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quod erat demonstrandum

sonntagsdienst bei spon. der kaffee rinnt in die kanne, der regen klatscht ans fenster. in nicht näher definierbare flüssigkeit eingelegt ist auch die hirnmasse. die meisten schlafen noch verfeiert im bett. in die federn wünscht man sich in der redaktion vermutlich auch sehnlichst. so oder so ähnlich muß man sich das als verstehender leser wohl vorstellen, anders kann man sich die leicht zu überlesenden fehler einfach nicht erklären. artikel geliefert, gut, keine rechtschreibfehler vorhanden, ausdruck auch ok, veröffentlichen.

bis zur mitte liest sich der text über die internetshow sexy beijing schlüssig. auch ich rege meinen gerade erst erwachenden geist mit latte macchiato an. im zehnten textabschnitt reagiert mein gehirn mit alarmsignalen.

Bild 4su fei alias anna sophie loewenberg dürfte also nach dem prinzip der addition 35 jahre alt sein. dennoch erinnert sich mein gehirn daran, im ersten absatz eine andere zahl gelesen zu haben. ich scrolle also wieder hoch.

Bild 2völlig korrekt wurde aus dem youtube-video zitiert. wie kommt nun aber diese diskrepanz zu stande? mir fällt auf anhieb keine frau ein, die sich im interview älter macht, als sie ist. bei altersangaben wird doch eher nach unten gemogelt, ich meine natürlich vom wahren zum gefühlten alter eine zahl zwischen 1 und einer unbekannten subtrahiert. also nur eine unbeholfene redakteursschleimerei oder arithmetisches versagen? nicht ganz…

Bild 3hier haben gleich zwei redakteure virtuelle altlasten als neu deklariert. und ohne link zum video fällt das gar nicht weiter ins gewicht. das video muß aber  älteren datums sein. für newsmaker ist gestern allerdings mit steinzeit gleichzusetzen und wäre somit als beispiel total unbrauchbar. es hat nur ein paar minuten gedauert, bis ich das geburtsjahr der produzentin und darstellerin recherchiert hatte, da sie in ihren videos auf männerfang alle intimitäten ausplaudert, um mit viel trivialem füllmaterial das gefährliche fahrwasser der zensoren zu umschiffen. im august 2008  wurde jedenfalls dieses video über matchmaker bei youtube hochgeladen, wo loewenberg auf mandarin mit englischen untertiteln sagt: you’re younger than i am. i was born in 1974 (3:16 min). je nach geburtsmonat ist die dame also 34 oder 35 jahre alt.

selbst bei der matheolympiade ist dabeisein alles. aber schreiben und denken gleichzeitig? wie soll das gehen? schon bei olympia 2008 in peking zeigte china seine rechen- und rechnerkünste als es um den fall der kunstturnerin he kexin  ging. bis dato werden für das golkind bei wikipedia ein offizielles geburtsjahr (1992) und ein inoffizielles (1994 und damit nicht teilnahmeberechtigt) angegeben.  nun  haben wir oben den beweis für die mathematisch-journalistische durchfallquote. spon holt gold am stufenbarren (applaus, applaus, applaus!). wird der beitrag jetzt gesperrt oder geschönt?

ps: ohne das wort neu wäre der artikel nahezu glaubwürdig.

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media chicks on speed

robert lembkes rateshow was bin ich? gilt den fernsehredakteuren sicher noch heute als vorbild bei der vergabe von berufsbezeichungen, die redaktionssitzung wird zum heiteren beruferaten auf high:speed. diesen eindruck wird man partout nicht abschütteln, wenn man sich die bunten texteinblendungen bei statements genauer betrachtet. ob da die headlines der blödbild von der unkreativabteilung abgekupfert werden? nehmen wir einen ddr-schauspieler wie gojko mitić. beim öffentlich-rechtlichen wird der allgemein-unverständlich zum ober-indianer degradiert. pierre brice, eine nummer größer und internationaler darf sich für seine zahlreichen karl-may-verfilmungen chef-winnetou betiteln lassen. wer läse das nicht gern? brice etwa, der von seiner rollenfestlegung als klischeehäuptling sichtlich genervt auftritt? lassen wir diese sichtliche verdummen außer betracht, treten unglaublich viele experten auf: computer-, flugzeug-, extremismus-, terrorismus-, wirtschafts-, finanz-, literatur-, kunst-, musik-, kinder-, schul- usw. blabla. kann jemand also einen satz, ohne ähhm zu ähmm zu  ähhm stottern vor laufender kamera aufsagen, der halbwegs gebildet, aber nicht zu intellektuell klingt, gilt er fortan als sachverständiger – oft ohne die notwendige qualifikation. das fällt den unqualifizierten ohnehin nicht auf, die anderen schalten um oder ab oder aus bzw. verlegen sich auf’s öffentlichkeitswirksame kontern.

