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licht und schatten

lange schatten am nachmittag, kurze tage, schier endlose nächte, in denen man reden kann bei leise knisterndem kerzenschein. tage, die wie im flug vergehen. versponnene, klirrend kalte nächte, zuflucht in wärmender behaglichkeit. kühle gliedmaßen erglühen. im inneren dieses kribbeln – so lange der frost währt, jeden sonnenstrahl fangend, wartend auf mehr.

herbstzeit:lose

wo die einsamkeit aufhört, da beginnt der markt; und wo der markt beginnt, da beginnt auch der lärm der großen schauspieler und das gewirr der giftigen fliegen.*

* friedrich nietzsche, werke II – also sprach zarathustra

selbstporträt. eine aussicht.

fachchinesisch

verbalpräfix für handwerker. oder wie erklärt man den unterschied zwischen schatten und beschatten? eine unendliche sprachbaustelle.

es reicht den handwerkern offenbar nicht, daß wir großflächig videoüberwacht werden. sie wollen uns nun auch beschattungsanlagen für unsere balkone andrehen. getarnt als sonnenschutztechnik. daheim besteht sowieso die größte verdunkelungsgefahr. das suchte den terrorängstlichen auch schon die einstige bundesinnenschablone erfolgreich einzureden.

ja, wahrscheinlich trappelt demächst ein ganze horde trojanische pferde durch meine bude, holzwürmer durchbohren meine möbel und würmer malen meine rechnerdateien unkenntlich bunt an. dertartige freiheitsberaubung läßt mich nicht mal mehr den platz an der sonne ohne beobachtung genießen. dabei genügen mir die spanner von schräg gegenüber schon, um mich wieder aus dem grünoaslichen freiluftambiente zu verkrümeln. in der wüste der spitzelei und unter dem verdörrten gestrüpp der fachchinesischen stilblüten möge euch die puste ausgehen.

jedenfalls verlegte einer meiner bauingenieursbekannten auch in seiner ganzen diplomarbeit konsequent fließen. ich habe ihn vor dem ertrinken im sprachluß gerettet. dafür kleben in meiner wohnung jetzt jedenfalls fliesen an der wand, woran das wasser wunderbar abperlen kann. vielleicht sollte ich mich langsam in den schatten zurückziehen. ich glaube, ich habe einen sonnenstich, wurde vom hafer gestochen oder nur einer biene, dafür mit der wirkung eines anaphylaktischen schocks. so viel sprachliche verwirrung. turm zu babbel? nee, nicht der fußballspieler… ich geb‘ meine oberlehrerallüren für heute auf.