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nullnummer

soll ich mich auf die straße vor das gebäude der lokalpostille lvz am peterssteinweg in leipzig stellen und laut aaahhh schreien? wer wird mich hören? wird man mich dann nicht in eine zwangsjacke stecken, unter pharmadrogen setzen und abführen? habe ich keine anderen probleme? ich rufe nicht, ich knipse nur. und auch die stencils sehen eher wie fahndungsfotos aus. möchte jemand von euch, daß sich türstehertypen seinen problemen widmen? also ich definitiv nicht.

und wenn man mal genau hinguckt, erkennt man ja die darsteller aus der 80er jahre fernsehserie wieder. rein zufällig kommt der gleichnamige film ab august in die kinos. und dann heißt es wieder: die bööösen sprayer! dabei sieht mir das doch ganz verdächtig nach einem fall von guerillamarketing aus. ich kann mir nicht vorstellen, daß sich das gleichnamige leipziger friseurteam so als pflasterschwalben verewigen würden. never! süßer die kinokassen sollen klingeln… oder?!

kitsch-bombenattentat in serie: ‚being erica‘

søren kierkegaards viel zitierte erkenntnis ‚leben läßt sich nur rückwärts verstehen, muß aber vorwärts gelebt werden‘ trifft den kern der kanadischen serie ‚being erica‘. die vorankündigungen klangen verheißungsvoll. die grundidee der serie basiert auf den reisen von erica strange in ihre vergangenheit (für mein empfinden keine allzu schwierige). in der ersten folge wird der charakter als eine problem-anfangsdreißigerin eingeführt: studiert, aber in der arbeitswelt und im privatleben nicht angekommen, single mit neurosen und einer vielzahl an komplexen. gähn, die welt ist voll von unnormalen menschen, verrücktheit eine modische attitüde.

prinzessin merkwürden begegnet gaaanz zufällig dem ebenso mysteriösen psychotherapeuten dr. tom, einem wandelnden zitatelexikon. jede katastrophe, jede falsche entscheidung ericas wird mit dem passenden spruch eines allgemein anerkannten philosophen oder schriftstellers untermalt, was in 13 folgen relativ zügig abgedroschen wirkt. dr. tom erscheint nach belieben und schickt die affektierte sinnsuchende nach jedem weiteren mißgeschick zurück in die vergangenheit. prinzipiell wird dazu die rückblende genutzt, was dann im verlauf  der serie bei mir dazu geführt hat, den immer wieder gleichen ausdruck der überraschung im gesicht der darstellerin bemitleidenswert gekünstelt und unglaubwürdig zu empfinden.

die dramatik einiger situationen wird nur allzu oft in bonbonsüßer romantik verdünnt. aufarbeitung von vergangenheit und neubewertung alter entscheidungen entwickeln zwar neue reibungsflächen und bringen verluste mit sich, doch werden die konflikte letztlich in einlullendem wohlgefallen aufgelöst. das fortschreiten der seelenwanderung zwischen den zeiten bewirkt  keine großen brüche im leben der protagonisten. partnerwechsel hier und da, ein bißchen streit mit der familie und den freunden, fremdgehen, vertrauensbruch, plötzliche karriere – die klassischen dramenstoffe mit ein paar läppischen platzenden seifenblasen. dazu eine prise grimmsches märchen (das häßliche entlein), drei tropfen 80er jahre nostalgie, noch eine messerspitze psychologie für jedermann und eine tasse voll lebensweisheit – fertig ist die seifenoper.

das gut gemeinte serienkonzept, philosophie und psychologie als lebensnahe wissenschaft zu vermitteln, scheitert an deren trivialisierung. da funkioniert die angewandte satirische kulturwissenschaft und gesellschaftskritik der ’simpsons‘ wesentlich besser.

wenn schon mit der zeitmaschine gespielt wird, dann doch bitteschön lieber zur erschaffung eines phantasiedeliriums (fiktion vs. alltag) und nicht lediglich zur selbstverwirklichung einer mitleid heischenden, vor kitsch triefenden neoromantikerin. als rezipient der zielgruppe kann ich nur zerknirscht mit kirschbomben werfen, die ohnehin kurz vor dem ziel zerschmolzen sind. fazit: konsumierbar für ewig mädchenhafte frauen, die gerne pop hören und jedem trend hinterherhecheln.

