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das ist nicht der neue name eines japansichen roboters zur rentnerbetreuung, sondern ein weltweites bilderbuch, wo alle paar sekunden ein neues foto aufploppt. eben noch in die niedliche fratze eines monchhichi (モンチッチモンチッチ) geschaut, taucht  als nächstes auf dem anonymen imageboard von 5xyeah ein behaartes männerpaar auf. dort kann jeder anonym schnappschüsse posten. und die kommentare sind wie zettel auf die fotos gepappt. gefunden habe ich den kurzweiligen zeitvertreib im zeit-artikel website yeah: süchtig nach dem bilderstrom des lebens. für ein paar minuten mal eine amüsante abwechslung. suchtgefahr, wie beim autor des zeitartikels, besteht allerdings bei mir nicht. und wenn ihr auf den link klickt, sind garantiert schon wieder unzählige andere bilder zu sehen. das habe ich gerade dort kopiert (update: der link zu yeahyeahyeahyeahyeah.com funzt wieder. die seite war gestern überlastet):

(c) yeahyeahyeahyeahyeah.com

frisch gebabelfischt

es soll ja substanzen geben, die uns unwillkürlich tränen in die augen treiben, ob nun beim zwiebelschneiden ohne direkten kontakt oder wenn wir mit ungewaschenen griffeln nach dem schneiden von chilischoten unsere weltsichtfenster reiben. das, was dann salzig über das gesicht kullert, sind beileibe keine filmtränen. es brennt und rinnt und flennt auch jenseits der trauer. china balsam gehört jedenfalls auch nicht wirklich ins auge geschmiert. daß es dort ohne jeglichen chemischen reiz tränenfluß auslösen kann, war mir bis gestern eher schleierhaft. ich wollte ganz banal via google erfahren, ob man china balm auch bei muskelverspannungen äußerlich anwenden kann (yep!), fand aber den international handelnden webshop conua mit sitz im amerikanischen wilmington, der für seine produkte mehrsprachig zu werben versucht. die betonung liegt auf versucht! denn die offensichtlich mittels einer maschinellen übersetzung erstellte seite, wimmelt von eher abschreckenden wirkungen der naturmittelchen und kuriosen übersetzungsfehlern. und manchmal gelingt es dem muttersprachler sogar zu verstehen, was gemein(t) sein könnte.

china balm etwa verwandelt sich in eine haselnuß (aschenblödel reloaded), mit der man die akupunkturpunkte einreiben soll:

einfach benutzt hat, eine haselnuß von „china balm“ erlaubt eine lange massage auf der stelle, die ihnen oder zu den akupunkturpunkten leiden läßt, um sie zu entspannen und ihre übel zu erleichtern. (quelle)

aha… es wäre schön, wenn das mittel mich nicht noch mehr leiden lassen würde. weiter heißt es dort über die anwendungsgebiete:

um die unangenehmen gefühle der kleinen täglichen schmerzen zu erleichtern, die oberfläche ihrer haut delikat zu reiben.

die delikaten hautstellen sollte man wohl lieber auslassen, wenn man nicht zum sadomasochismus neigt. aber im onlineshop können sie genauso dinge für ihren herzenschlag kaufen. sucht man nach kälteschutzmitteln, muß man die kälte in diesem laden aber erst mal verteidigen. also ehrlich mal, immer nur nörgeln! nie kann das wetter richtig sein. schutz liegt ihnen wohl fern?

und was erst ginkgo biloba alles können sollen müßte, und wenn ich nur und verstünde, wovon die rede ist… hah, schon klar: wäre herr schäuble noch innenminister, würde er das naturheilmittel wohl unbedingt einsetzen wollen. und es gäbe nach ein bißchen hexenzauber auf der ganzen welt keinen terrorismus mehr.

er begünstigt die gefangennahme der freien radikalen auf dem anspruchsvollen und netzhautniveau.

