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morgendliche schocktherapie

oooh mann! schreck laß nach! ich bin gute 21 jahre lang nicht mehr gelaufen, also nicht freiwillig, ab und zu bis zu einer bahn gerannt – das zählt ja wohl nicht. das waren eher sprints als langstrecken. und dabei mochte ich das laufen im schulsport ganz gerne. es war die einzige disziplin, in der ich die erste war, einfach weil ich das gejapse der anderen nicht im ohr hören wollte, setzte ich mich schnurstracks an die spitze und baute den vorsprung runde um runde aus und überholte auch ganz gern mal die schlußlichter. und jetzt? einfach nur jämmerlich!!! schon beim kaufen der warmen tights für die herbst/wintersaison ging der schreck los. ich war immer dünn, aber so dürr wie jetzt seit der erkrankung schon lange nicht mehr.  ich blickte im spiegel der umkleidekabine im laufladen an mir herunter und sah…  uuups, zwei storchenbeine. das tiergebein in form von endlos langen staketen, die abzubrechen drohen. zwar in schwarz mit roten streifen, aber dennoch unübersehbar lange, staksige storchenbeine. ich hatte eine 36 verlangt. das war ja wohl nix. um mich herum am becken schlug das ding falten. ähm, ich probier‘ dann doch mal die xs. (*rot anlauf*).

und beim kauf der laufschuhe schlackerten mir nur so die ohren. das war eine performance vom allerfeinsten, wenn man untrainiert vor dem auge einer erfahrenen läuferin runden drehen muß, damit sie den „laufstil“ erkennt und das dazu passende paar schuhe nach vermessung beider füße aus dem regal fischt. testrunde um testrunde wurde gedreht, bis ich mich für eine sorte entschied, in der ich nicht das gefühl hatte, mit meinen schmalen füßen darin rumzurutschen.

an den schuhen lags jedenfalls nicht, daß ich heute nach 100 metern schon dachte: OHA! gummiadler. die beine fingen an zu kribbeln und sich innerhalb von sekunden in eine art pudding zu verwandeln. die lungenflügel klapperten zutiefst nikotingetränkt und irgendwie gekränkt vor sich hin. also bis zur pferderennbahn schaffst du es, wimmerte meine innere stimme gegen die beiden schlaffis an. dort angekommen walkte ich so halbgewalkt vor mich hin, bis ich wieder besser luft bekam. der kehlkopf drückte auf die luftröhre. die luft hatte nach herbst gerochen, als ich die haustür zuschlug, jetzt war mir der geruch schietegal. der puls wummerte auch ohne hightechmeßgerät hammerhart vor sich hin. ich japste nach luft, zählte im flottgehen leise bis 60 und lief wieder los.

als ich um die erste kurve trippelte, sah ich gleich mehrere schocker und hätte am liebsten die biege gemacht. wie jetzt? es ist doch nach alter zeit gerade mal 6.10 uhr!!! was wollt ihr alle hier sooo früh  schon auf den beinen?! ich kann euch jetzt gar nicht hier gebrauchen! könnt ihr nicht auf der gegenüberliegenden seite des kanals joggen, damit ihr mich nicht so atemlos nach luft schnappen hört, wenn ihr mich auch noch überholt?! ich will hier weg! schon wieder mußte ich konditionell geschwächt in den walkermodus fallen. all diese gedanken trugen nicht gerade dazu bei, meine atemtechnik zu kontrollieren. fieses seitenstechen zwickte rechts. erst wenn du den nächsten jogger im rücken hast, darfst du dich kurz krümmen und wieder laufen, laufen, la…AU…fen. herrje, nimmt denn diese rennbahnumrundung nie ein ende? das rechte knie begann zu streiken, auch hier stechender schmerz. auf der stirn und zwischen den brüsten perlten schweißbäche herab. in meinem kopf brummte  etwas, weil der kreislauf plötzlich in schwung kam. gutes ist der ja GAR nicht gewöhnt. der will ja immer im keller rumhängen. lalala…laufen. als ich die letzte strecke bis zur wohnungstür schniefend und keuchend zurücklegte, kam ich an einem bewohner des altersheims vorbei, der im rollstuhl an der straße saß und den regen schockerstrom in richtung park beobachtete. ich war plötzlich so erleichtert, laufen zu können, rennen zu können, flitzen zu können – alles auf zwei zwar wackligen stelzen, aber immerhin! möglicherweise werden sie mit der zeit stabiler, der gang fester, die muskeln wollen aufgebaut und trainiert werden. und tja, das war ja nur ein anfang. meistens scheiterte ich ja am inneren schweinehund oder an „zeitmangel“. zeit, die ich mir nicht nehme, weil immer was anderes „VIEL WICHTIGER“ erscheint als der eigene körper und seine gesundheit. jetzt möchte ich nur noch wissen, wie ich laufen muß, um nicht bei jedem mal die 2,5 gramm abzunehmen, die ich mir gerade wieder über wochen hinweg angefuttert habe? und ich möchte lieber nicht wissen, wie sich die muskelmieze morgen anfühlt *jaul*.

