Schlagwort-Archive: boulevardjournalismus

media chicks on speed

robert lembkes rateshow was bin ich? gilt den fernsehredakteuren sicher noch heute als vorbild bei der vergabe von berufsbezeichungen, die redaktionssitzung wird zum heiteren beruferaten auf high:speed. diesen eindruck wird man partout nicht abschütteln, wenn man sich die bunten texteinblendungen bei statements genauer betrachtet. ob da die headlines der blödbild von der unkreativabteilung abgekupfert werden? nehmen wir einen ddr-schauspieler wie gojko mitić. beim öffentlich-rechtlichen wird der allgemein-unverständlich zum ober-indianer degradiert. pierre brice, eine nummer größer und internationaler darf sich für seine zahlreichen karl-may-verfilmungen chef-winnetou betiteln lassen. wer läse das nicht gern? brice etwa, der von seiner rollenfestlegung als klischeehäuptling sichtlich genervt auftritt? lassen wir diese sichtliche verdummen außer betracht, treten unglaublich viele experten auf: computer-, flugzeug-, extremismus-, terrorismus-, wirtschafts-, finanz-, literatur-, kunst-, musik-, kinder-, schul- usw. blabla. kann jemand also einen satz, ohne ähhm zu ähmm zu  ähhm stottern vor laufender kamera aufsagen, der halbwegs gebildet, aber nicht zu intellektuell klingt, gilt er fortan als sachverständiger – oft ohne die notwendige qualifikation. das fällt den unqualifizierten ohnehin nicht auf, die anderen schalten um oder ab oder aus bzw. verlegen sich auf’s öffentlichkeitswirksame kontern.

täglich werden neue hochstapler generiert. der beinahe vergessenen, rasant verwelkenden sexfilmchen-aktrice birgit bergen dichtet man den halbsauberen ruf einer schickerialady an. reiche hausfrau klingt einfach nicht z-prominent genug auf dem roten teppich, den brisant als insert ausrollte. verfolgt man aber die quellen, findet man diese benennung sowohl bei wikipedia als auch in der zdf-pressedatenbank sphinx. und da im vorabendverblödungsprogramm das wort sex wohl nur einmal pro sendung fallen darf, muss man die chancen an knackiger steilkurve reizvoller ein- und besetzen. der üble rest wird schöngefärbt.

was also antworten boulevardjournalisten auf die frage welches schweinderl hätten s‘ denn gern? das blutige.

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bier:meinungs:bild:ung

liebe kloschüssel,

sonntags umarme ich dich immer mit ganz besonderer inbrunst. ich klammere mich an deine kühlende keramik, während ich die unbill der woche aus mir herauswürge. ich leide nämlich an sonntäglicher boulevardbulimie. kennen sie das krankheitsbild etwa nicht? die symptome und ursachen sind wie oben beschrieben. so kann ich montags wieder fit zur arbeit und den boulevardesken sondermüll von unterwegs und den von kollegen obendrein mitgeteilten schlucken. mein gemeinarzt behandelt mich nur noch einmal pro quartal, obwohl das leiden chronischer mediennatur ist. er sagt, das würde von alleine verschwinden, wenn ich mich den medien nicht aussetzte. hah! von wegen, wegschauen und weghören – hab ich alles schon versucht. irgendeiner klatscht dir den unrat dann doch wieder ganz gezielt mitten in die visage.

oder dieser kommt per elektronischer post. ich bin mir zu 99,99 prozent sicher, nie an einem gewinnspiel teilgenommen zu haben oder unbedacht spammails zu öffnen. freitag ging dann das hier in meinem postfach ein:

Absender: SuperComm Data Marketing GmbH

Von: Testhaushalt newsletter@supercomm-mail.com

Sie erhalten diese E-Mail, durch Teilnahme an einem unserer Gewinnspiele oder einer unserer Umfragen (Übersicht unter http://www.netwerbung.de <http://supercomm-mail.com/12all/lt/t_go.php?i=3543&e=NzgyNTU0&l=-http–www.netwerbung.de&gt; ). Die auf den Seiten jeweils hinterlegten AGB fanden Ihre Zustimmung.

