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ins netz gefallen

bei diesem anblick von verfall stellte sich mir die frage, was wohl eher nachgibt: ob zuerst die bausicherungsnetze mit dem darin aufgefangenen schutt zerreißen, denn an manchen stellen haben sie viel zu schleppen und auch schon löcher oder ob die betondecke mit großem getöse komplett durch die stahlträger auf den boden kracht. der zugang zu diese halle auf der alten messe leipzig ist zwar von der einen seite aus mit toren gesperrt, wenn man aber in richtung automarkt geht, steht dort ein weiteres großes tor offen, und man kann ungehindert von dieser richtung ganz nah an die halle heran. ein reinfahrt zur halle ist nur bis zur hälfte zugemauert. es dürfte ein leichtes sein, darüber zu klettern und sich ins innere zu begeben. so lebensmüde war ich dann doch nicht. zwar weisen überall schilder auf videoüberwachung hin, aber in der halben stunde, die ich dort herumschlich, kümmerte sich kein wachschutz um mich. entweder sah ich zu harmlos aus oder aber die schilder sind nur fakes.

durch das fenster von der anderen seite betrachtet, sieht die bausubstanz auch nur noch halb so marode aus. man könnte das glatt für riesige hängematten oder dekostoff halten. wie oft der schöne schein doch trügt.

na, altes haus?!

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es ist noch nicht allzu lange her, da konnte ich legal das lange leerstehende pöge-haus in leipzig in der hedwigstraße besichtigen. natürlich im rahmen einer kunstakion, aber besser so als gar nicht. viele bilder davon habe ich noch gar nicht gezeigt. denn es war für mich nicht nur geruchlich eine reise in die vergangenheit – es roch nach altem linoleumbelag, nach alten lösungsmitteln und neuen, nach der vermoderten tapete, nach jahrelang ungelüftetem wohnraum. die treppen knarrten, die dielenbretter auch. an den wänden klebten teilweise die tapetenmuster aus der ddr. in einigen räumen fanden sich fundsücke aus der ruine als ausstellungsstücke wieder. wenn wir unsere erinnerungen in einen karton packen und ihn zuschnüren und ihn auf den dachboden oder in den keller bringen würden, kehrten sie nicht als diffuse teilchen und unerwartet wieder in unseren kopf zurück? kennen erinnerungen so etwas wie ruhezeiten? können sie zu einem anderen zeitpunkt nicht wie ein schnell geschnittener film vor uns aufflackern? könnten wir doch manchmal einfach nur play drücken oder pause, schneller oder langsamer zurückspulen… und doch haben wir kein steuer für unsere erinnerungen in der hand. sie sind scheinbar willkürlich da oder verschwunden. und ich weiß nicht, wo sie sich gerade aufhalten, ob im vorzimmer oder im oberstübchen, im souterrain oder auf dem balkon.

in diesem gebäude wurde mir die damalige ddr-mangelwirtschaft mal wieder so richtig bewußt. ich stand in den schmalen fluren und erblickte die laienhaft eingezogenen zwischenböden an den wänden, die aus allem möglichen material zusammengebastelt wurden. manchmal aus türen zurecht gesägt, manchmal aus brettern, manchmal aus alten möbelstücken. alles wurde irgendwie weiterverwertet. nachhaltigkeit aus mangel an rohstoffen. nun sind die rohstoffe der welt noch genauso endlich, aber auch immer noch ungleichmäßig verteilt. gerade deswegen finde ich es schön, wenn alte dinge aussortiert werden, die einfach überflüssig sind, diese aber nicht einfach weggeworfen werden, sondern verschenkt oder für einen symbolischen wert an einen neuen liebhaber verkauft werden. heute finden wir das bei fudelchen, vor kurzem hat paradalis ihre taschensammlung teilaufgelöst. dieser virtuelle flohmarkt ist ein anfang und ein beitrag dazu. noch besser wäre es allerdings, wenn wir unseren konsum stärker auf das wirklich notwendige beschränkten. dabei muß ich nicht mal den zeigefinger ausstrecken. ich kann gleich mal bei mir anfangen. irgendwann zwischen den jahren wird es bei mir auch wieder so weit sein. das aussortieren und neusortieren und umordnen am jahreswechsel ist mein ritual. ob ich meinen kopf auch ein bißchen umräume? es stände ihm bestimmt gut zu gesicht. und bis zum jahreswechsel kann ich dieses mal nicht ausharren. manchmal ist das leben eines menschen wie ein altes haus. es muß gelegentlich saniert oder ausgebessert werden. einiges muß komplett herausgerissen werden, manches darf bleiben, wie es ist, anderes wird neu angemalt. und nun mache ich mich mal an die arbeit.

vernetzt

ich habe doch noch ein foto für das projekt farbe bekennen 2010 nachzureichen, das ich schon längst wieder vergessen hatte. diese grünen netze zur bausicherung tauchen die maroden häuser in ein ganz besonderes licht. aber dahinter wachsen und gedeihen die mauerblümchen. und in dem netz, das kann man jetzt auf diesem bildausschnitt nicht sehen, lagen wirklich eine menge putzbrocken herum. da möchte man bei sturm nicht unten drunter langlaufen, das könnte ohne kopfschutz schmerzhaft enden.

filmkulisse

so herrliches wetter wie am tag der aufnahme dürfte dort in plagwitz gestern nicht geherrscht haben. der alltag plätschert so von oben vor sich hin. ich konnte leider nicht eruieren, wer dort was gedreht hat, noch habe ich bisher herausfinden können, was sich auf dem gelände limburgerstraße/erich-zeigner-allee früher mal befand. das ist nur der ausschnitt aus dem hinterhof eines riesigen, leerstehenden fabrikkomplexes. in leipzig werden locationscouts doch immer wieder fündig, wenn man nach ruinen sucht. vielleicht sollte ich beruflich umsatteln…