Schlagwort-Archive: landtagswahl

drill-tillich

der wahlmarathon in sachsen erlebt heute nach der kommunalwahl im juni und vor der bundestagswahl im september mit der landtagswahl sein bergfest. prophezeit wird für sachsen eine cdu-mehrheit. zwar werde ich mich gleich an der wahl beteiligen, aber nicht, um einen nächstenlieblichen sachsenweinkönig zu wählen. erinnern wir uns an stanislaw tillichs erinnerungslücken als cdu-blockflöte. 1999 – verdammt lang her? ach, zehn jahre reichen für verjährung von falschen angaben? haben wir ein rechts- oder ein linksdrehendes rechtssystem? tillichs joghurtkultivierung – mit der jeweils erfolgreichen masse drehend – wird in einem faz-beitrag über die stasi-vorwürfe deutlich: ich war damals kein held. nun, heute etwa? nachdem er sich acht monate vor einer stellungnahme gedrückt hat und dann den fragebogen in der blödi-bild-zeitung veröffentlichte? solch öffentliches hitze- und druckempfindliches verhalten brüllt regelrecht nach einer auszeichnung mit dem bundesnarrenkreuz. aber tillich mault weiter, er habe keine lust mehr, seine vergangenheit, sein ‚privatleben immer wieder zu erklären. ja, einmal ausführlich und vollständig hätte auch gereicht. dann nämlich könnte man ihm keine ddr-demenz vorwerfen, sondern müßte sich jetzt versäumnisse bekrittelnd an die prüfenden behörden wenden. vergessen, das kann schon mal passieren so im prüfungsstreß. monatelang heimlich angstschweiß von der stirn tupfen; dann so tun, als ob man nichts zu verbergen hat und gutgläubige kaschen. entfallen war ihm auch die teilnahme an einem lehrgang an der ‚akademie für staat und recht‚ im frühjahr 1989 in potsdam babelsberg, denn schon im november des jahres überschlugen sich die politischen ereignisse. da kann man schon mal hadern mit den kadern und der eigenen vergangenheit.

also ich erinnere mich an meinen besuch des illegalen punkkonzerts am 1. mai 89 (tillich-sprech = frühjahr) in kromsdorf, obwohl ich ziemlich betrunken war. am nächsten tag wurden an unserer eos friedrich schiller in weimar mehrere schüler der angegliederten lehrerausbildung in das büro des direktors zum rapport gebeten. er wollte namen weiterer konzertbesucher hören und stieß trotz drohungen auf eisernes schweigen. nichts passierte. niemand wurde geext. das bißchen nonkonformismus würde ich weder als staatsfeindlichen akt einstufen, noch als aktiven protest, sondern eher als jugendliches aufbegehren. nichts, was heldentum ebenbürtig wäre. revoluzzer wurden wir erst im november. dazwischen lag die sorge um die wiederkehr von freunden und verwandten aus ungarn und der čssr. und die menthol-zigaretten-mär im neuen deutschland vom 21. september 1989 um den angeblich von menschenhändlern mit einer präparierten zigarette entführten mitropa-koch… oder wissen sie das etwa auch nicht mehr? das war imho der unglaubwürdigste aufmacher der ddr-pressegeschichte.

ob doppelherz auch gegen doppelmoral hilft?