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unheimliche begegnung der dritten art (IV)

fbi-agentin wortfeile ist fast so blind wie ein maulwurf, nachdem sie vom grellen sonnenschein in die unbeleuchtete halle tritt. gar nicht gut für den fortgang der ermittlungen, muß sie sich doch nun mehr auf hörsinn, geruchssinn und tastsinn verlassen. als sich die pupillen an die dunkelheit angepaßt haben ist ihr erster eindruck: angst. durch die riesigen fenster von gegenüber wird sie erneut durch die sonne geblendet. von oben dringt ein  übernatürlich wirkender, gleißender, blauer lichtschein in die halle. jetzt bist du verloren. niemand sieht dich mehr. und die aliens können dich ungehindert entführen. es würde erst nach stunden auffallen. für eine rettung wesentlich zu spät. in dem leerstehenden gebäude mit dem schummrigen licht hallt jeder schritt nach. auf dem boden knirschen glassplitter. aus irgendeiner weit entfernten ecke prallt das hohle echo auf mich zurück. mein kopf und mein magen schlagen eine leerung vor.

an fast jeder wand haben sie botschaften für mich angemalt, die teilweise aus mir unverstädlichen symbolen und teilweise aus menschlichen schriftzeichen bestehen. hier steht als vorwarnung: each time i see your face i get a headache!! jaaa, mulmig ist mir jetzt auch zumute. in der magengrube breitet sich eine leichte übelkeit weiter aus, steigt durch die speiseröhre nach oben und hinterläßt auf der zunge einen trockenen belag, der einen scharfen nachgeschmack hat. die haben mich doch nicht schon ohne meine erlaubnis infiltriert? das herz klopft bis zum hals. die luft steht. in ihr schweben die miasmen von maschinenöl und altem rauch. im kopf setzt ein brummen ein.

auch ohne extra beleuchtetes verbot ist mir gerade nicht nach einer fluppe zumute. dafür ist die übelkeit zu übermächtig, der druck im kopf zu stark, obwohl ich in paniksituationen sonst gern mal eine zigarette zur vermeintlichen beruhigung der nerven rauche, zittern meine hände so sehr, daß ich die kippe wohl kaum anzünden könnte.

wahrscheinlich habe ich mir in teil II der geschichte völlig falsche vorstellungen vom aussehen der außerirdischen gemacht… wenn ich das hier so sehe, dann muß ich mir wohl unter dem geometrischen jungen anic eine verwinkelte 3-d-gestalt vorstellen, die aus rohren und pfeilen besteht. die lage sieht jetzt für mich mal gar nicht so rosig aus, wenn pazifistin und pfeilgespickter geometro aufeinander treffen sollten.

wer weiß, ob sich nicht gleich einer dieser müffelnden schutthaufen bewegt oder die zeichnungen auf der wand zum leben erwachen? angstverblendet bin ich auf alles  und in allem ziemlich schlecht vorbereitet. das einzige, was als nahkampfwaffe durchgehen könnte, ist mein feuerzeug. *klickklick*

an mehrern wänden finde ich zeichnungen der skyline von leipzig bei nacht. ist das jetzt so was wie eine alien-street-view? ist da etwa sogar meine wohnung mit abgebildet?! ich betrachte die zeichnungen nur flüchtig, weil ich abertausende augen auf mich gerichtet fühle, wenn auch kein leib dazu erscheint. vielleicht sind die aliens aber auch luftwesen, somit für mich unsichtbar, *schluck*…

als ich diese botschaft entschlüssele, will mein arsch in richtung grundeis rutschen. die können meine gedanken lesen! drohen mit tod durch ersticken. so will ich nicht sterben. ehrlich! könnt ihr euch nicht etwas anderes für mich ausdenken? wie? ich bin medial geschädigt? mag sein, aber man wird doch wohl noch wünsche äußern dürfen! nicht? *mwäääh, flenn*

na, nun braucht ihr mich auch nicht mehr vor einem tabubruch zu warnen! im angesicht des todes verliert fbi-agentin wortfeile die angst und durchschreitet das tor zur alienhölle.

ob ich vor schock graue haare bekomme, wenn ich da jetzt links dran vorbeigehe? muß ich noch versprechen abgeben, daß ich nie wieder crosse? aber ich hab doch noch nie eine wand besprüht, nur immer fleißig bei umzügen schönheitsreparaturen abgearbeitet. und jetzt das! wofür werde ich eigentlich bestraft? für meine neugier? toll!