apropos popkultur und 80er-revival – meine nachbarn lassen mich gerade großzügig an ihrer greatest hits sammlung teilhaben. eben dudelte  ‚cheri cheri lady‘ von ‚modern talking‚, und jetzt wird die cd mit der skip-taste nach dem nächsten ohrenfolterknecht durchsucht. na, gute nacht dann!

serienjunkies (II) – mad men or clouds of smoke

spoilerwarnung! diese kolumne enthält hinweise auf den handlungsverlauf der serie!

eine werbeagentur in den 60ern. zum arbeitsalltag gehören die kippen und das kippen – hinter die binde. in den büros der werbechefs stehen überall karaffen mit schnaps. während der sitzungen, im bett (vor und nach dem sex), überall wird geraucht. kreativität und suchtverhalten sind hier untrennbar verbunden. die drogen bilden wohl letztlich auch sinnbild für die werbebranche. denn was machen werbetexter anderes als verschleiern und schönreden? nicht umsonst heißt der serienuntertitel von ‚mad men – where the truth lies‘.

so wie im berufsleben setzt sich die verschleierungstaktik und geheimniskrämerei auch im privatleben der charaktere fort. don draper  (jon hamm) lebt mit einer gestohlenen identität – bis sein bruder auftaucht relativ konfliktlos. er wird im laufe beider staffeln immer wieder mit seiner vergangengheit und mit den langen schatten seiner neuen identität konfrontiert – in rückblenden und traumsequenzen. im prinzip ist seine fremde identität nur eine verstärkende aussage über die werbewelt. obwohl die serie in den sixsties handelt, spielen gerade diese fake-figur, der betrug, das rollenspiel auch auf die heutige netzkultur an.

das größte entwicklungspotential besitzt meines erachtens peggy olson (gespielt von elisabeth moss). an der figur wird die veränderte rolle der frauen in der gesellschaft exerziert. von ihren männlichen kollegen belächelt, schafft sie den aufstieg von der sekretärin zur junior-werbetexterin. bereits zu beginn der serie wirkt sie im kreis der adretten weibchen auf ernährersuche reichlich fehl am platz. ihr zugeknöpfter kleiderstil, ihre biedere frisur, ihr ungeschminktes gesicht – alles zusammen ergibt das bild einer jungfer vom lande, gerade frisch aus dem streng katholischen mädcheninternat entlassen. das ist aber nur das äußere und trügerische erscheinungsbild. am abend des junggesellenabschieds wird sie sich vom bräutigam pete campbell (vincent kartheiser) entjungfern und schwängern lassen und nach der entbindung ihr uneheliches kind zur adoption freigeben. damit bleibt ihr nicht nur die nachrede der sittenlosikeit erspart, sie kann auch weiter an ihrem beruflichen aufstieg arbeiten.

peggy olson und pete campbell, (c) 2009, american movie classics company, llc.

peggy olson und pete campbell, (c) 2009, american movie classics company, llc.

nachdem die phase der bewußten unattraktivität während der schwangerschaft vorbei ist, wird diese frau zusehends forscher – in ihren forderungen gegenüber dem chef, in den konferenzen mit ihren männlichen kollegen, in ihrer koketterie und in ihrem aussehen.

und jedes mal, wenn eine wahrheit ans licht kommt, wird es für eine der figuren finster. ein faszinierendes auf und ab, entbehrungsreich oder lustvoll. es ist ein spiel mit doppeldeutigkeiten und andeutungen. vieles ist nicht so, wie es er:scheint. es könnte auch alles ganz anders sein. ein bißchen über die wa(h)re wahrheit und die verlockungen der welt.

serienjunkies (to be continued)

seit ich ‚six feet under‘ gesehen habe, bin ich einigen amerikanischen fernsehserien verfallen. ich schaue sie immer im original mit untertiteln, damit sich meine englischkenntnisse entwickeln und ich nebenbei die aussprache verbessern kann (ja, ich weiß, es ist american english). in der schule hatte ich ja leider nur die möglichkeit, russisch und französisch zu lernen. mit omu macht das lernen aber mehr spaß. und die muttersprachler kreuzen hier nicht so häufig meinen weg.

es sind in der zwischenzeit einige neue, darunter auch sehr sehenswerte serien hinzugekommen. ich sehe einige leser die nase rümpfen – igittigitt – fernsehserien. klar, wenn man nur deutsche serien oder amerikanische übernahmen mit synchronisation kennt! in amerika aber ist die qualität einiger serien sowohl filmtechnisch (kamera, regie, drehbuch, dramturgie, szenenbild, ausstattung, dialoge) als auch inhaltlich weitaus höher als im deutschen fernsehen (öffentlich-rechtlich und privat).

