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wie geschmiert

auf dem medialen rummelplatz geriet das kettenkarussell mit den darauf jauchzenden moderatoren um ihre nebenverdienste geringfügig ins schlingern. es folgte eine biß- und stichlose diskussion um transparenz und offenlegung der einkünfte. einen randplatz nahm dabei allerdings die bedeutung des auftraggebers ein.  dabei finde ich die nebenbeimäuse weniger skandalumwittert, als die wahrung der viel gepriesenen und unglaubwürdig beteuerten unabhängigkeit. in der gleichen zapp-sendung wurden die sauer verdienten schrippen der journaillen dann noch mit reichlich rabattnutella beschmiert. das wurde dann völlig aus der öffentlichen und journalisten-wahrnehmung ausgeblendet. lieber sah man die bekannten damen und herren von ard und zdf ins stolpern geraten, als prinzipienlos und erziehungsdefizitär in der eigenen nase zu bohren. schließlich wartet man nicht permanent mit dem auto an einer roten ampel und glaubt sich dennoch unbeobachtet und zugleich souverän.

während in dem bericht ein abfälliges wort unerwähnt blieb, was den kern der sache trifft – bestechung. korrupt sind für 74 prozent nämlich immer nur die politiker oder die  wirtschaftsunternehmen, polizeibeamte und juristen. wundern wir uns  also nicht über die surrenden tastaturen, schmachtenden  hörfunkfeatures und geleckten filmrollen, die uns herrlichste reiseimpressionen liefern. sonne, samthaut, weichgespülte wellen, hotelzimmer mit traumhaftem blick. ganze 2000 des mediendunstfelds haben im vergangenen jahr in extrem preisreduzierten maritimen zimmern geurlaubt. was danach in ihrer wohlwollenden wortwahl haust, nennen wir es doch der versuchung erlegen und hausiererisch. schönschreibübungen mit fürstlichem spargefühl. ein glaubwürdiger journalist, hieß es früher mal, arbeitet auch in der freizeit. er sei stets auf der suche nach neuen themen und beflügelung der kreativität. was würde besser dazu passen als kulturerlebnisse, die ohne freien eintritt eher mit einem dvd-abend totgeschlagen worden wären. ein presseexemplar? schicken sie dann einfach die rezension. so läßt sich ein lebensstil mitfinanzieren, der dem repräsentativen habitus zur ehre gereicht. geben, nehmen, prassen, verklären, schwärmen. krise des kritischen journalismus. statt wespentaille ein wohlstandswanst. der paßt als zeitungsrolle einfach nicht mehr durch meinen briefkastenschlitz.