Archiv der Kategorie: Literatur

blätterball

für frau h.

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stefan george

sprich nicht immer
von dem laub
windes raub
vom zerschellen
reifer quitten
von den tritten
der vernichter
spät im jahr.
von dem zittern
der libellen
in gewittern
und der lichter
deren flimmer
wandelbar.

(1898)

update: inzwischen hat die liebe chinomso auch noch etwas lyrisches ausgeheckt.

bewährtes

die meisten menschen brauchen rituale. ich bevorzuge morgens kaffee und kippchen. und im verlauf des tages oder abends ein bißchen bloggen. und zwischendrin noch viel mehr. manchmal hat es seinen reiz, aus den ritualen des alltags für eine weile auszubrechen. und dann liebt man den trott manchmal aus der ferne, so lange er den menschen nicht zum trottel seiner selbst macht. manchmal sind rituale halteseile, netze für artisten der normalität. manchmal sind rituale aber auch ketten. ach könnte ich doch die kette der sklaverei einfach sprengen. aber sie bindet mich an die arbeit, nicht an das, was mir so lieb und teuer ist. zeit, warum rennst du so?

buchschätze

endlich wieder leseherbst mit ungemütlichem sturm und regen, langen abenden! die nachbarn stören hinter geschlossenen fenstern auch gleich viel weniger. und ohne die obligatorischen sommergrillrauchschwaden atmet es sich viel befreiter. so kurz vor beginn der frankfurter buchmesse (14.-18. oktober) sollte mal wieder gelegenheit für ein paar buchtips sein. ich hatte ja bereits im juni auf den buchkunstcoup des verlegers joachim unseld und des  leipziger malers neo rauch hingewiesen. seit september sollten die sechs von rauch gestalteten titel auch in jeder gut sortierten buchhandlung (womit nicht die buchhandelsketten gemeint sind) zu haben sein. nach wie vor bin ich als haptischer mensch bei büchern und anderen leicht zu transportierenden waren kein freund von internetbestellungen.

mit freundlicher genehmigung der frankfurter verlagsanstalt kann ich nun endlich auch die cover von drei büchern nachreichen. und ich hoffe, nach der buchmesse endlich genügend zeit für ein paar leseeindrücke zu finden. der 1977 geborene schriftsteller thomas von steinaecker veröffentlicht mit schutzgebiet bereits seinen dritten roman, der im jahr 1913 handelt und kulturell-technische grabenkämpfe, das trauma der moderne thematisiert (eine videolesung des autors findet sich hier). ernst-wihlhem händlers roman welt aus glas wurde für die longlist des deutschen buchpreises 2009 nominiert, landete aber leider nicht auf der shortlist (zur leseprobe). und wer etwas für prägnante, abseitige kurzgeschichten übrig hat, der wird vielleicht die kurzgeschichten tausend trottel des katalanen quim monzó mögen (leseprobe).

und wenn ich glück habe, d.h. mich bei der buchauswahl bescheide, kann ich meinen koffer sogar ohne fremde hilfe aus frankfurt zurücktransportieren…

und noch eine ergänzung für die zahlungsschwächeren kunstliebhaber mit kleinen mietwohnungen, die sich keinen neo rauch an die wand hängen können: vom 18. april bis zum 15. august 2010 ist die ausstellung neo rauch. begleiter im museum der bildenden künste leipzig zu sehen.

imagination – gerüche in der literatur

genuß und leidenschaft bilden den ausgangspunkt zahlreicher literarischer auseinandersetzungen über den geruch, so zum beispiel marcel prousts roman auf der suche nach der verlorenen zeit oder die gedichte des synästhetikers charles baudelaire in dem sammelband die blumen des bösen.[1] baudelaires gedicht das haar schildert die macht der gerüche über leidenschaftliche erinnerungen und läßt sie in der gegenwart wiederauferstehen:

lang – immer! – wird die hand in deiner locken masche
die perle säen, den rubin und den saphir,
damit du nicht entflöhst, wenn dich mein dehnen hasche!
bist du nicht die oase, wo ich träume, und die flasche
aus der erinnerns wein ich schlürfe heißer gier? (baudelaire 41f.)

