Schlagwort-Archive: frauen

gemeinsache geheimnis

stencil von d′pol in weimar - björk als meerjungfrau

wenn alberne leute sich bemühen, ein geheimnis vor uns zu verbergen, dann erfahren wir es gewiß, so wenig uns auch danach gelüstet. (marie von ebner-eschenbach, aphorismen)

keine zwei tage halten es die meisten meiner artgenossinnen laut einer studie britischer wissenschaftler mit einem geheimnis alleine aus, dann laden sie ihr schlechtes gewissen bei einem mitwisser ab. ich werde das gefühl nicht los, daß meine weiblichen bekanntschaften eher noch unter dem durchschnitt dieser „wahnsinnig langen“ zeitspanne der verschwiegenheit liegen und in etwa so extrem darunter leiden wie manch leicht erkälteter, männlicher jammerlappen, wenn ihnen eins dieser nicht weiter zu erzählenden tratschthemen unter dem siegel der verschlossenheit in die lauscher gelangte. ich kann  mich gerade nicht entscheiden, ob es ihnen schwerer fällt, den plauderkasten oder ein versprechen zu halten, vermutlich aber beides zu gleichen teilen. wahrscheinlich bin ich eins dieser völlig weltfremden, weiblichen wesen, das nichts mehr zur geheimnisverbreitung beiträgt und damit den bezweckten kreislauf an einer stelle unterbricht, den gesprächsmotor zum stottern bringt und ihn eiskalt absaufen läßt. was ja nicht heißt, daß die geheimnisse nicht auch noch „sicherheitshalber“ an  dritte, vierte, fünfte etc. ausgeplaudert werden. schließlich muß so eine frauenheimlichkeit ihre unheimliche wirkungsmacht vollständig entfalten, damit hinterher erwartungsgemäß viele tränen vergossen werden können. ja, wer rechnet da unter uns schon mit vertrauensbruch? der kleine kreis hat urplötzlich verdächtig viele nebenverästelungen, die nichts lieber als stille post spielen. kann man als besprochene/r eigentlich nur froh sein, wenn man seine lebensgeschichte überhaupt wiedererkennt, zwar ein bißchen verzerrt, aber ach, das war doch sinn und zweck des ganzen: ein unverschlüsseltes episödchen durch genüßliche gerüchteküche zum drama aufzubauschen.

und dabei muß ich mir hinterher jedes mal stundenlang die ohren spülen, um den hineingepfropften plauschflausch und menschlichen unrat wieder zu entfernen. ich verstehe nicht, warum keine frau hören will, daß ich ihre geheimnisse nicht wissen will. ein nein deuten sie scheinbar prinzipiell gegenteilig. ich nehme die ganze grütze dann mit ins grab, während sie sich schon viel besser fühlen. wtf… dabei bin ich der meinung, daß echte geheimnisse sowieso nicht mitteilbar sind. das stört sie aber rein gar nicht. ich sollte mir wohl eine spezialanfertigung von ohrstöpseln  gegen tuschlige stutenbissigkeit zulegen, die worte ab einer bestimmten tonhöhe und einer bestimmten geschwindigkeit einfach blockieren. dabei ist dieses verhalten sooo menschlich, nicht mal mehr das bankgeheimnis wird gewahrt. warum sollten sich frauen besser als banker verhalten? ihr mund wurde ja auch nicht als schließfach konzipiert.

staubzuchterfolg

behaglich und verdächtig warm wurden meine oberschenkel. keine sorge, ich gebe mir nicht die bild- oder facebookblöße. ich beschreibe nur den zustand, wenn das leicht angegraute laptop vom schreibtisch in eine bequemere position miteinbezogen wird. schon beim starten seufzt, ächzt und saugt der lüfter, als würde ein empfindlicher zahn mit wechselwarmen speisen konfrontiert. war das früher auch schon so? hmmm. auf der tastatur schreiben, macht auch nicht mehr wirklich spaß. beim r knirscht und klemmt wohl ein brotkrümel drunter, und die neun funktioniert nur noch mit kräftig zuhackendem finger. meistens jedoch verweigert sie schlichtweg und mit heftigem widerstand den dienst. neun? nein… kein anschluß unter dieser nummer, nur noch buchstäblich.

gröbliche vernachlässigung. da hilft wohl nur noch aufschrauben und reinigen und ein gaaanz ruhiges händchen und wenn man gläubig ist, vielleicht ein stoßgebet, damit am ende der bildschirm nicht schwarz bleibt. an alle hausstauballergiker: bitte sofort den raum verlassen!  während man sich vorsichtig bis zum lüfter vorschraubt, klappen öffnet und immer wieder denkt – keine falsche bewegung, oder es knallt, wenn du den netzstecker einstöpselst und anschaltest – gelangt man plötzlich an einen etwa ein zentimeter dicken streifen. im ersten moment hält man das vielleicht für einen lüftungsschlitzschutz aus schaumstoff, aber nein, es ist, brrrrrrrrrrrrr, ähx. für’s grobe den staubsauger und für den schmodder feine schwämme. alles wieder in die richtige lage bringen, zuschrauben, stecker rein und… aaah, leises surren. was vorher wie der fön auf heißluftstufe drei für ohnehin ultrakaputtblondierte klang, geht nach der fummelnummer nun wieder dezent im konzert der soundmaschine unter. aber wie blöd ist das denn, daß ich mich jetzt beim schreiben in eine wolldecke wickeln muß?

