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farbe bekennen 2010: schwarz-weiß

heute wird es kontrastreich, ziehen die nichtfarben schwarz und weiß in den krieg, betreibe ich absichtlich schwarz-weiß-malerei, nee, nee, nee -fotografie. das möchte frau himbeermarmelade nämlich nur farblich in dieser woche für das projekt farbe bekennen 2010. ich habe auch in den 16 wochen keine kampfhähne in kontrastkleidung getroffen, nur ein paar anhänger der schwarz-bunten szene beim wgt 2010 in leipzig. die sahen aber sehr friedlich und eher romantisch aus. ich will den frieden auch nicht weiter stören, denn das erledigen andere ja auch oft ohne  wunsch oder auftrag. vielleicht hat einer der anderen farbenbekenner im flickr-pool ja eine solche szene abgelichtet oder gar gemalt.

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das erste foto zeigt mein geliebtes „mistvieh“, auch katze genannt, frau galotti, deren schwarz-weißes fell immer ganz besonders leuchtet, wenn ich mit ihr in der badewanne ball spiele. sie ist schon ziemlich gut im tor und hechtet beinahe jedem ball hinterher. der abstrakte vogel (?) auf dem zweiten bild hing in der street-art-ausstellung im pöge-haus. leider kann ich die signatur nicht entziffern, wenn das zufällig jemand weiß oder erkennt, dann bitte einfach im kommentarbereich melden. und die die frage „war’s das?“ (schon), stelle ich mir auch oft. meistens bekomme ich keine antwort darauf. den wandschriftzug habe ich ebenfalls im pöge-haus abgelichtet. die dame- bzw. mühle-spielsteine sind wie so oft aus dem grassimuseum für angewandte kunst (keine sorge, ich habe noch mehr fotos an diesem ort geknipst ;-)). das pixel-roboter-stencil ziert eine hauswand in der arndtstraße in der leipziger südvorstadt. wenn wir nicht von außerirdischen gesteuert werden, dann befinden wir uns wenigstens schon unter der kontrolle von maschinen. das doppel-m-logo der alten messe leipzig befindet sich am osttor des geländes. dieser alte zeitungsfetzen mit einer kritik über bertolt brecht  flatterte dort auf dem platz im wind herum. die verwitterte nummer der messehalle drei klebt an einer alten tür. der schwarze rabe ist nicht für den maroden zustand der ehemaligen messehalle zuständig, sitzt aber wohl ganz gerne auf dem aussichtspunkt. und als letztes wird mit dem wächter-lichtschalter auf den kontrast von hell und dunkel hingewiesen. denn schwarz und weiß ist auch ein unterschied wie tag und nacht.

na, altes haus?!

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es ist noch nicht allzu lange her, da konnte ich legal das lange leerstehende pöge-haus in leipzig in der hedwigstraße besichtigen. natürlich im rahmen einer kunstakion, aber besser so als gar nicht. viele bilder davon habe ich noch gar nicht gezeigt. denn es war für mich nicht nur geruchlich eine reise in die vergangenheit – es roch nach altem linoleumbelag, nach alten lösungsmitteln und neuen, nach der vermoderten tapete, nach jahrelang ungelüftetem wohnraum. die treppen knarrten, die dielenbretter auch. an den wänden klebten teilweise die tapetenmuster aus der ddr. in einigen räumen fanden sich fundsücke aus der ruine als ausstellungsstücke wieder. wenn wir unsere erinnerungen in einen karton packen und ihn zuschnüren und ihn auf den dachboden oder in den keller bringen würden, kehrten sie nicht als diffuse teilchen und unerwartet wieder in unseren kopf zurück? kennen erinnerungen so etwas wie ruhezeiten? können sie zu einem anderen zeitpunkt nicht wie ein schnell geschnittener film vor uns aufflackern? könnten wir doch manchmal einfach nur play drücken oder pause, schneller oder langsamer zurückspulen… und doch haben wir kein steuer für unsere erinnerungen in der hand. sie sind scheinbar willkürlich da oder verschwunden. und ich weiß nicht, wo sie sich gerade aufhalten, ob im vorzimmer oder im oberstübchen, im souterrain oder auf dem balkon.

