maschinell erstellte absage

mein antrag auf medizinische rehabilitation wurde von der rentenversicherung abgelehnt. und so sehe ich mich nach einem wutanfall und einem herben rückschlag auf dem wege der rekonvaleszenz momentan gezwungen (wieder so ein müssen, aber eigentlich kaum können), in widerspruch zu gehen. ich bin seit mitte august wegen burnout (oder tacheles: depression) krank, mal gehts besser, mal schlechter. aber ich weiß nie genau, wo mein streßpegel gerade ist. manchmal traue ich mich gar nicht vor die tür, manchmal sehe ich durch die menschen einfach hindurch. ich kann mich kaum auf ein gespräch konzentrieren, bin vergeßlich ohne ende. und ich habe keine lust mehr, meine krankheit zu verstecken. aber öffentliches weinen ist und bleibt ein tabu. gerade mal bei trauerfeiern oder vor glück wird es geduldet, besser aber wäre, mensch würde selbst dann noch haltung bewahren. und all jenen, die jetzt sagen: ehhh, hat DIE ’ne vollmeise, denen sei gesagt, daß DIE nicht naturgegeben ist, DIE wird aber auch vererbt, daß DIE jeden treffen kann, eiskalt erwischen, aus dem hinterhalt, dem nichts, von einen tag auf den anderen. man kann dann nicht mehr auf „alles ist so toll und bunt und hübsch, und wir sind alle glücklich und wer so nicht ist, der ist raus“ umschalten. ich bin einfach nur traurig und reagiere mit starken panikattacken auf neuerlichen „streß“, der in relation zu dem, was ich früher geleistet habe, also vor der erkrankung, wie ein klacks erscheint. lächerlich. ich habe mehrere jahre lang aus verschiedenen gründen (sagen wir zwängen) in zwei jobs über 75 stunden pro woche gearbeitet. die arbeit würde bei einer 38-stunden-woche locker für zwei reichen, und dann könnte man sogar das ständige schweinsgalopp etwas mildern. bezahlt wurde aber immer nur für eine, die sich damit gut über wasser halten konnte, aber ständig eine hand ausstreckte, griffbereit zum rettungsring. ich habe in zehn jahren sage und schreibe einmal sechs tage urlaub gehabt (meine rekonvaleszenzreise auf die insel hiddensee), ansonsten habe ich in einem job mal urlaub genommen, um im anderen mehr arbeiten zu können. die arbeitssituation ist völlig vertrackt, ein existentiell bedrohlicher teufelskreislauf. wenn ich einen aufgebe, schaffe ich es knall auf fall unter den regelsatz von unserer gnädigen ursula zu fallen.

ich weiß, ihr würdet viel lieber hier ein paar bunte meldungen aus dem bereich „gemischtes“ lesen. aber boulevardeske unterhaltung war noch nie mein fall. ich bin zutiefst melancholisch, eine seite, die nur selten ans tageslicht treten darf, wenn ich unter engsten freunden bin, was im blog nicht der fall ist. denn in unserer spaßgesellschaft ist melancholie nicht gern gelitten. wer das nicht ertragen kann oder will, dem sage ich hiermit auf nimmer wiedersehen. wer es versteht und lieber ver/schweigen will, auch gut. denn ich werde mich nicht in einen stets überglücklichen, rundum zufriedenen menschen verwandeln, wenn die umstände es verhindern oder nur, weil jemand anderes das so lieber will.

aber wenn jemand eine idee oder gar erfahrung hat, wie ich in meinem kurantrag formuliere, daß meine erwerbsfähigkeit gefährdet ist, weil ich einfach mal zwei jobs habe, in denen man punktgenau, termingerecht, immer auf 180, immer voll konzentriert, am besten perfekt (ich nenne mal nur das korrekturlesen) arbeiten muß, das aber alles im moment aus einer chronischen überbelastung heraus nicht mehr kann, auch nicht bereit bin, in eine klinik zu gehen, weil mir meine freiheit als mündiger mensch mehr bedeutet, als ärztlich-pflegerische gängelung, weil mir die eine woche ostsee sehr gut getan hat, als sich mal mein umfeld für längere zeit komplett änderte, es aber im alltag noch nicht realisierbar ist, weil ich solche schwierigkeiten habe, meine leistungsfähigkeit und meine ansprüche überhaupt zu mindern, weil ich trotz krankschreibung rund um die uhr erreichbar bin, weil ich mich am telefon auch immer noch für meine abwesenheit erklären muß. die rv treibt mich ja bewußt zu dem punkt, lieber in einer klinik zu verschwinden, weg vom fenster zu sein, auch wenn ich nicht den leisesten selbstmordgedanken hege. muß ich mich selbst töten wollen, damit man mir hilft? scheint wohl so bei einem kranken gesundheitswesen.

