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modedackel

vielleicht liegt es daran, daß ich in einer großstadt lebe, wahrscheinlicher aber am gewandelten geschmack des hundeliebhabers, aber ich sehe kaum noch kurzbeinige dackel über den asphalt wackeln. was sich da so kriecherisch kurz über bodenhöhe bewegt, sind glubschäugige möpse mit demoliert wirkenden fressen, nervös trippelnde terrier, allerliebst mit schleifchen und rüschchen aufgehübschte zottelviecher, die ich in der wohnung gern mal mit einem sofakissen verwechsle, wenn sie nicht solch säuerliche kötermiasmen verströmen würden. oder aber plötzlich kläfft mich so ein winziger chihuahua aus einer handtasche an. es reicht ja noch nicht, daß ich morgens von elektrischen schäfchen auf der kurz geschorenen gartenweide unsanft geweckt werde. dazu jault und winselt ganz jämmerlich der allein in der wohnung zurückgelassene überzüchtete und verhätschelte minibello im duett.

neben diesen handtaschenvarianten à la paris hilton existiert gleichzeitig der trend zum hundekalb, das dir ungemütlich und ohne männchen zu machen, die schnauze in brusthöhe entgegenreckt, derweil aus jeder meiner poren genau das strömt, was wiederum dessen jagdtrieb weckt – angstschweiß. während die kampfhunde wohl nahezu alle ein trauriges ende im tierheim zu fristen scheinen, blicken dich an jeder zweiten ecke die treuen augen eines golden retrievers an. und der weimaraner markiert erhobenen beines stolz sein revier in den hochpreisigen wohngegenden.

und? seid ihr noch nicht auf den hund gekommen? wo es doch nahezu wissenschaftlich bewiesen ist, daß sich so ein vierbeiniges modeaccessoire als gesprächsaufhänger geradezu aufdrängt. fällt dem gassigeher ja auch nicht weiter auf, wenn sein fremdes gegenüber beim reden lüstern sabbert – bloß keine falsche scham. schade nur, daß die tölen nicht schnurren, sondern in meiner gegenwart meistens knurren. sie müssen meine antipathie wohl irgendwie riechen.

so wenig wie gruslige kräuselkaltwellen noch als frisuren gelten, so selten sieht man auch noch die zurecht gestutzen pudel. doch im zuge von puffärmel & co werden sie wohl ihr revival erleben, mich aus blutunterlaufenen, ewig tränenden augen skeptisch mustern, um dann wütend loszubelfern, sobald ich mich ihnen auch nur nähere – wohlgemerkt in der friedlichen absicht, sie weitestgehend zu ignorieren. ach, selbst das mit swarovski-kristallen verzierte würgeband macht dich nicht zum könig der tiere.

mit den hunden ist es ein bißchen wie mit der taschenmode. mal tragen menschen lächerlich winzige rucksäcke auf dem rücken, mal schleppen sie sich an überdimensionalen wühlbeuteln zu tode, in denen sie sich getrost selbst einpacken könnten. damals, als der dackel waldi des försters noch ohne grünrock und ohne leine durch die kleinstadt stromern durfte, also noch vor meiner pubertät, da konnten hunde noch ihren instinkten folgen. sie tobten nicht auf extra beschilderten hundewiesen. sie vermehrten sich meistens ohne zuchtbuch und ohne zuchtstrengen blick auf die ahnentafeln. wahrscheinlich mag ich mischlinge deswegen so sehr, weil ihnen die abstammung nicht anzusehen ist, sondern sie einfach ihren natürlichen trieben freien lauf gelassen haben. tja, und die menschen? auch sie pflanzen sich heute oft nach widernatürlichen prinzipien fort, begutachten vor einer künstlichen befruchtung eizellen und spermien aus einem genpoolkatalog und suchen ihre partner nach kriterien aus, die sich nur allzu oft wie die beschreibung eines rassehundes anhören (lieb, treu, pflegeleicht, gelehrig). insofern mehr ähnlichkeiten als mir persönlich lieb sind. aus mir wird wohl nie eine läufige familienhündin. (w)uff, bin ich aber erleichtert, das zu konstatieren. lauf, wortfeile, lauf! und hol‘ dir beim dackelrennen die goldene wurst.

