Schlagwort-Archive: schafskälte

scha:r:fsinn

um neues zu entdecken, muß ich nicht zwingend meine vertraute umgebung verlassen. ich kann einfach meine wahrnehmungsposition verändern. das pfingstwochenende mit besuchern bot solche möglichkeiten, aus dem alltäglichen auszubrechen, ohne auf drogen zurückzugreifen, wie aldous huxley es in seinem aufsatz ‚die pforten der wahrnehmung‘ beschreibt. schon der tempowechsel der fortbewegung von fahrrad auf füße entschleunigt, öffnet den blick für sonst vorbeirauschende kleine details. da müssen nicht die in allen touristenführern beschriebenen sehenswürdigkeiten begafft werden, die  die gäste ohnehin schon vor jahren gesehen haben. überall an den fassaden, regenrohren, stromkästen, laternenpfählen, verkehrsschildern und mauern findet sich street art, nachdenkliches, kurioses; ganz beiläufiges, was stutzig macht. ich frage mich manchmal, wer  bei den entdeckungstouren eigentlich neugieriger ist, die besucher oder ich?

die gespräche umkreisen verschiedene themen, plötzlich unterbricht wieder einer und sagt: das da drüben muß ich mir mal aus der nähe betrachten. wühlen in den hosentaschen, kamera auspacken, hoffen, daß die bildqualität stimmt, ein bißchen mit der belichtungszeit spielen, mit den perspektiven. das vergängliche irgendwie festhalten wollen, bevor es übermalt, gecrosst oder überklebt wird. und dabei an die flüchtigkeit des lebens denken, an zufall, an politische grabenkämpfe; feststellen, daß man ganz nebenbei lernt, verschiedene stile zu unterscheiden und wiederzuerkennen; sich nicht darüber wundert, warum man nie hausbesitzer werden wollte.

peu à peu werde ich das fotografierte hier dokumentieren, wenn es zum thema paßt oder sich ein eigenes thema aus den bildern ergibt. und weil gerade wieder viele über die schafskälte meckern, habe ich in meinem fundus schon die entspechende bildliche darstellung gefunden.

schafskaelte

ich freue mich über jeden besuch, in der realität über den angekündigten, in der virtualität über den unverhofften, der mit mir nicht über das wetter kommunizieren will. small-schreib (fieses denglisch) und -talk gehörten so gar nicht zu meinen stärken und stellen mich vor große geduldsproben. einfach nur höflich sein wollen, finde ich sekkant. menschen werden für mich oft erst interessant, wenn sie ihre masken ablegen oder sich ganz offensichtlich  maskieren, um ihr lebensgefühl auszudrücken. dafür nehme ich mir liebend gerne viel zeit. vielleicht wird auf diese weise aus dem wolf im schafspelz ein respektables wesen. vielleicht aus scharf- auch nur schafsinn. perspektivenwechsel und zeit sind meine basis für veränderung.

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die heiß:eiligen

heißeilige! das müssen pizza-lieferanten sein oder kellner. oder sexgierige mit erektilem übereifer. im mai treibt auch die moderatorensprache ihre stilblüten und zeigt die umtriebigkeiten der sprechenden.

wobei die wetterkapriolen ohnehin ein beliebtes smalltalkthema sind. (es gibt sonst keine wichtigeren themen im leben mancher schnatterinchen!). über das wetter wird leider sogar ge:t:wittert. microblogging zeichnet sich offenbar größtenteils durch den austausch von banalitäten aus. bisher benutze ich nur die search-funktion. vermutlich wird es dabei bleiben, denn diese hyperkommunikation einiger zeitgenossen nervt manchmal ungemein.

heute früh habe ich ebendort zum thema leipzig gesucht. in nachricht eins war denn auch die hochinteressante meldung zu lesen: ‚leipzig. die sonne scheint!‚ wow! welch außerordentlich hoher und geistreicher  nachrichtengehalt! aus dem fenster habe ich allemal geschaut, wenn mein rechner schon an ist. und blinde können im allgemeinen nur brailleschrift lesen. gibt’s sowas bei twitter denn etwa schon? hoffentlich halten sich erfinder da zurück. nicht, daß ich blinde von der informationsschwemme ausschließen wollte. bewahre! nur manches muß auch ungesehen, ungelesen, ungesagt, ungeschrieben bleiben. eine welt ohne geheimnisse, wissenslücken und rätsel wäre doch trostlos. worauf sollte ich meine neugier dann richten? selbsterkundung? auf dauer wird das auch langweilig, und vielleicht wird der sich-selbst-suchende nur noch wehleidiger…

zurück vom gedankenschweifen (oder doch gedankenschweigen). klar wollte frau moderatorin über die eisheiligen reden. auf das glatteis führte sie offensichtlich der vorangehende beitrag mit einer spielszene zur illustration der sage von der kalten sophie, die die vier theoretisch enthaltsam lebenden mönche mamertus, pankratius, servatius und bonifatius verführt haben soll.  wobei die körperliche und seelische blöße religiös-folgerichtig mit kalten füßen auf ewiger wanderschaft bestraft wurde.

entgegen der überholten bauernregel habe ich stadtmensch meine pflanzen in schnöder manier bereits seit anfang april auf dem balkon auf ihren stammplätzen nächtigen lassen. nicht ein einziges mal mußte ich die pflanzen  wegen frostgefahr in die wohnung räumen. im juni kann dann noch das schaf wegen der kälte ein bißchen blöken. drehe ich eben  kaltschnäuzig meine fußbodenheizung wieder an. im moment bin ich aber ganz heiß auf eis.