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ende und anfang

(c) beck

ein gewohnt bissiger cartoon von beck über den geschwätzigen hohn der politiker und unternehmer zum jahreswechsel. weil wir rückwirkend das geschehen nicht mehr ändern können und diese einmaligkeit würdigen müssen, läßt es sich leicht mit einem superlativ aufhübschen. hirngehacktes für alle.

noch nachdenklicher stimmt mich das lied einmal von nils koppruch aka SAM (ehem. fink). wunderschöne, selbstversunkene poesie von der ersten bis zur letzten songzeile. und so tröstlich.

es ist ok, daß alles nur einmal ist,
daß es nur einen anfang und ein ende gibt,
und wenn es vorbei ist, daß man vermißt,
einmal, nur einmal, und daß man vergißt…

weihnachtsspaziergang

es muß nicht immer der weihnachtsmann sein, dem man am heiligen nachmittag auf dem weg zu erwartungsvollen kindern begegnet. eine weile beäugten das eichhörnchen und ich uns gegenseitig, dann machte sich das rot-weiße puscheltier hektisch daran, eicheln zu knuspern, bis es schließlich hinter einem zaun verschwand. hier zeigt es sich von der zutraulichen und fotogenen seite. posierlich-cool stützt es eine pfote an den strauch und tut so, als könne man es im laub-schnee-schutz gar nicht erkennen. dummerweise hatten wir gleichzeitig die idee, unsere winterruhe zu unterbrechen und den warmen kobel aus unterschiedlichen gründen zu verlassen.

unterwegs begegnete ich vereinzelt fußvertretern, verbündeten der heimlichkeit (also großeltern mit kindern) und die antispeckschwartenfraktion trippelte gelegentlich an mir vorbei. der stetige fluß, er ist ins stocken geraten, leiser, verhaltener, gluckernd statt rülpsend. gegen das kassengetöse der vorangegangenen tage wirkt das unglaublich erholsam. und während heute abend wahrscheinlich fast alle die schöne bescherung haben und eilig auspacken, was in manchmal kunstvoller weise eingepackt wurde, werde ich mich dem ganzen brimborium entziehen.

und dann kam ich auf den hund. erstarrt blickte er in die klickende kamera, ich versuchte ihn im anblick blendender sonne nicht aus den augen zu verlieren, bis seine besitzerin ihn rief. schließlich kam er mit nassem fell näher und wedelte mit seiner rute um mich herum. ich fächelte milde ein paar beruhigende worte zurück, denn ein analoges ausdruckssystem fehlt mir. irgendwie wurden wir beide domestiziert, kennen zorn und zähmung, und uns beiden ist weihnachten relativ schnuppe. aber allen denen, die den ganzen geschenketausch (und alles was sonst noch nach dem brauchtum dazu gehört) oder einfach die familiäre geselligkeit mögen, wünsche ich frohe weihnachten. ich zelebriere derweil die stille, denn das ist zwar für manchen unerträglich wenig und bedeutet mir doch so viel.

ausweitung der ruhezone

meine kommandoempfangszentrale bleibt bis auf weiteres geschlossen, ich muß nämlich erst mal sacken lassen, was man oben reingeschüttet hat. die arbeitgeber tun gerade so, als würde ihr säckchen immer leerer (jajaja, manche sind tatsächlich pleite). auf unseren schultern fühlt es sich in form von aufgaben aber mindestens doppelt so voll an. sparen, um die gewinnspanne möglichst groß zu halten – mich zwingt diese strategie auf dauer in die knie. und da bin ich sicher nicht alleine. momentan ist mein ausgabeschacht völlig verstopft und das ruhebedürfnis so übergroß, daß ich hier erst mal für ein paar tage pausiere.

was also tun, wenn hier nüscht passiert, außer lautloses, inneres entrümpeln? eine gute gelegenheit für leser, andere blogs zu entdecken: erlebt doch mal den absurd-komischen ritt durch die biographien meiner ewigen kindheitsbegleiter in weimar schoethe und giller (part I  – III) von blogorilla, holt euch hüftbeschwingende, musikalische anregungen bei gut wie gold oder lacht und weint über toms wochenschau.

in der zwischenzeit klaubt VEB wortfeile buchstaben ins suppentöpfchen, verspricht aber, später keine kochshow zu veranstalten.