im nächsten raum angekommen, blicke ich erneut in das gesicht eines außerirdischen. nun ja, wenn der skeptiker nicht davon zu überzeugen ist, daß es leben auf anderen planeten gibt, kann man sich hier sogar vom verschiedenen aussehen der jeweiligen spezies ein bild machen. es ist zum fürchten. dieser mund! wie die zacken einer schneidmaschine. also zerstückeln finde ich jetzt auch nicht wirklich besser. ich stolpere beim anblick und schlage hastig den fluchtweg ein.

hmmm, sollte ich mir diesen zahlencode besser doch einprägen? vielleicht verschafft er mir einen vorteil im kampf mit den außerweltlichen mächten, und ich komme doch mit heiler haut davon? vorsichtshalber mache ich mal ein foto. weil: auf mein gedächtnis ist in angstsituationen auch nicht 100%ig verlaß.

ob auf der spraydose fingerabdrücke der aliens zu finden sind? und wenn ja, wie könnte es mir gelingen, diese zu sichern und irgendeiner spezies zuzuordnen, die doch noch niemals jemand zu gesicht bekommen hat? findet ihr nicht auch, daß dieser pfeil hier sehr nach einem gebotsschild aus unserem straßenverkehr aussieht? ich stelle mich mental auf gewaltsamen ideenraub ein. wie kann ich meinen kopf dagegen schützen? hätte ich doch nur einen fahrradschutzhelm… aber nee, fbi-agentin wortfeile möchte eben lieber hübsch aussehen, wenn sie angefahren oder von aliens ihrer gedanken oder gar ihrer erinnerungen beraubt wird. ihr in diesem fall typisches weibchenveralten könnte also zur fiesen falle werden.

merkwürdig… nochmal die leipziger skyline mit der zahl 219. was hat das zu bedeuten? ist das eine hausnummer? kommen sie da heute nacht an und gar nicht hier? und dann entdecke ich rechts noch eine internetadresse. die haben das bei den alien-street-view-aufnahmen ähnlich illegal gehalten wie go:ogle. einfach router, ip und zugehörige websiten abgespeichert. anders kann ich mir das jetzt mal nicht erklären. die sind echt auf datendiebstahl aus. von wegen: wir kommen in friedlicher absicht! *pöööh* ich glaube euch kein wort!

und das hier muß wohl dann schon eine utopische version der besetzung von leipzig durch außerirdische sein. die kontrollieren die zugänge zur stadt mit einem stacheldrahtzaun, an dem schon blut klebt. und unten drunter wabert eine grüne masse, die das herz der stadt erobert hat. ieeeh, ich mag glibber ja üüüberhaupt nicht!

das hier sieht mir beinahe aus, wie das herz des alienaußenpostens, die schaltzentrale. aber ihre geräte oder waffen haben sie alle mitgenommen. wie komme ich bloß aus dieser klitzekleinen angstkrise wieder heraus?

ja, daß da nüscht mehr zu holen ist, sehe ich auch. die werden doch nicht eine schwangere anarchistin entführt haben, um eine chimäre zu kreiern? langsam wird mir der ort immer unheimlicher.

es riecht auch nach rauch, immer stärker. ich kann die richtung nicht orten. bei der suche nach der geruchsquelle blicke ich dann in das gesicht dieses monsterdinos. über mir ist wieder fluglärm wahrzunehmen. draußen tönen die sirenen von rettungsfahrzeugen. es scheint eine ganze armada anzurücken. doch ich blick wie angwurzelt und gebannt in diese zackenfresse. zu viele eindrücke auf einmal. in meinem kopf überschlagen sich gedanken. woher? wohin? was soll ich nur tun? wie kann ich sowohl aliens als auch polizei entkommen?

to be continued…

unheimliche begegnung der dritten art (III)

ich hatte also diese ganzen gesichter und gestalten vor meinem inneren auge revue passieren lassen. und dennoch zog es mich magisch zu diesem ort. zuvor hatte ich die neue semmelweisbrücke passiert und von oben auf dieses verfallene gebäude geblickt, als ob ich es das erste mal im leben sehen würde. unter mir verliefen die bahngleise für die neue stadtbahnanbindung. im hintergrund lockte dieses alte backsteingebäude, daß in einem merkwürdigen halbkreis gebaut war. die geometrische form erinnerte mich aus der entfernung an kornkreise. würde ich dort eine botschaft finden? wenn ja, welche? ich schaute mich nach einer lücke im bauzaun um und brauchte nicht lange zu suchen. noch ein blick auf die brücke: würde mich jemand sehen, wie ich das verbotene stück land betrete? kein verkehr. wahrscheinlich waren alle gerade an der kaffeetafel zum gemütlichen schlemmen versammelt. um so besser, aber auch um so riskanter. ich verließ die brücke, parkte mein stahlroß an einem zaun. und betrat das öde wirkende gelände.