in diesen versen zeigen sich duftende erinnerungen als persönliche, obsessive bildmaschine im gedächtnis und bieten ein schauspiel der leibbiographie, verloren geglaubter momente. sie kennen keine chronologische ordnung, verfliegen ebenso schnell, wie sie in die nase aufstiegen. gerüche sind demnach andauernd und dauerhaft, gleichsam vergänglich und leiten gelegentlich in ein erinnerungslabyrinth. sie changieren in ihren nuancen, sie sind bald hier, bald da: es ist etwas überraschendes am geruch, was eine empfindung für zwischenräume ermöglicht, wie ein horizont, eine linie, wo geruch und phantasie auf der entferntesten grenze des duftes aufeinander treffen. gerüche vermitteln behaglichkeit, geborgenheit, verlust, begehren, schmerz und erinnern an die vergänglichkeit menschlichen lebens. diese ambivalenz der olfaktorischen wahrnehmung wird in patrick süskinds roman das parfüm geprägt. zu einem wohlgeruch gesellen sich im selben atemzug immer gestank und widerwillen.

für einen moment war er so verwirrt, daß er tatsächlich dachte, er habe noch nie etwas so schönes gesehen wie dieses mädchen. dabei sah er nur ihre silhouette von hinten gegen die kerze. er meinte natürlich, er habe noch nie etwas so schönes gerochen… üblicherweise rochen menschen nichtssagend oder mirserabel. kinder rochen fad, männer urinös, nach scharfem schweiß und käse, frauen nach ranzigem fett und verderbendem fisch. durchaus uninteressant, abstoßend rochen die menschen. und so geschah es, daß grenouille zum ersten mal in seinem leben seiner nase nicht traute und die augen zuhilfe nehmen mußte, um zu glauben, was er roch. (süskind 26)

offensichtlich scheint der geruchssinn in der medialen vermittlung unabänderlich mit dem mangel an anderen sinnen verbunden zu sein: grenouille selbst ist bar jeder körperlichen ausdünstung, verfügt dennoch über einen außerordentlich geschärften und analytischen geruchssinn und scheint nur deshalb auf die komposition eines eigenen körpergeruches fixiert. er vertraut seinem geruchssinn mehr als dem gesehenen. nur selten benutzt er seine augen, um sich seiner umwelt zu vergewissern. als er schließlich den perfekten eigengeruch kreiert hatte, um seine mitmenschen in unterwürfige, anhimmelnde, willenlose kreaturen zu verwandeln, wurde er von der selbst ausgelösten wirkung der hemmungslosigkeit und des begehrens überwältigt. er erschien als duftender engel, als lichtgestalt, der die tobende masse nur durch seine leibzerstückelung teilhaftig zu werden glaubte und durchlebte seine leibbiographie als entwicklung vom liebesboten zum todesengel.

süskinds roman kann als auseinandersetzung mit den wahrnehmungsmöglichkeiten der gesellschaft gelesen werden. es wird klar, daß der duftverliebte grenouille im gegensatz zur visuell geprägten mehrheit eine außenseiterrolle einnimmt. süskind versuchte, dem geruchssinn einen höheren stellenwert innerhalb der sinneshierarchie einzuräumen, ohne die gefahren einer hypersensibilisierung außer betracht zu lassen. allerdings spielte der geruchssinn bei süskind nur eine sexuelle, ekstatische sowie räumlich-orientierende rolle und ist ein sonst anästhetischer nahsinn. im vergleich zu allen anderen sinnen scheint der geruchssinn in westlichen kulturen nach wie vor unterbewertet. für diese sinne existieren schon lange kulturelle einrichtungen wie galerien, museen, theater, konzertsäle, restaurants oder auch massagestudios und fitnesscenter. erst im jahr 1998 wurde in berlin-weißensee wieder ein duft- und tastgarten eröffnet, der explizit für blinde konzipiert war. klaus barth dagegen betont die bedeutung von synästhesie. er richtete 1994 in der bonner kunst- und ausstellungshalle den ersten duftgarten für die ‚geruchsblinde’ bevölkerung ein. der bewusste gebrauch des geruchssinnes am gesamten, synästhetischen wahrnehmungsprozess kann als bereicherung aufgefasst werden (barth 137).