wurst – mal solche, mal solche

seit rund zwei wochen steht jetzt statt wc an diesem häuschen „burgermeister – der grill“. es ist immer voll, wenn ich vorbeikomme. denn man verkauft die ach so einzigartige, berliner importware aus dem szenegrill „curry36“. und ich hab die nase schon gestrichen voll, wenn ich mich diesem imbiß nur nähere. irgendwie brennt da bei mir eine sicherung durch, die ekelsignale sendet. klar, der laden wurde entkernt, hab ich  mit den eigenen glubschern gesehen, aber im oberstübchen fabriziere ich immer wieder diese wild galoppierenden hygie:nie:vorstellungen. wer die öffentliche toilette am südplatz und ihre gerüche von früher kennt, dem wird es vielleicht ähnlich ergehen. würde ich zu herpes neigen, hätte ich bestimmt schon einen mund voller ekelgriefen *schüttel*. jetzt soll ich einfach umdenken: statt wurst aus dem darm, gibt es sie jetzt im, nur um dann andernorts doch wieder rauszukommen. die wurst hat eben zwei tode, zwei enden und für mich noch einen ganzen rattenschwanz dazu. herr freud, übernehmen sie! und allen anderen: guten appetit!

böse sprachfallen

eigenwillige rechtschreibreform der streetartkünstler, aufgenommen im dösner weg in leipzig. da geht doch noch was (besser).

für meinen geschmack ein bißchen zu viel ringel-s. da war wohl jemand ganz scharf… immerhin schreibt er/sie das pseudonym richtig und nicht denndahgel.

mehr sprachkolumnen von mir findet man z.b. hier und dort oder mit dem schlagwort „sprache“ in der sidebar. im forum von korrekturen.de bekommt der reformiert sprachverwirrte hilfe. sehr nützlich ist auch die seite mit den beliebtesten bzw. häufigsten rechtschreibfehlern. und immer wieder unterhaltsam und lehrreich der zwiebelfisch von bastian sick.

un/vergessen

als ich mit hackenporsche auf dem bahnsteig in stralsund ankomme, bleiben fast zwei stunden bis zur fährüberfahrt. zu wenig zeit, um das ozeanum zu besichtigen, zu viel zeit, um die ganze zeit am hafen rumzugammeln. das wetter war gut, also navigierte ich mich mit hilfe von guhgel-mäps auf meinem  fernmündlichen winzcomputer in richtung fährhafen. recht schnell entschied ich mich gegen die strecke auf der magistrale, dafür durch das zentrum entlang der tw. sensationell sanierten alten häuser. so ein rollkoffer kann ja auf kopfsteinpflaster  fast die phonstärke eines hubschraubers im landeanflug erreichen. die touristen in den straßencafés, an denen ich wohl oder übel vorbei mußte, wenn ich den zahlreichen baustellen auf den bürgersteigen ausweichen wollte, musterten mich dementsprechend mit mehr oder weniger schlecht getarnter, lärmgenervter empörung. ich fragte mich eine millisekunde lang, wie sie sich an meiner stelle verhalten würden. da der koffer vom kraftaufwand her fast mein fliegengewicht aufwog, sah ich keinen grund ihn leise, dafür ächzend zu schleppen. im koffer befand sich auch die kamera samt fototasche, da ich keinerlei lust auf rumgebammel von taschen an meinem körper hatte. ich bereute das erstmals als ich an der historischen stadtmauer mit den eingelassenen schaukästen des ozeanums vorbeilief. unterwegs boten sich hofeinfahrten mit schiffsrümpfen als fotomotiv an. aber ich blieb einfach stur. die beschädigte can.not hätte so gut in meiner hosentasche platz gefunden. HÄTTE!!! hat sie aber nicht. nun schlummerte sie den schlaf der ungerechten in der fototasche im heimischen schrank.