oben brennt (k)ein licht

in der dunklen jahreszeit gibt es wenige lichtblicke, dafür jede menge (elektrische) erleuchtung. rauchend und bibbernd stand ich auf einem balkon in berlin und beobachtete vorbeigehende menschen. manche blieben am schaufenster der aktgalerie stehen, um sich an den nacktbildern ihr mütchen zu erhitzen und den mantelkragen im städtischen kühlschrank hochzuschlagen. dann trotteten sie in die nacht, warfen zwischen dem strom der straßenlaternen veränderliche schatten. als kind habe ich mal kurz und vergeblich versucht, mein schattenbild zu verjagen und war darin ungefähr so erfolgreich wie eine katze, die hinter ihrer schwanzspitze im kreis springt. und genauso wie mit hellem und dunklem ist es manchmal mit den worten und den erinnerungen. je mehr man danach sucht, um so stärker scheinen sie sich in die untersten schichten zurückzuziehen, werden ungreifbar, werden schwarz, werden zum ding der unmöglichkeit, dingens eben. es ist als wäre im gedankenstrom eine sperre eingerastet, die besagt, dieses türchen öffnen wir jetzt aber wegen überfüllung oder ausmusterung nicht. gnadenlos frotzelt dahinter der türsteher: bleib draußen, doofes ding du. da hilft nur die abkehr, die ölkanne des bewußten vergessens, ein alkoholrausch, ein bad im wasser der lethe. mit viel glück kehrst du in den schoß der mnemosyne zurück.

aber in letzter zeit häuft sich das vergessen, die verwechslung, die flüchtigkeit der gedanken. erst im sommer bin ich dreimal vergeblich in der gegend herum geirrt, weil ich mir die hausnummer nicht richtig gemerkt hatte. der speicherplatz war ausgereizt, systemabsturz, schwarzer bildschirm. dann habe ich vor einem monat mal mehrere stunden lang meine bude  auf den kopf gestellt auf der suche nach einem schwarzen kabel, das eigentlich weiß war. das gegenteilige kann schon mal eintreten, und die ein/bild/ung zeigt mir ihr narrenkostüm. zwar war ich erleichtert, wieder bilder auf den rechner übertragen zu können, aber die zweifel zermürben seitdem den gedächtniskeks  in krümel. am freitag bin ich erneut zu einem haus gefahren, an dem ein mir völlig unbekannter name am klingelschild prangte und mein lückenhaftes zahlengedächtnis anprangerte. das sind hinreichende beispiele zum erhellen des umstands, daß wissen in meinem bauartbedingt mangelhaften schädel nicht sicher ist. das wieder/holen aus den windungen ist ja auch nicht zwangsläufig ein gewinn, manchmal allerdings sind kognitive prozesse doch recht nützlich. zusehends verspüre ich die tendenz, jegliche rechthaberei zu verabscheuen und lieber unsicherheit zuzugeben. ich bin nur ein mensch mit hang zum perfektionismus, dem ich immer mehr abschwöre, weil andere menschen das nicht existente fehlerlose wollen und  sich eine welt als ersatzteillager bauen. meine ölkanne ist irgendwann leer, die akkus mit ‚lebenslanger‘ garantie auch, das licht wird schwächer, flackert auf und irgendwann verlöscht es. ich sehe duracell-hasen trommeln und verstummen.

und dann kam am montag dieser gebückte, alte, vermutlich demente mann in den laden, redete an einer menschenschlange und am wahrgenommen werden vorbei mit dem verkäufer, der sich ungestört seinem verkaufsgespräch widmete. endlich abgefertigt, irrte er orientierungslos durch den laden auf der suche nach taschenlampen. ein anderer kunde führte ihn hilfsbereit zur lichtquelle. und dann brüllte er durch den laden: ich muß mir nämlich eine taschenlampe kaufen, weil ich habe mich verlaufen. mir ging angesichts dieser logik zwar kein licht auf, weil es draußen zwar relativ dunkel war, aber auch gleichzeitig lichtverschmutzt blinkerte und die gehwege hell ausgeleuchtet waren. manchmal, ja manchmal da sind unsere schlüsse unlogisch. und das ende sowieso.

wahrheit im gegenlicht

bundesverwaltungsgericht mit wahrheitsfigur im gegenlicht, erbaut 1888- 1895 nach einem entwurf der architekten ludwig hoffmann und peter dybwad im stil der italienischen hochrenaissance.

ganz oben auf der kuppel des heutigen bundesverwaltungsgerichts in leipzig thront sie als hehres ziel – die eherne figur der ‚wahrheit‘. die tief stehende herbstsonne blendete derartig beim fotografieren, daß mir tränen in die augen schossen. was der nd-filter übrigläßt, erscheint beinahe als schattenriß. wo sich heute anwohner um fluglärm streiten, wurde im dezember 1933 der arbeiter marinus van der lubbe im reichstagsbrandprozeß wegen hochverrats und brandstiftung zum tode verurteilt. seine tatbeteiligung ist bis heute umstritten. ob brandstifter oder nicht, das spielte in diesem faschistischen schauprozeß kaum eine rolle. die verhandlung wurde auch nur so lange per lautsprecher auf die straßen übertragen, wie die nazis die anschuldigungen des kommunisten georgi dimitrow gegen  den als zeugen geladenen göring duldeten. danach stand eine teilöffentliche, gleichgeschaltete, manipulierende nazi-machtdemonstration mit drakonischen strafen im vordergrund, keine politische verwarnung des gegners, sondern einschüchterung mit todesangst und schreckensherrschaft. es hat bis 2007 gedauert, van der lubbe politisch und juristisch auf grundlage des ns-aufhebungsgesetzes zu rehabilitieren, weil das urteil auf nationalsozialistischem unrecht beruhte. einen tag nach dem reichstagsbrand in berlin begann die verfolgung politischer widersacher der nsdap (lex van der lubbe – rückwirkende einführung der todesstrafe).