ossip mandelstam – bedrücktes schweigen

bedrücktes schweigen können wir nicht leicht ertragen –
daß seelen schwächeln, schließlich, wird nicht gern gelitten!
ob er wohl störe, sprach, der kam, was vorzutragen,
und freudig grüßen wir den mann: wir bitten!

ich wußt‘ auch so, wer hier war, unsichtbar zu dienen:
der alptraummensch liest für uns »ulalume«.
der inhalt weltlich und das wort nur ein gebrumm,
solang phonetik dienstbar ist den serafimen.

und edgars harfe sang das lied vom haus der usher,
vom wasser trank der irre, sah auf und schwieg versonnen.
ich war schon auf der straße. es pfiff altweibersommer, –
die gurgel wärmt ein seidenschal, der kitzlig ist, und raschelt.

1913 (via)

update: nomen est omen


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40 Antworten zu “maschinell erstellte absage

  1. das ist scheiße, echte scheiße. nein, ich habe leider keine ahnung, wie man solch einen antrag formulieren könnte. oder ob man sich der rv gleich mit aufgeschnittener pulsader vor die tür schmeißen muss. (ich wusste nicht einmal, dass die rv für kuren zuständig ist, ich dachte, die kv).

    ich überlege ebenfalls hin und her, wie ich eine kur beantragen könnte. mir stehts nämlich auch oberkante unterlippe, auch wenn ich keine depressionen bekomme, jedenfalls nicht chronisch. ich fürchte einfach, körperlich zusammenzubrechen. es gibt nichts prophylaktisches mehr, das kind muss scheinbar immer erst in den brunnen gefallen sein. genau diesen gedankengang kenne ich auch.

    gibt es nicht noch andere finanzierungsmöglichkeiten für eine kur? diakonie, stiftungen oder oder? ich muss mich da selbst schlau machen.
    (und ich sag jetzt nicht: kopf hoch, das wird schon.)

    • mutter-kind-kuren gibts über die krankenkasse, wer selbstständig ist, beantragt die kur bei der rv. nee, die rv will sehn, daß eine kur etwas bringt, ich als hoffnungsvoller fall eingestuft werde. ich schaffe den alltag gerade noch so ohne hilfe, aber die jobs? das wäre der reine wahnsinn. stell dir mich weinend am messestand auf der buchmesse vor :roll:. ich hab in sekunden wieder vergessen, ob ich eine tablette genommen hab oder nicht oder wo der zettel mit den wichtigen notizen hin ist. dabei kann nur ich das verlegt haben. bloß: wohin?

      du gehst zu deiner hausärztin, schilderst ihr ehrlich (vor allem dir selbst gegenüber) die situation und dann wirst du sehen. über mutter-kind-kuren steht vieles auf den webseiten der krankenkassen. die werden eher mal genehmigt. ansonsten muß man selbst vorsorgen, was ich zeitich nie geschafft habe. wenn die rückenschule 19.00 uhr beginnt, arbeite ich noch. wenn der letzte yoga-kurs zu ende ist, bin ich vielleicht schon auf dem heimweg von der arbeit. und wenn ich urlaub nehmen willl, werde ich gefragt, ob ich nicht vorarbeiten kann! wann soll ich das bitteschön noch tun? ganz auf unruhigen schlaf verzichten?

      das blöde ist doch, daß ich burnout habe. wenn ich jetzt anfange, nach spendern zu suchen oder nach entspannungskursen, dann mal hier, mal dort probiere, bedeutet das: noch mehr streß, ich komme aber nicht zur ruhe…

  2. *fällt nix mehr dazu ein* Alles Gute! (und danke für die hilfreichen Kommentare drüben bei mir)

  3. Ich glaube, es ist gar nicht so, dass niemand die traurigen Seiten seiner Mitmenschen sehen will. Ich glaube, man würde sogar mehr Unterstützung bekommen, als man einfordert. Wenn ich mal so in allen Blogs rumschnarche, dann trägt jeder so sein Päckchen mit sich herum und schreibt auch hin und wieder darüber, denn wer es nicht lesen will, der liest es eben nicht. Nur in der Realität möchte man niemanden belasten, oder fühlt sich schwach, wenn man seine Probleme offen darlegt.
    Ich wünsche dir ganz viel Kraft, dass du wieder auf die Beine kommst. Deine Situation geht mir sehr nahe, weil es schlimm ist, dass Menschen so an ihr Grenzen getrieben werden, nur um ihre Existenz zu sichern. Ich glaube aber, du schaffst das, denn du trägst dein Herz am rechten Platz.
    Ganz liebe Grüße,
    Nissa

