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liebe im freien

freie liebe oder liebe im freien oder wenn die prüderie ausbricht, dann lautet die anklage: erregung öffentlichen ärgernisses. zwar fühlen sich liebende in der natur gerne alleine, wenn sie glück haben, sind keine spanner in der nähe, aber ein paar tiere schauen immer zu. ich bin  mir auch nicht ganz sicher, ob das ein linolschnitt oder doch eher ein holzschnitt ist, dazu kenne ich mich in den feinheiten der kunstbewertung nicht gut genug aus. mich erinnert es aber an die schulzeit und den malzirkel, in dem ich so ähnliche arbeiten auch angefertigt habe. zugegeben, weniger das motiv des liebespaares, aber eine katze war auch mit drauf und natürlich auch nicht mit dieser handfertigkeit ausgeführt. die signatur des künstlers kann ich auch nicht eindeutig entziffern, scheint aber womink zu heißen. der druck ziert nun die gute stube des bauernhauses meiner anverwandten. schönes stück und paßt dort gut hin. der preis, wo wir doch hier die überzogenen sümmchen der leipziger schule gewohnt sind, war auch erschwinglich. leider war in der kunsthalle des gutes conow in wittenhagen keine arbeit mehr zu haben. ich hätte das glatt gekauft, nur um mich an einem ähnlichen, traumhaften bild zu erfreuen. denn mir als urtikaria-patientin ist ein solches vergnügen, ohne decke auf der wiese oder auf dem feld auch nur zu liegen, leider nicht gegönnt. ich würde hinterher aussehen wie pischti pustel.

scharfes unscharf

die freidenkerin hat mal irgendwann das lustige fotoprojekt cam unsharp initiiert. und da ergreife ich doch mal die gelegenheit, eines meiner mißlungenen fotomotive hier einzustellen. puppenstube heißt diese installation von den kunstpädagogikstudentinnen sarah neufeld und sophie girwert aus barbie/puppen und einer sexpuppe, die im pöge-haus während der aktion kunst am markt zu sehen war. durch ein guckloch durfte ich einen verstohlenen blick auf ein symbol für die sexualisierung der gesellschaft werfen.

die zweite aufnahme erscheint mir dann doch etwas schärfer. aber die unscharfe, überbelichtete variante versinnbildlicht so plastisch  die vielfältigen betrachtungsweisen zum thema prostitution. im männlichen blick der befriedigung liegt ein bißchen die rosatönung. in einem sozialen brennpunkt wie dem eisenbahnstraßen-kiez in leipzig scheint das neben drogenhandel ein großes thema zu sein. ich treibe mich da jedenfalls nachts nicht in der gegend rum und kann also auch nicht aus erster hand berichten. natürlich gibt es auch immer die seite der anwohner, die sich von freiern oder luststöhnern belästigt fühlen. und dann existiert die armut der frauen, die ihren körper verkaufen, um zu leben, die das vielleicht auch nicht immer ganz freiwillig tun (stichwort: menschenhandel). ich denke aber auch, daß das älteste gewerbe der welt seine berechtigung hat und legal sein muß. irgendjemand muß sich um die sexuelle befriedigung kümmern, wenn die unerfüllte lust daheim zum frustpotential wird. ein bißchen bewundere ich die fähigkeit der nutten, ihren ekel, den sie bestimmt manchmal empfinden, zu überwinden. andererseits kann ich mir nicht vorstellen, meinen körper zu entwürdigen. auch wenn viel schönes heutzutage nicht mehr nur geil ist, sondern porno. dafür da bin ich wohl viel zu sehr stino und naivchen, aber vor allem romantikerin.

