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halbwach

samstag morgen, 9.30 uhr. bei spon regen sich müde die ersten redaktionsgeister.  und erste affären werden in die tastatur geknüppelt. und schwupps auf veröffentlichen gedrückt. sieger in puncto schnelligkeit, nicht jedoch im hinblick auf vollständigkeit, wie man an den von mir rot markierten stellen nachlesen kann. bitte schreiben sie doch in ganzen sätzen, und verzichten sie auf voreilige urteilsvollstreckung. und wenn sie schon urteilen, dann doch nicht mit dem euphemistischen terminus käuflichkeit. das heißt immer noch korruption. aber auf spon wird auch um 9.58 uhr halbmunter weiter beschönigt, als die korrekturfassung erscheint.

ich bin sehr gespannt, welcher angewärmte stuhl in sachsen geräumt wird. rüttgers schickte hendrik wüst in die die ödnis der nordrhein-westfälsichen bergbauregion. wen wird aber tillich in die dunklen stollen des vergessens abkommandieren? er kann sich immer so schlecht an details aus seiner vergangenheit erinnern. das hat er schon demonstriert, als er heldenhaft seinen fragebogen über seine stasi-vergangenheit in der zeitung mit den großlettern veröffentlichte, in denen er  sich – nun ja – ebenfalls mit unvollständigkeit durchmogelte und es bis zum sächsischen ministerpräsidenten-sesselfurzer brachte. er war schon in der ddr kein held (weder der arbeit, noch des politischen widerstands). und er wird sich in bewährter tradition wie eine klette weiter durch die welt politischer intrigen lavieren und uns mehr oder weniger glaubwürdig seine integrität zu versichern suchen. es werden auf politikerfotos wohl noch viele schmutzige hände geschüttelt. seife würde da auch nicht ausreichen.

ende und anfang

(c) beck

ein gewohnt bissiger cartoon von beck über den geschwätzigen hohn der politiker und unternehmer zum jahreswechsel. weil wir rückwirkend das geschehen nicht mehr ändern können und diese einmaligkeit würdigen müssen, läßt es sich leicht mit einem superlativ aufhübschen. hirngehacktes für alle.

noch nachdenklicher stimmt mich das lied einmal von nils koppruch aka SAM (ehem. fink). wunderschöne, selbstversunkene poesie von der ersten bis zur letzten songzeile. und so tröstlich.

es ist ok, daß alles nur einmal ist,
daß es nur einen anfang und ein ende gibt,
und wenn es vorbei ist, daß man vermißt,
einmal, nur einmal, und daß man vergißt…

worthülsen

everything_is_okals ich dieses plakat in der revaler/ecke niemannstraße in berlin-friedrichshain entdeckte, wurde ich ganz beiläufig von grafischen schlagwörtern in knalligen leuchtfarben erschlagen. nö, ich habe mich nicht gleich vor lauter verzweiflung und unterschwelligem weltschmerz auf die straße geschmissen, sondern sorgfältig die feinheiten der buchstabenkurven studiert und die wortbilder entziffert. viele euphemismen werden uns regelmäßig von medien als selbstverständlicch entgegen geschleudert, ohne die begriffe weiter auseinander zu klamüsern. es liegt also am konsumierenden indiviuum, auch die unterschwelligen botschaften und ungereimtheiten zu dechiffrieren. die neugier verbietet es mir, nicht weiter nachzuforschen. sie erzwingt das wissenwollen geradezu. leider findet sich derzeit im netz  noch so gar kein hinweis auf die hintermänner der aktion, aber ich hüte mich vor spekulation. gerade diese unklarheit erhöht die spannung ungemein. es wirkt so, als hätten sich die grafiker mit hitchcocks suspence zum viralen marketing verabredet. die grafik und die farben erinnern mich zugleich an das werbeplakat zur veröffentlichung der cd kapitulation von tocotronic im jahr 2007. und für januar hat die band ihr neues album schall und wahn angekündigt.

die floskel everything is ok kann nur noch von der hoffnungsfrohen botschaft alles wird gut getoppt werden, die keinen raum für  negative ’schwingungen‘ von schwarzsehern läßt. es sind weniger die christlichen tugenden, die ich wiedererkenne, sondern vielmehr der zeitgemäß aufgearbeitete inhalt des dramas glaube liebe hoffnung von ödön von horváth. was wird mit denen, die die rezession trifft oder die opfer der umweltzerstörung werden? es folgen depression und krankheit und verzweiflung. ich würde ja schon gerne wenigstens manchmal etwas mehr optimismus verbreiten, derweil geht dieser mir immer weiter flöten. und das liegt garantiert nicht nur am novemberblues. es geht nicht mehr viel. und vieles rauscht mit getöse den gebirgsbach hinunter. statt sozialer wärme strömt eiseskälte in alle glieder. ich fürchte nur, warm anziehen wird dagegen nicht helfen. wer keine angst vorm mitfrösteln hat, kann sich auch die arte-dokumentation ausgebrannt – wenn nichts mehr geht über die folgen von überarbeitung und konkurrenzkampf ansehen.