Archiv der Kategorie: street art

böse sprachfallen

eigenwillige rechtschreibreform der streetartkünstler, aufgenommen im dösner weg in leipzig. da geht doch noch was (besser).

für meinen geschmack ein bißchen zu viel ringel-s. da war wohl jemand ganz scharf… immerhin schreibt er/sie das pseudonym richtig und nicht denndahgel.

mehr sprachkolumnen von mir findet man z.b. hier und dort oder mit dem schlagwort „sprache“ in der sidebar. im forum von korrekturen.de bekommt der reformiert sprachverwirrte hilfe. sehr nützlich ist auch die seite mit den beliebtesten bzw. häufigsten rechtschreibfehlern. und immer wieder unterhaltsam und lehrreich der zwiebelfisch von bastian sick.

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tausch

tausche dünne haut gegen dickes fell.

bevor es mir so geht wie dem männchen auf dem stencil, lege ich dann doch ernsthaft eine blogpause für unbestimmte zeit ein. und bei dem spruch „love is a bitch“ brauche ich nur love mit life austauschen, dann trifft es den nagel auf den kopf. bis demnächst…

unheimliche begegnung der dritten art (IV)

fbi-agentin wortfeile ist fast so blind wie ein maulwurf, nachdem sie vom grellen sonnenschein in die unbeleuchtete halle tritt. gar nicht gut für den fortgang der ermittlungen, muß sie sich doch nun mehr auf hörsinn, geruchssinn und tastsinn verlassen. als sich die pupillen an die dunkelheit angepaßt haben ist ihr erster eindruck: angst. durch die riesigen fenster von gegenüber wird sie erneut durch die sonne geblendet. von oben dringt ein  übernatürlich wirkender, gleißender, blauer lichtschein in die halle. jetzt bist du verloren. niemand sieht dich mehr. und die aliens können dich ungehindert entführen. es würde erst nach stunden auffallen. für eine rettung wesentlich zu spät. in dem leerstehenden gebäude mit dem schummrigen licht hallt jeder schritt nach. auf dem boden knirschen glassplitter. aus irgendeiner weit entfernten ecke prallt das hohle echo auf mich zurück. mein kopf und mein magen schlagen eine leerung vor.

an fast jeder wand haben sie botschaften für mich angemalt, die teilweise aus mir unverstädlichen symbolen und teilweise aus menschlichen schriftzeichen bestehen. hier steht als vorwarnung: each time i see your face i get a headache!! jaaa, mulmig ist mir jetzt auch zumute. in der magengrube breitet sich eine leichte übelkeit weiter aus, steigt durch die speiseröhre nach oben und hinterläßt auf der zunge einen trockenen belag, der einen scharfen nachgeschmack hat. die haben mich doch nicht schon ohne meine erlaubnis infiltriert? das herz klopft bis zum hals. die luft steht. in ihr schweben die miasmen von maschinenöl und altem rauch. im kopf setzt ein brummen ein.

auch ohne extra beleuchtetes verbot ist mir gerade nicht nach einer fluppe zumute. dafür ist die übelkeit zu übermächtig, der druck im kopf zu stark, obwohl ich in paniksituationen sonst gern mal eine zigarette zur vermeintlichen beruhigung der nerven rauche, zittern meine hände so sehr, daß ich die kippe wohl kaum anzünden könnte.

wahrscheinlich habe ich mir in teil II der geschichte völlig falsche vorstellungen vom aussehen der außerirdischen gemacht… wenn ich das hier so sehe, dann muß ich mir wohl unter dem geometrischen jungen anic eine verwinkelte 3-d-gestalt vorstellen, die aus rohren und pfeilen besteht. die lage sieht jetzt für mich mal gar nicht so rosig aus, wenn pazifistin und pfeilgespickter geometro aufeinander treffen sollten.

wer weiß, ob sich nicht gleich einer dieser müffelnden schutthaufen bewegt oder die zeichnungen auf der wand zum leben erwachen? angstverblendet bin ich auf alles  und in allem ziemlich schlecht vorbereitet. das einzige, was als nahkampfwaffe durchgehen könnte, ist mein feuerzeug. *klickklick*

an mehrern wänden finde ich zeichnungen der skyline von leipzig bei nacht. ist das jetzt so was wie eine alien-street-view? ist da etwa sogar meine wohnung mit abgebildet?! ich betrachte die zeichnungen nur flüchtig, weil ich abertausende augen auf mich gerichtet fühle, wenn auch kein leib dazu erscheint. vielleicht sind die aliens aber auch luftwesen, somit für mich unsichtbar, *schluck*…

als ich diese botschaft entschlüssele, will mein arsch in richtung grundeis rutschen. die können meine gedanken lesen! drohen mit tod durch ersticken. so will ich nicht sterben. ehrlich! könnt ihr euch nicht etwas anderes für mich ausdenken? wie? ich bin medial geschädigt? mag sein, aber man wird doch wohl noch wünsche äußern dürfen! nicht? *mwäääh, flenn*

na, nun braucht ihr mich auch nicht mehr vor einem tabubruch zu warnen! im angesicht des todes verliert fbi-agentin wortfeile die angst und durchschreitet das tor zur alienhölle.

