrecht becircen wollen? kommt mir jetzt bloß nicht schon wieder mit verschwörungstheorien und dem ganzen überflüssigen schutzzeugs daher. wir leben nun mal auf einem minenfeld. dieses perfide spiel mit dem sicherheitsbedürfnis von menschen! mein virtueller mülleimer frißt das einfach mit einem klick auf. der rechner hat es überlebt. und ich tippe noch…