 

von birgit brenner (pappe, papier, acryl, klebeband), aufgenommen in der galerie eigen+art beim frühjahrsrundgang in der baumwollspinnerei 2010

 

den fährhafen wiederum fand ich ziemlich unspektakulär. ich ließ mich auf einer mauer nieder, rauchte, beobachtete möwen und touristen, entdeckte auf die fähre wartend einen ehemaligen kollegen aus leipzig, tat so, als sähe ich nix  und niemanden und verfolgte mäßig gespannt den steten zufluß an fährpassagieren. am ufer lag genügsam die gangway, auf der schon so viele herumgetrampelt hatten, während sich die reisewütigen in einem nervösen pulk darum versammelten. erste fotos wurden geschossen, der hafen auf und ab, hoch und runter gefilmt. kaum legte das fährschiff an, ergoß sich ein strom von erholten aus dem boot. würde ich in sechs tagen auch so verklärte blicke senden? am ufer begannen die wartenden wie ein bienenschwarm vor dem landgang zu surren, die stimmen erhoben sich und die lautstärke schwoll an und ab. ich sah zu, wartete bis sich der pulk lichtete, der sich, fuß vor fuß setzend und im geishagang tippelnd, an bord schob. als eine der letzten bestieg ich das schiff und fand einen sitzplatz auf dem sonnigen oberdeck. direkt hinter dem exkollegen. toll. über arbeit reden. das gespräch hielt nur kurz an, bald schwieg ich beharrlich, lauschte dem wellenschlag und beobachtete meine umgebung. mehrere passagiere würden mir auf der insel wiederbegegnen. denn bei 19 km² gibt es zwar ausweichmöglichkeiten, dennoch trifft das gesetz der wahrscheinlichkeit gleichermaßen zu. rechts hinter mir saß ein pärchen, das die gesamte überfahrt mit einer videokamera filmte, vom ablegen des fährschiffes, über das oberdeck schwenkend, panoramablick auf das meer in diese und jene richtung, vorbeifahrende schiffe, möwen, sie filmt einen lächelnden ihn, er eine lächelnde sie. huuuuuaaaaaah, *hand vor den mund leg*, es wurde mir schon vom zuschauen langweilig. wie öde das erst im heimkino wirken würde, vor allem für den gähnen-unterdrückenden, an der reise gänzlich unbeteiligten zuschauer? ich würde diese einladung nicht annehmen. nein! daß dieses pärchen so ziemlich jeden moment seines inselaufenthalts gefilmt und sich unermüdlich an durchlinsten erinnerungen festhaltend abarbeitete, fiel mir dann zwei tage später auf. ich hatte auf dem rückweg vom leuchtturm nach kloster den steiluferweg gewählt, da ich unbedingt noch eine zwischenstop an der lietzenburg (einer ehem. künstlervilla) einlegen wollte. am steinstrand hatte ich auf dem hinweg hühnergötter und donnerkeile gefunden. ich war vom vielen laufen und suchen und bücken erschöpft, aber zufrieden und legte eine kurze rast auf einer bank am steilufer ein. da schob sich dieses seltsame, alles festhalten-wollende pärchen von links in mein blickfeld. man grüßt auf der insel für gewöhnlich jeden, nur die dorfbewohner weichen allen höflichkeiten meistens aus. also murmelte ich ein „hallo“ und dachte, sie schieben sich schnell wieder nach rechts aus meinem bild. aber neeeiiiiiiiiin! wohin denn?! sie blieben direkt vor mir stehen, er filmte eine lächelnde sie an der holzbrüstung vor dem steilufer mit panoramaschwenk. dann stellte sie sich noch zwei meter weiter nach rechts an das andere ende der brüstung, das prozedere wurde wiederholt. in manchen momenten wünscht man sich ja, daß eine holzbrüstung nachgibt, zumal dann, wenn überdurchschnittlich viel holz vor der hütte auf so einen schmalen balken trifft, der ja nicht ausweichen kann. ich verfolgte das medienspektakel als unfreiwillige schaulustige und zog meine mundwinkel unter anwendung äußerster mimikbeherrschung und lachanfallunterdrückung nach unten.