täglich werden neue hochstapler generiert. der beinahe vergessenen, rasant verwelkenden sexfilmchen-aktrice birgit bergen dichtet man den halbsauberen ruf einer schickerialady an. reiche hausfrau klingt einfach nicht z-prominent genug auf dem roten teppich, den brisant als insert ausrollte. verfolgt man aber die quellen, findet man diese benennung sowohl bei wikipedia als auch in der zdf-pressedatenbank sphinx. und da im vorabendverblödungsprogramm das wort sex wohl nur einmal pro sendung fallen darf, muss man die chancen an knackiger steilkurve reizvoller ein- und besetzen. der üble rest wird schöngefärbt.

was also antworten boulevardjournalisten auf die frage welches schweinderl hätten s‘ denn gern? das blutige.

stinkende vergleiche

wenn ich manchmal morgens in den spiegel schaue, ist mir gelegentlich bewußt, daß ich bockmist verzapft habe. der (virtuelle) spiegel weiß es aber nicht, reflektiert dennoch ausführlich und mit großem brimborium über die pannen anderer leitmedien. erst gestern durfte sich der chef vom dienst der ard-tagesschau für die umbenennung von bundeshorst in bundesklaus in den inserts (die übrigens kaum vom zuschauer wahrgenommen werden, sondern fast nur von anderen journalisten) auf spon in einem eigenen artikel entschuldigen. und wie in einem liebesdrama wurde die liste der fernsehfehler im artikel lang. archive und das gedächtnis können wirklich hinterhältige verbündete im meinungskampf sein.

schön wäre es auch, wenn der spiegel öfter mal auf inhaltlichen korrekturen eigener beiträge bestünde. oder aber noch einen redakteur mehr einstellt, der nur die inhalte auf fehler prüft. über satzzeichen und vertipper kann man hinwegsehen. nicht aber offensichtliches halb- bis unwissen der (freien) autoren. ich möchte hier nur zwei scheinbar harmlose beispiele eines einzigen buchstabenkochs hinweisen, da sie mir kurz nacheinander aufgefallen sind. besagter autor ist  laut eigenen angaben studierter diplom-journalist mit langjähriger berufserfahrung (kann jeder selbst recherchieren, so wie ich). da ich keines seiner rezepte je ausprobiert habe, weil mir jedesmal schon in der langen einleitung die textanfütternung sauer aufstieß, kann ich über die küchenmeisterschaft wenig aussagen. wohl aber über die textinhalte. wenn er die zutaten auch so ohne sinn und verstand in den topf wirft, wie er wörter und vergleiche verwendet, dann will ich nicht kosten.

in dem artikel ‚das riecht nach problemen‚ (wie wahr) vom 24.05. 2009 (bis heute unveränderte fassung im kulturspiegel online) bemüht wagner folgenden hinkenden vergleich:

patrick süskinds parfümeur jean-baptiste grenouille fing den geruch toter frauen ein. in der gehobenen küche geht das genau umgekehrt – dort versucht man, durch das parfümieren toten zutaten neues leben einzuhauchen.

zufällig ist das thema geruch mein steckenpferd. der geneigte blogleser wird das wohl bereits wahrgenommen haben. der aufmerksame romanleser wird sich möglicherweise auch daran erinnern, welche duftessenz grenouille begehrte, als er die frauen tötete. mitnichten gierte es seine nüstern nach leichengestank, sondern er war dem unwiderstehlichen duft von sommersprossigen jungfrauen kurz vor der geschlechtsreife erlegen. er balsamierte ihre leichen unmittelbar nach dem tod, um den geruch des lebens und der leidenschaft zu konservieren und um daraus den geruch der unwiderstehlichen liebe zu brauen. dieses odeur auf seinem eigentlich geruchlosen körper wurde ihm letztlich zum verhängnis. sein leib wurde im begierigen lustrausch zerstückelt. was wagner hier als gegensatz bemühte, ist in wirklichkeit eine ähnlichkeit – genußsteigerung.

