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fast eine hommage

als ich 2004 nach leipzig zog, erlebte ich die letzte party im café maitre (es war ein abend mit country-musik, eigentlich gar nicht mein fall, aber das lokal war wundervoll). dann schloß diese kulturelle instanz. das café galt in den 80ern und 90ern als der treffpunkt für die künstler, intellektuellen und die bürgerrechtler, wurde dann auf der szenemeile karlie in leipzig nahezu okkupiert. die einstigen gäste verstreuten sich in alle windrichtungen, sammelten sich neu und treffen sich heute anderswo. nun wird das gründerzeithaus schon seit anfang mai saniert. zunächst tauchten hinter den von den fenstern und türen abgerissenen preßspanplatten die alten streetart-werke wieder auf, die ich noch schnell für die nachwelt festhalten konnte. als ich am samstag vorbeilief, klafften riesige löcher in den außenwänden, so daß ich einen schönen einblick in das gebäude erhielt und ein bißchen wehmut aufkeimte.

irgendwie hoffe ich ja, daß sich der eigentümer dafür entscheidet, dieses mural zu erhalten. ich habe mich nicht reingetraut, weil auf der gegenüberliegenden straßenseite ein mann am restauranttisch saß und mich argwöhnisch beäugte. so kann ich selbst kaum lesen, was dort steht: work-shop. regeln der selbstorganisation. in der linken sprechblase heißt es: 1 viele kuchen backen, 2 gäste haben, 3 musik, 4 aktio = reaktio (obwohl man beides eigentlich mit c schreibt, da lateinsch), 5 olympiakompatibel. in der rechten sprechblase steht: … wie geil wirds denn noch! außerdem konnte ich noch die komplette zwischenwand aus glaus und holz , die die gasträume trennte, im gründerzeithaus erspähen, die vom rauch und der zeit stark vergilbt ist.

wie gerne würde ich darin jetzt noch mal alles fotografieren, traue mich nur nicht einfach in die ruine hinein. es ist, als sähe ich überall unsichtbare verbotsschilder rumstehen, die mich aufhalten.

dieses paste up des szenigen pärchens ist verschwunden, das fenster herausgerissen. kein kirschroter knutschmund mehr.

die sticker sind auch weg, weil der gesamte eingangsbereich an der karlie demontiert wurde.

alles weg. nur ein großes loch als guckkasten in der wand.

gibts auch nicht mehr. liegt vermutlich auf irgendeiner sächsischen müllhalde.

tja, gevatter tod ließ/läßt grüßen. die wohnungen werden bereits zum erstbezug nach sanierung angeboten, neun euro warmmiete. zum vergleich: ich wohne nicht weit weg und nicht an einer hauptstraße mit straßenbahn vor der tür, die unglaublich viel lärm macht – meine sanierte wohnung kostet 6,90 warm. die preisspirale in der südvorstadt dreht sich weiter. ob wohl das café wieder öffnet? wie wird es aussehen? wird es seinen charme von damals vollständig verloren haben? haben wir es damals zu zeiten der schließung verloren, das traditionelle café, oder verlieren wir es erst jetzt? oder wird alles viel schöner, besser, luxuriöser, edler, teurer…?