    • liebe nissa,

      das ist es ja eben – ein gratwanderung zwischen noch selbständig entscheidungen treffen zu können oder aber in hilfsangeboten zu erstickenn, die in der menge auch irgendwie erschlagen. es ist mir auch aufgefallen, daß viele schon an depression erkrankt sind, aber eher selten an den begrabenen geistern rühren. in einem akuten fall wie meinem ist das auf dauer das schwerste, diese ausreden, rechtfertigungen, warum man das nicht kann und nicht will und nicht im büro sitzt. ich habe manchmal das gefühl, als würde depression ansteckend sein. also wenn jemand traurig ist, diese trauer zeigt, dann zehrt das auch an den kräften des engen umfelds und zwar massiv. deswegen zögert der verstand, die seele verkrampft sich weiter.
      leider ist die psychologin gerade im urlaub. ich hatte im forum gelesen, daß eine stellungnahme gut wäre. die habe ich bisher von der hausärztin, die mitbehandelnde psychiaterin ist gar nicht auf mein anliegen eingegangen, sondern hat mir nur geraten, was ich schreiben soll. das habe ich bis auf ein paar halbsätze natürlich längst wieder vergessen :roll:.

      ich habe immer noch so viel hoffnung, über die stöcke zwischen den beinen falle ich, stehe wieder auf und mache weiter. eine schwere depression ist wohl anders. ich sehe noch so klar und ziehe mich an den haaren aus dem suppentopf.
      danke für deine guten wünsche für meinen holprigen weg!
      herzlichst,
      frau w.

  4. Dein letzter Satz ist sehr aussagekräftig und wahr.
    Erst wenn du einen Suizid vorgetäuscht hast…müssen ja nicht die Pulsadern sein, dann kommst du hinter Gitter, in die geschlossene, aber das legt sich, sobald die ersten Gespräche sattgefunden haben…und immer schön weiter drohen…sonst wird das nix.
    Eine Bekannte hat das jetzt schon 5 x praktiziert, sie kam immer für 12 Wochen in die Psychiatrie. Es ging ihr blendend, sie hat sich wohlgefühlt.
    Traurig…aber wahr !!

    • liebe marianne,

      ich will nichts vortäuschen. und ich traue den ärzten in der geschlossenen alles zu – von telefonabhören bis rauchverbot. das fehlte gerade noch :evil:. ich hab schon mehrmals ärzte im krankenhaus angeschrien, wenn ich mich bevormundet gefühlt habe, was sehr häufig vorkommt und nur selten wirklich sinn macht. deswegen kann ich das nicht. ich beiße mich jetzt da durch!

      liebe grüße

  5. Natürlich würde ich gerne etwas Erfreuliches lesen, aber nur, wenn es wahr ist. Mutig, dass du schreibst, wie es ist und nichts beschönigst. Vielleicht ein wichtiger Schritt. Ich lese Blogs nicht nur um des Vergnügens willen, also habe ich kein Problem hier mit dem Eintrag, außer natürlich, dass es mir Leid tut und ich nicht helfen kann …

    Verstehe ich das richtig, dass du ins Krankenhaus sollst, dass du aber eine ‚Kur‘ anstrebst?? Leider habe ich keinen Tipp, wie man das durchsetzen kann – außer Arzt fragen oder hartnäckig sein (was natürlich gerade in deiner Situation schwer ist). Das Einzige, was ich tun kann, dir ganz feste wünschen, dass in deinem Sinne entschieden wird und das möglichst schnell.

    • die rentenversicherung hält eine „krankenbehandlung im rahmen der krankenversicherung für ausreichend“. das heißt ambulante psychotherapie, da wartet mein name auf einer liste bis „nach der kur“ (haha) oder tagesklinik, aber da gibts ebenso wartelisten. durch diese verzögerungstaktik weichen viele wirklich aufs krankenhaus aus, weil sie es ohne professionelle hilfe nicht schaffen. ich habe auch das gefühl, das ist bittere absicht. wenn die höherdosierung nichts bringt, weiß ich letztlich nicht, ob und wie lange ich es alleine schaffe, denn der druck von außen wird härter (die beiden arbeitgeber haben auch nicht ewig geduld).
      jetzt muß ich erst mal bis montag warten und meiner psychologin, die ich ja nur vom erstgespräch her kenne, eine stellungnahme aus dem kreuz leiern,
      ich danke dir sehr für deine guten wünsche und hoffe, daß ich bald mal irgendwelche erfreulichen botschaften vermitteln kann.

      • da würde ich auch energisch widersprechen. ambulant bedeutet noch mehr stress, noch mehr termine (das hast du ja schon selbst geschrieben). dann wünsche ich dir viel kraft, hartnäckig zu bleiben und deinen wunsch durchzusetzen.