zerfledderte ddr-ausgabe. gelesen! kein dekoelement!

zerfledderte ddr-ausgabe. gelesen! kein dekoelement!

grundsätzlich habe ich nichts gegen die vermittlung von wissen oder originelle allusionen in sachfremden texten einzuwenden. bloß greift der koch nicht wahllos in die gewürzdosen, sondern versucht sich an einer schmackhaften komposition. obiges beispiel erzeugt aber in der inhaltsverkürzung eine kakophonie. heute bewies der textkoch dann noch eine große meisterschaft in der verwendung fremdsprachiger zutaten in dem beitrag ‚zeig, was in dir steckt!‚. das ist doch mal ein fehdehandschuh nach meinem geschmack.

schon der römische schriftsteller petron berichtet in seinem „satyricon“ davon, dass bei den legendären festmahlen des amoralischen, ungebildeten, aber schwerst vermögenden trimalchion stets gerichte im vordergrund standen, die wie babuschka-puppen mehrfach ineinander gesteckt waren.

ja, wie der herr mit halbbildung zu vermögen kommt, weiß ich auch nicht. er scheint sich aber im mediengeschäft etabliert zu haben. bei mir standen die großmütter ( russisch = бабушка) nicht als staubfänger im regal. die saßen im ohrensessel oder auf dem sofa. und sie ließen sich in ihrer altersgesetzten seelenruhe auch nicht so leicht auseinander nehmen. gesucht wurde also irgend so ein russisches wort für steckpuppen . könnte es nicht vielleicht matrjoschka (матрёшка) gewesen sein? dazu brauche ich nicht mal die wikipedia-begriffserklärung, die ich nur der vollständigkeit halber aufführe. ein zuverlässiges kopfarchiv reicht und notfalls noch mal ins buch schauen. dabei werden  ddr-bildung und russischkenntnisse häufig als zweitklassig und überflüssig dargestellt. die westliche (wissens)welt als alleiniger maßstab? kulturspiegel mit blinden flecken? nach 20 jahren könnte man ruhig mal in richtung sonnenaufgang blicken und in östliche länder reisen, um kultur und geschichte zu entdecken. vorurteilsfrei und kritisch. aber ich bin ja nur bloggerin. wie kann ich es nur wagen, bezahlte journalisten zu bekritteln (*unschuldig guck*)?

Patrick Süskinds Parfümeur Jean-Baptiste Grenouille fing den Geruch toter Frauen ein. In der gehobenen Küche geht das genau umgekehrt – dort versucht man, durch das Parfümieren toten Zutaten neues Leben einzuhauchen.

wie geschmiert

auf dem medialen rummelplatz geriet das kettenkarussell mit den darauf jauchzenden moderatoren um ihre nebenverdienste geringfügig ins schlingern. es folgte eine biß- und stichlose diskussion um transparenz und offenlegung der einkünfte. einen randplatz nahm dabei allerdings die bedeutung des auftraggebers ein.  dabei finde ich die nebenbeimäuse weniger skandalumwittert, als die wahrung der viel gepriesenen und unglaubwürdig beteuerten unabhängigkeit. in der gleichen zapp-sendung wurden die sauer verdienten schrippen der journaillen dann noch mit reichlich rabattnutella beschmiert. das wurde dann völlig aus der öffentlichen und journalisten-wahrnehmung ausgeblendet. lieber sah man die bekannten damen und herren von ard und zdf ins stolpern geraten, als prinzipienlos und erziehungsdefizitär in der eigenen nase zu bohren. schließlich wartet man nicht permanent mit dem auto an einer roten ampel und glaubt sich dennoch unbeobachtet und zugleich souverän.

