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kommunikationskiller

blick durch ein schmutziges fenster in ein ausgedientes waschhaus mit vermoosten fliesen

manch kongenialer gesprächspartner überrollt seine eigenen schwachstellen gerne mal mit einem panzer. ohne ihm die fachkenntnisse auf (s)einem gebiet absprechen zu wollen, hapert es offenbar besonders  an sprachlichem und kommunikativem zungenspitzenfeingefühl, manchmal an einer breiten allgemeinbildung, manchmal an empathie. wenn der famulus ungefragt sein bücherwissen auf die leute klugscheißt, das eigentlich gar keiner erklärung bedarf, weil ebenso bekannt und dann noch fremdwörter mit einer falschen aussprache bis zur unverständlichkeit entstellt, da er sie eben leider nicht vom hörensagen kennt, sondern nur als buchstabenfolge, die er durch die brille der ahnungslosigkeit betrachtet, dann fängt der verbal geschlagene eischaum an zu perlen. die altklugheit zerrinnt zur peinlichkeit, aber der dozent deklamiert fröhlich weiter über seine irrlehre hinweg. und unweigerlich spaltet sich die sprachmasse in sein angeben und unseren wunsch nach aufgeben. er produziert vornehmlich schall und rauch in seiner effekthascherischen gedankenfabrik, die leer in uns verhallen, die die neugier gefrieren lassen, die das vertraute mit befremden belegen.

selbstredend muß ich gähnen, wenn ich an einen dialog wie diesen zurückdenke:

germanistin (ihre rede ausschmückend): das sind doch po-, po-, potemkinsche dörfer (*lautsprachlich*), oder wie spricht man das aus? (*immerhin leichte unsicherheit*).

ich (trocken): patjomkinsche (*lautsprachlich für das wort russischer herkunft*).

eigentlich hätte sie an dieser stelle bereits merken können, daß mir der begriff nicht nur geradezu vertraut ist und sich auf meiner stirn auch keine fragezeichen in falten kräuselten. aber sie war so besessen von dem vermutlich für sie neuen wortschatz und benebelt von ihrem halbwissensrausch, daß sie gleich noch eine nicht druckreife definition nachschob, der ich nichts neues, dafür lückenhaft nachgekautes entnahm. ich wartete auf das ende der redeödnis. als sie fertig war mit ihrem nachhilfeunterricht für laien, konnte ich den zynismus nicht unterdrücken und moserte: wiederholungen sind oft überflüssig.

überboten wurde jene mangelnde sprachkompetenz nur noch durch ein seminar an der uni in berlin über intertextualität, das ich nie beendet habe, weil die dozentin mehrere sitzungen immer wieder im brustton voller überzeugung von wacklaf hafel sprach (richtig, wer soll das denn bitteschön sein?). ihr studium der lateinamerikanistik allein reichte jedoch aus, um den damals sehr prominenten tschechischen präsidenten und schriftsteller václav havel [ˈvaːtslaf ˈhavɛl] zu einer art wackeldackel zu degradieren.

jaja, bei fremdwörtern und namen stehen die schangsen, weia chancen, schon ziemlich gut, sich zum affen zu machen. mit welcher inbrunst manche menschen wieder zurück auf die bäume klettern, das ist schon negativpreisverdächtig.