        • er ist so zäh dieser behördenbrei. im moment wühle ich mich gerade durch diverse foren, um tips zu bekommen. ich habe auch einen widerspruch aufgesetzt, weiß aber nicht, ob der nicht ein bißchen vermessen klingt. das blöde ist ja daß ich meine situation immer noch so gut durchschaue :roll:. ich ziehe das jetzt durch.

          • mach das. keine angst vor vermessenheit (sag ich mal). je nachdem, auf wen du triffst, macht deine entschlossenheit eindruck. viel glück!!!

            • ich hoffe, daß ich morgen wieder entschlossener wirke als im moment. ich weiß diese zuversicht verläßt mich gerne mal für augenblicke, flackert irgendwo und entzündet sich neu.

              danke, liebe ingrid, das wünsche ich jedem.

  6. Liebe Wortfeile, meine Krankheit, die mich ja meist im gegensätzlichen Zustand zu dem deinigen sein lässt, hat mich zu Westzeiten mehr oder weniger 3 Arbeitsstellen gekostet, aber zum Glück war nie Existenzangst damit verbunden, weil ich immer auf finanzielle Unterstützung hoffen konnte. – In depressiven Zeiten konnte ich weder Auto noch Fahrrad fahren, habe nur geheult, der kleinste Fehler am Computer ließ mich verzweifeln. – Ich bin medikamentös recht gut eingestellt und habe auch so einiges andere unternommen. Ich glaube sehr gut zu wissen, wovon du schreibst. – Ich kenne es nicht anders, als dass die Antragsteller in Widerspruch gehen müssen – und beim zweiten Mal wird es meist genehmigt, weil nur die Hartnäckigen widersprechen.
    Ich kenne Rehakliniken sehr genau – 10 Jahre lang habe ich bei dem bundesweit größten Betreiber von solchen gearbeitet. Siehst du wirklich so einen Riesenunterschied zum Akutklinikbetrieb? Ich meine in bezug auf Beschneidung der persönlichen Freiheit? Du schreibst: „weil mir meine freiheit als mündiger mensch mehr bedeutet, als ärztlich-pflegerische gängelung,“
    Wenn der Arzt in der Rehaklinik den akuten Zustand deiner Krankheit feststellt, wird er ähnlich wie der Akutarzt handeln.
    Vielleicht hast du es auch schwer bei der Genehmigung, weil du auf keine lange Behandlungszeit beim Akut-Arzt verweisen kannst.
    Kämpfe oder nimm dir Ruhe, egal was, Hauptsache es tut dir gut und belastet dich nicht.
    Mit ganz lieben Grüßen für dich von Christine

    • liebe clara,

      ich weiß, daß du darin viel lebenserfahrung hast und sicher manch bittere pille schlucken mußtest. ich habe eigentlich keine ahnung, wie sich eine psychiatriestation von anderen krankenstationen unterscheiden soll. und ich weiß sehr genau, wie man mich dort behandelt hat, nämlich nummernmäßig. das hat mich zu dem ein oder anderen wutausbruch getrieben. ich bin kein akutfall, weil nicht selbstmordgefährdet. und vieles kriege ich noch selbst gebacken. ich lege mich kurz in die ecke und heule, dann ist’s irgendwann wieder gut. ich bin einfach nicht mehr voll belastbar, es schwankt so zwischen 50 und 75 prozent. der gedanke an MÜSSEN macht mir allgemein sehr viel angst im moment. soweit ich weiß, werden kuren oft beim ersten antrag abgelehnt. und dann schaut man mal, wie viel wege ein antragsteller noch erledigen kann, wenn er die kur wirklich will. zur ruhe komme ich freilich nicht, weil auch eine erneute ablehnung droht. ich bleibe weitestgehend untherapiert. und das ist echt scheiße.

      liebe grüße zurück!

  7. Liebe Wortfeile,
    ich finde deinen Beitrag hier sehr, sehr mutig, weil die Gesellschaft eben so ist, wie du sie beschrieben hast. Ich gebe April recht, vielleicht ist das ein wichtiger Schritt, denn Verstecken und Verbergen hilft leider nicht.
    Ich weiß nicht, wie man einen Antrag an die Rentenversicherung formulieren muss, dass eine Kur zur medizinischen Rehabilitation gewährt wird. Sprich morgen mit deiner Psychologin. Die weiß sicher Rat, denn du wirst nicht die einzige mit solchen Problemen sein.
    Vielleicht solltest du auch mit der Krankenkasse sprechen oder mit einer der Reha-Servicestellen: http://www.reha-servicestellen.de/internet/vdr/rhss.nsf/RHSSSearch?OpenForm
    Manchmal muss einfach geklärte werden, welcher Träger zuständig ist. Zugeknöpft sind sie alle und schieben sich auch die Arbeit gegenseitig zu.