mit der kraft der fächerblätter scheint sogar retina-scan möglich, wenn papi schäuble nur hinlänglich seiner muttinatur vertrauen würde und wenn er nur seine scheuschablonen ablegen könnte, um uns auf das absolut natürliche erfolgsrezept einzuschwören. zurück von der (bewußten) fehlinterpretation zur medikation. gegärte oder auch gegarte papaya wird als ein hick-, ähm hack-, nein teufelsbraten sondergleichen angepriesen. lesen sie selbst:

gegärte papaya ist der beschützer, sie hilft das syndrom des oxydierenden streß bekämpfen (ausstellung, die in der sonne verlängert ist, dem tabak, dem alkohol, umweltverschmutzung, dem intellektuellen streß), besitze eine antioxidierende tätigkeit (mehr als 20 male vorgesetzte in vitamin e), eine bemerkenswerte kapazität immunostimulante (sie verstärkt die natürlichen verteidigungen).

brauchen wir galerien zur gesundheitserziehung? reicht eine überdosis vitamin e gegen sozialfeindliche chefs? soll ich meine gegner mit papayas bewerfen oder ein loch durch die frucht bohren und an einer kette als talisman bei mir tragen? ist die papaya gar der neue popeye-spinat? der erlöser von allen irdischen problemen? wer jetzt noch keine minderwertigkeitskomplexe hat, weil er nur bahnhof versteht, der kann sich in frieden einkapseln, nein kaspeln für den frieden schlucken und komplexe ruhe finden. sérénité (eigentlich die ausgeglichenheit) bringt dir frieden oder möglicherweise ruhe in frieden (mein vertrauen in den pillenhändler konnte gar nicht erst organisch erwachsen). die wirkung der friedlichen zutaten lesen sich eher wie die auszüge aus einem treatment für den nächsten horrorfilm. hagedorn bspw. pflegt die verwirrung des schlafes. ich halte alptraumphasen ja für weniger erholsam. und die passionsblume kämpft gegen nervöse zuneigungen (liebestöter?), wohingegen baldrian das entsetzen der sorgen vermindern soll. nach allem, was ich las, ruft das doch eher unheimliche assoziationen in mir hervor, und ich würde dem benutzungsrat nur unter zwang folgen. zu unerwünschten nebenbedeutungen fragen sie ihren dolmetscher oder übersetzer.

übersetzung ähnelt dem versuch, wolken in koffer zu packen. manchmal folgt ein eloquenter erguß, im vertrauen auf die automatisierung garantiert eine verbale, unsinnliche katastrophe. die computerprogramme sind leider noch meilenweit von der dolmetscherleistung eines babelfischs entfernt und  nur als hilfsmittel zu gebrauchen. das kauderwelsch zahlreicher gebrauchsanleitungen und internetseiten spricht bände. und deshalb funktioniert tränenlachen ganz ohne und über china balm. in menschlichen und maschinellen fehlern, so lästig, überflüssig, vermeidbar und unverständlich sie manchmal erscheinen, blitzt dennoch immer auch die möglichkeit für manch wundervolle neuschöpfung auf.

schlaflos in le

blaue_haendegleich mehrere trigger bedingten heute eine kurze, schlafarme nacht: der vor einsamkeit heulende und kläffende hund irgendwo in der schallenden nachbarschaftshölle, der mein schlafzimmer hell erleuchtende beinahevollmond und die vermutlich letzte verbliebene biestige mücke mitteleuropas, die sich ihre unterkühlten insektenbeine in meiner bettdeckenhöhle wärmte und ihren blutdurst stillte (ich krieg‘ dich schon noch!). im halbschlaf hatte ich alsbald das  unheimliche gefühl, als streckten sich unsichtbare arme nach mir aus, wie man sie auf dem foto als wandmalerei von ema jones an einer industriebrache auf dem bahnhofsgelände in leipzig sehen kann. und so vertrieb ich mir die endlos erscheinenden wachen stunden mit stöbern im netz und machte unerwartet einige schöne entdeckungen.