tea & coffee, piazza & towers

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den anstoß für die gestaltung von 31 tee- und kaffeesets für alessi gab 1983 und 2003 der designer alessandro mendini. viele kennen die berühmte zitronenpresse oder verschiedenstes küchenzubehör vom löffel über den küchentimer bis hin zum teekessel im retro-bauhausstil. auch diese objekte  der sonderausstellung tea & coffee, piazza & towers. alessi. architektur für den tisch im leipziger grassimusem lehnen sich stark an baulichen merkmalen an, sie wurden ja schließlich von architekten entworfen. ein bißchen erinnert das wahrscheinlich an ihre modellbauentwürfe, die sie zur planung eines bauprojekts basteln, um die räumlichkeit zu erfassen. in den größtenteils glänzend aufpolierten, limitierten silbereditionen spiegelt sich alles mehrfach. die kassettendecke, die vitrinen, die fenster, die bäume, die museumsbesucher. ein spiel mit der umgebung, ein spiel mit dem maßstab, ein spiel mit dem material und mit dem anspruch, zeitloses zeitgeistdesign herzustellen. diese lichtbrechungen in den desginobjekten passen, wie ich finde, gut zum heutigen bilderrätsel.

kunsthandwerk im grassimuseum (II)

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uns teutschen kan man die trinckgeschirr nicht allein groß gnug / sondern auch nicht schoen und seltsam gnug  machen. man trinckt auß affen un pfaffen / moench und nonnen / loewen und baeren / straussen und kauzen / und auß dem teufel selbs (moses pflacher, priester, 1589).

wie recht er damit doch hat, will ich das auge des betrachters entscheiden lassen. in dieser ausstellung im grassimuseum für angewandte kunst in leipzig sieht man nur den prunk, den reichtum, die blendende sonnenseite des lebens. die bescheidenen verhältnisse habe ich aber schon in einigen bauernmuseen studiert. es gibt sie, die schönen materiellen werte, mit denen man sich die wohnung dekorieren kann, die räume füllen,  aber nicht das innere wesen des menschen. sie berühren als lichtbrechungen unsere retina. sie erfreuen das auge. für eine kurze zeit sind sie einfach nur wunderschön.

faszination grassimuseum

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zwischen zwei wolkenlücken eilte frau wortfeile heute in das grassimuseum für angewandte kunst und auch trocken wieder nach hause. ein tag, wie ich ihn schöner kaum erträumt hatte. alleine die architektur des gebäudes hat mich so stark beeindruckt, daß ich stundenlang durch das museum für kunsthandwerk hätte schlendern können. und ganz brav besorgte ich mir dieses mal auch eine fotoerlaubnis. das gebäude wurde zwischen 1925 und 1929 im stil des art déco gebaut.  im krieg wurde das gebäude stark beschädigt und 2007 nach umfassender sanierung wiedereröffnet. es beherbergt außerdem noch das museum für völkerkunde und und das museum für musikinstrumente. das ist partout nicht alles an einem tag zu schaffen  (*schlapp schlurf*). denn zu den dauerausstellungen antike bis historismus und asiatische kunst gesellten sich noch drei!!! weitere sonderausstellungen: tea, coffee, piazza & towers: alessi. architektur für den tisch, in der sehr außergewöhnliche designentwürfe gezeigt wurden, exotische welten. der schulz-complex und das frühe meißener porzellan (fand ich persönlich zum schnelldurchlauf geeignet). aber wie stark pochte doch mein kleines laienfotografenherz in der exposition gefangenes licht. deutsche und internationale glaskunst seit 1960. das war eine große herausforderung für mich, diese grazilen kunstobjekte in den spiegelnden vitrinen abzulichten und ist eine gesonderten fototext wert, genau wie einige andere exponate.

die ausstellung ist unter museumspädagogischem aspekt sehr ausgewogen. nicht zu viel text, viel zum gucken, zum staunen, zum wiederentdecken. in den vitrinen funkelten perlmutt und alabaster, glas, gold und zinn, silberbesteck und gemmen, fächer und barockkleider. und alles war so fein gearbeitet. alles von hand gestaltet. von der illustration von bibelauszügen (habe ich mal ausgelassen) über blutige jagdszenen bis hin zu filigranen dekors mit blumenmustern oder tierdarstelleungen war alles dabei. in manchen räumen werden licht und themenspezifische musik sensorgesteuert ein- und ausgeschaltet. und das scheint auch notwendig, denn für mein empfinden gab es mehr aufsichtspersonal als besucher. dabei ist das museum eine echte empfehlung. es ist ja nicht so, daß ich mir den ganzen kram als staubfänger in die bude schleppen würde. aber alleine zu sehen, wie hoch entwickelt die handwerkskunst bereits vor jahrtausenden war und das in relation zu den heutigen „wertvollen“ kunsthandwerlichen gegenständen zu setzen, die dagegen teilweise wie schrott wirken, das ist eine erfahrung wert.

