Archiv der Kategorie: sprache

klassische zungenbrecher

kreide-graffito an einem haus in der gerberstraße in weimar

oft ein zermürbendes zerwürfnis zwischen zunge und zähnen: zischlaute zischen. oder wie wärs beim nächsten shopping mit einem tschechischen gucci-täschchen? auf der suche nach weiteren zungenbrechern bin ich dann noch auf dieses video aus japan gestoßen. bisher dachte ich immer, daß man sich vorwiegend in deutschen fernsehshows zum affen macht und für die eintagsfliegenprominenz billigend schadenfreude in kauf nimmt. in der japanischen variante gibts für fehler aber eins auf die nüsse. und damit ist keine kopfnuß gemeint. obwohl – so groß sind die kulturellen unterschiede gar nicht, wenn ich an die videos aus pleiten, pech und pannen zurückdenke, die ich auch selten komisch fand, vor allem dann nicht, wenn andere menschen wirklich schmerzhafte erfahrungen sammeln.

da lobe ich mir doch einen klassiker der deutschen fernsehgeschichte von loriot und evelyn hamann: die inhaltsangabe, in der sich hamann vergebens um trennung deutscher und englischer aussprache bemüht und gegen ende reif für die behandlung ihres lispelns in der sprachheilschule ist.

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unerhörtes schweigen

zitat des mexikanischen schriftstellers octavio paz an einer fassade in weimar.

auf manche erfahrungen könnte ich nach wie vor verzichten, beispielsweise auf den stimmraub durch virenviehzeug. von frosch im hals kann keine rede mehr sein. das hat schon eher die ausmaße eines größeren tieres in meinem schluckschlauch. treffender finde ich deshalb die französische redensart j’ai un chat dans la gorge. vor allem weil katzen auch in den unterschiedlichsten tonlagen miauen können. eine solche hat also offenbar die kontrolle über meine stimmbänder übernommen. und befördert kratzend eine unkontrollierbare instabilität der tonhöhe, von der pubertäre jungs selbst während des stimmbruchs nur träumen können.

dabei schweige ich mich manchmal ganz gerne lang und breit aus. nur wenn die monologisierenden gesprächstreiber sich in allzu ausschweifender ausschmückung ergehen, nutze ich eine atempause, um zum ursprungsthema zurückzuführen. manchmal besteht eben ein großer redebedarf. in einem thomas-mann-buch stören mich lange schachtelsätze weniger, weil ich selbst bestimme, wie lange ich ihnen folge und wann ich den faden verloren habe.

immer wieder beobachte ich paare, die sich stundenlang in cafés anschweigen, kurz den geschmack des kuchens zu kommentieren scheinen, um dann wieder in das verzweifelte schweigen zu verfallen. hier ist eigentlich alles gesagt, aber das wichtigste, wir haben uns nichts (mehr) zu sagen, bleibt unausgesprochen.  für mich ist es eine beklemmende vorstellung, daß in solchen fällen die einsamkeit als kleineres übel verstanden wird. wie wenig manche menschen mit der  herbeigesehnten freien zeit anzufangen wissen… ich schweige lieber alleine, treibe meine gedanken lautlos an und wenn ich in gesellschaft bin, erhalten die unausgegorenen meistens erst den richtigen beigeschmack. verpaartes schweigen ist so furchtbar unfruchtbar, daß ich als zuschauerin nur mutmaßen kann, wie fade sich das sexualleben unter der bettdecke und in absoluter finsternis abspielt. aber da kann mich meine menschenkenntnis auch täuschen. wer weiß, vielleicht knallen da lustlos stimulierend die peitschen zum vorgetäuschten orgasmus… vorhang bitte!

wie eingeschränkt mein leben ohne stimme sein könnte, lag bisher außerhalb meiner vorstellungswelt, obwohl ich gelegentlich fasziniert gehörlosen bei der kommunikation mit gebärdensprache zuschaue. ich habe 1998 im prater in berlin ein konzert von der tödlichen doris mit gebärdendolmetschern erlebt. diese, meine temporäre stummheit ist natürlich nicht mit verlust von oder angeborenem mangel an stimme und hörvermögen zu vergleichen und erfordert nur ein leichtes umdenken: beim bäcker kann ich die frischen brötchen heute nicht bestellen, also doch die fertiggebackenen aus dem supermarkt. ich ging demzufolge freiwillig einer zum scheitern verurteilten kommunikation in unkenntnis der gebärdensprache aus dem wege. und mir war das bloße zeigen auf  die wunschobjekte dann doch äußerst unangenehm, auch wenn ich im normalfall stimme und körpersprache gleichzeitig einsetze. ich habe nichts gegen rauhe, tiefe stimmen, meine klang schon immer irgendwie alt. damit sie nicht weiter die vergleiche mit einer quietschenden türangel dulden muß, gebe ich derzeit mehrmals täglich gurgelkonzerte – noch nicht und hoffentlich nie vor publikum.

sprachlawinengefahr

ob man hier wohl die lawinengefahr aus der position des unbeteiligten betrachters von lachsalve ableitet? allemal katastrophal. den strick hat sich das schild auch schon genommen. glücklicherweise naht der lenz und damit die schere. fürwahr flutschen wir derweil vorsichtig vorbei, wo weißes vorher war. am orthographischen schlamassel und über untergründigen schlamm. nun will ich mal diesen hausmeisterservice nicht weiter auf die schippe nehmen, schließlich war der gehweg auch noch schön vereist. so viele schattenseiten kann ein winter hervorbringen.