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verrückt

ver:rückt ist das, was für andere nicht norm:al ist. norm:al ist das, was andere als ver:rückt empfinden. gemeinsamkeiten gibt es nicht. nur abweichungen. (ist) irre (sein)!? meschugge, gaga, dada und plemplem. wahnsinnig. schrill. schlicht. aberwitzig. hirnrissig. gestört. ungestört. gelitten. zersplittert. verfolgt. verrucht. absurdes (wort)theater. ein zerrissenes ich. welten. realitäten. unmöglichkeiten. wünsche. träume. fallenlassen.

verrückt (kopfhörer auf die lauscher, volle pulle aufdrehen und einmal urschrei dazu, yeah!)

…, denn die seelentänzerische musik von illute habe ich im schaufenster des leipziger plattenlabels analogsoul entdeckt. einfach weil ich über den cd-titel stolperte, der da lautet: „immer kommt anders als du denkst“ und das zunächst für einen grammatikalischen fehler hielt. cd-cover und die seite in der schreibmaschine belehrten mich über eine störung im wortgefüge, die sinn ergibt. denn es ist, wie es ist. so. richtig. und wer kein tip-ex hat, korrigiert nicht. basta! früher war es manchmal einfacher, weniger perfektionistisch. das geht auch heute noch, wenn man willkanndarf. immer ist eine lebenslüge.  und nie? wann ist das? immer ist nur jetzt in dem moment. just. eben. und du so?

mit diesen beiden fotos setze ich meine reihe mit außergewöhnlichen fensterdekorationen fort. die anfänge kann man hier und da sehen.

kosmopolitisch

in my hands in my skin i'm alone. i'm miles away... (mit schnee bedeckt) from home.

für…

irgendwie assoziierte ich den begriff heimat vor der globalisierung und digitalisierung mit diesen heile-welt-klischees aus den heimatfilmen, ohne mich damit zu identifizieren. prachtvolle landschaften, saftige wiesen, majestätische berge, kühlende seen und ächzende wälder, glückliche familien in harmonischer eintracht vs. disharmonsiche zwietracht (dabei mag ich natur). sobald ich flügge war, wollte ich weg. dafür suchte ich mir gewiß einen ort als harte schule des lebens aus: berlin, die stadt der tausend möglichkeiten, der kreativen, der verrückten, der brutalen, der unverbindlichen, der zugezogenen, der verweigerer, der lautstärke, der schnelligkeit, des sprachengewirrs. zwei jahre dauerte der neuanfang. nach und nach kappte ich immer mehr verbindungen in die alte welt und stellte neue her. selbstgewählte, nicht mehr hineingeborene und hineingeschleuderte. ich genoß die freiheit der anonymität, ohne sie jemals vollkommen auszureizen. und das leben traf mich in all seiner unerbitterlichkeit und in all seinen extremen gefühlslagen. ich floh und ließ einen wahren freund zurück, mit der angst ihn vollkommen aus den augen zu verlieren, mit der angst, die emotionale nähe durch physische ferne einzubüßen. mit der angst, mich in briefen mitteilen zu müssen, ohne eine unmittelbare reaktion zu erleben. mit der angst vor dem alleinsein in einer anderen stadt, einer anderen, spießigeren welt, die aber vom ersten augenschein an beschaulicher wirkte, mich beruhigte, mich mit offenen armen einlud, ein neues zuhause zu finden, neue menschen kennenzulernen, mich selbst neu zu entwerfen aus bruchteilen alter, zerrissener skizzenbücher.

mit der zeit legte sich die angst, daß die freundschaft unsere räumliche trennung nicht überlebt. wir telefonierten die drähte heiß, bis unsere ohren glühten und die telefonarme steif zu werden drohten. dann ging ich endlich wieder ans netz und wir pflegten unsere fernfreundschaft weiter. mal per mail, mal per skype, mal per telefon. sie überdauerte lebensgefährten und affären. sie war der rettungsring in manch verzweifelter minute. sie ist die einzige verläßliche konstante in einer zeit der instabilität, des geworfenseins, des strudelns, des findens, der allgemeinen sozialen unsicherheit. sie ist das fallenlassen, das auffangen, die geborgenheit, das gegenseitige verständnis, der kritische spiegelblick. manchmal wochenlang unterbrochen und dann fast wieder täglich. und immer wieder eine überraschung, nie eine erwartung, nie ein zwang, die freiheit, sich zu mögen.

