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crème de la crème

werbung verspricht vieles. schönheit, wohlgefühl, genuß. alles auf schnellstem wege. mit studien belegt, denen es an jeglicher wissenschaftlicher fundiertheit mangelt. auch manche wissenschaftler modifizieren ungünstige forschungsergebnisse ab und an, um ihren erfolg zu beschleunigen. dafür landen sie  manchmal in lichtgeschwindigkeit wegen ihrer versprechen nicht direkt auf dem olymp, sondern auf kleinem umweg für ihre verbrechen hinter schwedischen gardinen. schon in den laboratorien der alchemisten brodelten geheime mixturen, unter anderem auf der suche nach einem allheilmittel. ihre modernen nachfolger, die lebensmittelchemiker und biochemiker, experimentieren mit nicht weniger ungefährlichen stoffen. retortenessen, mit künstlich und billig hergestellten ausgangsstoffen, das neueste geschmackssensationen erwecken soll.

kaufstimuli mit markigen sprüchen und aufreizenden bildchen werden in agenturen für diese produkte generiert. trendbüros hecheln nach profitablen marktnischen, in denen sich hochpreisiger chemiemüll als das besondere für die verwöhnten und die leistungsträger der gesellschaft verkaufen läßt. nach der abgegrasten wellnessweide mit ihren leeren energietanks wurde nun eine neue symbiose gebildet. beauty-food (alias cosmeto-food, alias nutricosmetics). bier mit antioxidantien, das als berauschenden nebeneffekt die alterung stoppen will (radikal:bauern:fänger). belgische schokolade mit illusorisch hautstraffendem traubenkernöl. mehr über diese und weitere produkte kann man in diesem video sehen. langsam scheint selbst in die untersten haut- und zellschichten (sprich hirn) der verbraucher eingedrungen zu sein, daß mit dem inhalt aus goldenen cremetiegelchen immerhin eine subjektiv wahrnehmbare veränderung zu erreichen ist. nämlich ich pflege mich, also werde ich auch schön. von diesem felsenfesten glauben können die vermiesenden testergebnisse, die keinerlei effekt auf die äußerlichkeit nachweisen, nicht ein staubkörnchen lockern. konkurrieren kann damit allenfalls noch die schönheitschirurgie. die unschönen narben oder das lähmende grinsen ohne jede mimik gucken sich mit der zeit weg.

und dann war da noch das bereits arg überstrapazierte sprichwort: ‚wahre schönheit kommt von innen‘. nein, im sinne der ver:käuflichkeit hat das am allerwenigsten mit charakter zu tun. die wabernde puddingaußenhülle soll nun von innen mit den wirkstoffen der cremes saniert werden. und das mit hilfe der friedlichen koexistenz der beiden betrugsindustrien, was sich übrigens gut mit den abertausenden von nahrungsergänzungsmitteln vereinbaren läßt. die produkte werden bisher wohlweißlich nur via internet mit schönheitsidealistischen huldigungen vertrieben. schokolade mit traubenkernöl ist ja so gesund, daß man sie am liebsten gleich tafelweise vertilgt. wer will schon tag für tag kaninchenfutter mümmeln, um seinen teint von partyaschfahl in rosig zu verwandeln oder die pickel loszuwerden? frisches obst und gemüse haben viel zu wenig kalorien und setzen viel zu kurzzeitig glückshormone frei. was pro kilo unter 100 euro kostet, kann ja auch nicht gesund sein, sprach die vernunft und hatte sich verkalkuliert. ihre haut faßt sich gummiartig an? das ist kein fett und auch keine cellulite, sondern schwungmasse, die mit ein paar genaschten gesundheitsgummis noch eindrucksvoller in ringformen zu gießen ist. warum sie jetzt bewegungsunfähig mit ihren hautzellen am ledersofa festwachsen? nun, für die vermehrung von hirnzellen war wohl nichts dabei.