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plüschtiger

na, gehört dieser hartgesottene plüschtiger nicht eher auf die sofalehne? aber nein, er bewegt sich doch (noch). ausgefallen ist die mischung aus omas wolldecke, etwas zu auffälliger tarnkleidung, jogginganzug und tja, jetzt kenne ich mich bei den unterscheidungsmerkmalen zwischen gangsta-rapper, hip-hop style etc. nicht gut genug aus, um da konkreter werden zu können… ??? eine erscheinung, der ich allemal hinterher glotzte und für die nachwelt festzuhalten suchte. mein stil isses ja nicht, aber das kaschiert überflüssige pölsterchen und könnte locker das muster der saison 20xx für eine polstergarnitur- und designkollektion im safarilook werden. oder etwa nicht?

mich knutscht kein elch

trippen_berlinmanche einzelstücke der schuhkollektion von trippen erinnern mich an schnabeltassen für füße oder auch an das schuhwerk aus mantel- und degenfilmen. allerdings frage ich mich immer, warum diese schuhe aus elchleder nun besonders anatomisch geformt sein sollen. wenn ich mir die absätze genauer anschaue, sehe ich eine mischung aus quadratlatsch und harten holzclogs. anhand der optik bezweifle ich stark, daß ich mich darin wohl fühlen könnte. meine schwester behauptet zwar, am fuß sähen manche exemplare wohl kleidsam aus – irgendwie muß man die investition wohl rechtfertigen, nichtsdestotrotz erkenne ich darin einen hauch von biolatschen wieder. allerdings fand ich  immerhin die ladeneinrichtung mit den beleuchteten schaukästen in der alten schönhauser in berlin so imposant, daß ich sie fotografiert habe.

laubschleppe

laub

muttis kleiderschrank gnadenlos plündern, alles an- und ausprobieren, was in erreichbarer höhe lagerte, stundenlange kostümierungsspiele – das war ein teil meines kindlichen spieltriebs. teile davon (ich sage nur retro) haben sich bis heute erhalten, nur daß aus stunden minuten wurden, weil ich mir mit den jahren eine gewisse stilsicherheit aneignete. leider war damals alles entschieden zu weit, zu lang, zu bunt, zu kratzig, zu fellig, um über das vogelscheuchenartige verkleiden hinaus meinem körper in diese sackartigen formen zu gießen. in diese erfahrung reiht sich die bis zum erbrechen gebräuchliche redewendung wenn du mal groß bist… nun, noch immer ringe ich mit den unterschiedlich ausfallenden konfektionsgrößen. mal denke ich irrtümlich, ich hätte zugenommen, weil ich endlich mal in eine jeans größe 28 passe, dann schlottert wieder die 26 um meinen androgynen arsch. ich vermute dahinter eine taktik der modeindustrie, frauen durch unendliche maßvarianten ein gefühl von anorektischen oder adipösen ausmaßen zu vermitteln, je nachdem, welche marke oder welches herstellerland sich dahinter verbirgt. demnach müßten italienerinnen zum breiten becken neigen, während die französinnen den leib in baguetteform vererben. komischerweise sind diese umfänglichen divergenzen noch nicht dem eu-normierungswahn zum opfer gefallen. und nicht nur deshalb ist mode mit ein wenig geschick gelegentlich ein brillanter gaukler.

bodenlang waberten manche kostümjäckchen anfänglich um mich, später knielang, bis ich hineinwuchs. daran mußte ich denken, als ich beim spaziergang ein schleifendes geräusch hinter mir hörte. es kam mir so unvertraut vor, daß ich mich dezent umzublicken versuchte. jedoch um nicht halsstarrig neugierig zu wirken, übertrieb ich die drehung nicht. so glaubte ich zunächst, jemand würde einen sack hinter sich herzerren. als mich das geräusch einholte, blickte ich  einigermaßen erstaunt auf den ausgefransten saum eines bodenlangen, ursprünglich schwarzen ledermantels, der das trockene laub und den staub aufwirbelte. der xs-mann hatte extra für den xxl-mantel einen federgang einstudiert, so daß der stoff bei jedem schritt kurz über dem boden schwebte, nur um dann schleppend wieder blätter über den gehweg zu fegen. ich wünschte mir, daß alle hausmeister und gärtner dieser welt ihre nervtötetenden, lärmenden, umwelt verpestenden sauggeräte gegen solch praktische laubschleppen eintauschen würden (á la zauberlehrling – besen! besen! seids gewesen!). herrje, und kommt mir jetzt nicht mit dem tierschutz, es darf kunstleder sein. wenn alle passanten gothicmäntel trügen, wären sie endlich außen so schmutzig wie innen. außerdem sollten hochzeiten in traditionellen brautgewändern prinzipiell erst in der periode des ersten blätterfalls erlaubt sein, schleppenträger hingegen gehören der hausordnung halber verboten.