    Es tut mir so leid, dass ich dir nicht weiterhelfen kann. Dein Beitrag hat mich sehr berührt und ich schäme mich jetzt auch nicht, wenn mir die Tränen kommen.
    Es gibt keine „immer-nur-heile-Welt“. Das weiß eigentlich jeder und das erwartet auch keiner. Insofern mach dir keine Gedanken. Ich werde dich weiterhin besuchen auf dem Blog, mit dir Lachen, wenn die Tage gut sind und eben auch mal mit dir weinen, wie eben jetzt.

    Liebe Grüße, die Gudrun

    (In den Kliniken hat sich viel getan – rede mal mit deiner Psychologin)

    • liebe gudrun,

      nun weine du nicht auch noch. ich weiß, wie sehr dir das ans herz geht, weil du eben eines hast, das empfindlicher reagiert als andere. *umärmel*
      die psychologin ist leider erst am 8. november wieder da. sie macht urlaub von unserem leid, was ich wirklich sehr gut nachvollziehen kann. ich weiß, daß die rv mitteldeutschland in leipzig zuständig ist, kenne sogar den namen meiner sachbearbeiterin. aber anrufen? hm, ja, vielleicht.
      ich habe den widerspruch für mich jetzt schon mal ausformuliert. den inhalt und die form werde ich dann am montag mit meiner psychologin besprechen.
      ich bin eben deinem link gefolgt und mußte plötzlich herzhaft lachen. guck mal gleich im update des beitrags.

  8. so ein mist. dir würde die reha sicher sehr helfen. ich weiß von einigen brustkrebspatientinnen, dass ihr antrag abgelehnt wurde. sie haben sofort widerspruch eingelegt. hilfreich soll auch sein, ein anschreiben des behandelnden arztes beizulegen, der das ausdrücklich empfiehlt. und ein persönliches anschreiben von dir, in dem offen zum ausdruck bringst, WIE schlecht es dir tatsächlich geht und WIE sehr du die reha brauchst. ich drücke dir ganz fest die daumen, dass du es durchboxen kannst.

    alles liebe *umarm* deine katerwolf

    • liebe katerwolf,

      bei krebspatienten ist das ja auch wirklich notwendig. die diagnose ist hart. depression kann aber auch zur tödlichen falle werden, wenn sie unbehandelt bleibt. deswegen kümmere ich mich ja so, damit ich nicht an sowas vollkommen blödes denke. das anschreiben von der hausärztin bekomme ich mittwoch. die psychologin ist erst montag wieder da, sie hatte mir aber auch eins zugesichert, FALLS abgelehnt wird. komischerweise häufen sich gerade die fragezeichen in meinem leben.
      es darf mir auch nicht zu schlecht gehen, denn sonst wäre ich ein fall für das krankenhaus. das wird ein balanceakt.

      ich bin wortfeile klitschko :evil:.

      dank dir und alles liebe zurück!

  9. Es ist schon so viel geschrieben – ich schließe mich dem an. Und füge hinzu:
    Meine Telefonnummer hast du. Die Angebote stehen. Und ansonsten höre ich mich natürlich um, was man eventuell noch tun könnte!!

    Als damals die Bestrahlung des Tumors im Rücken meiner Tochter nicht bezahlt werden sollte, telefonierte ich mit der Hauptverwaltung der Barmer und sagte wörtlich:
    „Mir ist klar, dass Sie die Bestrahlung mehr kostet, als eine Bestattung meiner Tochter. Sollten Sie sich weiterhin weigern, werde ich mich an Escher wenden und einen Spendenaufruf starten.“
    Danach erhielt ich plötzlich die Kostenzusage. Ihnen wurde wohl klar, dass ich ein riesiges Fass aufgemacht hätte.

    Nun wird dir das nicht viel nützen, denn wie du selbst schreibst, es kostet Kraft. Unendlich viel Kraft, die du eben jetzt nicht hast.
    Mit dem Thema Spenden bin ich jedoch noch nicht durch. Vielleicht sollte man das wirklich angehen. In welchem Kostenrahmen bewegt sich so eine Kur? Gibt es da Kostenbeispiele?
    Und sag mal, deine Arbeitsstelle – eigentlich sitzt du doch, was publik machen anbelangt, an der Quelle. Kann man da nichts machen? Es bewegt ganz sicher die Öffentlichkeit, denn ein Einzelbeispiel wirst du, so traurig das Ganze auch ist, nicht sein.

    Kopf hoch, liebe Frau W., das wird wieder!!!
    Hier denken so viele liebe Menschen an dich, schicken dir gute Gedanken, ich bin sicher, das wird wieder!!