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und immer wieder, wenn ich über die insel ging, mußte ich daran denken, wer die inselidylle schon alles gemalt, fotografiert, gefilmt und beschrieben hat. aber das ist eine andere geschichte und sie wird ein anderes mal aufgeschrieben. dementsprechend sank meine motivation, selbst zu fotografieren auf ein absolutes minimum. einerseits bewahrte mich die kleine speicherkarte in der leihkamera vor wilden fotoschießübungen, andererseits auch mein wunsch, alles mit den augen zu erfassen, die umgebung ohne einen  kleinen, viereckigen bilderrahmen zu sehen. meine blicke ruhten lange auf einzelnen punkten oder schweiften über die unendlichkeit des meeres. nur selten entschloß ich mich, die kamera einzusetzen, eher aus gewohnheit, denn aus überzeugung. so viele wunderschöne bilder liegen nun in meinem herzen.

zerzauste haare

ja, auch auf der insel hiddensee werden die haare geschnitten, gelegt, gerollt, geglättet, gestriegelt und nein, doch nicht gebügelt. das bleibt den im koffer zerknautschten kleidungsstücken dann auch aus platzgründen erspart.  bügeleisen sind ja nur ballast. föhne gehören zu der gleichen kategorie überflüssiger lasten. leider war der haarkranzträger, dessen platte kurz vorher noch im fenster zu sehen war, bereits zum friseurstuhl gewandelt. so vieles auf hiddensee hat sich verändert. manche schilder sehen zwar in der farbgebung noch aus wie zu ddr-zeiten (wie dieses hier in vitte), aber dann klebt darunter ein schild des hairstylisten und haarpflegemittelherstellers paul mit.chell, auf dessen produkte ich im übrigen schwöre. zum einen, weil keine labortiere darunter leiden müssen, wenn mensch sich die speckhaare entkeimt, zum anderen weil sie viele kräuteressenzen enthalten, die einen außergewöhnlichen duft verströmen, der mindestens einen tag lang anhält und in so manch einer olfaktorischen krise vor ekelausrufen rettet, weil man sich dann schnuppernd in das angenehme odeur der eigenen haare flüchten kann.

auf hiddensee sieht man ungewöhnlich viele menschen mit praktischer kleidung, also diese typischen outdoorklamotten, die vor regen und wind schützen sollen, aber in häßlichster form die körper umwabern. dazu dann noch diese praktischen hosen mit reißverschluß am bein, damit man flott von lang auf kurz und wieder andersrum wechseln kann. zahlreich verirren sich tagestouristen in völlig unpassenden, chicen kostümchen mit den fähren hierher, nur um ihre eleganz dann bitterlich zu bereuen. denn die naturschönheit kann man nur dann voll und ganz genießen, wenn man sich vom modediktat für ein paar stunden, tage, wochen löst. es stöckelt sich so schlecht über den steinstrand. und auch auf dem sandstrand sieht das merkwürdig staksig aus, wenn der schmale absatz sich tief in dem nachgebenden untergrund vergräbt und einzelne körner sich in den schuh zurückziehen, nur um dort reibung der masochistischen art zu verursachen.