berlin – leipzig: ein katzensprung voneinander entfernt. in nicht mal zwei stunden fällst du dir in die arme, redest, lachst, guckst dumm aus der wäsche, und es wird wissend mindestens genau so blöde zurückgeglotzt. und dann bist du weg. so weit weg. so abgeschirmt. schier unerreichbar. aber du? du schaffst es, die chinesischen mauern zu überwinden und die mauern in deinem kopf, die sperren zu umgehen, und für uns da zu sein. für die, die wir nicht im land der mitte sein können, weiter anteil an deinem leben zu haben. wo auch immer du bist, wir sind connected. mag ein frank schirrmacher sich im internet verheddern, ziellos durch die informationsflut treiben, ich ziehe den hut vor den informatikern und werde selbst immer nerdiger. denn wer weiß schon, ob wir uns nicht längst aus den augen verloren hätten, wenn diese kommunikationsebene nicht erfunden worden wäre… damit läßt sich der verlust von nähe leichter ertragen. und ich empfinde es nicht mal allzu stark als ein surrogat. ich kann nicht da sein, wo du jetzt bist, aber irgendwie erhalte ich dennoch einblicke in die fremde welt, aus zweiter hand, durch deine augen, deinen mund, mit deiner wahrnehmung. das ist viel mehr als nichts und doch sind es nur bruchstücke. aber ich spüre die nähe, ohne dir wirklich nah zu sein. und in mir keimen sehnsucht und entdeckerlust zugleich. im moment muß ich mich noch mit dem reisen in gedanken begnügen. that’s so sad. wish i could be there. together.

zuhause brüten. im schneckenhaus. am rückzugsort. im privatbiotop. im schutzgebiet. alles einfach aufgeben, nur um da zu sein, wo du angenommen wirst, wie du bist. denn dieser menschliche h/ort ist meine heimat. wo auch immer auf diesem planeten das sein mag…

selbstzerstörerische prophezeiung

wenn engel posaunen, wahrsager falsches sagen, hellseher dich in die dunkelheit stürzen, dann flehe um erleuchtung. geistige, nicht gläubige.
zwischen geistiger umnachtung und erleuchtung. skulptur auf dem alten johannisfriedhof in leipzig.

was gibt es alles im privatvergangenen und im individuell-zukünftigen so fesselndes zu entdecken? die einen stapeln leichen im keller und streuen immer wieder salz in ihre wunden, die anderen berichten mit stolz von ihren großtaten. die einen malen sich ihre zukunft schwarz, die anderen rosa. allen gemein ist, daß ihnen der blick für die gegenwart abhanden gekommen ist. sie können entweder nur vorrausschauen, sternenkonstellationen befragen, zu tief im kaffeesatz rühren oder aber alte unruhegeister zitieren. was jetzt passiert, tangiert sie nur peripher. dennoch fehlt ihnen oft das vermögen, die konsequenzen ihres handelns einzuschätzen. sie glauben felsenfest, sich zu kennen, dabei kennen sie nur ihre wünsche. wie sie zu realisieren sind, das kapieren sie nicht, weil sie ihr denken in der zukunftsplanung eingehakt haben und nun vergeblich nach dem öffnungsmechanismus der ösen suchen. sie fummeln und werkeln, sie verzweifeln und hadern, sie hängen fest in der futuristischen zeitmaschine.
wie trifft es sich dann, wenn derart zukunftsverpeilte jemandem begegnen, der ihnen die unendliche ferne nahelegt, die eigentliche bestimmung vorhersagt, als handele es sich bei dem trübsinn um schicksalshafte fügungen. wahrsager, hellseher, handleser, astrologen nutzen nichts weiter als ein bißchen klischeehaftes klimbim, um die ohnehin verhedderten selbstwahrnehmungen noch ein bißchen mehr zu verfilzen. eine prise menschenkenntnis reicht aus, um im gesicht einer/eines unerfüllten das krampfhafte suchen, die glimmende unruhe, die unerfüllte leidenschaft zu entdecken und noch weiter zu schüren. wer einmal den  weg der unzufriedenheit eingeschlagen hat, sucht zwar vermutlich eher nach auswegen. es reicht aber offensichtlich schon aus, wenn er sich an einen strohhalm klammern kann. daß das trockenfutter schon faulig ist, entgeht ihm im gleißenden hoffnungsschimmer leider.
was ist also geschehen?
die zukunft sollte für die aktrice von und zu klammeräffchen schon bald  d e n  mann parat haben, führte die wahrsagerin aus. ein urlaub steht an? dann würde es dort funken. glaubte der weniger realismusverzerrte hörer, etwas einwenden zu müssen, wurde das wiederum von dem sehnsüchtigen persönchen als aber/glaube ausgelegt. die pisten- und skilehrerwitze verhallten ohne echo. die frohe botschaft wurde also munter an einige reisebegleiter verkündet und breitete sich, so schnell wie ein lauffeuer bei der höchsten waldbrandgefahrstufe eben nur kann, unter allen beteiligten aus. es entbehrt nicht einer gewissen komik, tragik, einer größeren portion strategischen ungeschicks und selbstzerstörerischer prophezeiung, wenn sich der mann der männer ausgerechnet unter den tuschelnden befindet. er war jedenfalls vorgewarnt und hatte offenbar weitaus sorgfältiger als achilles damals in drachenblut gebadet. so blieb das wunder der liebe auf wundersame weise leider aus. nicht mal die leiber rückten sich auf die pelle. nur die seelischen wunden wurden tiefer und das trostbedürfnis groß. ein miß/erfolg auf esoterischer schicksalslinie.