in diesem gebäude wurde mir die damalige ddr-mangelwirtschaft mal wieder so richtig bewußt. ich stand in den schmalen fluren und erblickte die laienhaft eingezogenen zwischenböden an den wänden, die aus allem möglichen material zusammengebastelt wurden. manchmal aus türen zurecht gesägt, manchmal aus brettern, manchmal aus alten möbelstücken. alles wurde irgendwie weiterverwertet. nachhaltigkeit aus mangel an rohstoffen. nun sind die rohstoffe der welt noch genauso endlich, aber auch immer noch ungleichmäßig verteilt. gerade deswegen finde ich es schön, wenn alte dinge aussortiert werden, die einfach überflüssig sind, diese aber nicht einfach weggeworfen werden, sondern verschenkt oder für einen symbolischen wert an einen neuen liebhaber verkauft werden. heute finden wir das bei fudelchen, vor kurzem hat paradalis ihre taschensammlung teilaufgelöst. dieser virtuelle flohmarkt ist ein anfang und ein beitrag dazu. noch besser wäre es allerdings, wenn wir unseren konsum stärker auf das wirklich notwendige beschränkten. dabei muß ich nicht mal den zeigefinger ausstrecken. ich kann gleich mal bei mir anfangen. irgendwann zwischen den jahren wird es bei mir auch wieder so weit sein. das aussortieren und neusortieren und umordnen am jahreswechsel ist mein ritual. ob ich meinen kopf auch ein bißchen umräume? es stände ihm bestimmt gut zu gesicht. und bis zum jahreswechsel kann ich dieses mal nicht ausharren. manchmal ist das leben eines menschen wie ein altes haus. es muß gelegentlich saniert oder ausgebessert werden. einiges muß komplett herausgerissen werden, manches darf bleiben, wie es ist, anderes wird neu angemalt. und nun mache ich mich mal an die arbeit.

scharfes unscharf

die freidenkerin hat mal irgendwann das lustige fotoprojekt cam unsharp initiiert. und da ergreife ich doch mal die gelegenheit, eines meiner mißlungenen fotomotive hier einzustellen. puppenstube heißt diese installation von den kunstpädagogikstudentinnen sarah neufeld und sophie girwert aus barbie/puppen und einer sexpuppe, die im pöge-haus während der aktion kunst am markt zu sehen war. durch ein guckloch durfte ich einen verstohlenen blick auf ein symbol für die sexualisierung der gesellschaft werfen.

die zweite aufnahme erscheint mir dann doch etwas schärfer. aber die unscharfe, überbelichtete variante versinnbildlicht so plastisch  die vielfältigen betrachtungsweisen zum thema prostitution. im männlichen blick der befriedigung liegt ein bißchen die rosatönung. in einem sozialen brennpunkt wie dem eisenbahnstraßen-kiez in leipzig scheint das neben drogenhandel ein großes thema zu sein. ich treibe mich da jedenfalls nachts nicht in der gegend rum und kann also auch nicht aus erster hand berichten. natürlich gibt es auch immer die seite der anwohner, die sich von freiern oder luststöhnern belästigt fühlen. und dann existiert die armut der frauen, die ihren körper verkaufen, um zu leben, die das vielleicht auch nicht immer ganz freiwillig tun (stichwort: menschenhandel). ich denke aber auch, daß das älteste gewerbe der welt seine berechtigung hat und legal sein muß. irgendjemand muß sich um die sexuelle befriedigung kümmern, wenn die unerfüllte lust daheim zum frustpotential wird. ein bißchen bewundere ich die fähigkeit der nutten, ihren ekel, den sie bestimmt manchmal empfinden, zu überwinden. andererseits kann ich mir nicht vorstellen, meinen körper zu entwürdigen. auch wenn viel schönes heutzutage nicht mehr nur geil ist, sondern porno. dafür da bin ich wohl viel zu sehr stino und naivchen, aber vor allem romantikerin.

illusionen

street art mal in einem eckzimmer des pöge-hauses in leipzig bei der aktion kunst am markt. man könnte bei diesen beiden projekten von christian rug und simon rosenow auch getrost sagen, der schein trügt.

denn es gibt keinen soldaten, der schatten wirft, nur ein stencil an der wand.

und hinten in der ecke kniet auch keiner und bemalt die wände. alles künstlerischer lug und trug auf einem schablonenumriß aus polystyrol. das sind zwei sehr zeitgemäße und gelungene beispiele für trompe-l’œils.