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abendstern

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gestern schien es so, als würden allem und jedem flügel wachsen. bereits auf dem weg vom auto zum strand begannen die beine des grills zu fliegfallen. der träger hatte unterwegs immer wieder mit dem aufsammeln der einzelteile zu tun. gegen 20 uhr am costa cospuda angekommen, tummelten sich dort in scharen käfer, fliegen, mücken, vögel über dem gerade gesprengten golfplatz auf der jagd nach würmern. härter trafen volleybälle, frisbeescheiben und federbälle gelegentlich unbeteiligte. am himmel ein segelflugzeug und ein heißluftballon. vor meinen augen und mit dem sonnenuntergang im hintergrund bekam ich eine frisbee-akrobatik-einlage geboten. erst werfen und dann ein rad schlagen. da kriegte die wortfeile aber wagenradgroße augen, weil sowas über kopfiges kann sie ja gaaar nicht. und turnerisch-durchtrainiert war auch das vorführobjekt.

am strand bauten wir dann unsere kleine bar auf, mit aktivboxen, bier, mojito-zubehör und grill, der später wegen rauchschwaden umziehen sollte und sämtliche drei beine dabei seitwärts streckte, als wäre er ein toter käfer. eilig bauten die einstigen höhlenbewohner eine feuerstelle aus steinen, die sogar mit einem „magischen“ steinkreis abgegrenzt wurde. die männer gingen nach dem spiel ihrer hauptaufgabe nach, feuer anfachen, einen spiegel zum fehlenden blasebalg umfunktionieren, grillgut wenden. frau wortfeile kredenzte derweil eine runde prosecco mit hollunderblütensirup und fischte nach einer seegurke, nein, sie wusch die gurke nur im see. sie knipste andauernd sonnenuntergang, weil sie ihre augen kaum von dem himmel lösen konnte, dann war sogar die venus zu sehen. kaum war das grillgut fertig, wurde der weibliche teil ihrer mitfahrgelegenheit hungrig-mürrisch, weil ihr von dem gegrillten nichts zusagte. frau wortfeile klaubte klaglos ihren kram zusammen, verabschiedete sich vom fröhlichen feierrest und stapfte mit dem trotzigen doppelpack gen auto, nicht ohne unterwegs glühwürmchen zu jagen. solche abende dürften nie enden oder sollten direkt in einen urlaub münden. noch vier werktage, dann bin ich für eine gute woche frei von den alltagspflichten.

kichererbse am abend

ich hatte gestern wieder ein geräuschhörspiel sondergleichen im garten. die mediziner-wg aus dem nachbarhaus hatte zur gartenparty geladen. jene, welche sich auch schon als bemitleidenswert unwissende „lerngruppe“ dort an manch anderem nachmittag versammelte. es waren wohl auch männer geladen. die verhielten sich aber bemerkenswert unauffällig. das hochschrille gekreische der mädels wurde so selten unterbrochen, daß man die tiefen männerstimmen kaum hörte. also hielten meine auf unscharf gestellten ohren die um 19 uhr beginnende party für ein damenkränzchen. mediziner sind ja auch so vernünftig, daß sie nachts um 0.45 uhr noch die ungef***ten partyreste, sprich die ausgenuckelten bierflaschen wieder einsammeln. erst dann herrscht funkstille. sooo vernünftig! nur sechs stunden komasaufen.

ein mädel aus der lernwilligengruppe erkannte ich sofort an ihrer durch- und aufdringlichen stimme wieder. offenbar war es ihr ganz besonders wichtig, alle zu übertönen und sich vor allem über ihre eigenen gags leider nicht tot-, sondern nur kaputtzulachen. das doofe ist nur, daß man bei diesem lachenden gejapse eigentlich kein wort verstand. wenn ich mich bemühen sollte, das lautsprachlich wiederzugeben, würde das etwa so aussehen: quiiiietschabajaaaahwiiiieherhattaschluuuuhuhuchznichjaaaauuuhhhhuchzjapskiiiiiicher… hat irgendjemand kapiert, worüber sie wohl gelacht haben könnte? ich vermute nicht einmal, wenn man unmittelbar daneben sitzen mußte. es wollte auch niemand so recht in dieses lachen einstimmen. eine „alleinunterhalterin“, die sich eben mit sich selbst amüsierte. da war auch niemand dabei, der bei jedem mist mitlacht. dieses falsche, aufgesetzte lachen, bei dem nichts sprudelt, nichts kullert. das klingt dann ungefähr so: he. heheee. hee. heeee. und dann ist innerlich alles so trocken, dumpf, witzlos. socializing als hörpsiel ist auch nicht immer unterhaltsamer als in echt. aber das schenkt heute immerhin einer person einen bauchmuskelkater.

mr. und mrs. aufziehvogel

die privatparty im paris syndrom war in vollem gange. auf der tanzfläche transpirierten die ü-jenseits-von-gut-und-böse-dauerjunggebliebenen zu musik, die im allerbesten fall aus den 80ern stammte. als der mallestampfrhythmus die masse hysterisch mitkreischen ließ, entschloß ich mich zur flucht. unterwegs lauschte ich dem entspannenden morgendlichen vogelkonzert. dann fiel ich ins bett und erwachte morgens vom lauten gurren der tauben im hinterhof. mit kopfschmerzen. drei gläser wasser konnte ich schlecht für das katergefühl verantwortlich machen. dafür die musik aus den rückwärts gewandten zeiten, als alles noch besser war und wir noch jung und knackig. als die augenpartie am morgen nach der party noch nicht an einen schlecht maskierten alien erinnerte, sowohl farblich durch die dunklen augenringe als auch durch die schwellungen.