das wage ich arg anzuweifeln!!! vor allem nicht vom firmenrechner aus. da hätte sich längst der admin bei mir gemeldet, und ich hätte eine abmahnung von der firma bekommen. aber das mitgeschickte waaahnsinnswerbeangebot finde ich noch viel bezeichnender, wie man auf diesem screenshot sehen kann:

(c) axel springer ag

(c) axel springer ag

die klientel wird dadurch zweifellos auf bierkonsumenten beschränkt (im doppelten wortsinn), was ich im stillen ohnehin geahnt hatte. heute sind es keine uhren und haushaltsgeräte, mit denen die ‚bild am sonntag‘ mehr leser gewinnen kann. heute müssen menschliche grundbedürfnisse befriedigt werden – mit gratisbier und vorteilspreis. der tag müßte doppelt so lang sein, damit ich das alles wieder auskotzen könnte.

vielleicht kann mir irgendjemand verraten, wie man solche werber wieder los wird?  ich befürchte, wenn ich den ’newsletter‘ mit einer mail und betreff ‚austragen‘ beantworte, geht das scheißspiel erst in die hauptrunde, und das alles war nur der höpfisch-mälzische vorgeschmack – sprich bitter…

thanx for help!

bähx, ich muß gerade noch dreimal *würgwürgwürg* sagen, weil  mich dieser dummenfang derartig anekelt!

moderne mon:arsch:ie

krone2 livestyle-königinnen tragen ihre kronen zwar am körper, dennoch meistens eher augenunauffällig (abgesehen von den arschgeweihen). ihre kronen sind zusammen mit dem hirn noch tiefergelegt. sie hängen am leichtbedeckten hintern. vom divenhaften sitzen mit verschränkten beinen, an der äußersten stuhlkante, die aristokratische haltung gerade noch ausbalancierend und die schlanken fesseln dekorativ ins blickzentrum gerückt, sind die zacken zwar ein bißchen verbogen. aber der hauseigene schmuckdesigner wird die dellen schon richten. den hautdellen widmet sich der personal trainer ebenso wie dem rückenproblem und dem steifen hals.

wo sie sich zeigen, herrschen für ein paar minuten glamour und gloria sowie ein geräuschpegel wie an der landebahn eines flughafens. was sie zu sagen haben? fehlgeleitete abwinde. foto- und telegener  augenaufschlag: langkurzkurzkurzlaaang. coverlächeln. ein paar verrucht, annähernd sexseufzend ins mikrophon gehauchte worte. botschafterinnen der menschenliebe und der schönheit. sie heißen oder leben in paris. und baden sich genußvoll in den tränen und dem geld der anderen. sie leben das moderne märchen. paaren hit mit politik, geld mit gold. vergänglichkeit sehen sie nicht, nur das blitzen ohne den donner.

da die kronprinzen bereits anderweitig bürgerliche bestimmung gefunden haben, beschlossen sie schweren herzens, geringfügige abstriche zu machen. ein millionärssohn hie und da, dort ein präsident mit napoleonkomplex. ihr realitätsbewußtsein tendiert gegen null. ‚ach was, gesetze!? kümmert sich die kanzlei. protokoll? schreibt ihr das für mich mit? dresscode? wie jetzt? keine sahnesauce mehr?‘

krone1

carla und paris nackt? skandal! muß man einfach gesehen haben!

aus einem fanbrief:

steck dir deine sticker sonstwohin.

von mo:r:deratoren und kuriosen versprechern

vor bürokram und amtswegen drücken sich viele menschen bereitwillig und langfristig.  ich schaffe es meistens geraaade noch rechtzeitig, bevor ich mahnungen erhalte. aber wenn da nicht diese datumsangaben drohend näher rücken würden, wäre ich schon längst im chaos versunken. keep up with the deadline!

