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wa(h)re helden

wahre_heldenin der karli /ecke steinstraße in leipzig mischen sich die alten und neuen helden zu einem skurrilen optischen und historischen ensemble. während auf dem völlig verblichenen wandbild in der tradition des ddr-arbeiterkampfes zum 1. mai eine militärkapelle aufmarschiert, dynamische mitglieder des dtsb (deutscher turn- und sportbund) in reih und glied antreten, schwenken oben pioniere eine flagge mit der schrift kjvd (kommunistischer jugendverband deutschlands). ganz blaß ist auf der weißen fahne in der mitte das wort freiheit, das in den sozialistischen ländern des ehemaligen ostblocks lediglich postulierte ideal, zu erkennen. rechts stampft ein fanfarenzug schnurstracks in richtung abgrund aus dem bild im stil des sozialistischen realismus. als mahnmal nicht zu unterschätzen!

die werbetafel auf dem brachgrundstück zeigt die zeitgemäßen helden. die biertrinker (ob johlender jugendlicher – natürlich ü-16 oder pantoffelheld). mit dem feucht-lakonischen slogan ‚wahre helden stehen mitten im leben‚ lockt die sächsische brauerei ur-krostitzer direkt zum überfahren der orangefarbenen ampel, um noch ein hübsches schwarz-weißes erinnerungsfoto aus dem blitzer links im bild zugeschickt zu bekommen. das dürfte teurer werden als ein kasten kühles blondes. wie viele sausen kann man ohne führerschein feiern! nahezu steuerlos.

wie sangen die fehlfarben einst in ihrem lied ‚ein jahr (es geht voran)‚ so schön zum thema historische umbrüche?

keine atempause,
geschichte wird gemacht,
es geht voran!

spacelabs fallen auf inseln,
vergessen macht sich breit,
es geht voran!


berge explodieren,
schuld hat der präsident,
es geht voran!


graue b-film-helden
regieren bald die welt,
es geht voran!

bier:meinungs:bild:ung

liebe kloschüssel,

sonntags umarme ich dich immer mit ganz besonderer inbrunst. ich klammere mich an deine kühlende keramik, während ich die unbill der woche aus mir herauswürge. ich leide nämlich an sonntäglicher boulevardbulimie. kennen sie das krankheitsbild etwa nicht? die symptome und ursachen sind wie oben beschrieben. so kann ich montags wieder fit zur arbeit und den boulevardesken sondermüll von unterwegs und den von kollegen obendrein mitgeteilten schlucken. mein gemeinarzt behandelt mich nur noch einmal pro quartal, obwohl das leiden chronischer mediennatur ist. er sagt, das würde von alleine verschwinden, wenn ich mich den medien nicht aussetzte. hah! von wegen, wegschauen und weghören – hab ich alles schon versucht. irgendeiner klatscht dir den unrat dann doch wieder ganz gezielt mitten in die visage.

oder dieser kommt per elektronischer post. ich bin mir zu 99,99 prozent sicher, nie an einem gewinnspiel teilgenommen zu haben oder unbedacht spammails zu öffnen. freitag ging dann das hier in meinem postfach ein:

Absender: SuperComm Data Marketing GmbH

Von: Testhaushalt newsletter@supercomm-mail.com

Sie erhalten diese E-Mail, durch Teilnahme an einem unserer Gewinnspiele oder einer unserer Umfragen (Übersicht unter http://www.netwerbung.de <http://supercomm-mail.com/12all/lt/t_go.php?i=3543&e=NzgyNTU0&l=-http–www.netwerbung.de&gt; ). Die auf den Seiten jeweils hinterlegten AGB fanden Ihre Zustimmung.

das wage ich arg anzuweifeln!!! vor allem nicht vom firmenrechner aus. da hätte sich längst der admin bei mir gemeldet, und ich hätte eine abmahnung von der firma bekommen. aber das mitgeschickte waaahnsinnswerbeangebot finde ich noch viel bezeichnender, wie man auf diesem screenshot sehen kann:

(c) axel springer ag

(c) axel springer ag

die klientel wird dadurch zweifellos auf bierkonsumenten beschränkt (im doppelten wortsinn), was ich im stillen ohnehin geahnt hatte. heute sind es keine uhren und haushaltsgeräte, mit denen die ‚bild am sonntag‘ mehr leser gewinnen kann. heute müssen menschliche grundbedürfnisse befriedigt werden – mit gratisbier und vorteilspreis. der tag müßte doppelt so lang sein, damit ich das alles wieder auskotzen könnte.

vielleicht kann mir irgendjemand verraten, wie man solche werber wieder los wird?  ich befürchte, wenn ich den ’newsletter‘ mit einer mail und betreff ‚austragen‘ beantworte, geht das scheißspiel erst in die hauptrunde, und das alles war nur der höpfisch-mälzische vorgeschmack – sprich bitter…

thanx for help!

bähx, ich muß gerade noch dreimal *würgwürgwürg* sagen, weil  mich dieser dummenfang derartig anekelt!