laptop-innenleben mit 'künstlerisch wertvoller' staubsammlung

staubzuchterfolg: laptop-innenleben mit künstlerisch wertloser sammlung.

kollektiv verordnete panik

friedhofes naht der tag. der 30. geburtstag von pamela und deren emotionale auflösung in panikattacken. die welt um sie herum raunt aus allen  verfügbaren kommunikationsquellen und unter dem bett hervor: du wirst 30. 30! auf dem gedenkgeschenkaltar ruhen ein gutschein für die wellnessoase, ein gutschein für speeddating, anti-aging-produkte für sämtliche teile des verfallenden körpers und – der gipfel der geschmacklosigkeit schlechthin – eine einladung von ihrem sonst schüchternen, nun aber erhörung witternden 55 jährigen verehrer zur ü-30-party (sein bester freund hatte im eingebläut: wenn die erst mal 30 ist, muß die eh nehmen, was die noch kriegen kann). selbst die blumensträuße verströmen einen intensiven geruch von begräbnisstimmung. freunde fragen mitleidig: und wie fühlt man sich so mit 30? pamela wird schwarz vor augen. sie lehnt sich (doch nicht etwa schon altersschwach?) an den türrahmen und verlangt nach einer lebenskrücke. der doppelte grappageist bewirkt weniger wunder, als von den geladenen erhofft. pamelas tränen ergießen sich hemmungslos in einem sturzbach. man reicht taschentücher und tröstende worthäppchen. bis der neunmalkluge spruch ach übrigens hab ich neulich irgendwo gelesen, daß heulen genau wie dein qualmen die hautalterung rapide beschleunigen die stimmung endgültig wie ein gewässer umkippen läßt. alle drängen nun eilig zum aufbruch. the party is over.

pamela verschließt die tür. und aus angst vor weiteren heimsuchungen des krähenfüßigen, greisen gespenstes verbarrikadiert sie die flügeltüren mit einer kommode. dabei fällt ihr blick in den spiegel. die verlaufene wimperntusche hat schwarze gräben unter den augen hinterlassen. pamelas augen fixieren den mildegabentisch einer sterblichen. sie greift nach einem tiegel antifaltencreme und eilt ins bad, schminkt sich in rekordtempo ab und atmet erleichtert auf, nachdem sie die creme spachteldick auf das im gnadenlosen kosmetikspiegel erscheinende faltengebirge aufgetragen hat. dann legt sie sich ins bett und kann nicht einschlafen. der per googlesuche im forum von brigitte woman selbst diagnostizierte rapide eizellenverfall versetzt den körper chronobiologisch planmäßig in hitzewallungen. dazu tickt der wecker in einer früher nie wahrgenommenen eindringlichkeit und eilfertigkeit den lebenstakt vor. in einem letzten, wilden aufbäumen wirft die sekündlich dahinvegetierende ihren ganz persönlichen zeitfrosch an die wand. mit dem ergebnis, daß sich ein paar einzelteile vom unkaputtbaren erbstück des ruhla-uhren-fabrikats made in gdr lösen, die bösen zeiger aber weiterhin ihre deprimierenden runden drehen. pamela verkroch sich bis zu den ohren in embryonalhaltung unter der bettdecke und wimmerte sich in den schlaf.

in ihrem alptraum mischen sich wortfetzen der gäste zum garstigen chorgesang: damals, weißt du noch…?, früher, erinnerst du dich noch an…?, das ist doch ewig her, olle kamellen, als du noch jung warst…, lebenslauf, karriere, familienplanung, schwanger, elterngeld, unterhalt, kredit, eigenheim… und erwacht mit dem gedanken, sich fürs erste einer sekthilfegruppe für le(i)dige anzuschließen. doch der spiegel belehrt sie eines besseren. wo nachts noch creme glättend wirken sollte, zeigt sich nun ein pickelstrafbataillon. im schutz der dunkelheit sucht sie ihre dermatologin auf, die sie wegen hormonstörungen zur weiterbehandlung an eine gynäkologin überweist und schlägt die einnahme der pille vor. während ihre frauenärztin in einem anfall von theatralik die augen verleiert und moralpredigt: in ihrem alter noch die pille! früher, als frauen noch mit anfang 20 schwanger wurden, gab es solche zivilisationskrankheiten nicht. sind sie so karrieregeil? mit tränenverschleierten augen ergatterte sie das rezept und stürmte aus der praxis. jetzt schielte auch noch der apotheker über seine halbbrille und setzte zu einem wissenschaftlichen vortrag über das zunehmende thromboserisiko bei älteren raucherinnen an, als ein nervenzusammenbruch der rundum geächteten ihn zum abbruch bewog. er drückte ihr mit dem medikament wohlmeinend eine visitenkarte in die hand, die sie erst zu hause entdeckte. wutschnaubend zerriß sie die karte mit den kontaktdaten des psychologen. sie goß sich einen whiskey ein, zögerte, schüttete ihn in den abfluß und ließ klares wasser nachlaufen. krank? ich? ich und krank! hah, ihr spießer wollt mich für krank erklären, nur weil ich nicht in die schublade xy+xx-beliebig passe! das ist es doch! nüscht is! als erste lebensverlängernde maßnahme gönnte sie sich ein aromatherapeutsiches wohlfühlbad. ach, laß die doch blubbern…