ob ich vor schock graue haare bekomme, wenn ich da jetzt links dran vorbeigehe? muß ich noch versprechen abgeben, daß ich nie wieder crosse? aber ich hab doch noch nie eine wand besprüht, nur immer fleißig bei umzügen schönheitsreparaturen abgearbeitet. und jetzt das! wofür werde ich eigentlich bestraft? für meine neugier? toll!

im nächsten raum angekommen, blicke ich erneut in das gesicht eines außerirdischen. nun ja, wenn der skeptiker nicht davon zu überzeugen ist, daß es leben auf anderen planeten gibt, kann man sich hier sogar vom verschiedenen aussehen der jeweiligen spezies ein bild machen. es ist zum fürchten. dieser mund! wie die zacken einer schneidmaschine. also zerstückeln finde ich jetzt auch nicht wirklich besser. ich stolpere beim anblick und schlage hastig den fluchtweg ein.

hmmm, sollte ich mir diesen zahlencode besser doch einprägen? vielleicht verschafft er mir einen vorteil im kampf mit den außerweltlichen mächten, und ich komme doch mit heiler haut davon? vorsichtshalber mache ich mal ein foto. weil: auf mein gedächtnis ist in angstsituationen auch nicht 100%ig verlaß.

ob auf der spraydose fingerabdrücke der aliens zu finden sind? und wenn ja, wie könnte es mir gelingen, diese zu sichern und irgendeiner spezies zuzuordnen, die doch noch niemals jemand zu gesicht bekommen hat? findet ihr nicht auch, daß dieser pfeil hier sehr nach einem gebotsschild aus unserem straßenverkehr aussieht? ich stelle mich mental auf gewaltsamen ideenraub ein. wie kann ich meinen kopf dagegen schützen? hätte ich doch nur einen fahrradschutzhelm… aber nee, fbi-agentin wortfeile möchte eben lieber hübsch aussehen, wenn sie angefahren oder von aliens ihrer gedanken oder gar ihrer erinnerungen beraubt wird. ihr in diesem fall typisches weibchenveralten könnte also zur fiesen falle werden.

merkwürdig… nochmal die leipziger skyline mit der zahl 219. was hat das zu bedeuten? ist das eine hausnummer? kommen sie da heute nacht an und gar nicht hier? und dann entdecke ich rechts noch eine internetadresse. die haben das bei den alien-street-view-aufnahmen ähnlich illegal gehalten wie go:ogle. einfach router, ip und zugehörige websiten abgespeichert. anders kann ich mir das jetzt mal nicht erklären. die sind echt auf datendiebstahl aus. von wegen: wir kommen in friedlicher absicht! *pöööh* ich glaube euch kein wort!

und das hier muß wohl dann schon eine utopische version der besetzung von leipzig durch außerirdische sein. die kontrollieren die zugänge zur stadt mit einem stacheldrahtzaun, an dem schon blut klebt. und unten drunter wabert eine grüne masse, die das herz der stadt erobert hat. ieeeh, ich mag glibber ja üüüberhaupt nicht!

das hier sieht mir beinahe aus, wie das herz des alienaußenpostens, die schaltzentrale. aber ihre geräte oder waffen haben sie alle mitgenommen. wie komme ich bloß aus dieser klitzekleinen angstkrise wieder heraus?

ja, daß da nüscht mehr zu holen ist, sehe ich auch. die werden doch nicht eine schwangere anarchistin entführt haben, um eine chimäre zu kreiern? langsam wird mir der ort immer unheimlicher.

es riecht auch nach rauch, immer stärker. ich kann die richtung nicht orten. bei der suche nach der geruchsquelle blicke ich dann in das gesicht dieses monsterdinos. über mir ist wieder fluglärm wahrzunehmen. draußen tönen die sirenen von rettungsfahrzeugen. es scheint eine ganze armada anzurücken. doch ich blick wie angwurzelt und gebannt in diese zackenfresse. zu viele eindrücke auf einmal. in meinem kopf überschlagen sich gedanken. woher? wohin? was soll ich nur tun? wie kann ich sowohl aliens als auch polizei entkommen?