(c) 2008 showtime networks, inc.

(c) 2008 showtime networks, inc.

spoilerwarnung (dexter, mad men)! enthält hinweise zum handlungsfortgang!

beste krimi-drama-serie mit rabenschwarzem humor ist derzeit ‚dexter‘. läuft auch auf irgendeinem deutschen privatfernsehsender. die serie handelt von dem forensiker dexter morgan (michael c. hall, ebenfalls darsteller in ‚six feet under‚), der ein kontrastreiches doppelleben führt. einerseits arbeitet er an der aufklärung von morden, andererseits tötet er nach einem bestimmten ritual und einem bestimmten ehrenkodex mörder, die bisher von der justiz verschont blieben. drei staffeln sind bisher auf showtime gelaufen, zwei weitere staffeln geordert. in den jeweiligen staffeln wird immer gegen serienmörder ermittelt, die tode sind nahzu kunstvoll inszeniert und erinnern gelegentlich an mittelalterliche gemälde. dexter morgan steht mehrfach kurz vor seiner entdeckung.  aus den blutspuren und roten fäden kreiert er am tatort eine spurenlage, die er fotografiert und in seinem büro als fetisch-kunstwerke drapiert. ich habe selten krimis gesehen, bei denen die dramaturgischen wendungen so unvorhersehbar und raffiniert waren. ich schalte nämlich sonst einfach aus oder verlasse demonstrativ das kino, wenn der plot zu berechenbar geraten ist. hier aber schwanken die gefühle zwischen sympathie und antipathie, zwischen genuß und ekel, fieberhafter erwartung und entspannung. irgendwo zwischen selbstjustiz und hartnäckiger ermittlerarbeit schillert die debatte um die todesstrafe in grauenhafter beleuchtung auf. nun, da dexter frisch verheiratet ist und sein junggesellenapartment aufgeben wird, muß er seine mörderische und geheime seite noch  stärker abschotten oder aber seinen gerechtigkeitssinn revidieren… to be continued!

(c) 2009 american movie classics company, llc.

(c) 2009 american movie classics company, llc.

die dramaserie ‚mad men‘ entwickelt ihre geschichte um die mitarbeiter einer werbeagentur und ihren familien in den 60er jahren. zwei staffeln sind auf amc ausgestrahlt worden (weiß gerade nicht, ob eine deutsche ausstrahlung geplant ist). die serie wurde mit mehreren preisen dekoriert. sie ist ein spiegel der gesellschaft, der vor allem minutiös die geschlechterrollen in der arbeitswelt bebildert. die serie bietet liebhabern des sixty-designs einen wahren augenschmaus (kostüm, möbel, kleidung, frisuren, autos – alles originalgetreu und detailgenau). die dialoge sind extrem zugespitzt, wortspielereien in einer werbeagentur natürlich inbegriffen. die charaktere könnten unterschiedlicher kaum sein: vom schwulen, der sich (noch) nicht traut, seine sexualität auszuleben, der sekretärin, die zur texterin aufsteigt und sich permanent gegen ihre männlichen kollegen behaupten muß und ebenso unterbezahlt bleibt, bis hin zu alleinerziehenden frauen. in einer zeit, in der das alles noch nicht so alltäglich war wie heute, werden konflikte unter den teppich gekehrt oder ausgetragen, je nach charakter. reizvoll geraten sind die zwickmühlen, in denen die protagonisten und antagonisten immer wieder lange mit dem innen, dem anderen und dem moralischen außen ringen. alleine der serienvorpsann (scherenschnitt-animation) wäre hier kaum denkbar.

nun will ich mal alle serienfans weiter zappe(l)n lassen. bald geht es an dieser stelle weiter mit ‚lie to me‘, ‚being erica‘ (kanada), ‚the united states of tara‘, ‚damages‘ und –  nicht zu vergessen – ‚in treatment‘…

bis denne!