ich selbst sah wohl aus wie eine esoteriktante, trug an manchen tagen  vor fröstelanfällen fast meinen gesamten kofferinhalt auf. windstärke 9 mag man auf dem inselinneren nicht so spüren, aber wenn man dann auf dem deich steht, sich gegen den wind stemmt, der wellenschlag in den ohren tost, der wind den zarten körper hin- und herweht, man sich gegen den wind lehnen kann und nicht umfällt, dann bedarf es schon einiger schützender schichten. man kämpft schließlich gegen die naturgewalt. die details der unterwäsche nehme ich großzügig aus meiner beschreibung aus. dicke strümpfe sind bei 14 grad durchaus angemessen, eine dunkle jeans aus festem, dicken stoff erweist sich als schmutzunauffällig, wanderschuhe an den füßen geben halt auf dem sehr wechselhaften boden, der vom waldweg über sandstrand bis hin zur aus granit aufgetürmten mole reicht, die vom salzwasser befeuchtet einen recht glitschigen untergrund gibt. rechts geht es zwei meter abwärts mit blick auf die heide, links schleudert das meer wellen in deine richtung. obenrum trug ich mehrere langärmlige pullover auf, darüber einen strickmantel, über dem strickmantel eine wasserdichte regenjacke, um den hals wickelte ich ein tuch, und mein haar war unter dem kopftuch völlig unsichtbar geworden. das hatte den vorteil, ausgesprochen freie sicht auf die umgebung zu haben. keine strähne, keine mähne, die mir durch die unberechenbare böen vor den augen herumflatterte. schön ist anders. aber darum ging es mir auf hiddensee keine sekunde. ich lieferte mich sofort nach dem frühstück im hotel vollkommen der natur aus. ich lief und lief und lief über die kleine insel, stundenlang am strand entlang, zum leuchtturm, in die galerien, zu den pferden, zu den häusern der künstler, die hier mal gelebt oder geurlaubt hatten. dazu dieser wind und der wellenklang, der mein sonst stetig tobenden denkfluß bereits auf der fähre besänftigte. die luft, die nach salz und brackwasser vom bodden riecht, die kreischenden möwen über meinem kopf. und überall dieses rauschen. ein beruhigendes geräusch.  und nach dem abendessen ging ich wieder große runden, auf der nun fast vollkommen menschenleeren insel. dann fiel ich ins bett und schlief umgehend ein, ohne gedankenkarussell, ohne zweifel, ohne bedauern, mit dem gefühl morgen wieder das meer zu sehen, diese unendlichkeit, die all meine probleme zur lächerlichkeit verkleinert, sie gar vollkommen ausblendet. und wenn du dann morgens um sieben mit deinem koffer zur fähre tippelst, traurig im abschied von der leisen erholung, dann weißt du, was du vermißt, dann weißt du, wo du unbedingt wieder sein willst, wo dein herz so leicht schlägt wie nirgends sonst, wo die schlichtheit des lebens dich umhüllt und sanft in den schlaf wiegt, wo die aufgehende sonne zum abschied ein spektakel am himmel malt, das kein fotoapparat der welt festhalten kann. dann gehst du, dankbar über jede sekunde, die dort warst. und wie deine haare jetzt liegen, das ist dir schlicht und ergreifend vollkommen wurscht. denn sie liegen nicht, sie werden vom sturm zerwühlt, der deine seele aufgewühlt hat.

unheimliche begegnung der dritten art (IV)

fbi-agentin wortfeile ist fast so blind wie ein maulwurf, nachdem sie vom grellen sonnenschein in die unbeleuchtete halle tritt. gar nicht gut für den fortgang der ermittlungen, muß sie sich doch nun mehr auf hörsinn, geruchssinn und tastsinn verlassen. als sich die pupillen an die dunkelheit angepaßt haben ist ihr erster eindruck: angst. durch die riesigen fenster von gegenüber wird sie erneut durch die sonne geblendet. von oben dringt ein  übernatürlich wirkender, gleißender, blauer lichtschein in die halle. jetzt bist du verloren. niemand sieht dich mehr. und die aliens können dich ungehindert entführen. es würde erst nach stunden auffallen. für eine rettung wesentlich zu spät. in dem leerstehenden gebäude mit dem schummrigen licht hallt jeder schritt nach. auf dem boden knirschen glassplitter. aus irgendeiner weit entfernten ecke prallt das hohle echo auf mich zurück. mein kopf und mein magen schlagen eine leerung vor.

an fast jeder wand haben sie botschaften für mich angemalt, die teilweise aus mir unverstädlichen symbolen und teilweise aus menschlichen schriftzeichen bestehen. hier steht als vorwarnung: each time i see your face i get a headache!! jaaa, mulmig ist mir jetzt auch zumute. in der magengrube breitet sich eine leichte übelkeit weiter aus, steigt durch die speiseröhre nach oben und hinterläßt auf der zunge einen trockenen belag, der einen scharfen nachgeschmack hat. die haben mich doch nicht schon ohne meine erlaubnis infiltriert? das herz klopft bis zum hals. die luft steht. in ihr schweben die miasmen von maschinenöl und altem rauch. im kopf setzt ein brummen ein.

auch ohne extra beleuchtetes verbot ist mir gerade nicht nach einer fluppe zumute. dafür ist die übelkeit zu übermächtig, der druck im kopf zu stark, obwohl ich in paniksituationen sonst gern mal eine zigarette zur vermeintlichen beruhigung der nerven rauche, zittern meine hände so sehr, daß ich die kippe wohl kaum anzünden könnte.