panzerkluft

street_artmeine kleiderkrise besteht heute ausnahmsweise nicht darin, eine entscheidung treffen zu müssen, sondern darin, den modischen zerrspiegel der wirtschaftskrise auf hochglanzformat zu polieren. für die heraufbeschworenen harten zeiten verheißen uns die modeschöpfer ein in schaumstoff gepolstertes anrempeln. den rücken wie beim rüden american football künstlich zu verbreitern, soll helfen, bissige stuten und hengste mit einem imaginären und kaltherzigen schulterzucken abzuschütteln. kein wunder also, daß die aus der mottenkiste der 80er ausgegrabenen schulterpolster ausgerechnet jetzt wieder ein revival erleben. schließlich wurde ellenbogengesellschaft 1982 zum wort des jahres gewählt. der ellenbogen am cordjackett braucht den lederflicken nicht mehr zum schutz vor abnutzung durch das aufstützen des zentnerschweren kopfes von geistesarbeitern, nein, die härte des tischs wird schonungslos mit aggressivem körpereinsatz im alltäglichen gegeneinander getauscht. der mittelfinger, der dir aus unerfindlichen gründen plötzlich auf der straße entgegengestreckt wird, bekommt besonders schlagkräftige würze durch einen massiv in der tiefstehenden herbstsonne blitzenden silberring. die abgewetzten, zerfledderten vintagehosen suggerieren vollen körpereinsatz und schlachtenerfahrung.

sollten sie als moderner großstadtkrieger demnächst aus kostengründen öffentliche verkehrsmittel benutzen müssen, ist während der stoßzeiten das tragen der protektoren aus ihrem inline-skating-anfängerkurs oder sonstiger risikobehafteter sportselbstmordarten schon aus selbstliebe dringend angeraten. dazu die docs mit stählernem trampelschutz. ihren bankeranzug transportieren sie am besten in einem sprengstoffsicheren hartschalenkoffer in schlichtem schwarz bis zur toilette ihrer büroetage. ihre kollegen wechseln dort auch gerade von sek-einsatz auf dresscode. den schäublonisch-chinesischen digitalsperren in deutschland huldigten designer mit analogen neuinterpretationen maoistischer overalls für die uniformierte krisenamazone, die bei widerständen immer sprungbereit sein muß.  die parallelen sind augenscheinlich: mode ist gehypte tyrannei, tyrannei politisch en vogue – sprich für mich aktuell größtenteils untragbar.

knallwaden

für ein interessantes fotomotiv lege ich mich schon mal in den schnee oder auf den boden. der schmutz macht mir nicht viel aus. schließlich hat kleidung nicht nur eine modische, sondern vor allem auch eine wärmende und schützende funktion. äußerlich ist der straßendreck ab- und auswaschbar. für die innere waschung muß schon jeder selbst ein reinigungsritual entwickeln, wobei fastenkuren den geist nicht unmittelbar entgiften. für das diesjährige sommermotiv wollte ich mich partout weder bücken noch niederknien, ja nicht mal die kamera aus der tasche fummeln. vielleicht war es letzten sommer auch nur kalt oder ich war blind. jedenfalls sind mir in diesem sommer frappierend viele tätowierte waden vor die augenlinsen gesprungen.

zunächst bemerkte ich eine frau mit porzellanteint zu schwarz gefärbten haaren, gekleidet im rockabilly-style: petticoat und gepunkteter rock, kindchenhafte haarschleifen in den geflochtenen zöpfen und lackhandtasche. nachdem ich die auffällige kleidung gemustert hatte, wanderte mein blick auf die waden. ich entdeckte tätowierte strumpfhosennähte, die wiederum mit eintätowierten schleifen kurz unter den kniekehlen endeten. etwas martialischer ist der look bei den männlichen wadentattoos. zu kurzen cargohosen, schlappen mit oder ohne socken sieht man auf mehr oder minder muskulösen waden tribals und fantasymotive. dieser modetrend muß wohl in engem zusammenhang zur beinrasur bzw. ganzkörperenthaarung aufgekommen sein. während aus der polohemdknopfleiste immer noch  veritable, virile brustbehaarung quillt, herrscht sonst von kopf bis zu den zehen vollkommener kahlschlag. irgendwie erinnert mich das gaaanz entfernt an die tätowierten schweine des belgischen künstlers wim delvoye.