während in dem bericht ein abfälliges wort unerwähnt blieb, was den kern der sache trifft – bestechung. korrupt sind für 74 prozent nämlich immer nur die politiker oder die  wirtschaftsunternehmen, polizeibeamte und juristen. wundern wir uns  also nicht über die surrenden tastaturen, schmachtenden  hörfunkfeatures und geleckten filmrollen, die uns herrlichste reiseimpressionen liefern. sonne, samthaut, weichgespülte wellen, hotelzimmer mit traumhaftem blick. ganze 2000 des mediendunstfelds haben im vergangenen jahr in extrem preisreduzierten maritimen zimmern geurlaubt. was danach in ihrer wohlwollenden wortwahl haust, nennen wir es doch der versuchung erlegen und hausiererisch. schönschreibübungen mit fürstlichem spargefühl. ein glaubwürdiger journalist, hieß es früher mal, arbeitet auch in der freizeit. er sei stets auf der suche nach neuen themen und beflügelung der kreativität. was würde besser dazu passen als kulturerlebnisse, die ohne freien eintritt eher mit einem dvd-abend totgeschlagen worden wären. ein presseexemplar? schicken sie dann einfach die rezension. so läßt sich ein lebensstil mitfinanzieren, der dem repräsentativen habitus zur ehre gereicht. geben, nehmen, prassen, verklären, schwärmen. krise des kritischen journalismus. statt wespentaille ein wohlstandswanst. der paßt als zeitungsrolle einfach nicht mehr durch meinen briefkastenschlitz.

personenkult

heute nur ein kurzer surftip. auf arte.tv ist noch bis zum 10.8. der dokumentarfilm ‚das programm bin ich‚ zu sehen. hier wird ein kurzer einblick in die geschichte des personenkults um politiker vom 20. bis ins 21. jahrhundert gegeben und kritisch die tendenz zur immer breiteren inszenierung des privatlebens von regenten in den medien hinterfragt. ich finde den beitrag sehr aufschlußreich, vor allem im hinblick auf die anstehenden wahlen und die immer stärkere beschneidung der demokratie.

ausblender

ich habe lange gehadert, ob ich mir angie m. in der baumwollspinnerei in voller länge gebe, also mit eigenen ohren die eröffnungsrede höre, oder ob ich mich dem trubel drumherum entziehe. gegen anwesenheit auf der jubiläumsfeier in leipzig sprachen vor allem: medienrummel (also puschelmikros und kameramänner, die ohnehin jegliche sicht versperren), politische floskelsprache halte ich für zeitverschwendung, und prominentengeile zuschauer jagen mir mit oder ohne zu schauer über den rücken. dennoch hat mich das interesse am grund für den besuch nicht losgelassen. und so habe ich mir gegen meine gewohnheit die berichterstattung auf dem heimatsender mdr als livestream angetan und doch nur zeit verplempert. kuschender kuschelkurs anstelle von kritischem journalismus. es deckt sich mit der erwartungshaltung und ist zu begründen.

mdr sachsenspiegel (20.6., 19.00 uhr) kündigte die frage an, ob merkel nur wegen des wahlkampfs oder doch aus interesse angerückt sei. antwort? keine! angie zeigte sich neben neo rauch, neben stanislaw tillich, mit bertram schulze (geschäftsführer spinnerei), bewunderte das ein oder andere kunstwerk, stellte fragen. mdr aktuell (heute 19.30 uhr, ich kann keine direktlinks zu den sendungen setzen, da sie in der mediathek im moment noch nicht online sind) zeigte den von journalisten umspinnten gast aus anderen blickwinkeln (kameramann 2 und eventuell 3), aber in ähnlichen personenkonstellationen. o-ton merkel zur besichtigung der werkschau: ‚das war ein sehr spannender besuch, sehr eindrücklich. das ist ein sehr inspirierender ort, der hinreichend raum zum nachdenken läßt.‚ spannend, inwiefern? nachdenken, worüber? inspiration, wofür? da hätte man doch gleich die tonspur weglassen können, weil – über kürzungen im kunstbereich kann mal wohl schlecht während des wahlkrampfs laut nachdenken. wer kreuzchen will, muß harmlos tun.

was die fernsehbilder aber komplett ausblendeten und auch die dazu verlesenen beiträge, das wäre ein unangemeldeter zwischenfall während der eröffnungsrede der bundesfrau zu nennen, auf den niemand vorbereitet zu sein schien. ein student nahm sich die freiheit, angies rede mit dem megafon zu übertönen und wies auf den bildungsstreik hin, während eine studentin am podium ein schreiben zu den protesten übergab und dann von einem sicherheitsbeamten weggeführt wurde.