mit seinem vermeintlichen plattitüden in dem theaterroman eindrücke aus afrika (impressions d’afrique) schockierte raymond roussel 1910 französische leser, und in den folgenden zwei jahren löste seine bühnenfassung beim pariser publikum befremden aus. er zog die konstruktion von wirklichkeit der realität vor und verließ während seiner reisen nur selten sein neun meter langes rollendes haus, sondern begnügte sich mit den ausgeburten seiner phantasie. die feierlichkeiten zur krönung des königs sollen mit einem theaterfest auf dem platz der trophäen begangen werden. in einem flüchtigen zwischenakt mit dem titel das echo des arghyros-waldes sendet constantin canaris den duft der beschworenen blumen hinterließ roussel das publikum in der berauschenden wirkung verschiedener blumen- und kräutergerüche (roussel 70). er experimentierte folglich mit den differenzierten kommunikationsebenen von sprache und gerüchen. erst beim echo des wortes rose drang der duft in die nasen. zuerst wartete er also die assoziationen des lauschenden publikums ab, um dann dem geruchssinn eine erneute bedeutungszuweisung zu ermöglichen. vermutlich wollte roussel hiermit den verstörenden einfluß von sprache auf empfindungen darstellen, ein interaktionsfeld, das ziemlich viele bedeutungsebenen gestattet und der phantasie keine schranken vorgibt.

was aldous huxley 1932 in seinem roman schöne neue welt als utopie beschrieb, wurde kurz darauf von der illusionsmaschine kino aufgegriffen: die protagonisten lenina und henry besuchen berlins größte duft- und farbenorgel. allerneueste synthetische kondensmusik unter den linden (huxley 77).  signifikant wirkt selbst in diesem buch die verbindung von gerüchen und glücksgefühlen. während sex zum zweck der fortpflanzung nur noch als eine primitive randerscheinung zwischen wilden praktiziert wird, versucht ein totalitäres regime den rest der kultivierten bevölkerung durch tabletten für euphorie und verhütungsschutz, dauerberrieselung (schlafschulunterricht) und beduftung in einem zustand der hörigkeit verharren zu lassen. es gibt lustvolle melodien, untermalt von sexofonen, farborgeln projizieren sonnenuntergänge an die domkuppel. lenina und henry waren in eine andere welt entrückt, in die durchglühte, farbenfrohe, unendlich freundlichere welt des somarausches. wie nett, wie schön und hinreißend unterhaltsam alle menschen zu sein schienen. (huxley 78).

dieses ganzkörperkino oder fühlkino verschafft ein erleben des films mit allen sinnen. der duft übernimmt eine exponierte stellung im kinoerlebnis: in der filmankündigung wird er als das originelle akzentuiert. neben der kinoorgel, die zahlreiche orchesterinstrumente und geräusche imitieren konnte, ermöglichte die duftorgel eine olfaktorische echtzeiterfahrung. luftgefüllte sessel paßten sich den körpern der kinobesucher an, die mit augen, ohren und ihrer nase an einer vollständig simulierten sinnenwelt teilhaben konnten. huxley selbst akzentuierte im vorwort, daß es ihm nicht um die darstellung eines totalitären regimes ging, das seine herrschaft mittels knüppel und exekutionskommandos, mittels künstlicher hungersnöte, massenverhaftungen und massendeportationen durchsetzt, sondern um sanfte kontrolle der sklaven ohne zwangscharakter durch methoden der suggestion (huxley 15). dazu eignen sich gerüche offenbar besonders gut. die normierung von menschen, wie sie sich im roman entblättert, zeigt sich nicht nur als technische, sondern als biotechnologische revolution. vielmehr macht sie nicht halt vor gefühlen und körpern der menschen, deren selbstbestimmungsrecht alleine darin liegt, glücklich zu sein. eine wahlmöglichkeit besteht nur zwischen technikwahn und bewußter wahrnehmung, die an vernunftgründe gekoppelt ist.

mit jedem atemzug projiziert der mensch ein abbild der umwelt in sein gehirn, ohne es zu ahnen. der geruch ist die einzige vitale wahrnehmung, der sich ein subjekt nicht verschließen kann, ohne zu ersticken. anders beim sehen und hören: augen können geschlossen, ohren zugehalten werden, um widerwärtigen bildern und geräuschen zu entfliehen. vielleicht besteht gerade darin die überlegenheit der geruchsempfindungen, daß sie vor einer analytischen zergliederung relativ geschützt sind. deswegen wirken sie als zeichen, die ganz für das individuum bestimmt sind. das fehlen der gerüche im semantischen feld und ihre besonderen relationen zum gedächtnis sind aber gründe jener kraft, die sie zu symbolen schlechthin macht. evokatorische und suggestive eigenschaften müssen überdies zu den sofortigen und extremen reaktionen auf gerüche in bezug gesetzt werden.

in vielen romanen nehmen geruchsschilderungen im gegensatz zu den anderen kunstbereichen einen ausnahmsweise breiten raum ein, was schlicht und ergreifend auch an ihren metaphorischen möglichkeiten liegt. wenn sich aber – wie beispielsweise im falle duchamps – der künstler als ein medium versteht, mag darin dessen subtile wahrnehmungsweise münden. imagination und intuition, zufall und traum, realität und künstlerische wirklichkeit sind die stoffe, die ein künstler inhaliert wie gerüche, die eng an phantasie und kreativität gebunden scheinen.