wahrscheinlich habe ich mir in teil II der geschichte völlig falsche vorstellungen vom aussehen der außerirdischen gemacht… wenn ich das hier so sehe, dann muß ich mir wohl unter dem geometrischen jungen anic eine verwinkelte 3-d-gestalt vorstellen, die aus rohren und pfeilen besteht. die lage sieht jetzt für mich mal gar nicht so rosig aus, wenn pazifistin und pfeilgespickter geometro aufeinander treffen sollten.

wer weiß, ob sich nicht gleich einer dieser müffelnden schutthaufen bewegt oder die zeichnungen auf der wand zum leben erwachen? angstverblendet bin ich auf alles  und in allem ziemlich schlecht vorbereitet. das einzige, was als nahkampfwaffe durchgehen könnte, ist mein feuerzeug. *klickklick*

an mehrern wänden finde ich zeichnungen der skyline von leipzig bei nacht. ist das jetzt so was wie eine alien-street-view? ist da etwa sogar meine wohnung mit abgebildet?! ich betrachte die zeichnungen nur flüchtig, weil ich abertausende augen auf mich gerichtet fühle, wenn auch kein leib dazu erscheint. vielleicht sind die aliens aber auch luftwesen, somit für mich unsichtbar, *schluck*…

als ich diese botschaft entschlüssele, will mein arsch in richtung grundeis rutschen. die können meine gedanken lesen! drohen mit tod durch ersticken. so will ich nicht sterben. ehrlich! könnt ihr euch nicht etwas anderes für mich ausdenken? wie? ich bin medial geschädigt? mag sein, aber man wird doch wohl noch wünsche äußern dürfen! nicht? *mwäääh, flenn*

na, nun braucht ihr mich auch nicht mehr vor einem tabubruch zu warnen! im angesicht des todes verliert fbi-agentin wortfeile die angst und durchschreitet das tor zur alienhölle.

ob ich vor schock graue haare bekomme, wenn ich da jetzt links dran vorbeigehe? muß ich noch versprechen abgeben, daß ich nie wieder crosse? aber ich hab doch noch nie eine wand besprüht, nur immer fleißig bei umzügen schönheitsreparaturen abgearbeitet. und jetzt das! wofür werde ich eigentlich bestraft? für meine neugier? toll!

im nächsten raum angekommen, blicke ich erneut in das gesicht eines außerirdischen. nun ja, wenn der skeptiker nicht davon zu überzeugen ist, daß es leben auf anderen planeten gibt, kann man sich hier sogar vom verschiedenen aussehen der jeweiligen spezies ein bild machen. es ist zum fürchten. dieser mund! wie die zacken einer schneidmaschine. also zerstückeln finde ich jetzt auch nicht wirklich besser. ich stolpere beim anblick und schlage hastig den fluchtweg ein.

hmmm, sollte ich mir diesen zahlencode besser doch einprägen? vielleicht verschafft er mir einen vorteil im kampf mit den außerweltlichen mächten, und ich komme doch mit heiler haut davon? vorsichtshalber mache ich mal ein foto. weil: auf mein gedächtnis ist in angstsituationen auch nicht 100%ig verlaß.

ob auf der spraydose fingerabdrücke der aliens zu finden sind? und wenn ja, wie könnte es mir gelingen, diese zu sichern und irgendeiner spezies zuzuordnen, die doch noch niemals jemand zu gesicht bekommen hat? findet ihr nicht auch, daß dieser pfeil hier sehr nach einem gebotsschild aus unserem straßenverkehr aussieht? ich stelle mich mental auf gewaltsamen ideenraub ein. wie kann ich meinen kopf dagegen schützen? hätte ich doch nur einen fahrradschutzhelm… aber nee, fbi-agentin wortfeile möchte eben lieber hübsch aussehen, wenn sie angefahren oder von aliens ihrer gedanken oder gar ihrer erinnerungen beraubt wird. ihr in diesem fall typisches weibchenveralten könnte also zur fiesen falle werden.

merkwürdig… nochmal die leipziger skyline mit der zahl 219. was hat das zu bedeuten? ist das eine hausnummer? kommen sie da heute nacht an und gar nicht hier? und dann entdecke ich rechts noch eine internetadresse. die haben das bei den alien-street-view-aufnahmen ähnlich illegal gehalten wie go:ogle. einfach router, ip und zugehörige websiten abgespeichert. anders kann ich mir das jetzt mal nicht erklären. die sind echt auf datendiebstahl aus. von wegen: wir kommen in friedlicher absicht! *pöööh* ich glaube euch kein wort!