wahrscheinlich war die kniestrumpfmode zum rock im vorjahr dann doch etwas zu warm oder zu fetischlastig. womöglich entpuppte sich der manga-schulmädchen-look als lästiges lockmittel. und wer will schon wie in japan als kindfrau in einem separaten u-bahn-waggon fahren müssen, weil ungezügelte lolitaphantasien manche männer zu grabschern mutieren lassen. also wie die yakuza menschliche härte auf der haut demonstrieren. ich höre schon die feministinnen zetern, daß sichtbare haut und kleidung kein verführungsmittel und keine aufforderung zur fleischbeschau sind. na, selbstredend. drum werden echte vollweiber rasch strumpfband und strapse im richtigen moment blitzen lassen, wenn die argumente ungehört bei besonders renitenten verhallen. das gibt ein hübsches aufmacherbild. vermutlich wird zensursula bald auch noch nabokovs anspielungsreichen und vieldeutigen roman ‚lolita‘ auf den index setzen und überhaupt harmlose klebebildchen mit herzmotiv sowie zu freizügige kleidung für kinder und frauen verbieten, um sie zu asexualisieren. eine verlagerung der objekt-subjekt-beziehung mit null effekt, aber viel hausmütterlichem staubwirbel. und auch die jugendlichen werden hinter glas versteckt. leider ist panzerglas zum schutz des volkes vor seiner eigenen dummheit viel zu kostspielig. unantastbar bleiben ohnehin nur die heiligen jungfrauen der politik mit den tiefen einblicken. manchmal wäre ich wirklich gerne nur eine fiktionale figur.

brühwarme haarsuppe

warum legen sich weibliche wesen bei 30 grad im schatten pudel auf den kopf? ach, das sind gar keine lauffaulen zuchtbellos? bewegen sich aber im wind genauso, diese dauergewellten löckchen, mit glattem, weil zu kurzem ansatzhaar an nacken und seitenpartie. jetzt, wo sie es sagen… ich sehe auch gar keine augen und keine feuchte nasenspitze. also, ach, eine frisur? in der tierwelt gefällt es mir deutlich besser. aber der trend zum animalischen haartrimmen in der retromode der 80er jahre ist augenscheinlich. ob oberlippenquerbalken alias moustache (französisch klingt es zwar besser, das macht den proll aber nicht zum dandy), die an das ndr-werbewalroß antje erinnern oder asymmetrische ponys, gefärbte strähnchen im partnerlook zum geliebten haustier, peppig blondierte mitteliros, die an langhaare im nacken domestizierter pferde gemahnen, alles schon im zoo gesehen. und auf der straße. und in profilfotos. obwohl ich den niedriglohnberuf friseur nie erlernt habe, möchte ich ständig mit schere, haarfarbe und rasierer hantieren, retten, wo nichts zu retten ist, wenn sich wieder eine solche rassefrau und ein derart kopfungestaltetes rassemännchen in mein blickfeld drängt.

offenbar halten auch einige männchen ihr resthaar für besonders schützenswert (die tierschützer sind ausnahmsweise nicht dran schuld!), obwohl die vereinzelung der hornanhänge schon so weit fortgeschritten ist, daß man nicht mehr von oberstübchenlichtungen sprechen kann. mit dem haarausfall scheint auch das hirn durch die nun unverstopften poren auf der kopfhaut auszutreten. eine berüchtigte variante besteht darin, die langen, fettigen seitenhaare über die kahle mitte zu drapieren. letztens habe ich ein noch bemitleidenswerteres wesen gesehen, das nur noch lange nackenhaare über die stirn schmieren konnte. brrrrrrrr. nach pomade roch das nicht, sondern vielmehr nach ranziger verwahrlosung. aber es existiert ja noch die absichtliche rasierte glatze, mit resthaarumpuschelungen am kopfaußenkranz, unverzeihlich, beinahe hätte ich  das vergessen! diese nach außen erbrochene innerlich braungefärbte gesinnung ist obendrein eine optische zumutung. auch wenn man solche rudisresterampefrisuren mit fehlendem spiegel zu entschuldigen sucht, so gibt es immerhin schaufenster, in denen man sich betrachten könnte. bis zu den dann beliebten, vorgeschobenen inneren werten (bin lieb, treu, fleißig, häuslich, hilfsbereit, vorzeigbar) möchte frau sich nicht vorfühlen. innerlich zermürbt möchte sie schreien: mut zur glatze, ran an den kurzhaarschneider oder rasierer und ab damit! an der kopfform soll es nicht scheitern, vielmehr an unterdurchschnittlicher selbstwahrnehmung. abhilfe könnten allenfalls noch die mütze, die heute nicht mehr nachts getragen wird oder die zweit- und drittfrisur schaffen. nein, das heißt nicht mehr perücke oder toupet! und bitte kommen sie mir nicht mit ihrem krankenblatt, hormonellen störungen und ähnlichen ausreden. implantiertes echthaar wächst auch nicht mit, bietet daher keine pflegeleichte alternative. wenn sie einen platz bei der haarausfallstudie der charité ergattern, herzlichen glückwunsch! rechnen sie aber nicht mit schnellen, maximalen erfolgen. sich mit der natur abzufinden, heißt nicht sie am kopf zur schau zu stellen. ein bißchen mehr realismus beim thema natürlicher haarausfall, manchmal wenigstens, bitte!