in welchem olfaktorischen rahmen vollzieht sich nun aber das lesen? klassische orte des lesens sind für alle wissenschaftlich arbeitenden bibliothek oder wohnung. die eigene wohnung ist der sicherste raum in bezug auf den ausschluß ungewollter gerüche. das heißt zugleich, die wohnung ist geruchlich relativ eintönig und ihr bewohner an ihre gerüche habitualisiert. er nimmt sie unbewußt  wahr oder ignoriert sie gar. verändert wird der geruch etwa durch eine tasse kaffee, die auf dem arbeitstisch platziert mit ihrem anregenden aroma kurzzeitig für angenehme konzentrationsschwäche sorgt. der effekt hält nur etwa zwei minuten an, danach setzt adaption ein. in einer bibliothek sind die olfaktorischen reize bereits wesentlich zahlreicher. an die des tischnachbarn und des geöffneten buches gewöhnt sich der leser rasch, die der vorbeihuschenden menschen bieten dagegen manchmal ablenkung. zwar ist die nase auf das buch gerichtet, orientiert sich aber weiterhin im raum. hat der vorbeieilende einen angenehmen geruch, folgt eventuell eine prüfung mit den augen und der text rückt in die ferne. war der geruch unangenehm, fällt die konzentration ebenso schwer, die atmung wird flacher, um sich das schlechte vom leib zu halten. manche verlassen vielleicht sogar angewidert den lesesaal. im leipziger park wird der lesende von mai bis ende juni von einem penetranten bärlauchgeruch umweht. danach folgen gleich die lindenblütendüfte. der geruch ist durch die windbewegung wesentlich länger präsent bzw. wird immer wieder neu an die riechzellen herangetragen, kann also das denken und die gefühle erheblich wirkungsvoller beschäftigen. demzufolge beeinflussen vor allem  neue und fremde gerüche das denken, indem sie es unterbrechen, in andere bahnen lenken, es eventuell sogar still stellen. riechen wird im außenkontakt zur zwangswahrnehmung, in der einsamkeit zu einer frage von gewöhnung oder lustvoller olfaktorischer selbst- und rauminszenierung.


[1] sehr ausführlich behandeln die literaturgeschichte des riechens hans j. rindisbacher the smell of books: a cultural-historical study of olfactory perception in literature (michigan 1992) und winfried menninghaus’ ekel in den kapiteln über franz kafka und jean-paul sartre den zusammenhang von ekel und geruch.

*** dieser text ist ein auszug aus meiner magisterarbeit a rose is a rose is a rose (gertrude stein) – geruchskostüme in der kunst.

buchkunst von neo rauch

noch zwei monate dauert es, bis die neuen titel der frankfurter verlagsanstalt (fva) im herbstprogramm ab september in den buchhandel gelangen. selten haben mich bucherscheinungstermine so hibbelig gemacht. grund: maler und hgb-professor neo rauch gestaltete die schutzumschläge für sechs titel, wovon ich drei schon sehen durfte, aber natürlich aufgrund von sperrfristen nix abbilden darfwill. ich kann nur auf die internetseite der fva verweisen, wo man die buchcover als nicht vergrößerbare miniaturbilder sehen kann bzw. das wesentlich augenschmeichlerische download der verlagsvorschau. nun vermischen sich hier auf grandiose weise zwei meiner lieblingsbeschäftigungen – das lesen und das betrachten von kunst. die fva pflegt diese künstlerische tradition des buches als ein gesamtkunstwerk seit 2006, wie einst der bedeutende kafka-verleger kurt wolff.

und wie so häufig ist diese liaison zwischen buch und kunst auf einer vernissage bei geistreichen getränken eingegangen worden (siehe interview im börsenblatt). nüchtern betrachtet, hat neo rauch den lektürevorteil, zwar nach dem lektor, aber doch vor einer hoffentlichen vielzahl von lesern. in joachim unselds unabhängigem verlag erscheinen: thomas von steinaecker: ’schutzgebiet‘, ernst-wilhelm händler: ‚welt aus glas‘, quim monzó: tausend trottel, claire beyer: ‚rohlinge‘, hans christoph buch: ‚reise um die welt in acht nächten‘, günter hack: ‚zrh‘.