76 jahre später müssen die richter des bundesverwaltungsgerichts gegen die kehrseite der wahrheit, gegen holocaustleugner verhandeln. so kritisch ich zahlreichen entscheidungen des bundesinnenministeriums auch gegenüberstehe, über die bestätigung des verbots der  geschichtsrevisionistischen vereine collegium (in)humanum und bauern(fänger)hilfe bin ich erleichtert, auch wenn das urteil leider wenig an der hitlerglorifizierung ihrer vereinsmeier ändern kann, weil es nur die organisationsstruktur verhindert. ein grund mehr, an die ursprünge zu erinnern.

alles in allem brauchen sich haarspalter in deutschland nicht über beschäftigungsmangel zu beklagen, denn gestritten wird gerade im zivilrecht inflationär. und wenn sie nicht vor dem kadi landen, dann streiten sie auf dem sofa um die fernbedienung, prügeln sich um ramschware im schlußverkauf oder befehden eine mir bisher unbekannte form der lärmbelästigung, die mein blog als suchanfrage ereilte: nächtlicher lärm durch raucherhusten. bisweilen überkommt mich ein beinahe hysterisches unbehagen an gelebter kultur und an praktizierter sozial- und individualethik.

gegurgelter gershwin

ein blick aus dem fenster auf den heutigen abendhimmel in leipzig. so ähnlich muß der himmel ausgesehen haben, als jim henson und frank oz ihre serie schweine im weltall für die muppet show erfanden. und hier gibt’s das video mit dem gegurgelten gershwin. mich hat beim fotografieren allerdings fast ein apokalyptisch heulender wind von der dachterrasse gefegt. dabei sah der himmel so trügerisch schäfchensanft aus.

schneckentempo

connex

wenn nichts dazwischen kommt...

schon bevor ich heute am hauptbahnhof in berlin in den connex einstieg, hatte ich in der s-bahn richtung olympiastadion unfreiwillig gelegenheit, mit den hertha-fans zu kuscheln. blau weiße schals, das übliche bierselige gegröle völlig sinnfreier parolen, lösten bei mir unweigerlich klaustrophobische gefühle aus. in vorfreude auf einen entspannten restsonntagabend quetschte ich mich bis zum reservierten sitzplatz im zug und konnte etwa 20 minuten im wochenendlichen alltagsausbruch schwelgen, bis wir unplanmäßig in ludwigsfelde hielten und die durchsage im reinsten, aber undurchsichtigen bahnsprech mich aus meinen träumereien riß. ein nicht näher beschriebener polizeieinsatz freute wenigstens kurzzeitig die raucher, die wir den zug verlassen durften. nach geschlagenen 70 minuten nahm die odyssee ihren weiteren verlauf. der zug zuckelte nach saarmund zurück, über michendorf, in die geographische, brandenburgische pampa, weiter nach thießen in sachsen-anhalt, über roßlau, dessau und bitterfeld schlußendlich bis nach leipzig.

rauscht man an dessaus hauptbahnhof vorbei...

... kann man an dessau vorbeirauschen...

theoretisch kann man in nicht mal anderthalb stunden von der hauptstadt bis nach leipzig düsen oder aber praktisch mit 140 minuten verspätung zuckeln, in jedem kaff oder auf freier strecke stoppen. das wartezeitnervenkostüm schrumpft gekocht bis auf die knochen, der magen mosert wegen eines riesigen hungerlochs, und die augenschlitze blinzeln ungläubig, wenn man doch noch in den kopfbahnhof einfährt. noch einen schönen abschiedsscherz erlaubte sich der zugführer, der zwar den ausstieg links ankündigte, aber nur rechts die türen entriegelte. ein paar extrem geduldige warteten tatsächlich, ich aber bin raus auf das personalgleis und habe mich verdünnisiert. so sieht also der eisenbahnstau aus, im schneckentempo kriecht die reisende nun in ihr haus. aber lieber spät als nie wieder.

oder man hat pech und kriecht im schneckentempo heim.

...oder wenn man größeres pech hat, im schneckentempo in richtung heimat kriechen.