essen nach zahlen

malen nach zahlen fand ich bereits als vorlautes gör mehr als nur unkreativ, weshalb ich auch die eingezeichneten linien ignorierte und munter in den öden vorlagenbildchen rumkritzelte. dabei sollte ich doch nur grundlegende räumliche grenzen anerkennen lernen und einfachste visuelle strukturen akzeptieren. und dann gibt es für künstlerisch fortgeschrittsgläubige noch die ölbilder mit zahlen, die ich als eine serie von kitschigen landschaften erinnere. die habe ich neulich sogar mal wieder in der spielzeugabteilung eines kaufhauses entdeckt, im bastelladen für eltern mit kreativitätswunschträumen für ihre kinder jedoch nicht. kommen wir nun vom malen zum zermahlen von nahrung mit den beißerchen.

gelegentlich treibt mich übellaunigkeit erzeugendes magengrummeln in einen thai- oder asia-imbiß. und immer wieder vergesse ich meine speisenummern. ich denke vorfreudig und gierig-speichelschluckend an eine thom ka gai suppe als vorspeise, gefolgt von ente kross in grüner curry-sauce mit gemüse und reisbeilage und muß mehrfach von einer angenervten stimme im asiatischen singsang zur nahrungsabholung aufgefordert werden. das hartnäckig wiederholte aussprechen der immer gleichen zahlen schreckt mich dann doch aus meinen träumereien von baldiger nahrungsaufnahme auf. leider gibt es sogar restaurants, die diese praktik des nummernauftischens übernommen haben. weder kenne ich den gastronomischen fachbegriff für diese erfindung, noch den tieferen sinn der dahinter steckt, eine speise mit einer zahl in verbindung zu bringen. vielleicht freiwilliges gedächtnistraining? eselsbrückenschulung?  vermeidung von aussprachefehlern? rationalisierung? andere restaurants, ja sogar kantinen scheinen sich hingegen einen wettbewerb der  meterlangen wort- und speisekreationen zu liefern (alles ist in der nouvelle cuisine ‚an‘ und nicht mit). manchmal versteckt sich dahinter eine kulinarische entdeckung, häufig jedoch ist der wortklang eine schlechte verkleidung für fades futter.

dieses nummernsystem ist eine mehrfache übersetzungskette in der gastronomie. der gast sucht entweder in der speisekarte nach verlockenden namen, die er dann bei der bestellung und lieferung noch parat haben sollte oder aber er bestellt eine speise, deren beschreibung über drei und mehr zeilen reicht, nicht ohne die karte wieder nach dem korrekten namen zur hilfe zu nehmen bzw. dem kellner ein paar bröckchen zuzusäuseln, in der hoffnung er könne den rest vervollständigen. bei der zweiten variante muß dann der kellner an der elektronischen kasse wieder eine nummer eintippen. den bon reicht er in die küche, wo dann die köche diese nummer in einer menge x von hoffentlich mundenden zutaten zu einem gericht verarbeiten. steht dann das essen an der ausgabe, liegt es wieder am gedächtnis des kellners, die nummer in einen speisenamen zurück zu transformieren und diese an einen nummerierten tisch möglichst dem richtigen gast zuzuordnen. das kann auch in einem langen frage-antwort-spiel ausarten. mir erscheinen diese zahlencodierungen und decodierungen als gast viel zu kompliziert. eine falsche zahl in das gastronomiesystem eingespeist und schon landet die absolute igitt-das-esse-ich-doch-gar-nicht-nahrung vor dir auf dem tisch. entschuldigungen folgen, dann geht das spiel von neuem los. und du nagst vor hungerpein fast die tischkante an, starrst verzweifelt in dein leeres amuse-gueule-schälchen, während um dich herum alle genießerische laute beim verzehren von sich geben…

letztens habe ich aber das genaue gegenteil von meiner nummernaversion bei einer live-schalte im fernsehen gesehen. der dialog trug sich in etwa so zu:

moderatorin: was essen sie gerade für einen eisbecher?

frau: die nummer 40.

moderatorin: und wie heißt der eisbecher?

frau: na, nummer 40!

beide blättern hastig in der eiskarte, bis sich herausstellt, daß es sich um den ’südseetraum‘ handelte. ich finde ja, zahlen sind weniger nahrhaft. das setzt vielleicht gefühlt weniger hüftgold an. ist das der grund für die zahlenwirtschaft? aber woher rührt dann die weit verbreitete unkenntnis von kalorienangaben – und -bedarf? nummerngirls sind jedenfalls meistens eher schlank. wahrscheinlich ernten diese damen aber ihre nahrungsmittel noch selbst…