    Liebe Grüße
    Heike

    • liebe heike,

      ich sitze nicht wirklich an der quelle. ich bin da völlig im kokon in meiner fabelhaften redaktion. und so fernsehöffentlich würde ich das jetzt nicht machen wollen. mir ist es wichtig, daß ich datenschutzrechtlich geschützt bleibe. die öffentlichkeit liebt es, wenn promis ihre birne ins fernsehen halten, aber nicht der durchschnittsbürger, denn an dem orientiert sich niemand. man braucht abgötter, luftgestalten, um das medial bestens zu inszenieren, das bringt quote. ich? niemals.

      ich weiß deine hilfe sehr zu schätzen. bis mitte nächster woche stehen ein paar wichtige dinge hier an. vielleicht komme ich wirklich auf dein angebot zurück. ich habe keine ahnung, was eine kur kostet. aber wenig ist das bestimmt nicht. was mich wirklich im moment verblüfft und immer wieder überrascht, ist, daß ich mich selbst wie ein rohes ei behandeln muß. und das fällt mir schwer.

      ja, ihr lieben da draußen! danke für die stärkenden gedanken, die ihr mir sendet. *schneuz*.

      liebe grüße von frau w.

      • Ein Rehatag kostet so zwischen 300 und 400 Euro, so war es jedenfalls noch vor einiger Zeit, ein Akutplatz in der Chirurgie mit viel Technik kostet fast das doppelte. – Allerdings sind meine Kenntnisse da nicht mehr ganz auf dem neuesten Stand.
        Krankenhausaufenthalt hat nicht nur für hochakut suizidgefährdete Patienten eventuell einen Sinn, aber freiwillig muss das schon passieren, sonst bringt es mehr Schaden als Nutzen.

        • doch so viel. aber es wird auch viel in der reha angeboten. viel technik brauch ich wohl eher nicht. hm, an dem freiwillig hapert’s im moment. noch denke ich: da kriegen mich keine zehn pferde hin. ich werde sehen, wie sich das entwickelt. wenn es schlechter wird, bleibt sowieso nicht viel anderes mehr übrig.

  10. Nein, liebe Frau W.,

    du brauchst nichts Buntes in der Rubrik „Gemischtes“. Hut ab vor all deiner Offenheit. Dieses Problem betrifft längst so viele Menschen. Das ist längst kein Tabu-Thema mehr. Aber du spricht dennoch über eine Krankheit, über die sich viele keinen wirklichen Eindruck verschaffen können. Manche meinen, es sei einfach eine Blabla-Überforderung…ja klar. Ich habe ja auch Streß… usw. Niemand kann verstehen was man erlebt, wenn man in einer solchen Situation steckt, wenn er sie nicht selbst erfahren hat. Und wenn nur ansatzweise.

    Was auch immer geschieht, du darfst nie, niemals aufgeben!

    Alles Liebe, Emily

    • liebe emily,

      leider stimmt das. es werden immer mehr, die zusammensacken, weil sie dem druck nicht gewachsen sind, weil die lage nicht überschaubarer wird, sondern sich im gegenteil weiter verschärft. oft sagt man den überforderten nach, sie wären nicht belastbar. auch das stimmt erst ab dem moment der erkrankung. vorher reißen sie sich um alles, was ausbrennt, identifizieren sich mit ihrem job, blühen regelrecht auf. und irgendwann können sie nicht mehr halt sagen. ich kenne mittlerweile alleine in leipzig drei menschen persönlich, die ebenfalls betroffen sind. und das habe ich nur erfahren, weil ich offener geworden bin, weil der austausch untereinander wichtig ist. dieses ganze totarbeiten für nix und widernichts entspricht auch so gar nicht meiner vorstellung von leben. und dennoch bin ich vollends reingeschlittert.

      ich geb nicht auf, keine sorge. ich weiß, wo ich hingehen muß, wenn es brennt.

      liebe grüße,
      frau w.

      • Vielleicht muß man manchmal irgendwo reinschliddern, bevor wir das Wichtige erkennen können. Möglicherweise werden wir dann erst wach und können uns auf das wirklich Wichtige konzentrieren. Dann hat man es hinter sich 😉

        Schlaf‘ recht schön, Emily

        • so isses wohl auf den punkt gebracht. auf jeden fall weiß ich im realen leben schon wieder, auf wen ich bauen kann. das ist mir sehr wichtig und gibt einen halt.

          schlaf du auch gut!

  11. Ich finde es gut, dass du das hier schreibst. Es lässt uns besser verstehen. Und wer das nicht wissen mag und ertragen kann und nur lustige Beiträge lesen möchte und bunte Bilder sehen, den lass ziehn.

