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im sch:w:ein:werfer:licht

buchstabendreher oder tipfehler bringen oftmals leidige korrekturen mit sich, manchmal jedoch sind es geburtsstunden großer wahrheiten über das jetzt. im folgenden beispiel über auf- und untergehende starlets und medialen einfluß. in der zeit konnte der geneigte feuilletonleser über den druckfehler ‚im schweinwerferlicht‚ erfahren, es handle sich um einen ‚freudschen verschreiber‚.

dabei treffen hier zwei ganz andere phänomene aufeinander: einmal sind  die buchstaben ‚w‘ und ‚e‘ auf der computertastatur direkt nebeneinander angeordnet. zweitens korrigiert microsofts rechtschreibprüfung bei zusammengesetzten substantiven nur wirkliche tipfehler, ergeben aber die einzelnen substantive jeweils einen sinn – wie schwein, werfer und licht – dann muß maschinell-logisch nichts verbessert werden… automatismus und maschinenkult blieben noch nie folgenlos. begriffe, die die textsoftware nicht erkennt, werden automatisch in bekannte worte verwandelt (sog. cupertino-effekt).

und sinn ergibt das wort ’schweinwerferlicht‘ allemal. bei google spuckt die suche immerhin 1570 treffer aus – von der autobeleuchtung über die bühnenbeleuchtung bis hin zu in den lichtinstallationen agierende mimen (alias rampensau). und mit wie vielen schweinen in menschengestalt sieht sich der heutige medienkonsument tagtäglich konfrontiert…

in der exilliteratur und der literatur über diktaturen finden sich unzählige beispiele über machtmißbrauch von überaus sich-wichtig-nehmenden menschen. sei es nun in edgar hilsenraths buch ‚nacht‚ oder im aktuell gelesenen ‚visum nach amerika‚ von salamon dembitzer.

der protagonist sylvian horn ersucht im 2. weltkrieg in südfrankreich den englischen konsul um ein einreisevisum. nachdem horn seine polnische nationalität offenbart hat, wird er opfer des alltäglichen rassismus und behördlicher ressentiments. der konsul packt ihn im nacken und schiebt ihn aus seinem büro hinaus. der polnische jude horn – seit monaten auf der flucht vor den nazis, ständig zwischen hoffnung und -slosigkeit, schreit verzweifelt: ‚ich will nicht in einer welt mit solchen schweinen leben… ich will nicht!‘ (s. 122, weidle verlag, 2009).

ich auch nicht! da hilft wohl nur selektive wahrnehmung… und ehrlich freue ich mich über jeden journalistischen beitrag, der noch das berufsethos erkennen läßt. und dann schließt sich auch der kreis zum wortspiel des schweinwerferlichts, wenn die wortklang- und bedeutungsspiele von ‚journaille und ‚canaille‚ so dicht gedrängt nebeneinander auftauchen.

stehen sie doch einfach mal neben journalisten an einer kasse einer beliebigen kulturinstitution. bei vorlage des presseausweises wird oft vorzugweiser und kostenfreier eintritt gewährt, auch wenn der journalist keine zeile über das ereignis zu berichten hat. immer im dienste der menschheit und zur befriedigung des informationsüberflusses…

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schreib:weise:n

sprachmutationen kann man ohne große mühen überall entdecken. in diesem fall war es mal wieder ein schau:fenster in berlin-friedrichshain. könnte man das sprechen doch nur anschauen. würden gewiß noch mehr fehler auf bis dato unbeflecktes papier oder in textdateien geschrieben.

microsofts rechtschreibprüfung bietet nach wie vor kurioseste korrekturvorschläge an – bspw. verändert er die länderabkürzung ‚fra‘ (frankreich) immer mit autokorrektur in ‚frau‘ – leben wie die göttin in frankreich  – ka:lauert es in mir. aus dem nachnamen büschelberger bildet word eben frau bügelbrett (ob die dame flachbrüstig oder nur hausfrau ist, kann das programm nicht verraten). übersetzer haben für die unfreiwillig entstehende wortkomik den begriff cupertino-effekt aus den korrekturvorschlägen der textsoftware übernommen. auch die abkürzung für desoxyribonukleinsäure (dna) verwandelt die software ungefragt in ‚dann‘. freilich könnte man diese ach so ungebräuchliche verknappung auch manuell dem benutzerwörterbuch hinzufügen. nur ist ‚dna‘ bei weitem keine neue wortkreation! und die dudenredaktion schafft es ja schließlich auch, jährlich neue begriffe abzudrucken.

was aber tun, wenn man schriftsprache und gesprochenes wort nicht mehr trennen kann? im duden nachschauen – wäre mein erster tip (ich benutze übrigens nicht regelkonform die alte rechtschreibung!).  mein nächster tip – falls kein nachschlagewerk in buchform zur hand sein sollte: im internet suchen! und dabei auf die seriösität der quelle achten!

und hier nun das corpus delicti:

dounat

dounat! nicht fisch, nicht fleisch, ein pfannkuchen! – wenn auch schwer zu erkennen. es gibt zwei mir bekannte schreibweisen des wortes: donut oder doughnut. die oben abgebildete ist nicht mal denglisch/germish. möglicherweise einfach lautsprachlich, aber dann hätte ich vermutlich eher diese variante gewählt: ‚dohnat‚. der schreiber erinnerte sich offenbar dunkel an die buchstabenkombination ‚ou‘ im wort, ‚g‘ und ‚h‘ sind überflüssig, weil unhörbar. und warum sollte man das englische ‚u‘ nicht mit einem ‚a‘ transkribieren?

warum nicht? andere verwirren? aber wenigstens hat das abschreiben perfekt geklappt: beck’s (auf dem foto sogar in großbuchstaben und sogar mit apostroph!). das verdient ernsthaftes und goldiges lob…

neumodig oder wie legasthenische banker sprechen

muttersprachler sind im vorteil, wenn es um aussprache und schreibweise geht. dachte ich bis zu dem moment, als ich kürzlich einen banker reden hörte. schaltergespräche sind seltener geworden, seit ich homebanking nutze. die banker-aussprache klingt in letzter zeit im zusammenhang mit der wirtschaftskrise (da fault fast die tastatur beim aufschreiben, so tot geredet ist das wort) eher aus fernseher- und radiolautspechern.

dummerweise befand ich mich in begleitung eines freundes, der gerade wieder unterrichtsstunden in sprecherziehung nahm. der lautsprachliche bänker wollte über das neumodische kautionskonto aufklären. er sagte aber:

neumodig!

nun ist ein im deutschen sprachraum relativ weitverbreiteter sprachfehler, die endung „ig“ nicht wie „ich“ auszusprechen. neu erscheint mir jedoch, daß man die endung „isch“ wie „ig“ aus dem mund entläßt. verwirrt suche ich nach antworten von linguisten oder logopäden…

eine plausible erklärung lieferte mir der sprecherzieher-eleve jedenfalls nicht. steckt die angst vor der aussprache von zischlauten dahinter? oder kann das tatsächlich an einer lese-rechtschreib-schwäche liegen? oder war gar nur ein kurzzeitiger synapsenverschluß schuld am versprecher?

ich hab jedenfalls zerbissene lippen. mußte mir ja das korrigieren verkneifen („scheiß lehrerkind“…). kann jemand meine fragezeichen in satzpunkte umwandeln? danke! mfg

ps: dyskalkulie muss epidemisch unter bankern grassieren. wie lässt sich die derzeitige wirtschaftslage sonst erklären…