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glückskekse

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die ganze woche geisterte das thema glück durch die medien. ob spiegel, focus, maischberger – alle erteilten eifrig ratschläge. das reichte vom esoterischen hokuspokus (maischberger), über selbstverwirklichung bei heimwerken und handarbeit (focus) bis hin zum evolutionsphilosophischen jagdtrieb à la thomas metzinger (spiegel). und? ist jetzt irgendjemand glücklicher, nachdem er tausende neue lebenshäkelvorlagen bekommen hat?

ich_und_bildungdie frage ist doch vielmehr, warum uns mitten in der diskussion um die globale rezession und allgemeine berufliche unsicherheit plötzlich glückskekse in die futterschale geworfen werden? ist das das prinzip: wenn die welt schlecht zu dir ist, pflege dich und zieh dich zurück ins traute heim? du mußt sparen, dann mach‘ es dir selbst? entsteht individualität aus sparzwang? meine these: es handelt sich um die klassische und gezielte verdrängung. einfach warten, bis dich der panzer überrollt, aber in der zwischenzeit immerhin ein paar mauschlig-warme, geringelte  wollsocken gestrickt haben. das befriedigt und befreit von allen äußeren zwängen.  hallo überich, ich warte schon auf die depression. wer war ich, was wird aus mir, warum immer ich? der schrei nach der verlorenen authentizität, die nie eine war, sondern immer geformt und manipuliert wurde. knetmännchen oder strichmännchen? ach, senior rossi, komm laß uns gemeinsam ein bißchen traurig gucken!wanted_glueck

wohingegen derjenige, dessen fahrradschloß hier einsam und ohne blech am laternenmast baumelt, doch wirklich ein bißchen mehr glück gebrauchen könnte. und dann wahrscheinlich zu hören bekommt: das wird schon. trostloser trost, der in jeder situation paßt. dein hase ist gestorben? wird schon! dein auto wurde gestohlen? wird schon! du hast die kündigung bekommen? wird schon! in china wurde ein atombombentest ausgeführt? zwei? wird schon! du hast jetzt auch krebs? die götter in weiß heilen das… wird schon! – nun, ich habe einseitige ohrenschmerzen davon bekommen, weil zu oft gehört. schneide ich mir das eben ab  (kopie von van gogh) und laß es mir im unterarm implantieren, fast so pathologisch wie stelarc.

mein stirntier und ich – pony & co

als kind wurmten mich bereits sprachliche ungereimtheiten. warum heißt ein hüfthohes galoppeltier ‚das pony‘, die haare auf der stirn eines menschen aber ‚der pony‘? weil ich keine antwort fand, nannte ich die strähnen im gesicht fortan mein stirntier.

mein stirntier ist störrisch. eher ein undomestizierbarer esel. wenn ich ihn bändigen will, schlägt er garantiert die entgegengesetzte richtung ein. die zwei wirbel am haaransatz ignorieren das verbiegen, fönen, glätten, einrollen, gelen und das haarspray. nicht mal mit haarklemmen ist es annähernd zu erreichen, daß die elenden hornfäden sich für längere zeit aus meinem blickfeld entfernen würden. zu feines haar, eine immerzu rutschige angelegenheit das. nur ein friseur hat es geschafft, die mimosenhaften teilchen so zu schneiden, daß sie sich immerhin für einige wochen dahin bogen, wohin es dem scheitelträger beliebte. leider ist mein friseur nach berlin gezogen.

nun kann ich beim friseur lange vorträge über mein widerborstiges stirntier halten (häh, was is das denn?). keiner bekommt es in form. und so werde ich, bis es sich endlich wieder hinter dem ohr festklemmen läßt, nur noch das emo-zeichen (emo – emoticon u.a. bei skype) machen, wenn mich etwas nervt. mein stirntier wird weiterhin gefüttert und ihm wird gut zugeredet, auch wenn es sich weigert, irgendetwas aus dem formtraining zu lernen. aber nur bis es lang genug ist, dann rede ich kein wort mehr mit ihm. basta!

obwohl, wenn ich esoterik-anhänger wäre, sollte ich mir diese rachegelüste vielleicht verkneifen. in dem einzigen, bei google auffindbaren text über das stirntier mußte ich erfahren, daß dieses chakratier intellektbezogen sei und auf unsere intuition verweise. beides würde ich ungern vermissen. gehirnlose tiere haben möglicherweise geringere überlebenschancen. ich gehe noch mal in mich… foto is nich drin.