unsicher und sehr vorsichtig warf ich einen letzten blick zurück auf die von menschen bewohnte und bebaute gegend. niemand folgte mir. es war hell. die heiße sonne schien mein gemüt zu erhitzen. der pulsschlag erhöhte sich merklich. würde mich wolfram vom plattenbau aus mit dem feldstecher beobachten und die polizei rufen? oder würde er lieber zum bier greifen? oder würde er mir gar nachstiefeln? mit einem schulterzucken tat ich diese überlegungen als nichtig ab. und ging langsam voran.

bis ich unter einem alten schornstein stand. ich legte den kopf in den nacken und starrte nach oben. ein leichter schwindel befiel mich, und es kam mir so vor, als würde sich der schornstein auf mich zu bewegen. ich rückte den kopf wieder gerade, schüttelte ihn, so daß die wangen ein wenig so schlabberten wie bei einem hund mit überdimensionaler schnauze. die sonne brannte doch sehr auf dem kopf. hatte ich schon einen sonnenstich? sind das halluzinationen? mein verstand arbeitete eifrig wissenschaftliche erklärungen ab, um die wüsten gedanken zu vertreiben. nun konnte ich auch wieder einen fuß vor den anderen setzen, und das zittern in den beinen ließ merklich nach.

links sah ich einen verwitterten holzkasten mit rostigen haken. was da wohl mal drin war? wer hat es mitgenommen? und wofür?

daneben konnte ich durch einen alten stahlfensterrahmen mit glassplittern, an dem jemand sich ausgiebig abreagiert haben mußte (noch einen steinwurf und noch einen – die langeweile schlägt oft in sinnlose zerstörungswut um.), einen ersten blick in das gebäude erhaschen. die halle schien riesig zu sein. auch die oberen lichtfenster waren alle zerstört. ja, da hatte sich jemand verausgabt. aber wer? hatte sich jemand auf einen wettkampf im hochwurf vorbereitet? sollte das eine neue olympische disziplin werden, und nur ich war mal wieder so uninformiert? ohne die frage endgültig klären zu können, tappte ich unverdrossen weiter.

in dem halbrund hatte man zahlreiche toreinfahrten nebeneinander gebaut. manche waren zugemauert, manche waren mit toren verschlossen, andere wiederum standen sperrangelweit offen – ohne jegliches hindernis. eine einladung, der ich später folgen würde. gaaanz sicher. die toreinfahrten waren alle ganz ordentlich nummeriert.

würde ich nummer zwei wählen oder nummer neun oder doch die zehn? ich schwankte kurz zwischen den möglichkeiten, entschloß mich aber, zunächst noch den rest des geländes genauer zu inspizieren.

wofür war denn etwa diese drehscheibe nur da? da paßt doch locker ein ufo drauf. hatten uns die außerirdischen schon vor langer zeit verlassen? war die menschheit für sie nur ein hoffnungsloser fall unter vielen? waren das spuren eines kampfes am geländer?

jaja, ich spürte es ganz deutlich. hier haben sie angelegt, die stange hochgeklappt, um dort ihre raumschifftreppe auszufahren und ganz sicher austeigen zu können. man, das hätte ich ja allzu gerne mal gesehen. in meinem kopf laufen dazu zahlreiche töne ab, die wie ein orchester die landung untermalen. ich hatte als kind captain future geliebt, und nun kriegte ich die anfangsmelodie nicht mehr aus dem dickschädel.

ich trat näher und sah im kellergeschoß des merkwürdigen konstruktes ein verrostetes rad. hmmm… ob das wohl irgendetwas mit dem mechanismus für die ufotreppe zu tun hat? könnte sein… ich stupste vorsichtig mit meinem turnschuh dagegen. nicht behutsam genug. mein großer zeh zog sich schmerzgebeutelt zusammen, soweit ein enger turnschuh das eben zuläßt, und ich zog hyperventilierend die luft zwischen zusammengebissenen zähnen ein. auuuuuu, dachte ich lieber leise vor mich hin. wer weiß, ob nicht doch einer zurückgeblieben war und mich beobachtete? das rad hatte sich null milimeter bewegt, nur einen quietschenden ton von sich gegeben.

ich schlich um diese drehscheibe herum wie ein indianer. ich versuchte, mich so lautlos wie möglich zu bewegen, und mein gang war leicht geduckt, dachte ich doch, das hoch stehende unkraut würde mich vor den blicken anderer bewahren. und da war ja auch noch dieser seltsame schuppen aus holz, ebenfalls ziemlich ramponiert.