merkel versuchte erst abzuwiegeln („sie können ja gleich den bildungsstreik machen; ich mache jetzt meine rede fertig.“), wandte sich dann aber mit witz an den megafon-redner: „pass mal auf, ich habe hier gerade eine schrift bekommen. wir machen jetzt so eine art friedliche koexistenz: jetzt spreche ich – und dann lese ich.“ am ende ihrer rede sagte sie an die adresse der protestierer, die längst wieder in der menge verschwunden waren: „deutschland weiß, dass es nur eine zukunft hat, wenn wir in unsere bildung investieren. (quelle: lvz online).

kurzzeitig hatte sie wohl ihre contenance verloren, wechselte irritiert vom sie zum du, so perplex war die alleinreden-verwöhnte ob der unterbrechung. auch auf spiegel-online wurde darüber berichtet. aber der mdr, die medialbeglückung der rinderherde, verschwendet lediglich auf der internetseite von mdr aktuell ein paar zeilen. fernsehbilder? ach, wozu?! zumal auf dem podium, hinter dem angie mit einnehmendem lächeln die menge anhimmelte und geschichtskurse in sachen baumwollspinnerei vortrug, sinnreich aufgedruckt war:  125 jahre (in einem kreis) und darunter der schriftzug spinnerei. glücklicherweise dauern wahlperioden für kanzlerinnen auch nur vier jahre. und noch gibt es kein mittel für das ewige leben. was für ein hoffnungsschimmer…

die heiß:eiligen

heißeilige! das müssen pizza-lieferanten sein oder kellner. oder sexgierige mit erektilem übereifer. im mai treibt auch die moderatorensprache ihre stilblüten und zeigt die umtriebigkeiten der sprechenden.

wobei die wetterkapriolen ohnehin ein beliebtes smalltalkthema sind. (es gibt sonst keine wichtigeren themen im leben mancher schnatterinchen!). über das wetter wird leider sogar ge:t:wittert. microblogging zeichnet sich offenbar größtenteils durch den austausch von banalitäten aus. bisher benutze ich nur die search-funktion. vermutlich wird es dabei bleiben, denn diese hyperkommunikation einiger zeitgenossen nervt manchmal ungemein.

heute früh habe ich ebendort zum thema leipzig gesucht. in nachricht eins war denn auch die hochinteressante meldung zu lesen: ‚leipzig. die sonne scheint!‚ wow! welch außerordentlich hoher und geistreicher  nachrichtengehalt! aus dem fenster habe ich allemal geschaut, wenn mein rechner schon an ist. und blinde können im allgemeinen nur brailleschrift lesen. gibt’s sowas bei twitter denn etwa schon? hoffentlich halten sich erfinder da zurück. nicht, daß ich blinde von der informationsschwemme ausschließen wollte. bewahre! nur manches muß auch ungesehen, ungelesen, ungesagt, ungeschrieben bleiben. eine welt ohne geheimnisse, wissenslücken und rätsel wäre doch trostlos. worauf sollte ich meine neugier dann richten? selbsterkundung? auf dauer wird das auch langweilig, und vielleicht wird der sich-selbst-suchende nur noch wehleidiger…

zurück vom gedankenschweifen (oder doch gedankenschweigen). klar wollte frau moderatorin über die eisheiligen reden. auf das glatteis führte sie offensichtlich der vorangehende beitrag mit einer spielszene zur illustration der sage von der kalten sophie, die die vier theoretisch enthaltsam lebenden mönche mamertus, pankratius, servatius und bonifatius verführt haben soll.  wobei die körperliche und seelische blöße religiös-folgerichtig mit kalten füßen auf ewiger wanderschaft bestraft wurde.

entgegen der überholten bauernregel habe ich stadtmensch meine pflanzen in schnöder manier bereits seit anfang april auf dem balkon auf ihren stammplätzen nächtigen lassen. nicht ein einziges mal mußte ich die pflanzen  wegen frostgefahr in die wohnung räumen. im juni kann dann noch das schaf wegen der kälte ein bißchen blöken. drehe ich eben  kaltschnäuzig meine fußbodenheizung wieder an. im moment bin ich aber ganz heiß auf eis.