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wurst – mal solche, mal solche

seit rund zwei wochen steht jetzt statt wc an diesem häuschen „burgermeister – der grill“. es ist immer voll, wenn ich vorbeikomme. denn man verkauft die ach so einzigartige, berliner importware aus dem szenegrill „curry36“. und ich hab die nase schon gestrichen voll, wenn ich mich diesem imbiß nur nähere. irgendwie brennt da bei mir eine sicherung durch, die ekelsignale sendet. klar, der laden wurde entkernt, hab ich  mit den eigenen glubschern gesehen, aber im oberstübchen fabriziere ich immer wieder diese wild galoppierenden hygie:nie:vorstellungen. wer die öffentliche toilette am südplatz und ihre gerüche von früher kennt, dem wird es vielleicht ähnlich ergehen. würde ich zu herpes neigen, hätte ich bestimmt schon einen mund voller ekelgriefen *schüttel*. jetzt soll ich einfach umdenken: statt wurst aus dem darm, gibt es sie jetzt im, nur um dann andernorts doch wieder rauszukommen. die wurst hat eben zwei tode, zwei enden und für mich noch einen ganzen rattenschwanz dazu. herr freud, übernehmen sie! und allen anderen: guten appetit!

essen nach zahlen

malen nach zahlen fand ich bereits als vorlautes gör mehr als nur unkreativ, weshalb ich auch die eingezeichneten linien ignorierte und munter in den öden vorlagenbildchen rumkritzelte. dabei sollte ich doch nur grundlegende räumliche grenzen anerkennen lernen und einfachste visuelle strukturen akzeptieren. und dann gibt es für künstlerisch fortgeschrittsgläubige noch die ölbilder mit zahlen, die ich als eine serie von kitschigen landschaften erinnere. die habe ich neulich sogar mal wieder in der spielzeugabteilung eines kaufhauses entdeckt, im bastelladen für eltern mit kreativitätswunschträumen für ihre kinder jedoch nicht. kommen wir nun vom malen zum zermahlen von nahrung mit den beißerchen.

gelegentlich treibt mich übellaunigkeit erzeugendes magengrummeln in einen thai- oder asia-imbiß. und immer wieder vergesse ich meine speisenummern. ich denke vorfreudig und gierig-speichelschluckend an eine thom ka gai suppe als vorspeise, gefolgt von ente kross in grüner curry-sauce mit gemüse und reisbeilage und muß mehrfach von einer angenervten stimme im asiatischen singsang zur nahrungsabholung aufgefordert werden. das hartnäckig wiederholte aussprechen der immer gleichen zahlen schreckt mich dann doch aus meinen träumereien von baldiger nahrungsaufnahme auf. leider gibt es sogar restaurants, die diese praktik des nummernauftischens übernommen haben. weder kenne ich den gastronomischen fachbegriff für diese erfindung, noch den tieferen sinn der dahinter steckt, eine speise mit einer zahl in verbindung zu bringen. vielleicht freiwilliges gedächtnistraining? eselsbrückenschulung?  vermeidung von aussprachefehlern? rationalisierung? andere restaurants, ja sogar kantinen scheinen sich hingegen einen wettbewerb der  meterlangen wort- und speisekreationen zu liefern (alles ist in der nouvelle cuisine ‚an‘ und nicht mit). manchmal versteckt sich dahinter eine kulinarische entdeckung, häufig jedoch ist der wortklang eine schlechte verkleidung für fades futter.

dieses nummernsystem ist eine mehrfache übersetzungskette in der gastronomie. der gast sucht entweder in der speisekarte nach verlockenden namen, die er dann bei der bestellung und lieferung noch parat haben sollte oder aber er bestellt eine speise, deren beschreibung über drei und mehr zeilen reicht, nicht ohne die karte wieder nach dem korrekten namen zur hilfe zu nehmen bzw. dem kellner ein paar bröckchen zuzusäuseln, in der hoffnung er könne den rest vervollständigen. bei der zweiten variante muß dann der kellner an der elektronischen kasse wieder eine nummer eintippen. den bon reicht er in die küche, wo dann die köche diese nummer in einer menge x von hoffentlich mundenden zutaten zu einem gericht verarbeiten. steht dann das essen an der ausgabe, liegt es wieder am gedächtnis des kellners, die nummer in einen speisenamen zurück zu transformieren und diese an einen nummerierten tisch möglichst dem richtigen gast zuzuordnen. das kann auch in einem langen frage-antwort-spiel ausarten. mir erscheinen diese zahlencodierungen und decodierungen als gast viel zu kompliziert. eine falsche zahl in das gastronomiesystem eingespeist und schon landet die absolute igitt-das-esse-ich-doch-gar-nicht-nahrung vor dir auf dem tisch. entschuldigungen folgen, dann geht das spiel von neuem los. und du nagst vor hungerpein fast die tischkante an, starrst verzweifelt in dein leeres amuse-gueule-schälchen, während um dich herum alle genießerische laute beim verzehren von sich geben…

letztens habe ich aber das genaue gegenteil von meiner nummernaversion bei einer live-schalte im fernsehen gesehen. der dialog trug sich in etwa so zu:

moderatorin: was essen sie gerade für einen eisbecher?

frau: die nummer 40.

moderatorin: und wie heißt der eisbecher?

frau: na, nummer 40!

beide blättern hastig in der eiskarte, bis sich herausstellt, daß es sich um den ’südseetraum‘ handelte. ich finde ja, zahlen sind weniger nahrhaft. das setzt vielleicht gefühlt weniger hüftgold an. ist das der grund für die zahlenwirtschaft? aber woher rührt dann die weit verbreitete unkenntnis von kalorienangaben – und -bedarf? nummerngirls sind jedenfalls meistens eher schlank. wahrscheinlich ernten diese damen aber ihre nahrungsmittel noch selbst…