    Die Ansprüche an dich und deine Leistungsfähigkeit sind meiner Meinung nach einer der Schlüssel. Keiner kann immer volle Pulle und bis zum Anschlag arbeiten. Keiner kann und sollte immer 100% erbringen (wollen).
    Das ist, als wenn man ne Kerze von zwei Seiten abbrennt. Sie macht schön viel Licht, aber nicht lange.

    Um dir wirklich raten zu können, müsste ich wissen, was deine beruflichen Alternativen sein könnten.

    Es gab einmal eine Zeit, da ging es mir so ähnlich wie dir. Aber nicht ganz so schlimm. Und ich habe meine Ansprüche drastisch zurück gefahren und auch einen Plan B vorbereitet. Wenn alles wie ein Kartenhaus zusammen fallen sollte, dann steig ich aus und lebe – ähnlich pur wie du es auf Hiddensee erlebt und genossen hast – auf ganz einfacher Basis mit ganz wenig Druck und noch weniger Geld.

    Ich würde dir so gerne einen Lösungsweg aufzeigen. Aber das kann ich leider nicht. Für den Moment wünsche ich dir, dass du aus der tiefen Traurigkeit heraus findest und wieder ein bisschen Mut schöpfen kannst.
    Ich drück dich.

    • ja, jetzt ist die katze aus dem sack. und es fühlt sich nicht schlechter als vorher an. eher macht sich eine art von erleichterung breit. ich hoffe, daß es nicht zu lasten anderer geht.
      ich bin ja im moment nicht mehr leistungsfähig. ich teste aus, scheitere – try & error. ich weiß im moment selbst nicht so genau, wie ich mir wieder „erfolgsgefühle“ verschaffen kann. das joggen war nicht schlecht, darf aber nicht zum neuen ballast werden. deswegen werde ich es morgen mit einem langen spaziergang versuchen.

      als geisteswissenschaftlerin ist man ja ziemlich flexibel. aber ein paar berufe gehen einfach nicht mehr, weil von vornherein klar ist, daß voll einsatzbereitschaft und permanente präsenz erforderlich sind. vom zeilenschinden kann ich auch schlecht leben. mir geistert das korrekturlesen als alternative im kopf rum, weil ich dann still und zurückgezogen für mich und nach meinem tempo arbeiten kann. es wäre wichtig, den geregelten tagesablauf – auch und vor allem, was die ernährung angeht, in den berufsalltag zu integrieren. ich lasse in streßzeiten gerne mal mahlzeiten aus. meinen einen job würde ich gern weitermachen, er ist eine leidenschaft von mir. und dort arbeite ich mehr als das doppelte, was bezahlt wird. ich hab da bereits klärende gespräche im auge und auch schon mal angetestet. man versteht mich, man will mich gerne behalten, ob es eine lösung gibt, ist unklar.

      ich suche jetzt auch intensivst nach einem ausweg, ganz aussteigen ist mir eine spur zu vage. andererseits kann ich eben auch schlecht bewerbungsgespräche führen usw. ich vertraue ein bißchen in die idee, die ich habe. es wird mich nicht reich machen, das strebe ich auch nicht an, aber vielleicht nimmt es den druck. wenn es mehr darüber zu berichten gibt, melde ich mich.

      viele, viele menschen haben solche phasen schon durch. und ich spüre das bei manchen mehr, bei manchen weniger. ich wollte, es wären weniger, die sich irgendwann nicht mehr selbst helfen können.

      dank an dich, liebe chinomso, für deine lieben wünsche und fürs „zuhören“. ich hab gestern schon ein mutbad genommen. mal sehen, wie die welt morgen aussieht.

      fühl dich zurück gedrückt von frau w.

  12. „ich weiß, ihr würdet viel lieber hier ein paar bunte meldungen aus dem bereich “gemischtes” lesen.“

    Hör mal, Schatzeline, was Du beschreibst gehört zum Leben dazu. Und jeder Idiot sollte inzwischen kapiert haben, dass es jeden jederzeit treffen kann. Wer da noch so überheblich ist und davon ausgeht, dass es ihn ja nie treffen wird, der kann erst gestern von irgendeinem Baum gefallen sein.

    Ich bin sogar froh darüber, dass Du es schreibst. Denn solange Du es nicht benennen kannst (willst), kann Dir auch nicht geholfen werden. Es auszusprechen und vor allem klar zu sagen „ich brauche Hilfe!“ ist ein unglaublich wichtiger Schritt!

    Was die Ablehnung betrifft, geh mal davon aus, dass Anfragen wie Deine bereits in der Telefonzentrale per Textbaustein abgelehnt werden. Ich glaube nicht, dass sich damit bisher ein Mensch tatsächlich beschäftigt hat. Bleib dran und kämpf für Deine Rechte oder lass darum kämpfen. Auch dafür gibt es Hilfe!