to be continued…

schilderwald

ob die feuerwehr oder die wasserwerke mit dem dritten schild auch etwas anfangen können? nun, eigentlich ist es eine von den vielen bemalten fliesen, die an leipziger wänden zu finden sind. diese hier von „credo“ habe ich in der richard-lehmann-straße gesichtet. flüssig ist der inhalt der abgebildeten farbspraydosen auch, nie aber durchsichtig. falls also jemand gerade mit den angebotenen fliesenmustern hadert, findet er vielleicht anregungen für individuelle bad- und küchengestaltung.

lyrik am bauzaun

glücksmoment. gefunden am bayerischen platz in leipzig.

fast eine hommage

als ich 2004 nach leipzig zog, erlebte ich die letzte party im café maitre (es war ein abend mit country-musik, eigentlich gar nicht mein fall, aber das lokal war wundervoll). dann schloß diese kulturelle instanz. das café galt in den 80ern und 90ern als der treffpunkt für die künstler, intellektuellen und die bürgerrechtler, wurde dann auf der szenemeile karlie in leipzig nahezu okkupiert. die einstigen gäste verstreuten sich in alle windrichtungen, sammelten sich neu und treffen sich heute anderswo. nun wird das gründerzeithaus schon seit anfang mai saniert. zunächst tauchten hinter den von den fenstern und türen abgerissenen preßspanplatten die alten streetart-werke wieder auf, die ich noch schnell für die nachwelt festhalten konnte. als ich am samstag vorbeilief, klafften riesige löcher in den außenwänden, so daß ich einen schönen einblick in das gebäude erhielt und ein bißchen wehmut aufkeimte.

irgendwie hoffe ich ja, daß sich der eigentümer dafür entscheidet, dieses mural zu erhalten. ich habe mich nicht reingetraut, weil auf der gegenüberliegenden straßenseite ein mann am restauranttisch saß und mich argwöhnisch beäugte. so kann ich selbst kaum lesen, was dort steht: work-shop. regeln der selbstorganisation. in der linken sprechblase heißt es: 1 viele kuchen backen, 2 gäste haben, 3 musik, 4 aktio = reaktio (obwohl man beides eigentlich mit c schreibt, da lateinsch), 5 olympiakompatibel. in der rechten sprechblase steht: … wie geil wirds denn noch! außerdem konnte ich noch die komplette zwischenwand aus glaus und holz , die die gasträume trennte, im gründerzeithaus erspähen, die vom rauch und der zeit stark vergilbt ist.

wie gerne würde ich darin jetzt noch mal alles fotografieren, traue mich nur nicht einfach in die ruine hinein. es ist, als sähe ich überall unsichtbare verbotsschilder rumstehen, die mich aufhalten.

dieses paste up des szenigen pärchens ist verschwunden, das fenster herausgerissen. kein kirschroter knutschmund mehr.

die sticker sind auch weg, weil der gesamte eingangsbereich an der karlie demontiert wurde.

alles weg. nur ein großes loch als guckkasten in der wand.

gibts auch nicht mehr. liegt vermutlich auf irgendeiner sächsischen müllhalde.

tja, gevatter tod ließ/läßt grüßen. die wohnungen werden bereits zum erstbezug nach sanierung angeboten, neun euro warmmiete. zum vergleich: ich wohne nicht weit weg und nicht an einer hauptstraße mit straßenbahn vor der tür, die unglaublich viel lärm macht – meine sanierte wohnung kostet 6,90 warm. die preisspirale in der südvorstadt dreht sich weiter. ob wohl das café wieder öffnet? wie wird es aussehen? wird es seinen charme von damals vollständig verloren haben? haben wir es damals zu zeiten der schließung verloren, das traditionelle café, oder verlieren wir es erst jetzt? oder wird alles viel schöner, besser, luxuriöser, edler, teurer…?

nullnummer

soll ich mich auf die straße vor das gebäude der lokalpostille lvz am peterssteinweg in leipzig stellen und laut aaahhh schreien? wer wird mich hören? wird man mich dann nicht in eine zwangsjacke stecken, unter pharmadrogen setzen und abführen? habe ich keine anderen probleme? ich rufe nicht, ich knipse nur. und auch die stencils sehen eher wie fahndungsfotos aus. möchte jemand von euch, daß sich türstehertypen seinen problemen widmen? also ich definitiv nicht.

und wenn man mal genau hinguckt, erkennt man ja die darsteller aus der 80er jahre fernsehserie wieder. rein zufällig kommt der gleichnamige film ab august in die kinos. und dann heißt es wieder: die bööösen sprayer! dabei sieht mir das doch ganz verdächtig nach einem fall von guerillamarketing aus. ich kann mir nicht vorstellen, daß sich das gleichnamige leipziger friseurteam so als pflasterschwalben verewigen würden. never! süßer die kinokassen sollen klingeln… oder?!