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zitrussaure wort:kombi:nat:ionen auf kosmetik

allmorgendlich öffnen sich müde lider, schleppen beine das menschenkind in richtung toilette. blicken verschlafene augen auf eine flasche duschgel. starren, glotzen noch mal. das gehirn meldet einen ersten sprachalarm am morgen. die duftmischung nennt sich lemongrass/olivenmilch (den herstellernamen verschweige ich absichtsvoll). wer textet eigentlich immer diese vermaledeiten verpackungsaufdrucke, die dann auf dem stillen örtchen aus langeweile gelesen werden? das ist wieder denglisch im gefährlichen sprachstrafraum.

zitronen:gras in kombination mit oliven:milch scheint den texter an sauerampfer mit kuhplörre erinnert zu haben. damit duscht sich niemand gern. und was ist mit ‚olive milk‘? ein anklang von grünschimmel? brrr…

ich finde ja nichts abwertendes oder animalisch klingendes an dem wort zitronengras. meine ersten assoziationen sind da eher gelb, grün, saftig und frisch, jedenfalls nicht ätzende zitrussäure.

bei der vermarktung von düften wird immer mit den assoziationen von konsumenten gespielt. ich bin einfach nur sauer, dass ich das nicht früher gelesen habe, sondern wie ferngesteuert der angenehmen geruchsempfindung bei der wahl der duschmittel folgte… der geruch und seine wirkung auf das unterbewußtsein ist aber ein eigenes thema.

schreib:weise:n

sprachmutationen kann man ohne große mühen überall entdecken. in diesem fall war es mal wieder ein schau:fenster in berlin-friedrichshain. könnte man das sprechen doch nur anschauen. würden gewiß noch mehr fehler auf bis dato unbeflecktes papier oder in textdateien geschrieben.

microsofts rechtschreibprüfung bietet nach wie vor kurioseste korrekturvorschläge an – bspw. verändert er die länderabkürzung ‚fra‘ (frankreich) immer mit autokorrektur in ‚frau‘ – leben wie die göttin in frankreich  – ka:lauert es in mir. aus dem nachnamen büschelberger bildet word eben frau bügelbrett (ob die dame flachbrüstig oder nur hausfrau ist, kann das programm nicht verraten). übersetzer haben für die unfreiwillig entstehende wortkomik den begriff cupertino-effekt aus den korrekturvorschlägen der textsoftware übernommen. auch die abkürzung für desoxyribonukleinsäure (dna) verwandelt die software ungefragt in ‚dann‘. freilich könnte man diese ach so ungebräuchliche verknappung auch manuell dem benutzerwörterbuch hinzufügen. nur ist ‚dna‘ bei weitem keine neue wortkreation! und die dudenredaktion schafft es ja schließlich auch, jährlich neue begriffe abzudrucken.

was aber tun, wenn man schriftsprache und gesprochenes wort nicht mehr trennen kann? im duden nachschauen – wäre mein erster tip (ich benutze übrigens nicht regelkonform die alte rechtschreibung!).  mein nächster tip – falls kein nachschlagewerk in buchform zur hand sein sollte: im internet suchen! und dabei auf die seriösität der quelle achten!

und hier nun das corpus delicti:

dounat

dounat! nicht fisch, nicht fleisch, ein pfannkuchen! – wenn auch schwer zu erkennen. es gibt zwei mir bekannte schreibweisen des wortes: donut oder doughnut. die oben abgebildete ist nicht mal denglisch/germish. möglicherweise einfach lautsprachlich, aber dann hätte ich vermutlich eher diese variante gewählt: ‚dohnat‚. der schreiber erinnerte sich offenbar dunkel an die buchstabenkombination ‚ou‘ im wort, ‚g‘ und ‚h‘ sind überflüssig, weil unhörbar. und warum sollte man das englische ‚u‘ nicht mit einem ‚a‘ transkribieren?

warum nicht? andere verwirren? aber wenigstens hat das abschreiben perfekt geklappt: beck’s (auf dem foto sogar in großbuchstaben und sogar mit apostroph!). das verdient ernsthaftes und goldiges lob…