diesseitiger google ad-non-sense: die innere macht... botschaften fürs unterbewußtsein. erfolg direkt in dem kopf laden (dativfehler im original).

mann, hab‘ ich heute wieder unbotmäßige ladehemmungen.

hobbypsychologie

normalerweise scheue ich solche themen wie traumdeutung und das übersinnliche. umweht sie doch ein hauch des  irrationalen, unerklärlichen, von eigener verirrung, wenn nicht  gar deutungswahn und naja, ganz klar mangelt es mir an fachlicher kompetenz (statt koryphäe eher krähe). da täuschen auch die paar bücher von freud und adler nicht darüber hinweg, die ich vor jahren mal gelesen habe. aber manchmal werde ich mir selbst unheimlich. und meine freunde erschrecken ebenso. ich würde aber, um es vorwegzunehmen, von einem zufallstreffer sprechen und intuitivem denken, weil mir das rationaler erscheint. folgendes trug sich also zu: ich plauderte mit freunden  und bekannten über  ihre und meine alpträume nach narkosen, die an sich wohl relativ normale nebenwirkungen sind, wie mir ein anästhesist beteuerte. dann kam eine frau, von der ich so gut wie nichts außer den namen kannte, auf ihre kindheitsträume zu sprechen. sie schilderte ihre nächtliche angst davor, erdrückt zu werden. ich fragte, ohne groß nachzudenken und halb im scherz, ob sie denn zufällig ein zwillingskind sei und vielleicht einfach zu wenig platz im bauch war, so kurz vor der geburt. sie und ihr begleiter starrten mich völlig perplex an. ich war mir keiner schuld bewußt, schließlich war es ja nur eine frage und keine verabsolutierung. als beide nach einigen schrecksekunden wieder zur sprache zurückgefunden hatten, antwortete die frau: ‚ja, ich habe eine zwillingsschwester. und jetzt habe ich auch eine deutung für den ursprung der träume.‘ ihr freund sagte: ‚aber davon habe ich dir doch nie etwas erzählt! woher kannst du so etwas wissen?‘. Ich grübelte, fand keine erklärung. gedankenübertragung kann es schließlich nicht gewesen sein. und ich wußte es auch nicht, denn ich mutmaßte schlicht und ergreifend laut vor mich hin.

ich hätte da noch ein paar beispiele in petto, aber ich denke, daß ich diese lieber für mich behalten sollte, damit mich niemand für einen totalen spinner hält. das wort ‚ahnung‘ sagt eigentlich schon alles. es ist eben nicht wissen. und was weiß man schon genau? vieles kann man fühlen, spüren, vermuten. das heute noch unerklärliche muß es in 100 jahren nicht mehr sein. andererseits finde ich geheimnisse auch faszinierend. propheten verdrießen mich. und doch habe ich vorahnungen und träume gehabt, die sich erfüllten. vieles scheint sich in meinem unterbewußtsein abzuspielen, aber nicht ohne meine ratio als entscheidungsinstanz. dennoch verwundern mich die verbindungen, die mein geist zieht, ohne daß ich mich in irgend einer form am denkprozeß beteiligt fühle. es ist, als ob unsichtbare fäden gesponnen würden, die ich selbst nicht verfolgen kann. mein hirn, mein labyrinth. mein gelegentlich verweigerndes gedächtnis (namen, zahlen), meine große sorge vor dem totalausfall. manchmal geht es dort drinnen bestimmt zu wie in einer recyclingfirma. dann wieder wie in einer bibliothek. nach überbeanspruchung wie in einem fauligen weiher. nach optischem overkill wirkt der kopf schwer und gleichsam leer, die augen brennen und fühlen sich winzig an. so viel wurde von denkern über das denken geschrieben, aber es bleibt in weiten teilen unfassbar. da helfen auch noch keine durchleutenden maschinen.

aber stellen sie sich doch einmal vor, wie schrecklich eintönig ihr leben wäre, wenn man die gedanken lesen könnte?! dann wäre sprache plötzlich völlig überflüssig. dann wären die gedanken vielleicht schon strafbar. keiner hätte mehr schöne oder finstere geheimnisse. man stünde unter dauerkontrolle! überraschungen wären unmöglich. jeder wunsch würde von den augen abgelesen. alles wäre berechenbar. die welt eine große berechenmaschine. oder doch nur ein einziger brechreiz. mich öden ja schon filme an, in denen der dramaturg nur ans schlichte unterhaltungsgemüt denkt und in denen die musik das ganze nur noch vorhersehbarer macht. da muß ich mir nicht mal mehr ängstlich die hände vor die augen halten oder auf das unausweichliche ‚die guten gewinnen immer‘ warten. ich will nur noch den kinosaal verlassen. so sähe es aus, das vorhersehbare. blutleer. lebensfeindlich. fade…