ich näherte mich diesem geheimnisvollen rund und blickte in den abgrund. an die mauern hatte jemand zeichen gemalt, symbole, die ich nicht zu deuten wußte. im hintergrund baumelte ein stück stoff herunter. war das eines ihrer gewänder? hatten sie es so eilig, von hier wegzukommen, daß einer nackt ins ufo einsteigen mußte? und dann lag da noch dieser holzbalken in einer art zahnrad. es wirkte so, als ob jemand versucht hätte, ihren abflug mit brachialen mitteln zu verhindern. aber nichts dort deutete auf trümmer eines ufos hin. also hatten sie uns vermutlich verlassen. und sich mir nicht mal vorgestellt? ganz schön unhöflich das.

jemand hatte ein brett aus dem schuppen gerissen, so daß ich einige details erhaschen konnte. der boden war mit scherben übersät, links liegt eine farbspraydose, mit der sie wohl ihren abschiedsgruß auf die mauer gesprüht hatten, und mitten im schuppen ragte ein drehrad in die höhe. tja, so langsam gingen mir aber die deutungen aus, denn den mechanismus hatte ich immer noch nicht durchschaut. wozu denn jetzt das? ließ sich damit etwa die drehscheibe früher im boden versenken? hatte ich sie deswegen vorher nie zu gesicht bekommen?

ein blick durch die glaslosen fenster offenbarte weitere sonderbare zahnräder. jaaa, das könnte so gewesen sein.

auf dem boden stand ein eigenartiger kasten mit spulen. womöglich hatten sie damit kontakt in ihre extraterrestrischen außenstellen aufgenommen? nun sieht es so aus, als wäre der kontakt für immer abgerissen.

langsam schlich ich wieder in richtung des unbelebt wirkenden gebäudes. als dichtes gebüsch ein weiterlaufen unmöglich machte, schaute ich wieder hoch. ein absonderliches glockenspiel war dort an der mauer installiert. oder es schien mir nur so, weil nicht mehr alle teile vorhanden waren. jemand hatte einige , aber dennoch wesentliche verbindungsstücke demontiert. nun konnte ich also auch nicht um außerweltliche botschaften und beistand läuten. gemein! lassen die mich hier mit einem berg von schrott zurück und ich blödi, kann nix damit anfangen, weil ich im physikunterricht immer auf durchmarsch geschaltet habe. hätte ich das mal bloß nicht getan. jajaaa, ich weiß, hinterher weiß man es immer besser.

so geräuscharm wie nur irgend möglich ging ich zurück zu dem trakt mit den eingangstoren. ich näherte mich den einfahrten neun und zehn. welchen eingang nun? in meinem kopf rollten wellen von unnützem wissen heran. neun ist in der mythologie die zahl der vollkommenheit. wollte ich mich mit gott anlegen oder mit dem satan? neeeeiiiiin! und die gebüsche sahen eben auch nicht so aus, als könnte ich sie in friedlicher absicht durchschreiten und ohne blessuren von irgendwelchen mißgünstigen dornen oder nesseln in das verwunschen wirkende innere eindringen. denn wie ein unerwünschter eindringling kam ich mir langsam vor. also bleibt die nummer zehn. ich wog gebote und verbote ab. ja, eindeutig verboten, was ich tun will! andererseits wollte ich auch niemandem schaden und dennoch meine neugierde befriedigen. ich dachte es weltlicher, denn so bin ich nun mal erzogen, als ein elender rationalist, dem manchmal der glaube  an das gute erschüttert wird. zehn ist auch die rückennummer des spielemachers im fußball. und ich will doch spielend weitersehen. und so ging ich hinein. und fühlte mich dabei ein ganz kleines bißchen wie fbi-agentin wortfeile. denn mysteriös wirkte alleine der übergang von grellem sonnenlicht in das halbdunkel des gebäudes. sekundenlang sah ich nur… gar nichts, dann schwarz mit rot tanzenden flecken vor den augen.

und frau wortfeile stellt fest, daß sie es aus diversen, profanen gründen heute nicht mehr schafft, abends schon die fortsetzung folgen zu lassen. der programmdirektor hat eine wichtige sondersendung vorgeschoben. klassischer fall von cliffhanger, oder das leben ist auch wichtig.

