Schlagwort-Archive: bestsellerliste

to h.h.2.0

fotografiert beim hgb-rundgang in leipzig. der künstlername ist mir nicht bekannt. kann den vielleicht jemand ergänzen?

die spiegel-bestsellerliste wird bekanntlich vom buchreport anhand der verkaufszahlen aus 300 buchhandlungen ermittelt. auf spon sind folgende kriterien nachzulesen:

in die hardcover-listen aufgenommen werden nur titel, die den kriterien, die seit jahrzehnten für die spiegel-bestsellerlisten gültig sind, entsprechen. wichtigste voraussetzung: es muß sich bei den inhalten der bücher um „eigenschöpferische leistungen“ handeln. nachschlagewerke und andere zusammenstellungen, ratgeber, sonderausgaben sowie taschenbücher bleiben ausgenommen. mit diesen auswahlkriterien will der spiegel erreichen, daß die bestsellerlisten nicht durch den „duden“ oder kochbücher, ratgeber oder fitneß-rezepte blockiert werden. (hervorhebung der bloggerin)

sehr seltsam, wie kommt dann die zitatarme bzw. -nachtragende helene lektoratsmündelpflegefall (ach neee, jetzt voll***jährig und geschäftstüchtig) mit ihrer blog- und songtextcompilation dorthin, ich meine auf platz 2? da hat der spiegel vermutlich irgendwie die eigenen regeln umgeschrieben und uns lesern nur noch kein update geliefert. der fall fällt vermutlich unter die rubrik partielle jugendsch(m)utzgebiete. und worin, bitteschön, besteht der unterschied zwischen einem unaussprechlichen buchtitel (meine copy- & pastetasten wollen partout nicht gedrückt werden) mit echt abgekupferten bestandteilen und streckenweise ungenießbarer,  32fach durchgekauter rezeptsammlung (burger mit goldstaub)? nein, ich werde diesen beitrag über das verwunderliche pubertätsnervenbündel nicht mit dem schlagwort literatur versehen. aber nur keine aufregung, alles ist wie meistens und läuft medial wie geschmiert (hören sie an dieser stelle doch als endlosschleife ein mops kam in die küche…). nichts wirkt verkaufsfördernder als jugend, ein bißchen naivchen, haarvorhängliche als-ob-rebellische weiblichkeit, fremde leichtlebigkeit, geistige lässigkeit und ruppige schlagzeilen (sprich = krähhahntief). die ganzseitigen werbeanzeigen in den literaturbeilagen zur leipziger buchmesse werden somit hoffentlich überflüssig. ach, so ein läppischer verweis (quelltechnisch). redet doch dieses talentierte jungdingens nicht klein. urheheben? machen doch jetzt fast alle so. und belohnt wird es. manchmal. immer öfter. epidemisch. fatalerweise. nur wird nicht jeder von literaturagenten entdeckt. ein verdammt beschissener trost, für die, die sich nie wirklich den arsch aufreißen und dennoch berühmtheit wollen. aber wie heißt es doch so unterschorfsinnig: ohne scheiß kein preis. (oh shit, meine quelle, wo ist meine quelle? ich bin ruiniert!)

straße der besten

installation 'no division' mit musikermüll auf dem gelände des raw-tempels in berlin-friedrichshain. 'hang the dj' sang auch schon morrissey für die schmidts (ich lispele das th für alle lautleser auch beim schreiben mit).

… gab es mal in der ddr, mit sw-abzügen von diensteifrigen genossen, oft verbunden mit prämien für die sieger im sozialistischen wettbewerb. heute bestimmen andere gesetze den marktwert von menschen, oder besser: sie lassen sich ihn auch ganz gerne einstechen wie eine ganzkörpertätowierung. ob es hitparaden sind, verkaufscharts, listen mit bestsellern und zuschauerzahlen oder kisten mit schubladen, alles will der risikoarme mensch einsortieren, ablegen, einheften, durchnummerieren nach scheinbarer wohlgefälligkeit, die doch nur am lautesten klingeln der kassen bemessen wird. itunes legt ungebeten listen mit den top(f) 25 an. ein grauen für alle, die das chaos und random als prinzipien leben. aber für orientierungslose, meinungslose und zauderer sind solche ranglisten die nieten der losbude vom rummelplatz der eitelkeiten, über die sich noch freuen, weil sie ja nicht mal ahnen, welchen vollkommen beschränkten grenzen sie sich da unterordnen. sie glauben, mit der exzellentesten, trendigsten, heißesten ware aufzutrumpfen und besitzen doch nur, was die meisten anderen auch haben. damit öden sie sich dann gegenseitig an und hören doch nur abfällig: ätsch, hab ich aber auch schon.  gelegentlich findet sich inmitten der massengeschmacklosigkeit eine perle, die von den allesverschlingern achtlos verspeist und würdelos unverdaut wieder herausgespieen wird. tatsächlich aber ist die quantität in den seltensten fällen ein maßstab für die qualität, sondern meistens ein ausdruck geglückter, ausgeklügelter verkaufsstrategie, die günstlinge günstig und künstlich gutheißt. man kann schließlich mit der zeit gehen und dennoch aussteigen, wann auch immer und wo auch immer es einem beliebt. ein erlebnis für sich ist der blick in zwei völlig konsternierte verkäuferaugen, wenn eine bestellung eingeht, die sie nicht im lagerbestand haben. manche versuchen, sonderwünsche von vornherein abzuwimmeln. erinnert man sie dann an ihre eigentliche berufung, tippen sie panisch titel oder namen in den computer ein,  fragen nach der schreibweise und siehe da – ein treffer mit langer lieferzeit. da warte ich doch gern auf die bückware.

listen dienen als lausige inspirationsquelle für jene, die nur von eins bis zehn zählen können, für effekthascher, denen trial and error zu müßig ist. sie fühlen sich so toll mit ihren tollprodukten, daß ihnen der sinn für überraschendes abgestorben ist. denn alleine der besitz des über den klee gelobten diktiert ihr ganzes lebensglück. die zeit-geld-gleichung ist aufgegangen. und fast alle freuen sich über so viel müll und so wenig experimentierfreude.