verbohrt und behämmert

frauen-heimwerkenauch wenn die farbgebung des plakats und die körperhaltung des models mit dem akkubohrschrauber, der wie eine gezogene waffe wirkt, eher an eine werbekampagne des verteidigungsministeriums denken läßt, nein – hierbei handelt es sich um heimwerkerkurse, was schreibe ich, ‚power events‚ für frauen. leiderleider habe ich fast alle wichtigen termine verpaßt! ich bin untröstlich! jetzt werde ich nie von langmütigen experten erfahren, wie man ganz leicht wände verunstaltet. ich muß wohl weiter luftlöcher glotzen und kann mich nicht vor lauter ästhetikbeleidigung durch den anblick von ‚coffee‘- und ‚latte macchiato‘-wandtattoos vor meiner küchenarbeit drücken, weil mir so speiübel ist.

auch mein rasen bleibt weiterhin ungestüm. ich bin einfach zu faul, ihn devot kniend unkrautfrei zu zupfen und auf englische kürze zu trimmen. wildwuchs for wild woman. wer sich solch überflüssige arbeiten ausdenkt, sollte zur strafe grashalme auf einem golfplatz zählen müssen! außerdem verabscheue ich das geräusch elektrischer rasenmäher, vor allem an wochenenden und vor zehn uhr morgens.

was ich aber wirklich unverzeihlich finde, daß es mir meinen lebtag kalt bleiben wird, nur weil ich bei diesem grillkurs ‚jetzt wird’s heiß!‚ durch abwesenheit glänzte. dann darf ich wieder nur in rauchwolken gehüllt grillettas verteilen, schweigend an der bierflasche nuckeln, pappteller und plastikbesteck sowie saucen reichen, krebserregend verbrannte lebensmittel in mich stopfen und hinterher die aschige sauerei entsorgen.

teichbau und pumpentechnik kann ich mir schenken. froschschenkel stehen im moment nicht auf dem speiseplan. und mir reicht es, aus größtmöglichem sicherheitsabstand zuzusehen, wie sich menschen künstlich aufplustern. vielleicht würde eine pumpe die blasen zum platzen bringen. ein paar gezielte nadelstiche oder pfeilspitzen erfüllen in solchen fällen den zweck vermutlich adäquat.

vollkommen pragmatisch denke ich an den kurs im august: sperriges und großk(l)otziges zu zerschreddern – was für eine perspektive! so wird die professor-unrat-mentalität noch vor den wahlen mit dem homogenisator zu einem leicht bekömmlichen brei zerkleinert. mit der heckenschere dann noch ein paar zerlauste bärte stutzen und aus wirrköpfen fluffige fransenhaarschnitte frisieren. ich fühle ein kribbeln in den fingern und mich beinahe jetzt schon wie udo walz. wer ist der nächste im terminkalender für die leyenfrisur? darf es ein bißchen gehirnspülung oder doch lieber die kürzung der gedankenfreiheit sein? nur die kaputten splißhaare ab, wie sie wünschen. sie finden den schnitt nicht merkellos? im vertrauen als ihr leibeigener figaro: bei ihrem profil würde ich ein wenig mehr schwung in den spitzen empfehlen. glätteisen? aber nicht doch! das streckt ihr langes gesicht unvorteilhaft…

kehren wir zurück von der regierungsstilberatung zur bauberatung: ja, am ende frage ich mich natürlich, bei welcher gelegenheit der fotorealistische akkubohrschrauber zum einsatz kommen soll, mit dem der kurs in szene gesetzt wurde? profilleisten zertrümmern? die bohrtechnische unbeholfenheit von frauen scheint mir hier nicht hinreichend behoben worden zu sein. also nix mit handwerklicher versiertheit und demzufolge unabhängigkeit beim nestbau. die entscheidende frage ist nicht, wem es mehr an kompetenz und profil mangelt – manchen frauen oder den meisten politikern, sondern bei wem sich die defizite stärker auf die gesellschaft auswirken.