und das hier muß wohl dann schon eine utopische version der besetzung von leipzig durch außerirdische sein. die kontrollieren die zugänge zur stadt mit einem stacheldrahtzaun, an dem schon blut klebt. und unten drunter wabert eine grüne masse, die das herz der stadt erobert hat. ieeeh, ich mag glibber ja üüüberhaupt nicht!

das hier sieht mir beinahe aus, wie das herz des alienaußenpostens, die schaltzentrale. aber ihre geräte oder waffen haben sie alle mitgenommen. wie komme ich bloß aus dieser klitzekleinen angstkrise wieder heraus?

ja, daß da nüscht mehr zu holen ist, sehe ich auch. die werden doch nicht eine schwangere anarchistin entführt haben, um eine chimäre zu kreiern? langsam wird mir der ort immer unheimlicher.

es riecht auch nach rauch, immer stärker. ich kann die richtung nicht orten. bei der suche nach der geruchsquelle blicke ich dann in das gesicht dieses monsterdinos. über mir ist wieder fluglärm wahrzunehmen. draußen tönen die sirenen von rettungsfahrzeugen. es scheint eine ganze armada anzurücken. doch ich blick wie angwurzelt und gebannt in diese zackenfresse. zu viele eindrücke auf einmal. in meinem kopf überschlagen sich gedanken. woher? wohin? was soll ich nur tun? wie kann ich sowohl aliens als auch polizei entkommen?

to be continued…

farbe bekennen 2010: schwarz-weiß

heute wird es kontrastreich, ziehen die nichtfarben schwarz und weiß in den krieg, betreibe ich absichtlich schwarz-weiß-malerei, nee, nee, nee -fotografie. das möchte frau himbeermarmelade nämlich nur farblich in dieser woche für das projekt farbe bekennen 2010. ich habe auch in den 16 wochen keine kampfhähne in kontrastkleidung getroffen, nur ein paar anhänger der schwarz-bunten szene beim wgt 2010 in leipzig. die sahen aber sehr friedlich und eher romantisch aus. ich will den frieden auch nicht weiter stören, denn das erledigen andere ja auch oft ohne  wunsch oder auftrag. vielleicht hat einer der anderen farbenbekenner im flickr-pool ja eine solche szene abgelichtet oder gar gemalt.

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das erste foto zeigt mein geliebtes „mistvieh“, auch katze genannt, frau galotti, deren schwarz-weißes fell immer ganz besonders leuchtet, wenn ich mit ihr in der badewanne ball spiele. sie ist schon ziemlich gut im tor und hechtet beinahe jedem ball hinterher. der abstrakte vogel (?) auf dem zweiten bild hing in der street-art-ausstellung im pöge-haus. leider kann ich die signatur nicht entziffern, wenn das zufällig jemand weiß oder erkennt, dann bitte einfach im kommentarbereich melden. und die die frage „war’s das?“ (schon), stelle ich mir auch oft. meistens bekomme ich keine antwort darauf. den wandschriftzug habe ich ebenfalls im pöge-haus abgelichtet. die dame- bzw. mühle-spielsteine sind wie so oft aus dem grassimuseum für angewandte kunst (keine sorge, ich habe noch mehr fotos an diesem ort geknipst ;-)). das pixel-roboter-stencil ziert eine hauswand in der arndtstraße in der leipziger südvorstadt. wenn wir nicht von außerirdischen gesteuert werden, dann befinden wir uns wenigstens schon unter der kontrolle von maschinen. das doppel-m-logo der alten messe leipzig befindet sich am osttor des geländes. dieser alte zeitungsfetzen mit einer kritik über bertolt brecht  flatterte dort auf dem platz im wind herum. die verwitterte nummer der messehalle drei klebt an einer alten tür. der schwarze rabe ist nicht für den maroden zustand der ehemaligen messehalle zuständig, sitzt aber wohl ganz gerne auf dem aussichtspunkt. und als letztes wird mit dem wächter-lichtschalter auf den kontrast von hell und dunkel hingewiesen. denn schwarz und weiß ist auch ein unterschied wie tag und nacht.