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abenteuer street art

banksy in l.a. (c) dog byte

banksy ist wohl der bekannteste streetartist. und weil das so ist, finden sich sogar in der aktuellen wochenendausgabe der konservativen the sunday times gleich zwei lange beiträge über ihn. grund: banksy hat zusammen mit befreundeten künstlern den vermeintlichen dokumentarfilm exit through the gift shop gedreht, der bereits bei der berlinale 2010 lief und ab 5. märz immerhin in den britischen kinos zu sehen sein wird. ich hoffe sehr, daß man dafür auch in deutschland einen verleiher gefunden hat, schließlich kann ich mich nicht an dem trailer und an den im netz kursierenden videoschnipseln sattsehen. schon in dem werbeclip kann man erahnen, welch chaotischer natur das leben für straßenkünstler ist. nächtliche kletteraktionen, umfallende eimer mit farbe oder kleber, diskussionen mit polizisten, für die jede form öffentlicher anbringung von kunst eben graffiti und damit vandalismus ist. das argument, hey brangelina haben 2 mio. £ für eines meiner werke bei einer auktion gelöhnt, zählt in solchen momenten wohl weniger, flinke füße hingegen viel.

in dem video auf the sunday times spielt banksy als regisseur mit dem stil von überwachungsvideos. das unter einer überwachungskamera gesprühte stencil – ein affe mit filmklappe, kopfhörern und puschelmikrophon – persifliert sowohl die medien film und fernsehen als auch die staatliche überwachung mittels kamera- und abhörtechnik. vor allem sog. investigative fernsehberichte unterscheiden sich oftmals weder inhaltlich noch filmtechnisch von überwachungsvideos. man denke dabei etwa an die anonymisierten gesprächspartner mit verzerrter stimme oder an die verwackelten aufnahmen von versteckten kameras, wie sie häufiger bei den themen kaffeefahrt oder preisrecherchen von ratgebersendungen eingesetzt werden. die bilder ähneln sich in ihrer banalität oder aber in ihrer verteufelung des „bösen“. nur selten dienen die bilder von überwachungsvideos ja wirklich der aufklärung von straftaten. in beiden fällen dominiert das ziel der abschreckung: die bildmächtigen medien und ermittler decken sowieso schonungslos auf – das schwebt als drohung bei der ausstrahlung mit. leider lassen sich damit brutale gewalttaten nicht verhindern, wie die überfälle auf s-bahn- und u-bahnhöfen in münchen und berlin gezeigt haben.

banksy bleibt in diesem film ein phantom, ein hoax. selbst wenn ein realname fällt, würde er diesen nie bestätigen, denn damit wäre der edellack an der legende zumindest angekratzt, das versteckspiel vor der polizei würde sich ausweiten zu einer flucht vor seinen verehrern, die sich nicht davor scheuen, den putz von mauern abzutragen, um ein bröckelndes teil des kunstwerks zu besitzen. wenn besitz und berühmtheit bei außenstehenden besessenheit auslösen, lebt man schnell in einem gefängnis mit einem freiheitsradius, der sich auf die eigenen vier wände beschränkt. für mich wär das ja gar nix.

weiterführende links: film review (times online), filmseite mit trailer, video mit filmrezension auf arte, rezension vom taz-popblog.