eine imposante flickr-galerie mit fotos von leipziger street art habe ich hier gefunden. die szene scheint sich gerade in innenräume und an abseits gelegene orte zurückzuziehen. das erhöht zwar die chancen, vom crossen verschont zu bleiben, wird aber für die massenpfade abtrampelnde herde deswegen auch unsichtbar. nun ja, das entspricht vermutlich ohnehin nicht der zielgruppe. allerdings gerät so die kunst im öffentlichen raum schnell zu reinem selbstzweck für insider, was ich jammerschade finde. eine sammlung international bekannter street-artists wie bansky und blu findet man bei unurth street art.

weil ich ja immer noch ewig gestrig lieber echte bücher lese, komme ich selten dazu, auch mal aktiv andere blogs zu suchen und vorzustellen, die mir gefallen. aber wer als avatar ein schachbrett verwendet, sticht mir natürlich eher mal ins auge, als eine reißerische überschrift das jemals könnte. feinsinnige notizen. wie etwa  den disput über die nowendigkeit und den mangel eines erzfeindes in gegenspieler. oder die fixe form der futteraufnahme in fertig. postet rzeng in schöner unregelmäßigkeit aus seiner dachwohnung. ich bin nun kein heimlicher mitleser mehr, dafür um so amüsierter. danke an dieser stelle.

und nun habe ich meiner aufschieberitis für heute genug gefrönt. meine steuertante verlangt schleunigst die abgabe einer sortierten zettelwirtschaft, bähx. und wer bloggen kann, dem dient die migräne nicht mehr als hinlänglicher grund zum sonntagsgammeln. meine migräne habe ich übrigens heute nacht auf den namen maruscha getauft, einerseits weil sie im kopf herumhämmert wie ein übermaß an technobeats, andererseits weil ich mich dann auch mal namentlich verabschieden kann, wenn der beklemmende schädeldruck nachläßt, der die gedanken auf schonwaschgang stellt. aber ein schleudertrauma kann ich im moment nicht auch noch kurieren…

bus, busse, busen und buße – netzfund

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das kreuz mit der deutschen sprache beklagte schon mark twain in seiner kurzgeschichte ‚die schreckliche deutsche sprache‚. leider ist oben aufgeführtes beispiel kein einzelfall. im deutschen sind die unsicherheiten zu den schreibweisen s, ss und ß nach wie vor stark verbreitet. daran hat die rechtschreibreform rein gar nichts geändert. konrad lischka gewährte uns heute in seiner sammlung auf spiegel-online einblicke in die skurrilen netz-vertipper. ich habe das beispiel heute mit dem wunsch an ihn geschickt, beim spiegel eine neue rubrik der sinnveränderung durch rechtschreibfehler einzuführen.

im schweizerischen existiert kein ß. deshalb sieht das ‚gebüßt‘ (gebüsst) für deutsche leser recht ungewöhnlich aus. das heißt aber noch lange nicht, daß busen jetzt sitzkissen haben, allenfalls polsterungen (wonderbra & co bzw. naturgegeben). busen ist immer noch die vertiefung zwischen den brüsten der frau. und wenn der busen allzusehr bebt beim essen, können auch schon mal krümel im dekolleté landen. oder hat der schreiber gar an busen mit silikonkissen gedacht? naja, es ist frühling, da können die hormone schon für sprach- und sonstige verwirrung sorgen.

nur noch diese kleinlichkeit: der plural von ‚der bus‘ lautet ‚die busse‘. und die buße (im religiösen wie im rechtlichen sinn) wird auch nach der schreibreform mit ß geschrieben. im schweizerischen ist der wortsinn durch das fehlende ß so gut wie gar nicht mehr auseinanderzuhalten, wenn nur ein einzelnes wort betrachtet wird. ich werde busse tun? nein, büßen muß ich.

ps: der beitrag ist in alter rechtschreibung verfaßt. ich bin ß-fan.