jetzt fehlt mir die stimmige überleitung zum eigentlichen thema. ich probiere es mal mit schimmel – wegen des verfallsdatums. also, einen beitrag über die behördenwillkür im fernsehen anzukündigen, da bedienden sich die moderatoren oft gängiger metaphern. tausendfach vor sich hingefloskelt, kam dann dieser versprecher heraus:

‚ich höre schon den amtsschimmel viren.‘

na klar, ich oooch (*langanhaltendes wiehern*)! daß es tatsächlich eine pferdegrippe gibt, habe ich eben erst im internet gelesen. bin nicht so beritten in der hottehü-welt. der traum aller kleinen mädchen, er war nicht meiner (wie ich verallgemeinerungen leiden kann!). es ist aber sehr unwahrscheinlich, daß den moderator bzw. sein pferd gerade diese tierseuche heimgesucht hat. vielmehr gehört der versprecher (ver:s:brecher???) in die rubrik der klangähnlichkeit. die duden-redaktion hat dazu hier einen kurzen auszug aus dem band ‚duden – vernäht und zugeflixt! von versprechern, flüchen, dialekten & co‚ veröffentlicht.

ich habe so tage, wenn ich vollkommen übermüdet bin, an denen passiert mir das am laufenden band. dabei produziere ich den sprachsalat vor kleiner zuhörerschaft, die sich darüber mit mir zusammen beömmelt. im rampenlicht ist nicht mein platz, und ich weiß auch warum…

um aber nicht immer nur über die fehler anderer zu lästern, hier ein schriftliches eigentor: meine finger verwurstelten das wort auf der tastatur schlicht zum ‚mo:r:derator‘. wenn ich es genauer bedenke, ergibt das aber bei den moderatoren von boulevardmagazinen durchaus sinn. schließlich hat dieses fernsehformat mit großer wahrscheinlichkeit mord und totschlag als aufmacher, gefolgt von naturkatastrophen, promisülze und schicksalsschlägen. wer sich daran ergötzen kann… und dieser reißerische tonfall… warum ereignen sich sendeausfälle eigentlich nur während der übertragung der fußball-em?

drama, baby, drama!

ein beliebtes und häufig mißbrauchtes rhetorisches sprachmittel in boulevardmedien und werbung ist die alliteration. sie dient einerseits der dramatisierung, unterstreicht das schreckliche und (un)moralische. andererseits bleiben solche begriffe beim leser, zu:schauer und hörer besser im gedächtnis haften. ja, und sie lassen diesen dann den schauder genußvoll einverleiben. nur ein paar beispiele, die ich in letzter zeit gehört, gesehen und gelesen habe:

messer-mann (besser bekannt als der messerstecher), pyromanen-protest (linke brandstifter in berlin, die luxusautos aus protest gegen die veränderung der mieterstruktur in den vom mittelstand okkupierten stadtbezirken berlin-friedrichshain und prenzlberg in brand stecken), tokio-tom (gitarrist von tokio hotel, klingt irgendwie chinesisch, ach nee – japanisch), geiselgangster (natürlich der geiselnehmer – kreischt aber weniger in den ohren).

beliebte schlag:wörter, die dem drama die nötige aufmerksamkeit bringen sollen, sind kombinationen mit angstbehafteten wörtern: horror (horror-crash, horror-bilder), schrecken (schreckensnacht, schreckgespenst), terror (terrortäter statt terrorist, terrortrauma)… das kann man bis in die unendlichkeit fortführen und an jedem zeitungskiosk studieren. die schlagzeilen knallen wie ein pistolenschuß.

ich setze jetzt mal den verbalen schalldämpfer auf und ende mit: katzenkissen können nichts. und ich bin nur der dosenöffner für die katz.

katzenkissen