    Zum Klinik-Aufenthalt: Eine Freundin von mir war damals ganz kurz vor einem kompletten Zusammenbruch in Berlin in eine Klinik eingeliefert worden. Ich weiß den Namen leider nicht und sicher gibt es auch anderswo entsprechende Einrichtungen. Sie war erst total dagegen, sich „einliefern“ zu lassen. Doch bereits nach wenigen Tagen spürte sie, wie gut es ihr tat. Es ist ein Versuch. Mich würde der Gedanke auch zunächst abschrecken. Aber so wie bisher kannst (solltest) Du auf keinen Fall weiter machen. Eine Klinik bietet ein anderes Umfeld, Du musst Dich nicht selbst um alles kümmern etc. etc. etc. Einen Versuch wäre es doch wert, wenn es nicht anders gehen sollte, hm?

    Ein früherer Bekannter von mir bekam so genannte „Aufheller-Spritzen“, einfach vom Hausarzt. Magst Du danach mal fragen? Vielleicht wäre das ja auch eine Alternative. Ihm haben sie gut geholfen.

    Auf jeden Fall drücke ich Dir ganz fest die Daumen! Fühl‘ Dich umärmelt!

    • liebe skriptum,

      es gibt immer noch menschen, die gerade vom baum gefallen sind, genug. zu viele. ich habe es benannt, nur nicht öffentlich. ich habe von anfang an gewußt, daß es nicht einfach nur erschöpfung ist, daß es mich immer noch mit einem job irgendwie halbwegs abquäle, nimmt mir nicht die last, läßt mich nicht zur ruhe kommen. und da muß sich was ändern. denn ich bin krank.

      wenn nix mehr geht, werde ich diesen weg auch nehmen müssen. aber vorher will ich noch nicht aufgeben. das ist vielleicht irrsinn, vielleicht selbstschutz, vielleicht einfach unrealistisch. ich muß sehen, wie es sich entwickelt. und ihr schreibt alle so viel wichtiges und richtiges und ich bin einfach nur ausgelaugt und kann kaum noch folgen. ich nehme schon tabletten, aber der zustand ist labil geblieben. jede neue belastung führt unweigerlich zu kleinen katastrophen. mal sehen, wie es morgen so ist. ich muß jetzt erst mal ins bett.

      danke fürs daumendrücken und die guten wünsche und ich wünsche ebenfalls erholsamen schlaf.

  13. Ätzend das mit der BfA. Wir haben das ja auch beide durch. Ich schon vor längerem und habe auch erst im zweiten Anlauf damals und mit einer guten Neurologin an meiner Seite meinen Antrag durchgekriegt. Martin war Anfang des Jahres zur Reha. Der Antrag ging glatt durch, sogar die gewünschte Klinik. Nun ist er in der Nachsorge und arbeitet auch wieder.
    Ich kann Dir nur empfehlen, den Antrag von einem Neurologen stellen zu lassen, die wissen meistens, was sie schreiben müssen. Und möglichst schon vorher zu gucken, wo Du hin willst, damit Du nicht in einer deren Kliniken kommst, die sie gerade auffüllen müssen.
    Falls Du da Tipps brauchst, melde Dich ruhig. Wir sind beide relativ BfA erfahren. Ich hab bereits drei solcher Kliniken hinter mir…..

    • ich hab ja ne neurologin, aber die hat gesagt, ich soll bis nächstes jahr warten und einen neuen antrag stellen. so lange halte ich das erst recht nicht ohne hilfe aus, denn es wird ja durch tabletten alleine auch nicht besser. welche klinik kannst du denn empfehlen?

  14. Weit davon entfernt etwas inhaltlich wertvolles zur geschilderten Situation beizutragen, erhoffe ich dennoch das Beste für Dich.

  15. Liebste Frau Wortfeile,
    dass du burnoout und/oder Depressionen hast, war ja schon eine Zeitlang klar. Dass du es endlich aussprichst, ist richtig so.
    Ich brauche keine bunten Seiten.
    Eine gute Bekannte macht immer Schlafentzug. Nur als das nicht mehr half, war sie auch im Krankenhaus, in der geschlossenen Abteilung sogar. Es hat ihr gut geholfen. Nach 2 Wochen war sie wieder da.

    Schreib auf alle Fälle einen Widerspruch.
    Und nun gehst du also doch ins Krankenhaus.
    Auf dass dir geholfen werde.
    Ich denk so viel und oft an dich. Und das wird sich nicht vermindern ♥
    Ich umarm dich ganz lieb.

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