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avatar

nein, ich bin immer noch nicht zum science-fiction-filmfreund geworden. james wer? gestern kam hier die frage nach meinem avatarbild  auf. da ich mich ungern wiederholen möchte, verweise ich mal auf einen älteren text von mir über den vermeintlichen dokumentarfilm exit through the gift shop über den von mir hochgeschätzten street-art-künstler banksy, von dem auch dieses stencil stammt, das ich etwa 2007 in berlin-mitte mit einer lausigen handykamera fotografiert habe. zwar zählen ratten nicht für jeden zu den possierlichsten geschöpfen der welt, aber mit schablonen gesprayt sind sie doch außergewöhnlich schön.

außerdem habe ich gestern endlich mal wieder zeit gefunden, meine blogroll mit neuem lesefutter zu bestücken. und da kommen in zukunft sicher noch einige perlen hinzu. ich bin ja auch neugierig auf die ideen- und bildwelten der anderen, habe nur nicht immer so viel zeit zum blogreisen. frau wortfeile möchte gerne ihre neuentdeckungen teilen und das nicht nur auf so einer versteckten seite,  die relativ selten beachtung findet. deswegen bekommen die neuen hier einen lauschigen platz im vordergrund: chinomso, clara himmelhoch, fudelchen a.k.a marianne, paradalis, lebensumbau, linker mops a.k.a katerwolf, rosenruthie, das tagebuch von befue und frau tonari. in der blogroll findet ihr zu den blogs eine kurzbeschreibung. sollte sich jemand nicht wiedererkennen, dann  darf er das deklarieren.

dream follower

banksy in boston, (c) bostonist.

verrückte welt. heute früh habe ich dieses stencil zufällig bei der blogschau entdeckt und zwei stunden später fand ich diesen beitrag über banksy bei meinem blognachbarn tom. noch weitaus abstruser finde ich den umstand, daß ich manchmal in gesprächen mit mir nahezu unbekannten menschen mehr über meine derzeitige, verfahrene, berufliche situation erfahre, als würde ich mich mit familie oder freunden dazu beratschlagen. dabei habe ich dann festgestellt, daß mich meine arbeit zunehmend frustiert, meine zwei jobs mir ein ständiges switchen zwischen den themen abverlangen, daß ich dadurch manchmal einen mentalen spagat hinlegen muß, ohne mich auch nur aufwärmen zu können, daß ich schon viel zu lange und immer halbherziger im broterwerb verharre, daß ich viel zu viele ausreden finde, mich ernsthaft nach nur einem job umzusehen, der nicht so etwas ähnliches wie eine persönlichkeitsspaltung in mir hervorruft, der nicht an meinem gewissen und meinem ethos nagt. es ist weniger der ehrgeiz oder ein karrierewillen, der mich umtreibt, als vielmehr die angst vor völliger verblödung, vor dem abstumpfen, vor der anspruchslosigkeit. das bereitet mir bauchschmerzen, kopfzerbrechen und schlafarme nächte. ich verabscheue in diesem zusammenhang das wort selbstverwirklichung. aber ja, an welchem tag habe ich eigentlich  begonnen, meine wünsche und träume kleinzureden? bin ich von geistiger trägheit befallen? ein opfer der einst verschmähten saturiertheit? ich diagnostiziere erste symptome, aber nein, die selbstzufriedenheit ist noch nicht ausgebrochen. und so habe ich begonnen, den staub wegzuwedeln und blicke auf chaos, das mal eben fix sortiert werden will. tja, lieber banksy, danke dafür, daß du mir mal wieder ein warnschild so dicht vor die nase gesetzt hast, daß ich es einfach nicht umrennen kann.

abenteuer street art

banksy in l.a. (c) dog byte

banksy ist wohl der bekannteste streetartist. und weil das so ist, finden sich sogar in der aktuellen wochenendausgabe der konservativen the sunday times gleich zwei lange beiträge über ihn. grund: banksy hat zusammen mit befreundeten künstlern den vermeintlichen dokumentarfilm exit through the gift shop gedreht, der bereits bei der berlinale 2010 lief und ab 5. märz immerhin in den britischen kinos zu sehen sein wird. ich hoffe sehr, daß man dafür auch in deutschland einen verleiher gefunden hat, schließlich kann ich mich nicht an dem trailer und an den im netz kursierenden videoschnipseln sattsehen. schon in dem werbeclip kann man erahnen, welch chaotischer natur das leben für straßenkünstler ist. nächtliche kletteraktionen, umfallende eimer mit farbe oder kleber, diskussionen mit polizisten, für die jede form öffentlicher anbringung von kunst eben graffiti und damit vandalismus ist. das argument, hey brangelina haben 2 mio. £ für eines meiner werke bei einer auktion gelöhnt, zählt in solchen momenten wohl weniger, flinke füße hingegen viel.

in dem video auf the sunday times spielt banksy als regisseur mit dem stil von überwachungsvideos. das unter einer überwachungskamera gesprühte stencil – ein affe mit filmklappe, kopfhörern und puschelmikrophon – persifliert sowohl die medien film und fernsehen als auch die staatliche überwachung mittels kamera- und abhörtechnik. vor allem sog. investigative fernsehberichte unterscheiden sich oftmals weder inhaltlich noch filmtechnisch von überwachungsvideos. man denke dabei etwa an die anonymisierten gesprächspartner mit verzerrter stimme oder an die verwackelten aufnahmen von versteckten kameras, wie sie häufiger bei den themen kaffeefahrt oder preisrecherchen von ratgebersendungen eingesetzt werden. die bilder ähneln sich in ihrer banalität oder aber in ihrer verteufelung des „bösen“. nur selten dienen die bilder von überwachungsvideos ja wirklich der aufklärung von straftaten. in beiden fällen dominiert das ziel der abschreckung: die bildmächtigen medien und ermittler decken sowieso schonungslos auf – das schwebt als drohung bei der ausstrahlung mit. leider lassen sich damit brutale gewalttaten nicht verhindern, wie die überfälle auf s-bahn- und u-bahnhöfen in münchen und berlin gezeigt haben.

banksy bleibt in diesem film ein phantom, ein hoax. selbst wenn ein realname fällt, würde er diesen nie bestätigen, denn damit wäre der edellack an der legende zumindest angekratzt, das versteckspiel vor der polizei würde sich ausweiten zu einer flucht vor seinen verehrern, die sich nicht davor scheuen, den putz von mauern abzutragen, um ein bröckelndes teil des kunstwerks zu besitzen. wenn besitz und berühmtheit bei außenstehenden besessenheit auslösen, lebt man schnell in einem gefängnis mit einem freiheitsradius, der sich auf die eigenen vier wände beschränkt. für mich wär das ja gar nix.

weiterführende links: film review (times online), filmseite mit trailer, video mit filmrezension auf arte, rezension vom taz-popblog.

out of bed

(c) dog byte

dem ist nichts hinzuzufügen, zumal an einem sonntag!

via dog byte