und ganz nebenbei dürfte ich nun so ziemlich jede farbe für das fotoprojekt farbe bekennen 2010 eingefangen haben, weil die kunstobjekte in allen erdenklichen farbnuancen gestaltet sind. yippi! von der kassettendecke aus milchglas und diesem ausstellungsraum für die glasobjekte konnte ich gar nicht genug bekommen. ein phantastisches raumgefühl, beste lichtverhältnisse. ich konnte mich einfach kaum entscheiden, welches der vielen fotos nicht mit in die slideshow durfte. sorry! ich habe es das erste mal fertig gekriegt, meine speicherkarte voll zu machen, so daß ich schon im museum aussortieren mußte. und zwei akkus zur strecke gebracht… aber so viel ästhetik auf engem raum bekomme ich sonst selten geboten.

musik für tiere

galerie potemka in schleußig, aurelienstraße 41

lacht nicht, das gibts wirklich (zur vergewisserung und vergrößerung einfach auf das bild klicken). ich mußte mir zwar auch die sonnengeblendeten augen reiben und guckte die tür zur galerie potemka ziemlich ungläubig an. aber das sind medienkunst-performances von marek brandt. der künstler kreiert sound-vidoe-scapes und bezieht dabei umweltgeräusche und landestypische tierlaute mit ein. alles klingt ein bißchen elektronisch-ironisch, aber am richtigen ort kann ich mir das gut vorstellen. ob es den tieren gefällt, kann niemand mit sicherheit sagen. aber sicher hinterfragt eine solche kunstform das verhältnis von mensch und tier.

von draußen dringen gerade – scheinbar höhnisch – lautstark streitende menschenstimmen in meine wohnung.

hier aber noch eine 2minütige kostprobe von einer performance im ungarischen pécs (die nachbarn hören sich dagegen unmenschlich an):

on and off…

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dan perjovschi: revolutiON OFF (drawings on the wall). es lohnt sich, die slideshow zu stoppen, um die texte zu lesen…

scheinbar simpel wirken die wandfüllenden zeichnungen des rumänischen künstlers dan perjovschi auf den ersten blick. und der besucher wird sich vielleicht gefragt haben, ob jetzt sogar schon kindergekritzel ausgestellt wird. auf den zweiten blick aber und im zusammenspiel mit den nachdenklich stimmenden kurztexten, die die konflikte unserer zeit mit wenigen worten auf den punkt bringen, wirken sie erstaunlich klug. wenn nur alle twitternachrichten solchen tiefsinn schürfen würden… obschon immer noch ein bißchen unbeholfen, dienen sie doch gleichzeitig als karikaturen des elitären kunstbetriebs. aus den textzeichungen sprüht witz, geist, kritik. ihre inhalte sind hochakuell, sprachverspielt und anspielungsreich.

perjovschi hat für die werkschau in der baumwollspinnerei in leipzig eine wand und teile der decke einer alten fabrikhalle mit schwarzem textmarker und weißer kreide bemalt. dieses großflächige wortbild läßt sich kaum aus goßer entfernung entziffern. man muß relativ nah an der wand entlanggehen oder den kopf tief in den nacken legen, um alle details erfassen zu können. das eine überkopf-foto ist dementsprechend leider ein wenig in schieflage geraten, da meine marode halswirbelsäule mich an einer langen perspektivwahl hinderte.

hier sind noch zwei videos über das projekt what happened to us? von dan perjovschi in der moma (teil 1 und 2).