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halsabschneider

dermatologen empfehlen la poche-rosé für die tägliche gesichtspflege. und wenn schon! wenn der akne-tarda-gepeinigte verbraucher am gebrauch dieser waschlotion verzweifelt! hat der picklige patient die schmerzhafte prozedur des fruchtsäurepeelings überstanden, bei der sich die haut wie ein brennendes etwas rötet, das dem körper eine echte grenzerfahrung von innen und außen beschert, ihn in ein sich permanent pellendes, cremendes und vor dem seelenspiegel kapitulierendes nervenbündel verwandelt, kommt die zeit der intensiven nachbehandlung. innerhalb einiger wochen regeneriert sich die schuppenfischgleiche gesichshaut und löst sich in fetzen ab. was darunter zum vorschein kommt, ist das altbekannte, pickellose gesicht mit signifikant überstrapazierter epidermis.

los geht das schmierentheater. obwohl die behandlung nun schon zwei jahre zurückliegt, bin ich immer noch auf der suche nach einem adäquaten kosmetikprodukt, dessen hersteller ohne tierversuche auskommt um diese anti-komedogene wirkung zu erzielen. zwar brauche ich hin und wieder mitwisser, auf die mitesser kann ich aber weitgehend schmerzfrei verzichten.

um aber an die gefühlte verbliebene neige von 25 prozent dieses packungsinhalts zu kommen, reicht es nicht, sich, ähm, die tube einfach auf den kopf zu stellen. auch mit schütteln und klopfen, drücken und pressen bleibt der inhalt hartnäckig in der tube kleben. da kann ich ja zum halsabschneider werden. und das hat wenig mit der geizgeilen mentalität gemein, sondern mit meinem ohnehin schon belasteten, ökologischen gewissen. ich werde zum aufschneider. und siehe da: der rest reicht für ganze drei weitere wochen reinigung. ich stecke meinen stinkefinger in die verpackung und erhebe ihn in richtung dieser gerne-slogan-posauner wer hats erfunden? hallo?!!! wie kann man auf diese schrottige verpackung stolz sein? und weil ich es mir wert bin, werde ich weiter die konkurrenz testen. allein vor der rückkehr einer für alle offensichtlichen pickelparade pariere ich und geb‘ mir die tube. alternativen…? anyone?

crème de la crème

werbung verspricht vieles. schönheit, wohlgefühl, genuß. alles auf schnellstem wege. mit studien belegt, denen es an jeglicher wissenschaftlicher fundiertheit mangelt. auch manche wissenschaftler modifizieren ungünstige forschungsergebnisse ab und an, um ihren erfolg zu beschleunigen. dafür landen sie  manchmal in lichtgeschwindigkeit wegen ihrer versprechen nicht direkt auf dem olymp, sondern auf kleinem umweg für ihre verbrechen hinter schwedischen gardinen. schon in den laboratorien der alchemisten brodelten geheime mixturen, unter anderem auf der suche nach einem allheilmittel. ihre modernen nachfolger, die lebensmittelchemiker und biochemiker, experimentieren mit nicht weniger ungefährlichen stoffen. retortenessen, mit künstlich und billig hergestellten ausgangsstoffen, das neueste geschmackssensationen erwecken soll.

kaufstimuli mit markigen sprüchen und aufreizenden bildchen werden in agenturen für diese produkte generiert. trendbüros hecheln nach profitablen marktnischen, in denen sich hochpreisiger chemiemüll als das besondere für die verwöhnten und die leistungsträger der gesellschaft verkaufen läßt. nach der abgegrasten wellnessweide mit ihren leeren energietanks wurde nun eine neue symbiose gebildet. beauty-food (alias cosmeto-food, alias nutricosmetics). bier mit antioxidantien, das als berauschenden nebeneffekt die alterung stoppen will (radikal:bauern:fänger). belgische schokolade mit illusorisch hautstraffendem traubenkernöl. mehr über diese und weitere produkte kann man in diesem video sehen. langsam scheint selbst in die untersten haut- und zellschichten (sprich hirn) der verbraucher eingedrungen zu sein, daß mit dem inhalt aus goldenen cremetiegelchen immerhin eine subjektiv wahrnehmbare veränderung zu erreichen ist. nämlich ich pflege mich, also werde ich auch schön. von diesem felsenfesten glauben können die vermiesenden testergebnisse, die keinerlei effekt auf die äußerlichkeit nachweisen, nicht ein staubkörnchen lockern. konkurrieren kann damit allenfalls noch die schönheitschirurgie. die unschönen narben oder das lähmende grinsen ohne jede mimik gucken sich mit der zeit weg.

und dann war da noch das bereits arg überstrapazierte sprichwort: ‚wahre schönheit kommt von innen‘. nein, im sinne der ver:käuflichkeit hat das am allerwenigsten mit charakter zu tun. die wabernde puddingaußenhülle soll nun von innen mit den wirkstoffen der cremes saniert werden. und das mit hilfe der friedlichen koexistenz der beiden betrugsindustrien, was sich übrigens gut mit den abertausenden von nahrungsergänzungsmitteln vereinbaren läßt. die produkte werden bisher wohlweißlich nur via internet mit schönheitsidealistischen huldigungen vertrieben. schokolade mit traubenkernöl ist ja so gesund, daß man sie am liebsten gleich tafelweise vertilgt. wer will schon tag für tag kaninchenfutter mümmeln, um seinen teint von partyaschfahl in rosig zu verwandeln oder die pickel loszuwerden? frisches obst und gemüse haben viel zu wenig kalorien und setzen viel zu kurzzeitig glückshormone frei. was pro kilo unter 100 euro kostet, kann ja auch nicht gesund sein, sprach die vernunft und hatte sich verkalkuliert. ihre haut faßt sich gummiartig an? das ist kein fett und auch keine cellulite, sondern schwungmasse, die mit ein paar genaschten gesundheitsgummis noch eindrucksvoller in ringformen zu gießen ist. warum sie jetzt bewegungsunfähig mit ihren hautzellen am ledersofa festwachsen? nun, für die vermehrung von hirnzellen war wohl nichts dabei.