zwar trennen mich nur wenige jahre vom alter der partyveranstalter und dem durchschnittsalter der gäste, aber scheinbar leben wir auch in parallelwelten. sie im glashaus, ich in einer sich ständig wandelnden umgebung. schon als die ersten ihre kurz vor dem operativen austausch stehenden hüften auf der tanzfläche schwangen, drängte sich mir unweigerlich die frage auf, vor wie vielen jahren sie wohl das letzte mal getanzt hatten. es sah zwar so aus, als hätten sie vor dem spiegel die bewegungen ihres ausdrucktanzes hingebungsvoll geprobt, aber eben auch als wären sie einfach wieder in die haut einer discomaus vor zwanzig jahren geschlüpft. oder aber die bewegeungen waren durch die ständigen einladungen zu hochzeiten und familienfesten vom engtanz derart verfestigt worden, daß das gezappel nun eher unbeholfen wirkte.

männer trugen mehrheitlich hemd. die mesdames hatten sich stilistisch offenbar untereinander abgesprochen, sich in zu enge baumwollkleider mit tiefem v-ausschnitt zu zwängen, als wäre schon wieder boobquake day. gelegentlich ließ auch ein recht gewagter schlitz in den ohnehin meistens zu kurz geratenen kleidchen betrübliche einblicke auf üppige hügellandschaften zu. die haare trug frau mehrheitlich kinnlang, zum flippg-frechen bob vom friseur überredet, der jugendliches aussehen versprach. ähm ja, das macht die runden gesichter deutlich runder, reduziert die alterungserscheinungen aber nicht. die liste der weiteren auffälligen syndrome wäre zu lang, um sie hier medizinisch und psychologisch hinreichend zu beschreiben.

an das musikpult durfte jeder mal, um die verschiedenen geschmäcker zu bedienen. so wurde ich als zweite mit meinem mp3-player ans mischpult dirigiert.  wortfeile debütierte – das übel vorausahnend – als schlechter dj. ich stieg ein mit taper jean girl (kings of leon) – zu schnell brachte ich die leute mit dem rockigen rhythmus aus der puste, machte weiter mit godspeed (modeselektor) – zu wenig melodie im elektrobeat bei akzeptabler tanzbarkeit, ging über zu pilot (the notwist) – währenddessen wurde mir als musikwunsch manfred krug angetragen, leerte die tanzfläche mit erlend oye (every party has a winner and a loser) und dann war mein akku glücklicherweise alle – er würgte gerade noch sticks ’n‘ stones (jamie t) raus. das bereits vorausschauend erfaßte problem war,  daß die musik keiner der anwesenden kannte. zu neu, zu elektronisch, zu wenig zum mitgrölen schlichter laute (lalala und dergleichen) und zu wenig vertraute melodien.

zwar war ich froh, daß ich endlich abgelöst wurde, weniger begeistert reagierten aber meine gehörgänge auf die evergreens am laufenden band. macht nichts, wenn die mehrheit lieber zu michael jackson, queen und david bowie mit under pressure oder felicita von al bano und romina power die eingerosteten knochen in den seligen hafen der vergangenheit schunkelt.  mr. und mrs. aufziehvogel hatten nun den schlüssel im rücken stecken und hüpften mechanisch mit oder neben dem vertrauten und 1000 mal gedudelten takt. da offenbarte sich in allerschönster pracht der kontrollierte entwicklungsstillstand. neinneinnein, wir werden nicht älter und unseren musikgeschmack ändern wir auch nicht mehr. ich kam mir nur ein bißchen vor wie an einer äußerst reichhaltigen fossilienfundstelle. ach, wie ich subkultur liebe…

tanz:bar:tip – audio invasion leipzig

musikalische gegensätze treffen am samstag (25. April 2009)  im gewandhaus leipzig aufeinander, wenn sputnik zur audio invasion ’09 aufspielen läßt. im saal spielt das gewandhausorchester  unter anderem klassik von schostakowitsch, prokofjew und ligeti. ich stimme mich vorfreudig mit den beiden platten von bodi bill auf das livekonzert ein. wer die berliner klangvereinigung noch nicht kennt, der kann sich hier einen eindruck vom electro-techno-gefrickel holen. die bodi bills konnte man als vorband von polarkreis 18 hören. letztere sind allerdings seit ihrem massenkompatiblen hit ‚allein allein‘ hoffentlich im studio verschwunden und arbeiten wieder an musikalischen brüchen anstelle der gefälligkeit. gelegentlich will sich mein körper auch nach techno-bässen bewegen. da ich nun schon paule kalkbrenners heimspiel in der distillery verpaßt habe, werde ich mir sascha funke nicht entgehen lassen.

wem das alles zu laut ist, der kann seine freizeit am verlängerten wochenende um den  tag der arbeit mit dem frühjahrsrundgang in der baumwollspinnerei verbringen. ich gehe davon aus, daß die beteiligten galerien mehr kunstrichtungen als die ’neue leipziger schule‘ präsentieren werden. von damien hirst werden in der galeria hilario galguera in halle 12 fünf leinwandwerke ausgestellt. seinen formaldehyd-tigerhai wird er hoffentlich zu hause lassen, sollte er wider erwarten doch zur vernissage am 30. April auftauchen.