unheimliche begegnung der dritten art (II)

wenn es dunkel wird, wenn mein sehsinn an seiner vollen funktionsfähigkeit gehindert wird (ich bin so gut wie völlig nachtblind), dann übernehmen die andere sinne das regiment. es sind die sinne, die vorwiegend die phantasie anregen, wenn keine optischen vergleiche mehr möglich sind. ich spitze die ohren, und wenn ich sie in verschiedene richtungen drehen könnte, würde ich es gerne tun. wieder klingt es so, als würde ich schritte hören. über mir scheint ein flugobjekt zu kreisen. sagt der verstand – die kommen jetzt noch nicht. dafür ist es noch zu früh. das müssen flugzeuge sein, die entweder den flughafen leipzig/halle anfliegen oder dort gestartet sind. die düsen dröhnen. ich rieche. ich schnüffele. ich wittere. und was sagt mein geruchssinn? …rauch. na, nun rennt ja meine phantasie im schweinsgalopp. die werden doch nicht direkt über mir landen wollen? das dach sieht nicht so aus, als würde es die landung eines ufos verkraften. rauchgeruch. feuer? aber wer würde denn hier zündeln? an einigen stellen entdecke ich verkohltes holz, verschmorte elektrogeräte. oh no! und mit einem gedankensrpung, einem satz, sitze ich auf dem scheuenden gaul der angst. er lautet: heilige scheiße, wie mögen die oder das wohl aussehen? und schon startet der bildgenerator in meinem kopf.

ist es eine formlose masse, die mich verschlingen will?

puuuh, glück gehabt. bei näherer betrachtung könnte es auch ein pilz sein. ich sollte doch schneller scharf stellen. mensch, augen, ihr seid aber schon manchmal sehr unzuverlässig!

oder sind es vielleicht doch die berühmten, kleinen, grünen männchen??? ich kann ihr gesicht nicht sehen. sollten sie gar gesichtslos sein?

oha, antennen haben sie auch. und bewaffnet sind sie obendrein. was sich wohl in der kapsel verbirgt?

heute scheint mein glückstag zu sein. denn… tataaa: es ist doch nur eine jungfer im grünen. wäre da dieses summen der bienen nicht gewesen, hätte ich mich optisch nicht mit einem zweiten blick rückversichert. ufff! mein herz wummert.

und was ist, wenn es ein bißchen so aussieht wie die bürsten in der autowaschstraße, mich mit tausenden lappen von meinem menschengeruch reinigt und mich mit einem strahl ins raumschiff katalpultiert?

sind das etwa farbdüsen? werde ich jetzt bunt angespritzt? mir war heute gar nicht so nach body painting zumute. also nicht an so einem verlassenen ort und auch nicht unbedingt öffentlicher natur. also so rein gaaar nicht!

ja, manchmal muß man die dinge einfach mit großem abstand betrachten, um sich nicht vor angst in die hose zu pinkeln. *angstschweiß abtupf*. nur ein mammutblatt. aber riesig, fast doppelt so groß wie ich. da darf doch wohl ein bißchen demut vor der natur angebracht sein.

langsam beschleicht mich dennoch das gefühl, aus allen ecken angestarrt zu werden. wo habt ihr euch versteckt? warum zeigt ihr euch nicht? ich bin alleine! nur mit der kamera bewaffnet. die kann nicht viel ausrichten. meine selbstverteidigungskurse sind auch schon… ähm, sehrsehrsehrsehrsehr laaaaaange her. furchtbar. könnt ich mir schon wieder selbst tadel eintragen dafür! überall augen. ich spüre sie genau. vor allem im nacken, da wo sich die kleinen haare aufgerichtet haben und die haut drum herum unauffällige hügellandschaften bildet. jetzt hört doch mal auf, mich so anzustarren!

würde rick jetzt zu mir sagen: schau mir in die augen, kleines!, ich wüßte ja nicht mal in welches. zu hilfe! das sind ja alles-im-blick-augen. kann ich mich überhaupt irgendwo verstecken? ein schild taucht vor meinem fluchtwege suchenden blick auf, und mein hirn gerät ins stottern: actaea pachypoda. häääh?!!! wie meinen? ach so, steht noch etwas kleiner für mich als botanikdepp drunter: weißfrüchtiges christophskraut. na christoph, du könntest aber ruhig ein paar augen zudrücken… ich würde mich wesentlich besser fühlen, du früchtchen!

und heute nacht träume ich bestimmt nicht gut. ich träume dann von dem verfallenen ringlokschuppen, wo mir so wirres zeug durch den kopf spukte. wir werden uns den ufo-landeplatz morgen vormittag zunächst mal vorsichtig von außen und bei tageslicht anschauen, am abend werde ich der späher sein und in das bauwerk hineinschlüpfen und schauen, wer und was mir noch so alles begegnet.

ist es ein formlose masse, die auf mich zuglibbert und mich verschlingen will? oh, nur ein pilz.