und wenn ich jetzt noch die stadt leipzig dazu überreden könnte, eine neo-rauch-werkschau zu fördern, wäre ich für einen moment glücklich (bitte sagen sie mir, daß dies längst in planung ist!). warum  mußte die retrospektive ausgerechnet in wolfsburg sein? wenn die niedersachsen das können, dann die kaffeesachsen auch!

enden möchte ich heute mit einem zitat von franz kafka: ‚ein buch muß die axt sein für das gefrorene meer in uns.‘

hören sie das eis brechen?

leipzigs ver:blühende verlagslandschaft

… oder was davon übrig bleibt, wenn viele dem hauptstadtruf folgen. suhrkamp zieht sich ebenfalls aus der buchmessestadt frankfurt zurück.: in leipzig verharren ein paar renitente/utopisten. unter anderem die edition wörtersee der connewitzer verlagsbuchhandlung mit ihren büchern für bibliophile und regionales sowie der erata literaturverlag, dem die ost-west-verbindung im programm gelingt. beide verlage führen überdies nahezu altruistisch ihre buchhandlungen, kommen ohne ramschtische und stapelware daher. was bedeutet schon ein click auf der homepage bei amazon, libri & co, wenn der geschätzte leser über knarzende dielen zu den alten und neuen schätzen der weltliteratur schreiten kann. blättern, stöbern, fragen, kompetente antworten eines menschen. wenn ich gerade wieder ratlos vor den zahllosen büchern zu hause stehe und mich von keinem trennen kann, finde ich dort mit sicherheit noch eins, das ich unbedingt mitnehmen muß. heidewitzka!

insel geht, plöttner und poetenladen kamen jüngst hinzu. auf der leipziger buchmesse bemerkte man vom verschwinden (brockhaus und reclam) nur wenig. die garderoben mußten zeitweilig wegen überfüllung schließen, warteschlangen überall auf dem messegelände. und doch sind die nachfolgenden fotos zeugnisse der verödung.

bluehende_ruine_salomonstrasse

und den druckereien und verlagsauslieferungen erging es ebenfalls nich besser. die verlagskonzentration in berlin verschärft die konkurrenz und könnte genau so gut mit einem einzigen streich vom schauplatz verschwinden.

druckereitod

und die ehemaligen studenten des literaturinstituts ziehen entweder das pralle leben oder die ländliche ruhe vor.  hip oder muh?

steinzeitleser mit eselsohren vs. ebook-user

das ieeehhhbuch oder besser ebook bietet so viel lesekomfort. dank libri-werbung kenne ich nun die technischen details, maße & masse. ich könnte in 260 gramm leichter hightech knister- und knitterfrei in zwei vorinstallierten romanen und unzähligen romanauszügen blättern. u-bahn-gerechte häppchen-literatur. ende unbekannt, gerade wenn es spannend wird. das ebook-gesetz der fernsehserie. entweder du zahlst nun, oder du wirst den faden selbst zu ende spinnen müssen.

man könnte sich ein hobby daraus machen, ebook-appetizer als fortsetzungsromane zu verfassen und würde sich in bisher ungeklärte verhandlungen über das urheberrecht begeben.

bloß, warum sollte ich mir noch so eine empfindliche elektronikkiste anschaffen? ich kann auch heute schon per iphone oder ipod touch bücher lesen (vgl. textunes). und ein handy habe ich eher mal dabei. dann paßt auch noch ein buch in die tasche, das hinterher eselsohren auf den seiten hat und kaffeeränder auf dem buchumschlag.

gründe, die gegen das lesen von büchern auf displays sprechen: bildschirmarbeit ermüdet die augen mehr als zeilenweises lesen, zumal wenn dann auch noch werbebanner in grellen farben vom lesen auf dem computermonitor ablenken. augenflimmern, -ringe und nervöses zucken können mit künstlichen tränen jedoch auch nur geringfügig minimiert werden.

außerdem mag ich den geruch von plastik weniger als druckerschwärze. frische kunstbildbände riechen besonders gut! bilder im original können in der galerie schon noch ein paar wochen nach acryl oder ölfarbe vor sich hin muffeln. ich blättere gerne zurück, streiche mir interessante textstellen in meinen büchern an, ja – ich bin mein eigener buchbeschmutzer! welcher experte föhnt mein ebook, wenn es beim tretbootausflug ins wasser gefallen ist, hm? und was stelle ich dann repräsentativ und bildungsprotzig in mein bücherregal? chinesisches porzellan – hübsch zerbrechlich und staubanhänglich? och nö, dann bleibe ich lieber steinzeitleser.